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Hallenfussball

LZ-CUP 2018/19 – Nachbericht Endrunde Gruppe 1

Der TSV Horn kämpft und siegt für seinen verstorbenen Mitspieler, der Post TSV Detmold scheitert knapp, während Lüerdissen enttäuscht. Das ist die kurze Zusammenfassung der Gruppe 1. Lippe-Kick hat noch mehr Details.

Gruppe 1

Post TSV Detmold vs. Türkischer SV Horn 2:2
TSV Oerlinghausen vs. VfL Lüerdissen 3:0
Post TSV Detmold vs. TSV Oerlinghausen 2:2
VfL Lüerdissen vs. Türkischer SV Horn 1:6
Türkischer SV Horn vs. TSV Oerlinghausen 3:2
VfL Lüerdissen vs. Post TSV Detmold 0:4

1. Türkischer SV Horn 11:5 7 Punkte
2. Post TSV Detmold 8:4 5 Punkte
3. TSV Oerlinghausen 7:5 4 Punkte
4. VfL Lüerdissen 1:13 0 Punkte

Fußball ist nur Nebensache

(hk). Es gibt wohl kein Wort, was den Schmerz über den Verlust eines Menschen lindern kann. Wenn eine geliebte Person von dieser Welt geht, wird alles im Leben relativ. Jeder Fehlpass, jede Niederlage auf dem Spielfeld, jeder Rechtschreibfehler in den hiesigen Redaktionen. Wir sollten ruhiger werden im Umgang miteinander. Denn: Fußball ist nur eine Nebensache, möglicherweise die schönste der Welt. Alles wird nichtig im Vergleich zu einem Menschenleben. Der Cut hin zum Sportlichen: Die Horner holen sich den Gruppensieg, Turnierfavorit Post TSV Detmold scheitert knapp. Auch Oerlinghausen hat knapp das Nachsehen, während für Lüerdissen diese Endrunde zu einem Fiasko mutiert.

Von Henning Klefisch

 

Einen großen Respekt muss dem TSV Horn dafür gezollt werden, dass er überhaupt angetreten ist. Sie haben wie die Löwen für ihren verstorbenen Mannschaftskameraden Oguzhan Yavuz gekämpft, ein tolles Turnier bestritten. Das Team Lippe-Kick zieht alle verfügbaren Hüte, dass und wie die Kicker vom Türkischen SV Horn für ihren Freund gespielt haben. Oguzhan Yavuz wird stolz sein, wenn er vom Himmel aus seinen Mannschaftskameraden beim Kicken im Handballtempel zugeschaut hat. TSV-Manager Ender Ünal beschreibt die Stimmungslage beim Bezirksliga 3-Vertreter: „Wenn man bedenkt, was für eine schlimme Woche wir als Verein hatten. Wir verlieren einen 21-jährigen Jungen, Mitspieler, Freund, ein Familienmitglied, ganz Horn stand in Trauer. Für uns vom Vorstand war klar: Wir wollten für Sonntag absagen, unser Präsident Ivo Peraga und Sven Koch haben mit der Mannschaft gesprochen und die hat gesagt, die wollen für Oguzhan spielen“, tun sie dies auf beeindruckende Art und Weise. Charakterstark treten sie als Einheit auf dem Platz auf, können ihre Trauer in Spielfreude kanalisieren und demonstrieren schon in der Vorrunde eine tolle Moral. Quasi mit dem Schlusspfiff erzielen die Horner den 2:2-Ausgleich gegen den Top-Favoriten Post TSV Detmold. Es folgt ein beschwingter 6:1-Sieg über den VfL Lüerdissen, ehe in einem dramatischen Spiel der TSV Oerlinghausen mit 3:2 bezwungen wird. Wahnsinn: Der fliegende Fänger Cihat Keles (Bild rechts) ist der wahre beste Spieler des Turniers. Mit atemberaubenden Paraden und einer gewaltigen Spielintelligenz ist er der Spielmacher, das Gehirn im Team von Coach Thorsten Schmiech. Respekt: Vorab werden über 100 T-Shirts gedruckt und Ünal spricht bedeutungsschwere Worte: „Das erste Mal in meinem Manageramt – seit 15 Jahren bin ich beim TSV Horn – habe ich gesagt, dass Fußball nicht alles ist. Man kann die Gefühle nicht beschreiben. Es ist grauenhaft, aber wir haben das Beste gemacht, jedem gezeigt, dass wir eine Riesen-Familie sind. Dass man, auch, wenn es schwer ist, zeigt, dass es weitergehen muss.“ Ender Ünal bedankt sich bei seinen Spielern und Anhängern für diesen tollen Tag, beeindruckt ihn ein weiterer Aspekt umso mehr: „Was mich stolz gemacht und auch gezeigt hat, dass die ganze Halle für uns war.“ Dadurch ist eine Erkenntnis bei ihm gereift: „Das zeigt, dass man mit Disziplin und Willen Berge versetzen kann“, möchte er sich am heutigen Tag bei allen Protagonisten bedanken.

Über den grünen Klee gelobt worden ist der Post TSV Detmold, verfügt dieser doch über einige hochkarätige Hallenspieler, die auch im Futsal-Team der Cherusker Detmold zu brillieren wissen. Ohne eine Niederlage beenden die Residenzler dieses Turnier, doch ein Sieg und zwei Remis in der Endrunde sind für die eigenen Ansprüche einfach zu wenig. Deshalb ist die Einschätzung vom Post TSV Co-Trainer Christoph Zimmermann (Bild links) nur allzu verständlich: „Wir sind natürlich nicht zufrieden und haben sportlich enttäuscht. Wir sind völlig hinter unseren eigenen Erwartungen geblieben und zurecht ausgeschieden.“ Wenn sie mit mehr Cleverness gespielt hätten, gieriger auf die Verteidigung des Sieges gewesen wären, hätten sie jeweils den knappen 2:1-Vorsprung gegen den TSV Horn und TSV Oerlinghausen verteidigt. Zugegeben: Ziemlich viel Konjunktiv. In beiden Fällen müssen sie aber wenige Sekunden vor dem Abpfiff den Ausgleichstreffer hinnehmen. Zimmermann hat beobachtet: „Fußball wird im Kopf gespielt und mit den Beinen umgesetzt. Wir sind nicht richtig ins Turnier gekommen und die Leichtigkeit vergangener Turniere hat uns gefehlt“, ist doch der Glaube in die eigene Stärke grundsätzlich vorhanden gewesen. So hat die Post-Kutsche doch zuletzt die beiden hochklassig besetzten Turnier des RSV Barntrup und des Türkischen SV Horn für sich entschieden. „Trotz individueller Klasse haben wir die PS nicht auf die Straße bekommen. Wir waren perfekt auf den ersten Gegner eingestimmt und wussten um die Stärke des „Flying Goali“, hat es an der Vorbereitung nicht gelegen, dass ein polyvalenter Alleskönner wie Cihat Keles nicht richtig kontrolliert wird. Akribisch ist die Analyse durchgeführt worden: „In der Besprechung sind wir explizit auf die Vor- und Nachteile von Türken Horn eingegangen und haben jede Eventualität an der Taktik-Tafel gestellt. Zuordnung und Stellungsspiel gegen den Ball sogar im Training geübt. Das hilft aber alles nichts, wenn du durch individuelle Fehler Gegentore bekommst“, ist dies doch besonders ärgerlich. Die Forderung von Christoph Zimmermann ist nur allzu leicht verständlich: „In der Halle musst du zwölf Minuten Vollgas geben und darfst zu keinem Zeitpunkt abschalten“, moniert er weitergehend: „Wenn du bei eigener Führung kurz vor Schluss den Ausgleich kassierst, dann hast du bei unserer individuellen Qualität an Ballsicherheit irgendwo gepennt. Wir müssen einfach in der Lage sein, den Ball kurz vor Schluss zu dominieren und uns so positionieren, dass der Gegner nur hinterherläuft“, fehlt die Dominanz, die Selbstverständlichkeit im eigenen Spiel. Fast schon ein Zwillingsbruder des ersten Spiels ist das Duell mit den Bergstädtern aus Oerlinghausen. Zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff schluckt der Post TSV den Ausgleich „gegen einen Gegner, der niemals durch spielerische Klasse zurückgekommen wäre.“ Welche großartigen Fähigkeiten die Postler ihr Eigen nennen dürfen, wird im letzten Gruppenspiel deutlich, als der VfL Lüerdissen zeitweise vorgeführt, locker mit 4:0 besiegt wird. Immer noch präsentiert sich der wortgewandte Assistenztrainer kopfschüttelnd: „Somit muss man einfach resümieren, dass selbst ein guter Auftritt in Lemgo nicht mehr ausreicht, um das Halbfinale zu erreichen, geschweige denn das Turnier zu gewinnen. Selbst wenn du das Turnier achtmal gewinnst, ist das kein Selbstläufer.“ Völlig richtigerweise erkennt er, dass das Feld bis auf den Lüerdisser Ausreißer ausgesprochen eng beisammen ist, kleidet Zimmermann diese Erkenntnis in Worte: „Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Unterschiede minimal sind und am Ende der Kopf ein essentieller Knackpunkt ist, der über Siegen oder Fliegen entscheidet“, besitzt der mentale Aspekt eine enorme Bedeutung. Abschließend steht fest: Der Post TSV Detmold ist nicht von den Gegnern, sondern von sich selbst geschlagen worden. Was sie sich vorwerfen lassen müssen: Nach dem späten Gegentor gegen die Horner haben sie im Oerlinghausen-Spiel den gleichen Fehler begangen, nicht die richtigen Lehren gezogen.

Wer so viel Pech wie der TSV Oerlinghausen am Endrunden-Tag hat, der wird die nächsten zwei Jahre diese Menge aufgebraucht haben. Im letzten Gruppen-Spiel haben die Bergstädter Chancen für gefühlt drei Spiele, doch verlieren höchst unglücklich mit 2:3 gegen den späteren Finalteilnehmer Türkischer SV Horn. TSV-Co-Trainer Jan Rüter (Bild links) bezeichnet diese knappe Niederlage im Endspiel um den Gruppensieg verständlicherweise als „sehr ärgerlich.“ Dennoch zieht er auch seinen Hut vor der Vorstellung der Eggekicker: „Gegen Horn war es am Ende sehr ärgerlich, dass wir das Spiel 3:2 verloren haben, aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass Horn auch in unserer Gruppe am konstantesten gespielt und verdient die Gruppe gewonnen hat.“
Der Auftakt gestaltet sich vielversprechend für die Jungs vom Trainerfuchs Miron Tadic, die den VfL Lüerdissen souverän mit 3:0 in die Knie zwingen. Rüter relativiert dies im Lippe-Kick-Gespräch jedoch ein wenig, wenn er beobachtet hat: „Wobei diese auch heute nicht in der Verfassung waren wie noch in der Zwischenrunde.“ Es folgt für den Bezirksliga 2-Vertreter eine gute Vorstellung gegen die Residenzler, ist es doch ein „ausgeglichenes Spiel“, wie Rüter meint, weshalb das 2:2 trotz des späten Ausgleichstores berechtigterweise zustande kommt. Es ist bitter, dass die Westlipper nur eine Begegnung verloren haben, damit vorzeitig die Heimreise antreten müssen. Es überwiegt jedoch die heitere Laune im Lager von Rüter: „Schade drum, aber aufgrund dessen, dass wir im ganzen Turnier nur ein Spiel verloren haben, war es für uns ein gutes Turnier und ein tolles Erlebnis“, spielt man nicht jeden Tag vor einer vierstelligen Kulisse.

Sicherlich ist der VfL Lüerdissen nicht als Titelkandidat in diese Endrunde gegangen. Dennoch hat wohl nicht einmal der größte Pessimist daran geglaubt, dass das Spitzenteam aus dem Lemgoer Kreisoberhaus so chancenlos nach der Vorrunde die Segel streichen muss. Drei heftige Niederlagen kassiert die Mannschaft von Spielertrainer Tim Steffen (Bild links), schluckt 13 Gegentore, trifft selbst nur einmal. Steffen stellt korrekterweise fest: „Das war heute nichts.“ Ein großes Ärgernis stellt dieser Auftritt in der Phoenix Contact Arena dar: „Wir haben heute sicher nicht das gezeigt, was wir zu leisten im Stande sind, das war heute sicherlich eine Lehrstunde, sowohl für mich als Coach als auch für die Spieler! Ich habe falsche Entscheidungen getroffen, und auf dem Parkett hatten wir zu viel Respekt“, haben die Lüerdisser einen gebrauchten Tag erwischt. Für ihn ist allein schon die Tatsache, dass die Endrunde erreicht worden ist, ein Erfolg, „worauf man stolz sein kann.“ Schon der Auftakt geht in die Hose, verliert der VfL mit 0:3 gegen Oerlinghausen, agiert sehr verunsichert. In der Endphase dieses ersten Spiels treten die Lüerdisser enthemmter auf, doch belohnen sich nicht mit einem Tor. Die 1:6-Packung ist desillusionierend: „Im zweiten Spiel waren wir fast wie gelähmt, ließen den starken fliegenden Keeper zu häufig zu nah an unser Gehäuse“, ist das Ausscheiden schon nach 24 absolvierten Minuten bittere Realität. Auch gegen den Post TSV Detmold, der seine Chance mit einem Sieg nutzen muss und genutzt hat, ist es kompliziert. Die Kicker aus dem Waldstadion erleben auch hier ein Waterloo, unterliegen deutlich mit 0:4. Steffen wählt im Lippe-Kick-Gespräch deutliche Worte: „Wir haben uns heute nicht gut verkauft, wofür ich die Verantwortung übernehme“, übt er gezielt auch Selbstkritik. In Depression zu verfallen und träge zu werden, dies missbilligt Tim Steffen, der folgende spannende Aufgaben auf die Seinen zukommen sieht: „Ende Januar startet jetzt unsere Wintervorbereitung, worauf es den Fokus zu legen gilt! Die Enttäuschung ist heute natürlich groß, doch es gilt nach vorn zu schauen“, ist ein Blick in den Rückspiegel sinnlos.

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