Bezirksliga Staffel 1

Gründe für die Trennung

Bezirksliga 1 (hk). Sladjan Vucetic hat es satt. Nach anderthalb Jahren (schon ab Januar 2016 Scouting für den damaligen Coach Knezevic) als Manager beim SC Bad Salzuflen hat er die Reißleine gezogen und ist wenige Tage nach der Trennung von Coach Miron Tadic auch gegangen. Einen Zusammenhang gibt es nach seiner Einschätzung aber nicht, auch der Kontakt zur Mannschaft ist hervorragend gewesen. Vielmehr hat ihn das Umfeld gestört, was seinen Abgang torpediert hat. Auch SC-Keeper Andreas Wiens und Stürmer Olcay Esen haben den Verein verlassen. Lippe-Kick hat sich auf die Lauer gelegt und Spurensuche betrieben.

Von Henning Klefisch

Nach
dem Match gegen Jöllenbeck ist der 33-jährige Serbe zurückgetreten und hat sich ganz bewusst zunächst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Mit der sportlichen Lage hat das nichts zu tun, auch nicht mit der Mannschaft. Ich bezeichne sie immer noch als meine Jungs", betont Vucetic (Bild rechts). Schon seit einigen Wochen hat er sich mit dem Gedanken des Rücktritts beschäftigt, ist dieser Prozess gereift. Bereits Ende der abgelaufenen Spielzeit gab es die ersten Gedankengänge diesbezüglich. „Der Mannschaft und unserer Arbeit wurde viel zu wenig Wertschätzung entgegengebracht", meint der scheidende Manager gegenüber Lippe-Kick. So hat sich dies wie ein Rattenschwanz gezogen. Er stellt klar, dass „ich mich mit gewissen Ansichten, Abläufen und Aspekten aus dem Vorstand nicht identifizieren kann", bringt dies doch ein erhebliches Maß an „Unruhe und Durcheinander" in den Verein. Kombiniert mit dem „üblichen Gerede" hat dies dafür gesorgt, dass Vucetic sein Amt niedergelegt hat. Auch nach dem Ende seiner Tätigkeit als sportlicher Leiter ist der Kontakt zu seinen Spielern nicht abgerissen. Dem SC Bad Salzuflen wünscht er für die Zukunft alles Gute, „weil da viel Schweiß und schlaflose Nächte von mir drinstecken."

„Wiens und ich haben das Ganze gut gerettet"

Gut kann er sich noch an den plötzlichen Abschied von Knezevic und Neumann erinnern. „Wir standen nur noch mit sieben, acht Spielern da. Andreas Wiens und ich haben das Ganze gut gerettet. Kein anderer vom Verein hat dazu etwas beigetragen", hat das Duo viele Spielerverpflichtungen innerhalb von vier Wochen getätigt. Mit Stolz verweist er auf die Resultate in der abgelaufenen Spielzeit, denn neben der Vizemeisterschaft in der Bezirksliga 1 gab es den Pokalsieg und das Halbfinale bei den lippischen Hallenmeisterschaften. Dass der Fußball ein Tagesgeschäft ist, weiß der Realist Sladjan Vucetic nur allzu gut. „Fußball ist nicht immer schön und das Leben geht weiter", möchte er trotz der schmerzhaften Trennung nicht Trübsal blasen. Für neue Engagements zeigt er sich offen und gesprächsbereit, verfügt Vucetic doch über glänzende Kontakte in der ostwestfälischen Fußballszene und auch zur Wirtschaft.

„Ich möchte den Leuten in die Augen gucken können"

Auch Torwart Andreas Wiens (Bild links) hat die Mannschaft verlassen. Nach dem Jöllenbeck-Spiel (2:5-Niederlage) ist er am Mittwoch danach aus sportlichen Gründen aus dem Tor genommen worden. „Ich persönlich konnte die Meinung nicht teilen, weil ich selbst ziemlich viel mitbekomme. Ich weiß, dass im SC-Vorstand viele Leute nicht wirklich gut mit mir klarkommen", könnte dies nach Einschätzung von Wiens daran liegen, dass er das sagt, was er denkt und dies auch geradeaus. „Ich möchte den Leuten in die Augen gucken können, schwimme auch mal gegen den Strom und spreche Missstände klar an." So etwas können nach seiner Einschätzung gewisse Personen „nicht so gut verkraften." Er spricht von einer „hinterhältigen Art" des Vorstands, wollte er sich so etwas nicht weiter antun. „Die wollten mich weghaben", klagt er bei Lippe-Kick. Trotz der sportlich prekären Lage hätte er sehr gerne in der Mannschaft weiter agiert, da er sich dort sehr wohlfühlte.

Kritik an Tadic' Training

Er glaubt, dass durch den Vorstand Einfluss auf diese sportliche Entscheidung genommen worden ist, weil er als Sündenbock der  fünfköpfigen Führungsspielerriege abgestempelt worden sei. Eine Sache möchte er klarstellen. So sei nicht die Mannschaft gegen Miron Tadic (Bild rechts) als Mensch gewesen, vielmehr prangert Wiens im Namen der Truppe an, dass die Trainingseinheiten „nicht intensiv genug waren." Die fachliche Kompetenz und die Trainingsinhalte zweifelt er nicht an, war aber nach seiner Einschätzung die Intensität unter dem Vorgänger Aleksandar Knezevic deutlich höher. „Die Trainingswoche nach dem Gespräch lief gut. Ich hatte das Gefühl, dass Miron sich die Kritik sehr zu Herzen genommen hat. Alle waren begeistert, dass endlich wieder Zug im Training ist", ist die Trainingswoche durch die anschließende 0:5-Niederlage gegen Oettinghausen fast schon verpufft gewesen. Nach der Klatsche hat Tadic die Mannschaft gefragt, ob sie weiterhin mit ihm zusammenarbeiten möchte. Für Andreas Wiens ist dieser Zeitpunkt mehr als unglücklich. „Ob solch eine Frage nach einem 0:5 so sinnvoll ist, muss jeder selbst beantworten." Der Vorstand hat nach Wiens Aussage ihn als „treibende Kraft" beim Trainerwechsel beobachtet, was Wiens bestreitet. Die Entscheidung, den Verein zu verlassen, hat er konsequent durchgezogen, da er sich vom Vorstand nicht mehr gewünscht sah. Das Tadic-Aus vergleicht er mit dem Ancelotti-Aus beim FC Bayern München, als der Trainer vor allem auch deshalb rausgeschmissen worden ist, „weil mehrere Führungsspieler gegen ihn waren", sagt Wiens und weiß aus langjähriger Erfahrung: „So ist Fußball, so läuft das."

„Die ganze Mannschaft stand hinter Sladdi"

Eine ganz entscheidende Rolle für seine vorzeitige Demission hat auch der Umgang mit dem Manager Vucetic gespielt. „Die ganze Mannschaft stand hinter Sladdi." So sei dieser für Dinge, die keiner machen wollte, gut genug gewesen, während er bei der Trainersuche überhaupt nicht involviert gewesen ist. Für Wiens ist unverständlich, dass Vucetic ausgenutzt worden ist. „So etwas finde ich falsch. Damit kann ich mich nicht identifizieren", sieht er dies als fehlerhaft an. Dem Fußball in Bad Salzuflen hat er viele Dinge untergeordnet. Familie und Hausbau haben im Vergleich zu seiner Torhütertätigkeit nur die zweite Geige gespielt. Ein mögliches Comeback beim SC Bad Salzuflen schließt er definitiv aus, will die berühmten Handschuhe aber nicht an den Nagel hängen und zeigt sich ab der Winterpause für ein neues Engagement offen. Für Wiens ist es wichtig, dass er Spaß an der neuen Aufgabe hat. „Es wäre schon schön, mit ein paar Jungs zusammenzuspielen, die ich kenne und mag", möchte er gerne Wiedersehensfreude erleben.

Verschossener Elfmeter als Stein des Anstoßes


Auch Olcay Esen (Bild rechts) ist zum ersten Mal in seiner aktiven Fußballkarriere mitten in einer Saison zurückgetreten. „Das ist nicht meine Art und ich bin nicht glücklich darüber", gibt er bei Lippe-Kick zu, weiß aber auch, dass es „nicht mehr auszuhalten war." Für seine ehrliche Meinung nach dem Tadic-Aus wurde der erfahrene Bezirksligakicker kritisiert. Auch der Umgang zu seinen Bezugspersonen Vucetic und Wiens war nicht nach seiner Fasson. Der technisch starke Offensivspieler, der früher Spielführer bei Werl-Aspe und Löhne gewesen ist, spricht in diesem Zusammenhang von einem „unfairen Umgang." Innerhalb der Truppe gibt es nach Esens Einschätzung eine „große Unzufriedenheit" und er macht auch kein Geheimnis daraus, dass er mutmaßt, mit seinem Rücktritt „einen großen Stein ins Rollen gebracht zu haben." Der Stein des Anstoßes ist sein verschossener Elfmeter beim jüngsten 2:2 gegen Union Minden. Der anschließende Vorwurf aus den Kreisen des Vorstands: Er hat diesen absichtlich verschossen. Für Esen ist danach die Grenze überschritten. Nach den deutlichen Niederlagen in Oettinghausen (0:5), Espelkamp (1:5) und Bruchmühlen (1:4) hat eine Person aus dem Vorstand der Mannschaft vorgeworfen, gegen den Trainer gespielt zu haben. „Hier arbeitet jeder gegen den anderen anstatt miteinander zu arbeiten", kritisiert er auch, dass es keinen Kontakt zwischen der ersten und zweiten Mannschaft gibt. Er bringt noch einmal klar zum Ausdruck, dass er innerhalb der Mannschaft keine Probleme gehabt hat, weshalb er der Truppe „alles Gute" wünscht und sich überzeugt zeigt, dass die Kurstädter mit ihrer Qualität den Weg aus dem Tabellenkeller finden werden. Ein möglicher Grund nach Esens Einschätzung: „Die Mannschaft kann sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren." Auch der 28-Jährige hätte sich nach den guten Leistungen aus dem Vorjahr gerne mehr Anerkennung gewünscht, während in der schlechten Zeit die Verbalkeule von Personen aus dem Vorstand herausgeholt worden sei. Insgesamt steht für ihn resultierend fest: „Das Gerede vom Vorstand ist einfach zu viel." In seiner Premierensaison beim Sportclub 2016/17 hat er sich am fünften Spieltag bereits einen Kreuzbandriss zugezogen. Beachtlich: Bis dahin war er bereits sechsmal erfolgreich. Als Lippe-Kick den Vorstand zu einem Statement zu all den Punkten befragen wollte, wollte dieser sich zu der Thematik nicht äußern. Auch Miron Tadic wollte keine Angaben machen.


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