Kreisliga A | Detmold

Die große Umfrage


Kreisliga A Detmold (hk). Die Spielausfälle prägen auch im Detmolder Oberhaus in den letzten Wochen die Schlagzeilen. Die Folge davon ist ein verzerrtes Bild. Wenn man auf die Tabelle blickt, hat eine Kunstrasenmannschaft wie der SV Diestelbruch/Mosebeck etwa schon 18 Partien absolviert, während Rasenteams wie der TSV Rischenau, TuRa Heiden, SG Kachtenhausen/Helpup oder CSL Detmold erst 14-mal gespielt haben. Lippe-Kick startet die große Umfrage, erkundigt sich nach Lösungsvorschlägen und fragt, ob durch die ungleiche Spielanzahl eine Wettbewerbsverzerrung vorliegt.


Von Henning Klefisch



Hubert Orynczak, SV Eintracht Jerxen/Orbke (Obmann)


„In der Tat würde die Tabellenkonstellation anders aussehen, hätten alle Teams die gleiche Anzahl an Spielen absolviert. Solange es noch Naturrasenplätze gibt, wird es nach wie vor witterungsbedingt beziehungsweise jahreszeitenabhängig Spielausfälle geben und in der Konsequenz ein verzerrtes Tabellenbild darstellen. Die englischen Wochen stellen sicherlich für die Teams, die die wenigsten Spiele auf ihrem Konto verzeichnen, die höchste Belastung nach der Winterpause dar. Eine Musterlösung habe ich derzeit leider auch nicht, aber nach und nach werden weitere Kunstrasenplätze installiert, sodass dieses Thema mittelfristig vom Tisch sein dürfte."



Andreas Hoffmann, TuS WE Lügde (Trainer)


„Ich finde es unglücklich, dass die Anzahl der Spiele so unterschiedlich ist, das verzerrt das Bild der Tabelle. Eine Lösung für das Problem wird schwierig, denn Vereine mit einem Kunstrasen haben vor allem im Winter einen nicht unerheblichen Vorteil und können somit alle Spiele austragen. Eine Wettbewerbsverzerrung findet leider statt, da Vereine in den Wochenspielen auf Leistungsträger verzichten müssen und sich das Spiel der einzelnen Teams dadurch stark verändert."



Yannik Vukadinovic, FC Fortuna Schlangen (Kapitän)


„Wir haben das auch schon kontrovers diskutiert. Dieses Jahr haben wir Glück und sind durch den Spielplan begünstigt, da wir seit mehreren Wochen nur noch auf Kunstrasen spielen mussten. Im letzten Jahr allerdings waren wir vom Gegenteil betroffen und mussten die letzten vier Wochen der Saison jeweils Sonntag, Dienstag ran. Gerade im Amateurbereich, in dem Kadergrößen und vor allem die Belastbarkeit von Spielern nicht so groß sind wie im Profibereich, finde ich das sehr ungünstig. Eine Menge Spieler schleppen sich dann Woche für Woche über den Platz, weil der Kader teilweise keine Alternativen bietet. Ich denke, dass Spielausfälle an Sonntagen so minimal wie möglich gehalten werden sollten. Daher sollte man eher auf einen Ascheplatz ausweichen als ein Spiel ausfallen zu lassen."



Christian Martens, SuS Lage (Trainer)


„Ich würde die Winterpause viel eher einläuten und zwar nach der Hinrunde. Training und Spiele sind zu dieser Jahreszeit nur auf Kunstrasen möglich, und wie man sieht, gibt dir so ein Platz bei Frost und Schnee noch nicht mal eine Spielgarantie. Da wäre es meiner Meinung nach besser, später in die Sommerpause zu gehen. Allerdings ist das vielleicht eine exklusive Meinung. Ich bin es so aus anderen Ligen gewohnt. Ich finde schon, dass diese Unterschiede bezüglich der gespielten Spiele, ungünstig für die gesamte Liga sind, da es meiner Meinung nach schwerer ist, Punkten hinterherzulaufen und somit zusätzlichen Druck zu haben."



Sebastian Tunke, TSV Rischenau (Obmann)


„Ja natürlich ist das Wettbewerbsverzerrung und zwar zum Großteil eine vermeidbare Wettbewerbsverzerrung. Hast du keinen Kunstrasen oder zumindest einen Hartplatz zum Ausweichen bist du klar benachteiligt. Umso mehr Wochenspiele gibt's vor allem in der Rückrunde dann. 14 zu 18 gemachte Spiele sind schon krass. In der B-Liga ist es ja noch drastischer. Da sind es 10 zu 19 Spiele. Das ist ja eine Katastrophe, was die sportliche Fairness angeht. Woche für Woche wird in den Vor- oder Nachberichten von den unterschiedlichsten Vereinen über die Personalnot unter der Woche berichtet. Handeln tut niemand. Zuletzt gab es wieder keine Generalabsage, völlig unverständlich. Wie ich hörte, mit der Begründung, was gespielt werden kann, wird gespielt. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts zu tun. Und hört mir bloß auf mit Ausweichen auf fremde Kunstrasenplätze, wie weit sollen wir von Rischenau, Sabbenhausen oder Lügde zu Heimspielen fahren? Es gibt nun einmal Termine wie Ende November oder Mitte Februar, wo du draußen keinen Fußball spielen kannst, da müssen andere Lösungen gefunden werden. Wenn dann alle unter der Woche und fertig. Dann muss man von vornherein mal sagen: Wir spielen im Oktober und im April zweimal dienstags oder wie es in Höxter ist freitags und sonntags."



Henning Diekmann, SuS Pivitsheide (Spieler)


„Sicherlich herrscht eine Wettbewerbsverzerrung vor, wenn einige Mannschaften vier Spiele im Frühjahr mehr absolvieren müssen als andere Teams. Man sollte mit der Saison früher beginnen, auf andere Plätze ausweichen, wenn es möglich ist. Den einen oder anderen Spielausfall habe ich nicht verstanden. Das hatte meiner Meinung nach auch vereinspolitische Gründe."


Thorsten Geffers, Trainer, SF Berlebeck/Heiligenkirchen


„Und jährlich grüßt das Murmeltier. Das ist ja eine Problematik, die es bereits seit Jahren gibt. Eine verzerrte Tabelle ist nie von Vorteil, wenn es um den Aufstieg bzw. Abstieg geht. Daher muss es schon aus Fairnessgründen das Ziel sein, bis Mitte April 2018 die Tabelle zu begradigen. Damit kann ein fairer Wettbewerb um Meisterschaft und Abstieg an den letzten sechs, sieben Spieltagen eher gewährleistet sein. Ich selbst bin auch kein Freund von Wochenspieltagen, da oft die Spieler beruflich oder auch wegen ihrem Studium nicht zur Verfügung stehen. Des weiteren sind Regenerationsphasen der Spieler noch eingeschränkter, wenn man permanent sonntags und dienstags ran muss. Und schon ist das Gestöhne vieler Trainer groß, wenn unter der Woche viele Spieler aus diesen Gründen nicht zur Verfügung stehen. Es gibt bei uns im Kreis glücklicherweise immer mehr Kunstrasenplätze. Daher bestünde sicherlich auch öfters die Möglichkeit das Heimrecht zu tauschen. So wie in unserem Fall mit unseren Nachbarn vom TuS Horn-Bad Meinberg am 10. Spieltag. Oder aber auch die Option, bei benachbarten Vereinen mit Kunstrasen oder Asche einfach mal anzufragen, dort ein oder zwei Heimspiele auszutragen."




Thorsten Schmiech, TuRa Heiden (Trainer)


„Wir sind ja schon seit Jahren direkt betroffen, da wir nur einen Rasenplatz haben und somit keine Ausweichmöglichkeit und somit jedes Jahr im Frühjahr eine hohe Belastung ertragen müssen. Das kann man schon als Wettbewerbsverzerrung betrachten, weil zum einen in der Woche oft beruflich bedingt wichtige Spieler fehlen und zum anderen die Verletzungsanfälligkeit steigt. Außerdem kann man in dieser Phase der Saison nicht mehr ordentlich trainieren, weil fast ausschließlich regeneratives Training möglich ist! Für diese Problematik Lösungen zu finden, ist sicher für den Fußballkreis Detmold nicht einfach, weil sie zum Beispiel wenig dafür können, dass im gesamten Stadtgebiet Lage kein Kunstrasenplatz existiert. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, warum wir im Sommer, wo die besten Möglichkeiten zum Kicken im Freien bestehen, teilweise zehn Wochen Pause machen? Im Jugendbereich ist das aufgrund von Ferienzeiträumen sicher noch nachvollziehbar, aber im Seniorenbereich? Natürlich fehlen dann eventuell auch Spieler, die im Urlaub sind und die Saisonvorbereitungszeit ist kürzer, aber trotzdem ist das vielleicht ein Ansatz! Musterlösungen sehe ich für das Problem auch nicht!"



Erhan Eksioglu, SC Ditib Detmold (Trainer)


„Das Thema haben wir seit Jahren schon. Bei den Staffeltagsitzungen wurde den Vereinen mitgeteilt, dass bei Platzsperren man sich um andere Plätze kümmern sollte. Eventuell kann man auch in der Vorrunde ein Heimrechttausch veranlassen. Auch die Stadt Detmold bietet hier sehr gute Lösungen an. Wenn der Wille da ist, dann kann man immer eine Lösung finden. Es gibt reichlich Kunstrasenplätze sowie auch reichlich Ascheplätze. Wir haben einen Rasenplatz, der seit mehr als sechs Wochen schon gesperrt ist. Alle Heimspiele haben wir danach auf dem Ascheplatz ausgetragen. Es kam auch keine Anfrage von anderen Mannschaften, ob sie bei uns auf Asche ihre Spiele austragen können. Ich finde, es muss hier generell eine Lösung gefunden werden. Wenn Spiele ausfallen, muss man unbedingt nach Lösungen suchen. In der Kreisliga A Detmold gibt es einige Vereine, die drei bis vier Spiele weniger auf dem Konto haben. Viel schlimmer finde ich die Situation in der B-Liga Detmold. Da gibt es sogar Mannschaften, die nur zehn Spiele gemacht haben und der Tabellenführer 18 Spiele. Das ist einfach keine schöne Sache. Dies führt auch noch dazu, dass es sehr viele englische Wochen geben wird. Bei den vielen Kunstrasenplätzen, die es gibt, gibt es ganz bestimmt Lösungen, um die Spiele auszutragen. Man muss halt vielleicht auch auf einem Sonntag um 17:00 Uhr dann die Spiele austragen."



Alexander Wolf, SG Kachtenhausen/Helpup (Kapitän)


„Wir finden das auch suboptimal. Wir haben nun seit Mitte November gar kein Spiel mehr gehabt und sind auch ein Stück weit aus dem Rhythmus und im Frühling wird man mit Spielen bombardiert. Es macht für mich wenig Sinn, zur besten Jahreszeit eine achtwöchige Pause einzulegen, aber klar ist auch, dass da Sommerferien sind. Ich würde auch nicht erst im März beginnen, sondern schon im Februar und die Saison länger machen. Oder alle bekommen einen Kunstrasenplatz und das Problem ist geklärt."



Recep Kirikci, SC Augustdorf (Vorstand)

„Solange wir so eine lange Sommerpause haben und der Spielplan nicht geändert wird, wird sich das nicht vermeiden lassen! Zumindest solange es Rasenplätze gibt. Ein Spielplan von Ende März bis Ende Oktober mit einer kurzen Sommerpause (drei bis maximal vier Wochen) wäre in meinen Augen sinnvoll. Wir müssen uns als Amateure nicht strikt am Spielkalender der Profis festhalten. Meiner Meinung nach liegt keine Wettbewerbsverzerrung vor. Denn die Spiele müssen gespielt werden. So oder so. Ich glaube, dass jeder mit einem Siegeswillen auf den Platz geht, egal wie die Tabelle aussieht!"



Karl Schmid, CSL Detmold (Vorstand)


„Solange es Rasenplätze gibt, ist das nicht zu verhindern. Klar, dass das keine gute Situation für die betroffenen Vereine ist, aber was soll man machen? Viel schlimmer finde ich, dass man sich nicht richtig darauf vorbereiten, sprich draußen trainieren kann, aber das interessiert keinen, egal, welche Seite, da sollten die Vereine, die Kunstrasen haben, fairerweise mit den anderen Vereinen sprechen, ob es nicht möglich ist, ihren Platz für die Vorbereitung nach der Winterpause zur Verfügung zu stellen und den Vereinen die Möglichkeit zu geben zu trainieren. Denn die Jugendmannschaften fangen nicht so früh mit den Rückrundenspielen an. Auch die Stadt Detmold sollte da mal bessere Voraussetzungen schaffen."

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