Kreisliga A | Detmold

Die Spielberichte der Kreisliga A Detmold


SV Diestelbruch-Mosebeck vs. SG Hiddesen-Heidenoldendorf4 - 4
TuS Horn-Bad Meinberg vs. SC Augustdorfausg.
FC Fortuna Schlangen vs. CSL Detmoldausg.
SC DITIB Detmold vs. SuS Lageausg.
TuS WE Lügde vs. SuS Pivitsheideausg.
SV Eintracht Jerxen-Orbke vs. Post TSV Detmold IIausg.
TuRa Heiden vs. SF Berlebeck-Heiligenkirchenausg.
SG Kachtenhausen-Helpup vs. TSV Rischenauausg.


Kreisliga A Detmold

SV Diestelbruch-Mosebeck vs. SG Hiddesen-Heidenoldendorf
4 : 4



Nichts für Herzkranke!

(hk). Ich danke Gott, dass ich am gestrigen Abend das Spiel zwischen dem SV Diestelbruch/Mosebeck und der SG Hiddesen/Heidenoldendorf leibhaftig erleben darf. Bei diesem 4:4 im Dörenwald-Stadion gibt es alle Zutaten, warum wir den Fußball so lieben. Schöne Tore, strittige Entscheidungen, Platzverweise, rassige Zweikämpfe und Aluminiumtreffer, auch die zahlreichen Fans waren schier aus dem Häuschen. Privat und beruflich habe ich schon zahlreiche Fußballspiele besucht. Ganz bestimmt werde ich mich, auch wenn ich eines Tages alt und grau bin, an diese kurzweilige Fußballunterhaltung vor rund 100 Zuschauern erinnern, die nach Angaben von Di-Mo-Pressesprecher Lennart Rethmeier „Stimmung für 300 bis 500" gemacht haben. „Rethe" schwärmt mit glänzenden Augen: „Ein unfassbares Spiel. Ich glaube, alle Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen", hätte Di-Mo-Obmann Michael Cucchiara eine Vergnügungssteuer für dieses Spiel erheben müssen.

Von Henning Klefisch

Beide Teams gehen allerdings mit erheblichen Personalproblemen in diese Partie. Bei den Hausherren können neben den Langzeitverletzten auch Timo Schiewe, Philip Herclik, Janik Bahms und Simon Jevsovar nicht mitwirken. SG H/H-Coach Lütfi Soylu, der sich vor dem Spiel von Lippe-Kick nicht in die Karten schauen lassen will, verrät nach dem Spiel: Michael Thissen, Tim Bukowski, Jannik und Jonas Sprengelmeyer, Sebastian Schönfelder und Alexander Schreckenbach fallen allesamt aus. Bis zur Halbzeitpause passiert nicht viel. Zwei Diestelbruch/Mosebeck-Kicker sind die Torschützen und sorgen für das 1:1. Marcel Gnadt per Eigentor (30. Min.) trifft aus kurzer Distanz zunächst in das falsche Tor, ehe Joel Weber nur fünf Minuten später egalisiert. Wichtig ist es bei solch einer aufregenden Partie, dass stets alle Beteiligten zu Wort kommen. Wir haben auch den Schiedsrichter befragt. Nach einer halben Stunde Spielzeit kassiert Gästespieler nämlich Ole Schieffer die gelbe Karte nach einem Foulspiel gegen Fabio Hesse, der am Fuß getroffen wird und verletzt ausgewechselt werden muss. Schiedsrichter Jochen Diederich erklärt dazu bei Lippe-Kick: „Angriff von der Seite im Kampf um den Ball, aber mit hohem Tempo. Das Foul ist unstrittig, die gelbe Karte ist noch ausreichend."

Soylus-Zauberlupfer

Rethmeier analysiert eine „sehr souveräne Leistung" von beiden Teams bis zum Pausenpfiff. Im zweiten Abschnitt nimmt die Partie deutlich Fahrt auf und die Abwehrreihen sind eher so mittelprächtig wachsam. Sieben Minuten sind im zweiten Durchgang gespielt, als Miguel Soylu (Bild links oben) mit einem bemerkenswerten Lupfer die Spielgemeinschaft mit 2:1 in Front bringt. Nur 180 Sekunden später erhöht der auffällige Steffen Hinder auf 3:1. „Rut un Wiess" beweist aber eine tolle Moral, was auch das vereinseigene Sprachrohr nicht unerwähnt lassen möchte: „Nach einem 1:3 und 2:4 nochmal zurückzukommen, so kurz vor Schluss, zeugt von einer super Moral!" Jose Luis Mendes Semedo – ein Name wie ein Gedicht – verkürzt nach 63 Minuten zum 2:3. Lütfi Soylu kritisiert, dass vor diesem Treffer sein Torhüter Carsten Budde die Kugel schon mit beiden Händen festhält und attackiert wird. „Die Sicht des Schiedsrichters wird stark beeinträchtigt", gibt der Gästecoach zu. Diederich sagt zu dieser Szene: „Der Torwart lässt den Ball klatschen, fasst nach, aus meiner Sicht ist der Ball aber frei. Deshalb gibt es die Entscheidung: Tor und Anstoß."

Weber-Tor leitet Wende ein

Miguel Soylu stellt nach einer schönen Einzelleistung neun Minuten später den alten zwei-Tore-Vorsprung wieder her. Einige denken, dass das Spiel entschieden ist, aber auch der Charakter der Weber-Mannen ist an diesem Tag wirklich löblich. Joel Weber (77. Min.) und Christopher Wessel (79. Min.) treffen zum 4:4. Beim Weber-Tor hat SG-Coach Soylu beobachtet, dass Weber bei seinem erfolgreichen Kopfball nach Flanke von der rechten Seite am zweiten Pfosten fünf Meter im Abseits steht. Timo Flecker (Bild rechts mittig) hat wohl die Kugel mit dem Kopf auf Höhe des Elfmeterpunktes zuvor tangiert. „Flecker wurde gefragt, ob er den Ball berührt hat, und er hat extra nein gesagt", hätte es Soylu auch so gemacht, gibt er zu. Jochen Diederich bewertet die Szene wie folgt und untermauert: „Meine Nachfrage an den Stürmer in der Mitte, ob er den Ball noch berührt hat."
Spieler antwortet glaubhaft: „Nein." Er führt weiter aus: „Daher: kein Abseits, Tor, Anstoß.
Laut Aussage von Lütfi Soylu hat der Stürmer ihm gegenüber nach dem Spiel zugegeben, dass er mich angelogen hat." Dieses Gegentor ist nach seiner Einschätzung ursächlich dafür, dass seine Mannschaft den deutlichen Vorsprung verspielt. Auch das Tor zum Endstand entspringt nach seinem Dafürhalten einer Abseitsstellung.

Tor-Rücknahme beim vermeintlichen Siegtor

Kurz vor dem Schlusspfiff erzielt der SV Di-Mo den vermeintlichen 5:4-Siegtreffer durch Christian Zimmermann nach einer hervorragend getimten Flanke von Christian Laue. Lennart Rethmeier gibt zu, dass diese Situation „schwer zu beurteilen" ist. Seine Beobachtung: „Von außen war es schwer zu erkennen, ob die Hand im Spiel war. Dennoch gibt der Schiedsrichter das Tor und zeigt auf den Anstoßpunkt. Die Entscheidung dann nachträglich zu ändern, halte ich für falsch. Er muss das Gespräch mit dem Spieler schon vorher suchen", empfiehlt er dem Spielleiter Jochen Diederich. So hat der Referee Diestelbruch/Mosebeck-Kicker Christian Zimmermann (Bild links mittig) gefragt. Dieser antwortet, „dass er nicht weiß, ob er mit der Hand am Ball war", so schildert Soylu bei Lippe-Kick. So könnte es in der Tat auch die Schulter gewesen sein. „Er kann das Tor nicht zurücknehmen", fordert er mehr Konsequenz. Nach Aussage von Jochen Diederich hat Christian Zimmermann „den Ball mit der Brust oder dem Arm mitgenommen. Ich habe trotz Zweifel zunächst auf Tor entschieden. Dann gab es die Nachfrage beim Spieler, ob er den Ball mit der Hand gespielt hat. Antwort: „Ich weiß es nicht." Dies war für mich eher ein Indiz für ein nicht regelkonformes Tor. Daher: kein Tor, Freistoß." Dem Referee Diederich attestiert Hiddesen/Heidenoldendorf-Coach Lütfi Soylu insgesamt eine „wirklich sehr gute Leistung bis Mitte der zweiten Halbzeit. Es war schwierig für ihn diese Situationen genau zu sehen, wenn man alleine ist", hätte er sich aber eine eigene Meinung bei den strittigen Szenen erwünscht. „So etwas muss ein Schiedsrichter selbst entscheiden", sagt der auch als Schiedsrichter aktive Soylu. Als „schade" bezeichnet es Rethmeier, dass sein Team noch kurz vor dem Schlusspfiff an der Torlatte scheitert.

Diederich' Sehnsucht nach dem Videobeweis

In der Schlussphase gibt es noch zwei Platzverweise aufseiten der Gäste. Die gelbrote Karte von Steffen Hinder aus der 86. Spielminute findet sein Trainer „in Ordnung." Seine erste gelbe Karte gibt es wegen Meckerns, die Ampelkarte hat er erhalten, nachdem er von seinem Gegenspieler angesprungen worden ist, wegen ‚eines unsportlichen Kommentars‘ gegenüber seinem Gegenspieler", so Diederich. Den Platzverweis von Dennis Bergsieker (90. + 2) kann er nicht verstehen, hat Diederich eine Beleidigung wahrgenommen. So hat sich Bergsieker aber nach Soylus-Aussage mit den Worten geäußert: „Der Schiedsrichter hat keine eigene Meinung", was für den Referee zu viel des Guten ist. Diederich wertet dies als „grobe Unsportlichkeit/leichte Beleidigung." Er gibt zu, dass eine Verwarnung möglich gegeben wäre, gibt er doch zu: „Die rote Karte war eine sehr harte Entscheidung." Lütfi Soylu (Bild rechts unten) ist überzeugt, dass ein Videobeweis oder auch ein Schiedsrichterassistent Herrn Diederich in diesem intensiven Spiel sehr geholfen hätten. Im zweiten Spielabschnitt hätte sich auch Jochen Diederich zunächst einen Videobeweis gewünscht, gibt er ehrlich zu, weiß aber auch: „Da ich aber keinen habe, nutze ich halt alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um möglichst die richtige Entscheidung zu finden", begründet er dies auch damit, dass „ich in spielentscheidenden Situationen durchaus geneigt bin, die maßgeblichen Spieler zu befragen", hat er diese Möglichkeit beim gestrigen Spiel auch in zwei Fällen ausgeschöpft. Seine Erklärung: „Dass ich in beiden Situationen beteiligte Spieler befragt habe, mag aus Sicht der Zuschauer unglücklich ausgesehen haben. Ich kann dadurch aber meine Entscheidungen mit Einschränkung plausibel vertreten."

Soylus Erinnerung an das Revierderby

Lütfi Soylu erklärt abschließend: „Unsere ersatzgeschwächte Mannschaft hat ein sehr gutes Spiel gemacht, agierte sehr engagiert. Dass meine Mannschaft eine zwei Tore-Führung hergibt, ist bitter", so Soylu, der teilweise an das berauschende Revierderby zwischen Dortmund und Schalke denkt. Als positiv erachtet Soylu auch, „dass nach so einem Spiel voller Emotionen man sich nach dem Spiel die Hände gibt und bei einem Bierchen noch unterhält", ist ihm positiv aufgefallen: „Alle Spieler und Betreuer von Diestelbruch/Mosebeck waren gegenüber uns sehr korrekt und wir haben uns noch lange am Platz über einige Situationen unterhalten." Einen geheimen Wunsch hat der türkischstämmige Coach aber auch noch zum Abschluss: „Ich habe gehört, die Dörenwalder-Wurst soll ausgezeichnet schmecken. Vielleicht machen sie beim nächsten Mal eine Rinderwurst für meinen Sohn und mich", knurrt ihm schon bei diesem Gedanken der Magen. Obmann Cucchiara (Bild links unten) sagt bei Lippe-Kick: „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass, wenn man einen Spieler nach einer Torentscheidung fragt und dieser mit, ich weiß es nicht, antwortet, dann zu Ungunsten dieses Spielers, der Mannschaft entscheidet." Abschließend fügt er hinzu: „Wir bedanken uns bei der SG Hiddesen/Heidenoldendorf für die Spielverlegung", sagt er nach einem „leistungsgerechten Ergebnis."

Fazit: Es ist ein absolut verrücktes Fußballspiel, was letztlich verdientermaßen mit einem Unentschieden endet. Weitere Tore wären absolut möglich gewesen, da beide Abwehrreihen Defizite offenbaren, die die Stürmer geschickt zu nutzen wissen. Besonders der zweite Abschnitt ist rasant, unterhaltsam und spannend. Lippe-Kick war live vor Ort und bedankt sich für eine ausgezeichnete Dienstagabendunterhaltung.

Tore:
0:1 Marcel Gnadt per Eigentor (30. Min.)
1:1 Joel Weber (35. Min.)
1:2 Miguel Jan Soylu (52. Min.)
1:3 Steffen Hinder (55. Min.)
2:3 Jose Luis Mendes Semedo (63. Min.)
2:4 Miguel Jan Soylu (72. Min.)
3:4 Joel Weber (77. Min.)
4:4 Christopher Wessel (79. Min.)

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