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Bezirksliga

Interview der “Schlingmänner”

Die Drei „Schlingmänner” im Exklusiv-Interview

(hk). Solch eine Konstellation gibt es auch höchst selten. Im lippischen Fußball sogar einmalig. Wer vom RSV Barntrup spricht, der denkt unweigerlich auch an die „Schlingmänner”, die auf und neben dem Platz diesen Verein leben und lieben. Alle vier Jungs sind beim Rasen- und Sportverein aktiv. Es scheint fast so, als würde bei den „Schlingmännern” das Fußballgen existieren. Während Familienoberhaupt Andreas als Vereinsboss und Stadionsprecher außerhalb des Spielfeldes lenkt, sind Daniel und Simon auf dem Spielfeld beim Bezirksligisten aktiv. Der dritte Bruder Lukas konnte von Trainer Guido Freitag für den Posten als Betreuer überzeugt werden. Dazu gibt es mit dem erst 14-jährigen Mauro noch einen talentierten Zögling, dem großes Potential im Umgang mit dem runden Leder bescheinigt wird. Man muss keine Verleumdungsklage befürchten, wenn man die Familie Schlingmann als „fußballverrückt” bezeichnet. Im großen Exklusiv-Interview mit Lippe-Kick-Chefredakteur Henning Klefisch äußern sich die Brüder Simon, David und Lukas zu den Anfängen und den Vor- und Nachteilen dieser ganz besonders Familienzusammenführung.

Von Henning Klefisch

Lippe-Kick: Könnt ihr bitte den Reiz nennen, mit euren Brüdern in einer Mannschaft zu sein?

Simon Schlingmann: „Es ist natürlich schon etwas schönes mit dem eigenen Bruder in einer Mannschaft zu spielen. Und es war auch nicht selbstverständlich, als ich aus der Jugend kam, war es sehr schwer für mich in die erste Mannschaft zu kommen und ich musste immer wieder in der zweiten Mannschaft spielen. Viele machten mir Mut, aber besonders Daniel war immer fest davon überzeugt, dass ich relativ zeitnah ein wichtiger Bestandteil der ersten Mannschaft sein werde. Das hat mir damals sehr geholfen.”

Lukas Schlingmann: „Im Gegensatz zu meinen Brüdern habe ich leider nie den Weg gefunden, aktiv im Verein Fußball zu spielen, obwohl ich schon immer fußballbegeistert war und als Kind ebenfalls viel meiner Freizeit mit Fußballspielen verbracht habe. Dies hatte zur Folge, dass ich mir seitens Simon und Daniel viele Sprüche anhören durfte. “Schwarzes Schaf der Familie” oder die Frage bei unserer Mutter, ob ich nicht adoptiert sei, sind nur zwei Beispiele, mit denen ich aufgezogen wurde. Nichtsdestotrotz war mein Interesse am Fußball groß und somit irgendwann auch am RSV Barntrup, bei dessen Spielen ich regelmäßig vor Ort war.

Als dann im Jahr 2013 ein neuer Betreuer für die erste Mannschaft gesucht wurde, sprach mich als Erstes mein Bruder Daniel an, ob ich nicht Lust hätte, worauf ich dankend ablehnte.

Kurze Zeit später bei einem Pokalspiel gegen Bavenhausen sprach mich Guido Freitag, der Coach persönlich, an und fragte, ob ich nicht neuer Betreuer werden will und legte mir quasi die Zusage in den Mund, wonach ich keine andere Wahl mehr hatte, als zuzusagen (ein Nein wäre wahrscheinlich auch nicht akzeptiert worden). Seitdem darf ich die erste Mannschaft des RSV Barntrup und somit auch meine beiden älteren Brüder Simon und Daniel betreuen.

Vorteilhaft war auf jeden Fall, dass ich zu Beginn direkt zwei Ansprechpartner hatte, die mir bei anfänglichen Unsicherheiten weiterhelfen konnten. Zusätzlich macht mir der Job sehr viel Spaß, was auch an den Beiden liegt. Zweifelsohne kann es natürlich auch mal schneller zu Reibungen kommen als mit anderen aus der Mannschaft, da man als Brüder eine andere Beziehung zueinander hat. Dies ist aber bisher noch nicht vorgekommen, da wir uns untereinander gut verstehen. Zusammenfassend bin ich sehr froh, dass die Beiden in der Mannschaft sind und mit unserem jüngsten Bruder Mauro scharrt der vierte Schlingmann ja auch schon mit den Hufen. Abschließend kann ich noch sagen, dass ich natürlich auch gerne auf dem Platz mit meinen Brüdern gestanden hätte (und zwar mit Ball am Fuß und nicht mit der Fahne in der Hand ). Sicherlich hätte es auch dazu kommen können. Das Talent dazu wurde mir schon bescheinigt. Aber der Zug ist leider schon abgefahren.”

Lippe-Kick: Wie kamt ihr zum ersten Mal mit dem Fußball in Kontakt?

Daniel Schlingmann: „Da ich der erste Sohn meines Vaters bin, konnte ich mich früher nicht an einem älteren Bruder orientieren, welchen Sport ich später mal ausüben will. Mein Vater war zu seiner aktiven sportlichen Zeit flexibel und war sowohl im Handball als auch im Fußball aktiv. Beides war für mich sehr interessant, entschied mich dann aber im Alter von vier Jahren für den Fußball. Mein jüngerer Bruder Simon war zu der Zeit gerade ein Jahr alt und so fing ich an mit ihm ein bisschen gegen den Ball zu treten. Als er dann sicher auf seinen Füßen unterwegs war, gab es für uns nichts anderes als Fußball zu spielen. Rückblickend betrachtet für Simon natürlich ein Riesen-Vorteil, wenn man von klein auf mit seinem größeren Bruder „trainiert”. Mein Vater hat es beispielsweise versäumt meinen schwachen linken Fuß zu trainieren. Den hab ich eigentlich nur, damit ich nicht umfalle. Noch heute beim Training des RSV lachen sich unsere Mitspieler regelmäßig kaputt, wenn ich irgendwelche Dinge mit links versuche. Bei Simon hingegen haben wir bzw. mehr mein Vater, darauf geachtet, dass er beidfüßig spielen kann, was auch sehr gut geklappt hat. Das waren so ziemlich unserer ersten Berührungspunkte mit dem Fußball, die wir dann im Laufe des Alters in der Nachbarschaft auf der Straße und beim RSV fortführten.”

Simon Schlingmann: „Mit fünf Jahren müsste ich ungefähr beim RSV angefangen haben Fußball zu spielen. Ich hatte das Glück, dass ich in der Jugend einen super Jahrgang hatte. Mit Edwin Esau, Jakob Funk, Alexander Marter und Dennis Meier hatten wir schon eine Bombentruppe, um nur mal ein paar Spieler zu nennen. Das erste Spiel mit Daniel zusammen war, glaube ich in der B-Jugend. Ich spielte damals noch in der C-Jugend und musste aushelfen. Wenn ich mich richtig erinnere haben wir sogar beide in dem Spiel getroffen. Daniel beherrscht das Tore schießen als Innenverteidiger immer noch ganz gut. In dem Bereich habe ich leider sehr stark nachgelassen.”

Lippe-Kick: Schilder bitte den Vor- und Nachteil mit deinem Bruder in einem Team zu sein?

Daniel Schlingmann: „Mittlerweile spielen wir beide in der ersten Mannschaft des RSV Barntrup und mein zweiter Bruder Lukas ist Betreuer. Als Kind hatte er nicht den großen Bezug zum Fußball, welcher aber heute dafür umso größer ist. Nur selbst gegen den Ball treten, dazu konnte er sich bisher nicht durchringen. Somit stehen im Idealfall drei Schlingmänner auf bzw. neben den Platz. Ich bin schon sehr stolz darauf, es mit Simon in die erste Mannschaft geschafft haben. Dadurch, dass wir früher jede Minute unserer Freizeit auf dem Bolzplatz verbracht haben, würde ich behaupten, dass wir uns blind verstehen. Das ist natürlich ein großer Vorteil und auch die Kommunikation zwischen uns, wenn wir beide in der Viererkette spielen, fällt relativ knapp aus. Wir wissen einfach, was der andere vorhat und wie er sich bewegt. Ein persönlich schöner Moment war vor einigen Jahren gegen Diestelbruch, als ich nach Flanke von Simon den Ball zum 1:0 Sieg ins Tor köpfte. Insgeheim hatten wir beide auf eine Schlagzeile „Schlingmann Brüder machen Sieg perfekt” (oder so ähnlich) gehofft. Aber daran arbeiten wir weiterhin.

Das man jahrelang zusammen gespielt und unter einem Dach gewohnt hat, kann aber auch ein Nachteil sein. Wenn es nämlich mal zwischen uns kracht, dann richtig. Es kommt zwar nicht oft vor, aber die Kommunikation fällt dann auf dem Platz schon mal ganz anders aus, als es mit anderen Mitspielern der Fall wäre. Da muss man sich schon ziemlich zügeln und sich dran erinnern dass man gerade für das selbe Team spielt.

Alles in allem möchte ich aber nicht auf Simon oder Lukas beim RSV verzichten. Im Gegenteil: Unser jüngster und letzter Bruder Mauro steht mit seinen bald 14 Jahren schon in den Startlöchern. Unser Ziel bzw. mein Ziel ist, mit Simon und Mauro in der ersten zu spielen, während Lukas von der Seitenlinie die Fahne schwenkt. Vielleicht stellt Guido Freitag bis dahin ja auf Dreierkette um, dann stellt sich die von alleine auf.”

Simon Schlingmann: „Besondere Vor- oder Nachteile sehe ich gar nicht. Es macht einfach Spaß, dass wir zusammen in einer Mannschaft kicken können. Dazu kommt ja noch, dass unser Bruder Lukas Betreuer der Mannschaft ist. Er ist sogar vielleicht der Emotionalste und Fußballverrückteste von uns dreien. Jeden Sonntag haben wir ein kleines Familientreffen auf dem Sportplatz, da unser Vater auch noch Vorsitzender und Stadionsprecher ist.”

 

 

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