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Interviews

TV Herkenrath – Interview mit Benjamin Germerodt

Der TV Herkenrath ist in der Regionalliga West angekommen. Beim Besuch im Juli hat sich Lippe-Kick mit TVH-Kicker Benjamin Germerodt unterhalten.

„Der Bonner SC ist unser Vorbild“

Regionalliga West (hk). Den fast schon epischen Aufstieg vom TV Herkenrath hat Benjamin Germerodt als Spieler komplett mitgemacht. Der ehemalige A-Jugend-Bundesligaspieler des Lokalrivalen SV Bergisch Gladbach ist ein Kind aus der Region. 2012 wechselte der wuchtige Abwehrspieler zum damaligen A-Ligisten. Es folgten der direkte Aufstieg in die Bezirksliga und ein Doppelaufstieg in die Landes- und Mittelrheinliga. Nach diesem Aufstiegshattrick ging es in den vergangenen drei Spielzeiten etwas konstanter zu, ist der TVH doch in dieser Periode Mitglied der fünftklassigen Oberliga Mittelrhein gewesen. Im Interview mit Lippe-Kick äußert er sich zu den Umstellungen, seine große Vorfreude und erklärt, warum der Liganeuling mit einem „Vorwärtspressing“ den Erfolg anstrebt.

 

Lippe-Kick: Welche Umstellungen haben sich für dich sportlich und imagemäßig ergeben, seitdem du dich als Regionalliga-Spieler bezeichnen darfst?

Benjamin Germerodt: „Wir trainieren jetzt fünfmal die Woche mit Spiel. In der ersten Trainingswoche waren es drei Stunden, zuletzt stets zwei Stunden. Wenn die Gegner zweimal am Tag trainieren, trainieren wir halt abends eine Stunde länger als die. Es gibt Krafttrainingseinheiten im Fitnessstudio. Die Videoanalysen haben wir letztes Jahr auch schon gemacht, werden dieses Jahr intensiviert. Ein Spieler, der nicht im Kader steht, ist für die Aufnahmen zuständig. Letztes Jahr hat es unser sportlicher Leiter übernommen. Die Trainingsintensität, auch die Kadergröße, sind wesentlich größer geworden. Letztes Jahr hatten wir 25 Spieler, dieses Jahr haben wir 30 Akteure. So viele brauchen wir aber auch. Immerhin haben sich zum Vorbereitungsbeginn auch wieder einige Kicker verletzt. 26 bis 28 Spieler sind optimal.“

Lippe-Kick: Arbeiten oder studieren alle Spieler neben dem Regionalliga-Fußball?

Germerodt: „Ein paar Studenten gibt es bei uns. Ich arbeite als Dachdecker, übe einen soliden Beruf aus. Polizisten, Einzelhandelskaufleute haben wir auch dabei. Jetzt geht es gegen Vollprofis.“

Lippe-Kick: Gibt es eine Veränderung der Spielweise in der neuen Liga?

Germerodt: „Wir wollen gar nicht so defensiv spielen, eher unser Spiel durchziehen. Wenn man nur hinten drinsteht, hat man gegen diese Gegner keine Chance. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man ein Gegentor kassiert. Deshalb muss man mutig sein und dieses Vorwärtspressing spielen, wie die Holländer generell spielen. Das 4-3-3-System ist bei uns sehr beliebt. Ich habe das bei vielen Gegnern schon gesehen, dass sie diese englische Variante probiert haben. Das ist schwierig zu verteidigen. Wir haben das selbst noch nicht ausprobiert.“

Lippe-Kick: Warum?

Germerodt: „Das macht jeder. Das wollen wir nicht. Wenn es wirklich nötig ist, probieren wir das vielleicht auch aus. Wir haben zunächst einmal das Hauptaugenmerk daraufgelegt, dass wir eine Einheit werden. Harte Trainingswochen haben wir gehabt. Manche haben sich voll verausgabt. Die Standards werden in den nächsten Tagen intensiver trainiert.“

Lippe-Kick: Lässt der Trainer am langen Torpfosten einen Spieler stehen?

Germerodt: „Wir haben einen Verteidiger am kurzen Pfosten. Der Rest spielt Mann gegen Mann. Wir haben schlechte Erfahrungen damit gemacht, im Raum zu verteidigen. Selbst in der Oberliga ist es schwer zu verteidigen, wenn ein kopfballstarker Gegenspieler mit Tempo kommt, können wir die gar nicht blocken. Zwar ist diese Variante altmodisch, aber das ist die beste Waffe für den Erfolg.“

Lippe-Kick: Gibt es gewisse Elemente, um die Geschlossenheit zu demonstrieren?

Germerodt: „Wir waren ein, zweimal essen mit der Mannschaft. Es gab einen Mannschaftsabend. Für Action war nicht viel Zeit. Eine Woche nach dem letzten Spieltag waren wir auf Mallorca auf Aufstiegsfahrt. Alle, die beim TVH spielen, haben ein gewisses Fußballerherz. Du hast hier keine Profibedingungen. Die Spieler kommen aus Köln und Umgebung. Ein Spieler hat eine dreiviertel Stunde Fahrt aus Essen, ansonsten kommen alle Kaderspieler aus der unmittelbaren Region. Das Durchschnittsalter liegt bei uns bei circa 24 Jahren. Mit 28 Lenzen bin ich nach dem Kapitän Sebastian Schauer der zweitälteste Spieler im Kader. Wir haben eine gute Mischung mit den vielen jungen Spielern.“

Lippe-Kick: Bei welchen Spielen ist die Vorfreude besonders stark ausgeprägt?

Germerodt: „Das Derby gegen Viktoria Köln ist etwas ganz Besonderes, obwohl wir da klarer Außenseiter sind. Auch Spiele gegen die Traditionsvereine wie RW Essen oder Alemannia Aachen, wo unser Spieler Mohamed Redjeb hingewechselt ist, wecken die Vorfreude.“

Lippe-Kick: Welche Teams siehst Du mit den besten Aufstiegsperspektiven ausgestattet?

Germerodt: „Ich kann schlecht einschätzen, wie stark Aachen ist. Die Viktoria ist ganz klarer Kandidat für den Sprung in die Drittklassigkeit. Auch der SC Wiedenbrück kann ausgesprochen gut Fußball spielen. Die haben eine richtig harte Vorbereitung hinter sich, wie ich gehört habe. Der SCW kann auch etwas reißen. RW Essen muss auch mal abliefern. Die sind Vollprofis, möchten auch hoch. Sie haben einen neuen Trainer, ich bin gespannt. Sie haben viele tolle Fans. Wenn es gut läuft, können die Fans die Spieler tragen. Wenn es schlecht läuft, haben die Zuschauer schlechte Laune und zeigen das auch.“

Lippe-Kick: Der Klassenerhalt ist sicherlich für euch das Höchste der Gefühle?

Germerodt: „Definitiv. Wer etwas anderes behauptet, der ist sicherlich bekloppt. Man sieht es an Wegberg-Beeck, wie schwer es ist. In der Mittelrheinliga war der FC auch in den Duellen gegen uns eine abgezockte Mannschaft. Viele Aufsteiger gehen aber direkt wieder runter. Ich nehme den Bonner SC als gutes Beispiel. Sie erledigen eine gute Arbeit. Sie haben eine super Infrastruktur, viele Sponsoren, die da etwas ermöglichen. Sie sind eine gute Mannschaft, kommen über die Mentalität. In Kombination mit einem guten Teamgeist kann man da einiges wettmachen. Seit zwei Jahren sind sie nun dabei und sind unser Vorbild. Das ganze Spiel ist viel schneller. Auch im Kopf müssen wir schneller sein. Dazu muss man auch ein bisschen Glück haben.“

Lippe-Kick: Speziell für die Außenseiter ist auch die Unterstützung der Fans ganz wichtig. Ich sehe auf der Gegenseite ein tolles Banner mit beeindruckenden Bildern. Wie wichtig ist für euch der „zwölfte Mann“?

Germerodt: „Der Fansupport ist echt super. Bei Testspielen hatten wir 250 Zuschauer. Die freuen sich alle sehr auf die neue Serie. In ganz Herkenrath und Umgebung sind die Leute euphorisch. Bei meinem Vater auf der Arbeit ist die Vorfreude groß. Wenn wir einen guten Start hinlegen, können wir eine gute Grundlage für die Fans schaffen.“

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview und eine erfolgreiche Saison wünscht Lippe-Kick.

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