Connect with us

Hallenfussball

LZ-CUP 2018/19 – Nachbericht K.-o.-Runde

Viel Spannung bieten die Halbfinalspiele und auch das Finale selbst reißt alle Zuschauer von den Sitzen. Der Sieger wird erst im Neunmeterschießen gekürt.

Horn begeistert – Lemgo siegt im Neunmeter-Krimi

LZ-Cup (ab). Tolle Tore, viel Spannung und einen am Ende glücklichen, aber auch verdienten Sieger gibt es nach den KO-Spielen zu konstatieren. Dem TSV Horn fliegen die Herzen der Zuschauer zu, der TBV Lemgo hat im Neunmeterschießen das glücklichere Ende für sich und feiert nach 2005 den zweiten LZ-Cup-Sieg.

Von Henning Klefisch, Gerrit Barthelmeus & André Bell

 

Halbfinale

TSV Horn vs. SuS Pivitsheide 2:1

(hk). Cihat Keles (Bild links) ist der Mann des Spiels. Der Flying Goalkeeper entscheidet mit zwei präzisen Weitschusstoren die umkämpfte Begegnung. Zum 1:0: Keles haut die Kugel aus rund 14 Metern Torentfernung in die von ihm aus gesehen linke Ecke. SuS Pivitsheide schlägt aber zurück. Mentalitätsmonster Denis Zurheide ist gegen Mitte der Partie mit einem Flachschuss per links in die lange Ecke erfolgreich. Das Siegtor für die Eggekicker fällt zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff. Erneut ist SuS-Fänger Marcus Alf machtlos beim Keles-Schuss. Das Siegtor könnte optisch gesehen ein eineiiger Zwilling vom ersten Treffer des Spiels sein. Wieder trifft Keles aus der Distanz. TSV-Manager Ender Ünal verrät im Lippe-Kick-Gespräch: „Vor dem Halbfinale habe ich gesagt, dass wir klar besser sind und Pivitsheide schlagen werden, aber sie haben mit Marcus Alf einen klasse Torwart.“ Dennoch ist der sportliche Ertrag für ihn von keiner allzu hohen Relevanz, sollen seine Kicker doch die Köpfe frei bekommen, zudem für den verstorbenen Oguzhan Yavuz spielen. SuS-Obmann Henning Diekmann weiß, dass es Probleme gibt, gegen solch einen spielenden Keeper wie Cihat Keles erfolgreich zu sein. Der ehemalige Landesligaspieler leitet viele Spielzüge ein, setzt zusammen mit seinem Bruder Oguzhan die Mitspieler gekonnt in Szene. Die technische Klasse der Eggekicker ist offensichtlich. In der ersten Minute hält Keles überragend einen Weitschuss von Samuel Töws (Bild rechts) mit einer „Monsterparade“, erkennt Henning Diekmann an. Konkret: In bester Oliver Kahn-Manier greift er geschickt über, fliegt wie ein Adler und lenkt das Spielgerät entscheidend über die Latte. Und: Marian Schulz hat viel Pech bei einem Schuss an das Gebälk. Es ist ein ansprechendes, fußballerisch gutes Halbfinale, garniert mit starken Spielzügen und der nötigen Spannung. Es geht auf und ab, beide Teams unterstreichen, dass sie völlig zu Recht so weit bei den diesjährigen Hallenmeisterschaften gekommen sind. Fast schon im Stile eines Schweigemönches – nur mit voller Haarpracht –  präsentiert sich Diekmann: „Wenn man in der wirklich allerletzten Sekunde ausscheidet, ist es schwer, einen Grund zu nennen. Das war einfach sehr unglücklich“, ist die Glücksgöttin Fortuna nicht auf Seiten der Pivitker in diesem Spiel gewesen.

 

SG Hiddesen/Heidenoldendorf vs. TBV Lemgo 1:4

(gb). Von Anfang an merkt man beiden Mannschaften an, dass man sich nicht hinten reinstellen, sondern nach vorne spielen will. Beide Mannschaften erspielen sich zahlreiche gute Möglichkeiten und der TBV geht in einem offenen Spiel mit 1:0 in Führung. Torschütze nach einer schönen Kombination ist Oliver Hett. Im Anschluss investiert Hiddesen/Heidenoldendorf mehr und kommt durch Capitano Steffen Hinder (Bild links) nach schöner Vorarbeit von Alexander Schreckenbach zum 1:1-Ausgleich. Dort kann man die Klasse der SG aufblitzen sehen. „Leider konnten wir unsere Leistung aus den ersten beiden Vorrundenspielen nicht in das Halbfinale übertragen“, sagt ein etwas enttäuschter SG-Trainer Markus Rüschenpöhler, der trotzdem mit der Turnierleistung seiner Mannschaft zufrieden ist: „Wir sind geteilter Dritter von insgesamt 64 Teilnehmern geworden, die am LZ-Cup teilgenommen haben“, sagt er, der nach dem Ausgleichstreffer mitansehen muss, wie der TBV seine Stabilität in der Defensive zurückfindet und Spielspaß und vor allem Effektivität in der Offensive zeigt. Durch einen Doppelschlag von Fatih Öztürk zieht der TBV nach schöner Kombination und einem abgefälschten Distanzschuss mit 3:1 davon. Alle Offensivbemühungen der SG werden von einer konzentrierten Abwehrleistung unter der Leitung vom bärenstarken Zalem Özmen (Bild rechts) zunichte gemacht. Dieser sorgt am Ende für den Schlusspunkt. Nach einem katastrophalen Fehlpass im Spielaufbau schnappt er sich den Ball und muss nur noch ins leere Tor einschieben. „Wir hatten die ganze Halle gegen uns, das hat es uns nicht leicht gemacht. Dennoch haben wir gut und konzentriert agiert und das Ergebnis souverän heruntergespielt“, berichtet ein sehr zufriedener TBV-Trainer Ilker Siviloglu, der ebenfalls mit der Rückennummer 5 auf dem Spielbericht steht, sich das Geschehen aber dann doch lieber von draußen angeschaut hat. Als Fazit bleibt zu ziehen: Beim Stand von 1:1 hätte das Spiel in beide Richtungen gehen können. Der TBV fängt sich aber schnell nach dem Ausgleich und zeigt im Anschluss eine konzentrierte Leistung und setzt sich am Ende verdient mit 4:1 durch. Wenn man gegen einen solchen Gegner mit 4:1 gewinnt, kann man nur den Hut ziehen und von einem verdienten Einzug ins Finale sprechen.

 

 

Finale

TSV Horn vs. TBV Lemgo 9:10 n.N. (4:4)

Die Sympathien in der Halle sind klar verteilt. Der TSV Horn begeistert mit seinem Spielstil, allen voran „Flying Goalie“ Cihat Keles ist ein Publikumsliebling. Nicht nur die eigenen Fans, sondern unter anderem auch die des FC Augustdorf, die ihre eigene Mannschaft nicht mehr anfeuern können, unterstützen den TSV Horn lautstark mit Sprechchören. Und auch die Tatsache, im Finale zu stehen, zollt den Zuschauern viel Respekt ab. Auch TSV-Manager Ender Ünal ist stolz darauf, „unter den Voraussetzungen, die wir durchgemacht haben, so weit zu kommen.“ Schon vor der Endrunde hatte Ünal gesagt: „Für uns ist der Fußball nebensächlich, wir haben das Ziel, die Köpfe freizubekommen und für Oguzhan zu spielen.“ Ins Finale kommt Horn dann auch zunächst nicht so gut rein, der den besseren Start erwischt der TBV Lemgo und allen voran ist es Ali Celik, der die Hansestädter fast im Alleingang zum Titel geschossen hätte. Die ersten Minuten gehören dem TBV, die früh Druck machen und auch die ersten Chancen haben. Celik besorgt mit einem sehenswerten Treffer in den Winkel für das frühe 1:0, Patrick Kötter kann kurz darauf im Eins-gegen-Eins gegen TSV-Keeper Cihat Keles das 2:0 markieren. Doch angetrieben von seinen eigenen und unterstützt durch die meisten anderen Fans in der Halle, kämpft sich Horn zurück ins Spiel. Amin Hassan sorgt mit seinem 1:2 für neue Hoffnung. Den alten Zwei-Tore-Abstand kann Ali Celik mit seinem zweiten Finaltreffer wiederherstellen. Nach einem an ihm selbst verursachten Neunmeter kann Cihat Keles aber wiederum verkürzen. Nach einer Zeitstrafe gegen Berkan Karaduman muss Horn allerdings zittern, bringt die zwei Minuten auch beinah unbeschadet über die Runden, eine Sekunde vor Ablauf der Strafe kann Ali Celik aber doch noch das 4:2 erzielen. Mit einer starken Willensleistung findet Horn noch einmal zurück ins Spiel. Sehenswert erzielt Karaduman nach einer Flanke mit dem Kopf das 3:4. Übrigens der einzige Kopfballtreffer des gesamten Tages. In der Folge hat Horn die große Chance das Spiel auszugleichen, doch diesmal kann Cihat Keles einen Neunmeter nicht verwandeln. Stattdessen ist es nun an Oguzhan Keles, doch noch das 4:4 erzielen. Sein Treffer bedeutet das Neunmeterschießen. Zunächst treten je drei Schützen an, alle verwandeln sicher, so dass es im „Sudden Death“ weitergeht. Auch hier behalten alle Schützen die Nerven. Es steht 8:8, dann 9:9, doch dann wird Serkan Kilic zum tragischen Helden, sein Versuch landet an der Bande neben dem Tor. Fatih Öztürk kann nun zum Siegschützen für Lemgo werden und er verwandelt seinen Versuch sicher zum 10:9. Der Jubel ist groß, nach 2005 sichert sich der TBV Lemgo zum zweiten Mal den Titel beim LZ-Cup. Als erste Lemgoer Mannschaft überhaupt im Handballtempel. Denn hier hatten mit dem Post TSV Detmold (2015 bis 2017) und dem FC Augustdorf (2018) nur Mannschaft aus dem FuL-Kreis Detmold gewonnen. Trotz der Niederlage findet Ender Ünal nur lobende Worte: „Wir haben kein einziges Spiel verloren, das muss man bedenken.“ Und ein Neunmeterschießen ist einfach Glückssache. Beim TSV Horn fühlte man sich „vor dem Finale schon als Sieger. Aber wenn man im Finale steht, dann will man das auch wirklich gewinnen.“ Der Manager zeigt sich als fairer Sportsmann: „Soweit ich weiß, hat Lemgo das Finale auch schon zweimal nach Neunmeterschießen verloren, insofern gönne ich es ihnen jetzt auch.“ TBV-Coach Ilker Siviloglu richtet seinen Dank an die „Zuschauer und an Pino, die immer an uns geglaubt haben.“ Auch er zollt dem unterlegenen Finalgegner seinen Respekt: „Ein riesen Kompliment auch an TSV Horn, die trotz eines Trauerfalls so ein starkes Turnier gespielt haben!“

Werbegruppe OWL Sport

More in Hallenfussball