Connect with us

Interviews

Interview Björn Dewart

Dewart zum Abschied: “Ich verlasse den Sport mit Wehmut”

Kreisliga B2 Detmold (hk). Schön war die Zeit mit Björn Dewart auf dem Fußballplatz. Manche verglichen den lippischen Kultstürmer gar mit gutem Wein, der bekanntlich im Laufe des Alters immer besser wird. Nun beendet der 37-Jährige seine aktive Karriere. Die Gesundheit und die beruflichen Anforderungen haben dafür gesorgt, dass er für den Detmolder B2-Vertreter Ditib Detmold II seine Fußballschuhe nicht mehr schnüren wird. Fußballerisch und auch menschlich sicherlich ein schmerzhafter Abgang. Der Familienvater bleibt dem lippischen Fußball jedoch erhalten als Pressesprecher von Ditib. Im Abschiedsinterview mit Lippe-Kick-Chefredakteur Henning Klefisch hat Dewart die Schwierigkeiten der jüngsten Zeit ebenso beschrieben, wie einen Rückblick auf seine abwechslungsreiche Karriere gewagt.


Lippe-Kick: Hallo Björn, es ist erst ein paar Wochen her, als Lippe-Kick sinngemäß getitelt hat: Wer Björn Dewart nicht kennt, hat in den letzten Jahrzehnten den lippischen Fußball verpennt” Nun ist deine aktive Karriere als Kicker vorbei. Wie kam es dazu?


Björn Dewart: “Erst einmal bedanke ich mich für das Gespräch mit Lippe-Kick. Ja, es ist richtig, dass ich aufhöre und dem Ballsport derzeit nicht mehr angehören werde. Und ich werde mich weiterhin ehrenamtlich als Pressesprecher dem Verein widmen und wenn ich überhaupt nochmal gegen die Pille trete, dann nur noch, wenn wirklich Not am Mann ist und das soll auch wirklich das einzige Thema sein als generell Woche für Woche auf dem Platz zu stehen.”


Lippe-Kick: Wie schmerzhaft ist solch ein vorzeitiger Abschied?


Dewart: “Ehrlich gesagt fühle ich mich stark schmerzlich belastet nach dem Fußball und es heißt ja Sport soll helfen! Doch manchmal kann es auch eine starke Belastung sein, wenn man seine Knochen merkt, die man über drei Jahrzehnte durchgehend hinhalten musste. Es ist die beste Zeit aufzuhören, nach Knieproblemen und drei Schulter Operationen und jetzt meine Bandscheibenprobleme. Man wird halt nicht jünger und ich merke es nach jedem Sonntag, dass mein Kopf immer sagte: Björn hör jetzt auf! Die Zeit aufgrund meiner vielen Spätschichten ließ es auch nicht mehr zu, zu trainieren, was man eigentlich müsste, um konkurrenzfähig zu bleiben. Aber man muss auch sagen, dass ich auch keine Motivation mehr spürte und mich nicht mehr freute zu kicken, um eventuelle Verletzungen zu vermeiden, da ich auch sehr anfällig geworden bin und prädestiniert für solches (schmunzelt).”


Lippe-Kick: Mit einem kurzen Rückblick auf deine bewegte Karriere. Kannst du uns bitte deine schönsten und unangenehmen Momente verraten?

Dewart: “Im großen und ganzen blicke ich sehr gerne zurück und habe viele schöne Jahre im lippischen Fußball gehabt und viele Freunde dazu gewonnen. In meiner Jugend fing alles an beim TuS Grün-Weiss Allagen im Sauerland, wo man das erste Mal den Ball hochhielt. Dank meinen Eltern, die gern aufgrund meines Vaters als Berufssoldat in der britischen Armee einen Umzug nach dem anderen starteten, durfte ich auch diverse Mannschaften beschnuppern wie Paderborn United, TuS Hunnebrock, Blau-Weiß Paderborn, VfL Hiddesen, SC Ditib Detmold, SV Diestelbruch-Mosebeck und den TuS Horn-Bad Meinberg. Ich war genauso ein Wandervogel wie Kultkicker Frank Laabs der sein zuhause nicht fand, sprichwörtlich aus der ‚Hall of Fame’ vom Post TSV Detmold. Meine schönsten Momente waren natürlich die Aufstiege Ende der Neunziger mit dem VfL Hiddesen und natürlich mit der Thekenmannschaft Hiddesen 03, die nie trainierten, aber als geschlossenes Team auftraten und dem trauer ich ein wenig nach. Diese Truppe war einfach mega als Kumpelkader. Die effektivste Zeit, wo ich noch nie so fit war körperlich wie dort, war der TuS Horn-Bad Meinberg, als man den Schleifstein Wolfgang Wächter unterstellt war, der gefühlte sechs Wochen in den Wald ging, bevor man die letzte Vorbereitungswoche mal für 15 Minuten an den Ball kam. Es war eine tolle Zeit, die geprägt und gestärkt hat mit spannenden Spielen.”


Lippe-Kick: Welche Bedeutung hat für dich dein letzter Verein, der SC Ditib Detmold, wo du in diesem Jahr immerhin den Aufstieg in die B-Liga feiern durftest?


Dewart: “Ditib ist mein Zuhause, wo ich mit Leuten zusammen bin, mit denen ich über Jahre gewachsen bin und sei es sportlich oder privat und mit diesem coolen Haufen verbindet mich eine tiefe Freundschaft in einem Klima, dass man punktuell nicht beschreiben kann und wer den Verein kennt, weiß zu was die in der Lage sind, wie gemeinsames Frühstücken oder spannende Trainingslager in der Türkei oder deren Turnierausrichtungen jedes Jahr und hier bin ich angekommen.”


Lippe-Kick: Was hat für dich der Fußball auf den lippischen Plätzen bedeutet?


Dewart: “Ich persönlich verlasse den Sport mit Wehmut weil, wenn man zuschaut als Betrachter des Geschehens denkt man immer daran, dass die Füße jucken! Aber im großen und ganzen muss ich sagen, wenn nicht jetzt wann dann und es gibt genügend, die mir das Aufhören nicht zutrauen, da ich zu sehr Liebhaber des Sports bin. Doch mein Entschluss steht fest und gesundheitlich unverantwortlich für den Beruf anders zu denken und mit der Arbeit verdiene ich mein Lebensunterhalt und mit dem Fußball nur den Spaß an der Freude! Familie, Job und meine Freizeit haben jetzt Vorrang und ich bin einfach nicht mehr in der Lage dazu. Ich bin stolz darauf nochmal in der letzten Saison aufsteigen zu dürfen mit einer Hammertruppe, die alles in die Waagschale geworfen haben.”

Lippe-Kick: Wie haben Freunde, Familie und der Verein auf deinen Entschluss reagiert?


Dewart: “Trainer und Truppe sind natürlich überrascht von meiner Entscheidung, doch man versteht die Sicht meiner Dinge und sie hoffen mich ab und zu anrufen zu können, wenn es eng wird und ganz kann man nie aufhören, wobei die Alten Herren hin und wieder auch warten. Ich werde den Fußball im Herzen behalten und weiter verfolgen und als Mitglied der Vereinsführung bin ich auch in der Presse tätig. Ich wünsche allen Beteiligten, sei es bei uns oder außerhalb der Vereine, weiterhin sportlichen Erfolg und mögen viele Talente den Weg finden.”

 

More in Interviews

%d Bloggern gefällt das: