Kreisliga A | Detmold

„Ich hinterlasse ein bestelltes Feld"

Kreisliga A Detmold (hk). Michael Cucchiara war, ist und bleibt SV Diestelbruch/Mosebeck. Rot-weißes Blut floss insgesamt 18 Jahre lang durch die Adern und wird es wohl bis zu seinem letzten Atemzug tun. Zum Saisonende wird er seinen Posten aber als Obmann der Dörenwald-Kicker nach vier Spielzeiten aufgeben. Gegenüber Lippe-Kick verrät er schulterzuckend: „Dieser Schritt ist alternativlos", führt er gesundheitliche und familiäre Gründe für den Ausstieg an. Bis dahin wäre sein Wunsch, seinen Nachfolger vernünftig einzuarbeiten. Klar ist aber auch: Einen anderen Verein wird und will er nicht übernehmen, dafür ist seine Bindung zu den Rot-Weißen einfach zu stark ausgeprägt.


Von Henning Klefisch


Der Deutsch-Italiener gibt sich überzeugt, dass er ein „bestelltes Feld" hinterlässt, kann er folglich auch ruhigen Gewissens den Obmann-Posten abgeben. Im Laufe des Septembers ist dieser Entschluss gereift, dass er einen neuen Impuls setzen möchte und er ist überzeugt, dass der Nachfolger hervorragende Perspektiven vorfindet. Der Kunstrasenplatz in der Dörenwald-Arena ist nigelnagelneu und genügt allerhöchsten Ansprüchen. Die Mannschaft ist besetzt mit alten Schlachtrössern" wie Martin Rethmeier, Fabio Hesse, Christopher Wessel, Sebastian Sundermann (Bild rechts), Christian Laue und Timo Flecker oder jungen Hüpfern wie Joel Weber, Marcel Gnadt, Phillip Herclik, Fabian Richts oder Pit Bierbaum. Deshalb sieht er eine Platzierung „im oberen Drittel mit Blick Richtung Spitzengruppe" als durchaus realistisch an. Damit der Übergang im Sommer reibungslos funktioniert, soll der Nachfolger möglichst bald eingearbeitet werden. Die Zukunftsfähigkeit ist auch außerhalb des Spielfeldes prächtig, verfügt „Rut und Wiess" doch über 800 Mitglieder, wovon rund 75 Prozent dem Fußball zuzuordnen sind. Der Unterbau ist da, immer wieder bekommen die Eigengewächse Vertrauen auch im Seniorenbereich zugesprochen. Daher ist es auch nicht verwerflich, dass Michael Cucchiara (Bild links) aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. So sind nach seinem Dafürhalten echte Freundschaften im Verein entstanden, die er auch nach seiner Funktionärslaufbahn weiter pflegen möchte. So war er ehemaliger Jugendtrainer und hat einige Seniorenspieler mitgeformt und entwickelt. „Es sind gewachsene Beziehungen. Natürlich verlasse ich den Verein auch mit einem weinenden Auge", um nicht seine ehrliche Meinung über den aktuellen siebten Tabellenplatz kundzutun: „Wir stehen schlechter da als wir könnten. Wir sind unter den Erwartungen", führt er vor allem das Verletzungspech an, fielen doch mit den Gebrüdern Rethmeier, Goldammmer, Flecker, Hesse und Schulz echte Leistungsträger länger aus. Di-Mo-Pressesprecher Lennart Rethmeier, der als Urgestein gilt, räumt kopfschüttelnd und etwas fassungslos ein: „In dieser Form habe ich sowas noch nicht erlebt", weiß er, dass das erfahrene Sturmduo Rethmeier (Martin)/Flecker nicht zu ersetzen ist, bringt aber auch klar zum Ausdruck: „Mit unserem Neuzugang Tobias Schulz fehlt seit Wochen aber ein genauso wichtiger Akteur. Ein sehr zweikampfstarker Spieler, der mehr Stabilität in unsere Defensive gebracht hat", zeigt er sich von den Qualitäten vom ehemaligen Spieler des TuS Kachtenhausen durchaus überzeugt. Bitter, dass zwei Neuzugänge ihr großartiges Potenzial nicht in ganzer Pracht präsentieren konnten. Goldammer hat dies noch gar nicht tun können, während Schulz dies nur in den ersten Saisonspielen demonstriert hat. Einzig Phillip Herclik, der vom B-Ligaaufsteiger SG Klüt/Wahmbeck gekommen ist, konnte „voll einschlagen", so Cucchiara, der von einer „echten Bereicherung im Mittelfeld" spricht. Als positiv merkt Lennart Rethmeier die „mannschaftliche Geschlossenheit" an. So verfügt Cheftrainer Sascha Weber über einen 20 Mann starken Kader, die allesamt zum Einsatz kommen und dies auch regelmäßig, führt dies dazu, dass sich alle Spieler auch wichtig fühlen. „Dazu kommt eine gute Trainingsbeteiligung, die in Diestelbruch aber schon immer solide ist", weiß Rethmeier zu berichten. Auch die Entwicklung der jungen Spieler und die Qualitätszufuhr durch die Neuverpflichtungen steigert die rot-weiße Laune erheblich. Mit dem Blick auf die Spiele fällt ihm auf, dass seine Truppe in keiner Partie über die komplette Spielzeit unterlegen gewesen ist, ist dies eine klare Steigerung im Vergleich zu den letzten Spielzeiten, wo es doch die eine oder andere Partie gab, „wo wir sang- und klanglos untergegangen sind." Dies ist nach Rethmeiers Einschätzung aber auch ein Indiz dafür, dass die Detmolder A-Klasse in dieser Saison ausgesprochen ausgeglichen daherkommt. Lennart Rethmeier gilt als ehrlicher Zeitgenosse, weshalb er als negativ die „zu geringe Punkteausbeute" anprangert und speziell Schwierigkeiten in Duellen mit Teams aus dem oberen Tabellendrittel erkannt hat. So fehlt die nötige Portion Erfahrung und Tricks und Kniffe im taktischen Bereich, um ein größeres Ärgernis für Spitzenteams wie Lügde und Schlangen darzustellen. Cucchiara grätscht verbal beherzt dazwischen und sieht den TuS WE Lügde als die „stärkste Mannschaft der Liga", schwärmt zugleich von der „mannschaftlichen Geschlossenheit", die ihn sehr beeindruckt hat. Das beachtliche 1:1 gegen den Tabellenzweiten Jerxen/Orbke dient als Hoffnungsmacher. „Schmerzhaft sind dazu ärgerliche Spiele gegen Kachtenhausen/Helpup und Horn-Bad-Meinberg. Hier könnten/müssten wir statt einem Punkt sechs Punkte haben", so der Kritikpunkt von Rethmeier. „Joel Weber sticht heraus", lobt Cucchiara den Filius von Chefcoach Sascha Weber. Auf die Jugend zu setzen, scheint eine DNA beim SV Diestelbruch/Mosebeck zu sein. Insgesamt hat er ein anderes Verhalten der vielen Jungstars beobachtet: „Die Geduld ist wichtig. Diese zeigen aber nicht alle. Sie wollen sofort einen Stammplatz und geben sich zu schnell zufrieden", sieht er die junge Garde aber auch mit vielen Faktoren belastet. Neben Schule und Ausbildung kommen auch die beruflichen Herausforderungen. Zudem beanspruchen auch die Frauen und der Lifestyle die Nachwuchshoffnungen erheblich. Trotzdem: „Nächstes Jahr nehmen wir den Aufstieg in Angriff", ist die Zielsetzung des Aushängeschilds, der ersten Mannschaft, absolut klar. Nicht ganz so ambitioniert geht es in der Drittvertretung des SV Di-Mo zur Sache, wo Dominik Buse („ein fähiger Trainer") und Torsten Kruel (Bild links; „Ein Mann mit Weitblick") aktiv sind. Für Cucchiara ist dies eine Hobbytruppe, wo die Platzierung „egal ist", geht es vor allem darum, dass Jungs in einem regulären Ligabetrieb „ein wenig kicken" und dies recht erfolgreich, denn gegen Ende der Hinrunde führt die dritte Mannschaft die C2 Detmold an. Nicht nach Maß verläuft die bisherige Spielzeit aus Sicht des SV Diestelbruch/Mosebeck II, der mit vielen jungen Spielern besetzt ist und den einen oder anderen leichtfertigen Punktverlust hinnehmen musste. „Die Truppe muss sich noch finden und dann eben im nächsten Jahr den Angriff starten, wenn es in dieser Spielzeit nichts wird", zeigt sich der Obmann geduldig. Klar ist auch, dass er weiterhin als treuer Zuschauer die Spiele besuchen wird, verrät Lippe-Kick aber auch: „Wenn es mein gutgeformter Körper zulässt, möchte ich gerne noch einmal im Tor stehen. Ich träume von Paraden in der dritten Mannschaft", sagt er mit feuchten Augen, ehe ein schelmisches Schmunzeln auf seinen Lippen sichtbar wird.

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