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Kreisliga B1 Lemgo

SG Talle/Westorf – Sevgül steht Rede und Antwort

Der zukünftige Trainer der SG Talle/Westorf, Naki Sevgül, spricht über die neue Herausforderung, Ziele, persönliche Verluste und stellt neue Kicker für die nächste Saison vor.

„Freiheit im Verein und Rückhalt der Macher stimmen mich optimistisch”

Kreisliga B1 Lemgo (ab). Die Rückrunde hat zwar noch nicht begonnen, aber dennoch laufen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen auf die neue Saison. Der neue Coach, Naki Sevgül, äußert sich bei Lippe-Kick über seine neue Aufgabe. Zudem stellt er die Neuzugänge für die nächste Saison vor und verrät, was die Ziele mit der SG Talle/Westorf sind.

Von André Bell

Lippe-Kick: Zur neuen Saison übernimmst Du die SG Talle/Westorf, diesmal als Cheftrainer, wie kam es dazu?

Naki Sevgül (Bild links): „Nun, so ganz war der Kontakt zur SG Talle/Westorf nach meinem Weggang zur SG Bentorf/Hohenhausen nie abgebrochen. Vereinzelt hat man mit den Verantwortlichen und den Edelfans „geblödelt” und über eine Rückkehr gesprochen und geflachst. Nach dem „Kläschen” – wahrscheinlich haben sie gedacht, da ist er bestimmt leichtsinnig oder nicht Herr seiner Sinne – sind die zukünftigen Vorstandsmitglieder Tobias Nolte und Buddy „Senior” Nitschke konkret an mich herangetreten und haben mir ein Konzept vorgelegt. Dabei wurde großer Wert auf Jugendarbeit und Nachhaltigkeit gelegt. Genau mit sowas konnte man mich locken. Nach einer Woche Bedenkzeit habe ich zugesagt. Meine Frau Martina war auch sehr erleichtert, als ich mitgeteilt habe, dass ich nun ab Sommer wieder abends häufiger auf dem Fußballplatz stehen werde. Die sichtliche Begeisterung von ihr habe ich bis jetzt nicht ganz verstanden.”

Lippe-Kick: Inwiefern ist die Rückkehr zu deinem Ex-Verein etwas Besonderes für Dich?

Sevgül: „Ich weiß nicht, ob es etwas Besonderes für mich ist. Etwas Besonderes war für mich eher das Jahr bei der SG Ben/Hoh oder die Jahre beim TuS Lüdenhausen unter Peter Tonn als Trainer. SG Talle/Westorf ist mehr eine spannende Herausforderung, ein Projekt. Gestaltung des Kaders, Testen von ungewöhnlichen Trainingsmethoden, kurzum die Freiheit im Verein und der Rückhalt der Macher stimmen mich sehr optimistisch, dass die gesteckten Ziele kurz- bis mittelfristig erreicht werden können. Wenn ein Trainer seine eigenen Ideen nicht verwenden kann oder darf, wird er auch nicht zu 100 % hinter seinem Tun stehen. Man muss selbst überzeugt sein, um andere überzeugen und begeistern zu können.”

Lippe-Kick: Wie sehen diese Ziele aus?

Sevgül: „Erstrangig sollen die jungen Spieler gefördert und ausgebildet werden. Die SG soll mit den vielen Spielern aus dem Umfeld wieder eine ernstzunehmende Rolle in der aktuellen Liga spielen. Dabei gilt es alle Aktiven im Verein zu vereinen und die Gemeinschaft, eben die SG, zu stärken. Des Weiteren haben wir uns vorgenommen, uns mit anderen Mannschaften zwar zielstrebig sportlich zu messen, dabei jedoch sympathisch, respektvoll und fair zu agieren. Tabellarisch kann ich mir im ersten Jahr eine Champions-/Europa-League-Platzierung gut vorstellen.”

Lippe-Kick: Warum lohnt es sich bei der SG zu bleiben oder zur SG zu kommen?

Sevgül: „Fast alle Spieler bleiben und viele, die aus diversen Gründen den Verein im letzten Jahr verlassen haben, kehren zurück. Das verdeutlicht die Strahlkraft der SG Talle/Westorf. Spieler wie Lennart Tärre, Pasqual Massow, Dennis Kern, Tim Kuhfuss haben enormes Entwicklungspotential. Zudem konnten wir in sehr guten Gesprächen willigen Spielern, die sportlich und charakterlich in der Lage sind bei der Gestaltung der SG mitzuwirken und sie nachhaltig zu prägen, für uns gewinnen. Wir bieten den Neuzugängen die Chance, mit jungen talentierten Spielern eine spannende Serie zu spielen. Wir wollen Erfolg. Erfolg durch Spaß.”

Lippe-Kick: Um welche Zugänge geht es?

Sevgül: „Wir freuen uns sehr über die Rückkehrer Buddy „Junior” Nitschke und Nils Lücking, die ein Jahr beim TuS Lüdenhausen unter Tim Schauf eine sehr gute Entwicklung gemacht haben. Auch Jonathan Fricke konnten wir für uns gewinnen, der genauso aus Lüdenhausen kommend unseren Kader verstärken wird.

Aus der Kreisliga A Detmold kommt Kenan Sayan, den ich sehr als Charaktertyp schätze. Er wird uns fußballerisch voranbringen. Zudem hat er sehr starke Führungsqualitäten, sodass die Youngsters einen „Ansprechpartner” auf und neben dem Platz haben werden.

Sehr freue ich mich über die Zusage von Özcan Altunbas (Bild links) vom TBV Lemgo, den ich als einen entwicklungsfähigen Spieler sehe, der eine enorme Dynamik mitbringt. Mit ihm können wir unter anderem unsere Offensive variabler gestalten.

Aus Kirchheide kommt der jüngere Bruder von Jonathan Fricke, Justin Fricke. Auf diesen Spieler bin ich ganz besonders gespannt. Ich kenne ihn persönlich nicht, aber viele haben nur Gutes über ihn berichtet.

Von der SG Ben/Hoh kommt der Multifunktionskicker Christian „Chrissi” Köhler. Chrissi ist ein Spieler, der viele Positionen spielen kann. Läuferisch und kämpferisch stark. Im ersten Jahr bei Ben/Hoh hat er uns aufgrund des Torwartengpasses sogar als „mitspielender” Keeper enorm helfen können.

Zuletzt haben wir uns mit Severino „Seve” Westhoff vom VfL Lüerdissen verstärken können. Er wird unser Projekt bei SG Talle/Westorf mitgestalten. Er ist ein Fußballverrückter. Es laufen schon wetten, wann er den ersten Krach mit seiner Freundin bekommt, wenn zwei Fußballwelten aufeinanderprallen. Auf der einen Seite seine Mannschaft aus der Kreisliga B und ihre aus der zweiten Frauen-Bundesliga SV Herford. Für den Fall hat Tobias Nolte ihm schon einen Auswärtsschlafplatz organisiert.

Zwei Wunschspieler sollen noch für unser Projekt gewonnen werden, dann ist die Personalplanung abgeschlossen und der Kader mit 22 Spielern steht.”

Lippe-Kick: Der Wechsel von Severino Westhoff erzeugte viel Unverständnis im Umfeld.

Sevgül: „Über seinen Wechsel zu uns existieren viele Geschichten, Vermutungen, Gerüchte und Spekulationen. Ich könnte hier die Wahrheit kundtun, mache ich aber nicht. Denn die Wahrheit in diesem Fall ist sehr langweilig. Somit soll den spannenden Geschichten um den Wechsel von Severino kein Ende geboten werden. Es darf weiter „getratscht” werden. Nur bin ich über die Statements seitens des VfL irritiert, in dem, meines Erachtens in der eigenen Enttäuschung, Severin in ein falsches Licht gerückt wird. Er hat die Verantwortlichen vertrauensvoll und offen über seine Planung informiert und anschließend rechtzeitig seine Wechselabsicht mitgeteilt, sodass der Verein genügend Zeit hat, einen neuen Spieler zu holen. Er hat zwei Jahre für den VfL gespielt und alles gegeben. Was hat Seve nun falsch gemacht? Sehr unglücklich empfinde ich auch die Äußerungen, die Gesprächsinhalte, die zwischen Spieler und dem Verein im Vertrauen geführt wurden, über die Medien publiziert wurden. Zudem fehlt mir so etwas wie: „Wir finden es schade, dass Seve den VfL verlässt, aber wir akzeptieren und respektieren seine Entscheidung. Wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!” Eben die verdiente Anerkennung für seine Leistung.”

Lippe-Kick: Wie sind die Gespräche mit den potentiellen Kandidaten gelaufen?

Sevgül: „Hier war ich von den jungen Spielern beeindruckt, die genau wussten, was sie wollen. Angenehm offen und ehrlich sind die Gespräche verlaufen. Zudem konnte man sich auf ihr Wort verlassen.”

Lippe-Kick: Welche Spielidee ist dir wichtig?

Sevgül: „Um eine Spielidee zu wählen, brauche ich natürlich Informationen, wie technische Fähigkeiten, körperliche Fitness, Teamfähigkeit, die ich bestimmt in der Sommervorbereitung sammeln kann. Erst danach werde ich eine Spielidee, Taktik und Formation festlegen. En gros möchte ich ein selbstbewusstes und eigenverantwortliches Team mit Spaß am Fußball und dem Projekt SG Talle/Westorf aufbauen. Viele erzielte Tore werden sehr oft vom Zufall begleitet. Wünschenswert wäre, wenn einige gelungene Aktionen als gewollt und gekonnt erkennbar wären, resultierend aus einem Plan heraus.”

Lippe-Kick: Welche Inhalte und Lehren nimmst du von deinen ehemaligen Stationen mit?

Sevgül: „Naja, sooo viele Stationen sind es ja nicht gewesen, oder doch? Klar versucht man zunächst positive Dinge zu kopieren, um anschließend feststellen zu müssen, eine Kopie ist nie so gut wie das Original. Nehmen wir meine Zeit beim TuS Lüdenhausen: Die Truppe lebte und lebt noch heute vom Zusammenhalt und Kameradschaft. So etwas kann man nicht kopieren und erzwingen. So etwas wächst. Dann die Zeit bei der SG Ben/Hoh: Hier haben wir Trainer nie erwartet, dass wir so eine Charaktertruppe vorfinden und dazu noch diese fußballerische Klasse. Spieler wie Kevin Schneider, Hendrik Engelking, Fynn Böger, Marvin Hartwig oder Dominique Maase, um nur einige zu nennen, haben sich prächtig entwickelt, da sie auch Zeit und Geduld dazu haben. Zudem sind kompetente Entscheider im Hintergrund, die geschickt die Fäden ziehen und dem Verein ein Gesicht verleihen. Wenn ich so etwas in eine Mannschaft, einen Verein „reinprügeln” wollte, wäre meine Zeit als Trainer abgelaufen, bevor sie richtig begonnen hat. Erst die Mannschaft und den Verein kennenlernen, um dann das passende System zu wählen.”

Lippe-Kick: Kürzlich ist dein Vater Ali verstorben. Ich möchte mein Beileid ausdrücken.

Sevgül: „Vielen Dank. Sein Tod war unerwartet und plötzlich. Auf einen Herzinfarkt ist man eben nie ganz vorbereitet.”

Lippe-Kick: Wie geht’s dir nach dem Verlust?

Sevgül: „Zunächst fühlt man sich leer, wie es eben ist, wenn man eine der wichtigsten Personen im Leben verliert. Aber je mehr ich mich mit seinem Tod beschäftigt habe, desto gefasster wurde ich. Es mussten diverse Formalitäten, wie amtlicher Papierkrieg, Organisation der Überführung in die Türkei, bis hin zur Beerdigung und anschließender Beerdigungsfeier durchgeführt werden. Spätestens als ich bei -20 °C selbst das Grab meines Vaters mit ausgehoben habe, wurde mir klar: Ich muss hier und jetzt akzeptieren, dass er nicht mehr da ist. Aber die vielen Trauergäste, 250 bei der Beisetzung und ca. 500 bei der Trauerfeier, haben uns mental sehr gutgetan. Aber eins möchte ich noch loswerden: Wenn man so eine Situation durchlebt hat, entwickelt man eine differenzierte Sichtweise auf viele Geschehnisse im Leben. Ich denke, man wird demütiger.”

Lippe-Kick: Wenn Du einen Wunsch hättest…

Sevgül: „… dann würde ich 999 Milliarden, weiter kann ich nicht zählen, neue Wünsche wählen.”

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