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Interviews

TuS Horn-Bad Meinberg – Soethe im verbalen Doppelpass

Klar Kante zeigt TuS-Trainer Richard Soethe im offenen Interview bei Lippe-Kick. Schaut mal rein, was der Coach vom Tabellenelften zu sagen hat.

„Der lippische Fußball ist nicht sehr hoch anzusiedeln“

 

Kreisliga A Detmold (hk). Richard Soethe ist ein Segen für die hiesige Pressewelt. Wenn er spricht, hat er etwas zu sagen. In den Zeiten, wo auch im lokalen Fußball die Personalnews wie der heilige Gral geschützt werden, hat der Chefcoach des TuS Horn-Bad Meinberg eine klare Meinung. Ob die Platzverhältnisse in Bad Meinberg, die Einstellung der heutigen Spielergeneration, sein Ideal vom Fußball oder die Situation im lippischen Fußball, Soethe besticht im Lippe-Kick-Interview mit klaren Aussagen.

 

Lippe-Kick: Hallo Richard, am Freitagabend ist beim Stand von 2:1 für euch in Rischenau eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff plötzlich das Flutlicht ausgefallen. Wie ärgerlich ist es, dass die mögliche Verdopplung eurer Punktezahl zumindest vertagt wurde?

Richard Soethe: „Der Ausfall der Flutlichtanlage kam uns natürlich nicht gelegen, auch wenn es nur 2:1 für uns stand und zu dem Zeitpunkt eigentlich Rischenau am Drücker war. Bei einigen meiner Spieler sah man doch deutlich den Substanzverlust, auf einem grünen und stumpfen Rasen der Kraft kostete, an. Man kann fehlende Trainingseinheiten nicht über 90 Minuten mit Einsatz wettmachen, zumal, wenn du dir das Leben zusätzlich durch wenig Reden und unnötige schnelle Ballverluste schwer machst und dadurch viele Wege laufen musst. Wir hätten gerne die drei Punkte mitgenommen, weil wir das erste Mal in dieser Saison bei beiden Toren die gravierenden Fehler des Gegners ausgenutzt haben. Da hatte sich die Umstellung im System schon mal bezahlt gemacht. Aber darüber Lamentieren hilft nichts, wir müssen weiter an vielen Schwächen, vor allem im Fitnessbereich, arbeiten und unsere Stärken versuchen, mehr ins Spiel einzubringen und vor allem vor dem Tor bissiger werden.“

Lippe-Kick: Der Saisonstart ist von vielen „Nebenkriegsschauplätzen“ geprägt gewesen. Eure Trainingsbedingungen sind nicht optimal, auch hast Du mit einigen Ausfällen zu kämpfen gehabt. Welche Lösungsmöglichkeiten könnte es hierfür geben, dass sich so etwas nicht wiederholt?

Soethe (Bild): „Ja, mit den Nebenkriegsschauplätzen sprichst du was an. An den miserablen Trainingsbedingungen können wir nichts ändern, hier ist die Stadt gefragt, im Sommer nicht das Geld für verfehlte und unnötige Maßnahmen zur Platzsanierung rauszuschmeißen, sondern sich mal einen Fachmann zu holen, um eine sinnvolle Sanierung durchzuführen und diese dann auch konsequent zu Ende zu führen. In diesem Jahr wurde der Platz nach der Maßnahme nicht konsequent regelmäßig gewässert, um das Rasenwachstum anzukurbeln und nicht den Platz wie eine Wüste verdorren zu lassen. Das wird bis zum Winter dauern, bis der Platz sich erholt hat.

Der zweite Punkt sind die vielen Ausfälle wegen Urlaub in der Vorbereitung und auch in der Serie, denn hier gibt es in vielen Fällen keine Gründe, warum man persönlich das nicht anders terminieren kann. Hinzu kommen die vielen „persönlichen“ Gründe, die zum großen Teil für mich nicht nachvollziehbar sind, denn bei besserer Planung seines Lebens kann man viele Absagen vermeiden. Man könnte aber auch das eine oder andere Mal, wenn man länger arbeiten musste, auch verspätet noch zum Training kommen oder auch, wenn man weiß, dass man so einen Job hat, an den Trainingstagen seine Tasche morgens schon mitnehmen, um nicht erst noch nach Hause zu müssen. Alles eine Frage der Einstellung und des Willens. Zu unserer Zeit war das erstaunlicherweise nie ein Problem, denn dank fehlendem Handy, um mal eben absagen zu können, gab es nur ein Festnetz und da war der Trainer nicht immer erreichbar und man musste vorher schon wissen, was läuft und nicht fünf Minuten vor Trainingsbeginn feststellen, dass ich vielleicht Spätschicht habe. Hier kann ich allen Beteiligten nur raten, sich im Leben etwas besser zu organisieren und jedes Mal darüber nachzudenken, ob eine Absage wirklich notwendig ist oder ob ich nicht doch noch verspätet kommen kann oder gegebenenfalls auch mal bei einem Termin vielleicht eher das Training beende, als erst gar nicht zu erscheinen.“

Lippe-Kick: Wie fällt deine Zwischenbilanz zum Saisonstart aus?

Soethe: „Der Saisonstart ist eindeutig unserer Situation geschuldet und gleich im ersten Spiel gegen Hörste hat man es auch gesehen. Hier war ein Aufsteiger mit entsprechender Beteiligung beim Training und Euphorie und Einsatzwillen auf dem Platz, gegen den wir weder vom Willen noch von der Physis her gegenhalten konnten und auch einige Spieler nicht wollten. Dann kam die Pokalqualifikation in Heidenoldendorf, bei der wir ein ganz anderes Gesicht gezeigt haben und den Sonntag bei Post ebenfalls und schon sah man, was in der Mannschaft steckt, wenn alle wollen. Die Spiele gegen Heidenoldendorf in der Meisterschaft Dienstag nach dem Post Spiel und Brakelsiek litten unter unserer mangelnden Spieleranzahl und Möglichkeit, effektiv im Spiel etwas zu verändern und darunter wieder in alte Strukturen zu verfallen, Unkonzentriertheit und Hektik im Spiel verbunden mit daraus resultierenden groben Schnitzern. Also nach einer guten Phase kam wieder eine schlechte und gegen Rischenau waren wir wenigstens von der Einstellung her wieder auf einem besseren Weg.

Wenn wir diese Schwankungen besser in den Griff bekommen und einen ruhigen sachlichen Fußball mit Leidenschaft spielen, das Lamentieren bei Schiedsrichterentscheidungen und die Diskussionen mit den Gegenspielern verringern, ist noch vieles möglich und wir können noch viele Mannschaften ärgern und uns im gesicherten Mittelfeld ansiedeln, denn das Potenzial ist definitiv auch bei dem kleinen Kader vorhanden. Es muss nur jeder Spieler begreifen, dass nicht er im Mittelpunkt steht, sondern wir als Mannschaft und er dieser gegenüber Verantwortung zu tragen hat.“

Lippe-Kick: Was ist im weiteren Saisonverlauf noch möglich, welcher Fußball entspricht deinem Ideal?

Soethe: „Mein Ideal vom Fußball ist eine offensive Ausrichtung mit stabiler Defensive. Aber dafür musst du das Potenzial auf allen Positionen haben und nicht dauernd andere Aufstellungen wählen müssen.“

Lippe-Kick: Du hast einige Erfahrungswerte im ostwestfälischen Fußball gesammelt. Wo steht der lippische Fußball im Vergleich zu anderen Kreisen?

Soethe: „Der lippische Fußball ist leider nicht sehr hoch anzusiedeln, denn es gibt zwar Bezirksligisten, aber keinen Landesligisten, im Jugendfußball sind wir hier auch nicht besonders gut aufgestellt und eine Spielkultur in der A-Liga, die bei vielen Mannschaften doch eher undurchdacht und als Kick-and-Rush zu bezeichnen ist, was nicht böse gemeint ist, denn selbst bei uns überkommt mich manchmal dieses Gefühl, wenn ich das Training und dann das Spiel vergleiche. Es liegt aber auch daran, dass die Qualität aus dem vernachlässigten Jugendbereich nicht nachkommt und wo sollen denn aus den wenigen A-Jugendmannschaften die Anzahl und geschweige denn die Qualität der Spieler für die große Anzahl Seniorenteams kommen, wenn die älteren erfahrenen Kicker zunehmend früher aus dem Fußballleben ausscheiden? Heute höre und lese ich immer, dass 29-, 30-Jährige ans Aufhören denken?! Ich bin zu meiner aktiven Zeit mit 32 Jahren nochmal vom TuS Horn-Bad Meinberg aus der Landes- in die Oberliga nach Brakel gewechselt und das mit Frau, zwei Kindern und viermal Training die Woche in der Serie und, ach so ja, einem Vollzeitjob auch noch. Und ich musste aus gesundheitlichen Gründen kurz vor meinem 36. Lebensjahr aufhören und wollte eigentlich nicht. Damit war ich vom Alter her, weder in der Mannschaft, noch im Fußball, eine Ausnahme, ganz im Gegenteil.“

Lippe-Kick: Vielen Dank für das meinungsstarke Interview.

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