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Bezirksliga Staffel 3

Post TSV Detmold – Per Aspera ad astra

Eine Frischzellenkur findet bei den Postlern statt. Mit frischen Kräften wird vielleicht auch die Statik des Spiels geändert, zumindest bekommt die Mannschaft ein neues Gewand.

Grundmann hofft auf Serientäterschaft

 

Bezirksliga 3 (hk). Jaja, per Aspera ad astra (zu deutsch: durch das Raue zu den Sternen oder umgangssprachlich: erfolgreich durch die schweren Zeiten, dies erhofft sich der Post TSV Detmold. Kolossalen Umbaumaßnahmen unterliegt der Kader der Brokmänner. Berufliche Veränderungen sind ausschlaggebend dafür, dass ein personeller Aderlass hingenommen werden muss. Zugleich bieten die beiden Abgänge der langjährigen Taktgeber Johann Felker und Enis Cömert aber auch die Chance einer Frischzellenkur. Post TSV-Manager Michael Grundmann macht keinen Hehl daraus, sagt er doch: „Uns ist es klar, dass wir unseren Kader auch ein bisschen verjüngen müssen, da einige Spieler bei uns schon an die 30 sind und wir aktuell noch keine A-Jugend haben, von der wir jedes Jahr junge Leute hochbekommen.“

Von Henning Klefisch

 

Die Konsequenz ist naheliegend, dass talentierte Kicker aus der Region in die Rolle als Hoffnungsträger schlüpfen können. Die Wahl ist auf Robin Jöstingmeier (SG Hiddesen/Heidenoldendorf) und Michael Ring (SVE Jerxen/Orbke) gefallen, zwei überaus talentierte Zocker, die im Privatbereich eine ausgesprochene Freundschaft pflegen. Grundmann erklärt: „Beide wollen Bezirksliga spielen und sich weiterentwickeln. Wir werden ihnen die Zeit geben und keinen Druck machen.“ Er zeigt sich dennoch optimistisch, dass die beiden Neuen definitiv das Potential mitbringen, um sich einen begehrten Platz in der Startformation zu sichern. Gewinnbringend ist gewiss auch der Fakt, dass Chefcoach Ralf Brokmann Jöstingmeier und Ring ausgesprochen gut kennt, er auch seine Aktien an diesem Transfer besitzt.

 

Rüskaup-Rückkehr in die Heimat

M. Rüskaup

Weiter in seiner Entwicklung befindet sich Marco Rüskaup, der im FuL-Kreis Detmold fußballerisch groß geworden ist, bei SuS Pivitsheide und Jerxen/Orbke, ehe es ihn dann höherklassig weiterzog zu den Landesligisten SV Avenwedde und Delbrücker SC. Grundmann, der in Pivitsheide nur einen Steinwurf von Rüskaup entfernt wohnt, hat diese räumliche Nähe effizient eingesetzt. Gegenüber Lippe-Kick verrät der ehemalige Bezirksliga-Kicker: „Wir haben uns auch öfters mal zufällig getroffen und über Fußball gesprochen. Ich bin auch schon etwas länger mit ihm in Kontakt. Für ihn war es klar, wenn er nach Detmold zurückgeht, dann nur zu uns. Jetzt hat es einfach gepasst und darüber freuen wir uns einfach“, hat der 32-jährige Familienvater erfolgreich Werbung für die Residenzler betrieben. Rüskaup bestätigt im Lippe-Kick-Gespräch: „Michi und ich standen schon länger in Kontakt. Er hatte mich vorletztes Jahr im Sommer bereits gefragt, ob wir in diesem Winter mal sprechen können. Nun haben wir uns dann auch getroffen.“

 

Der Brokmann-Faktor

Da Brokmann einst Jerxer Jugendtrainer war, kennt und schätzt er die Qualitäten von Rüskaup, der eine neue Qualität in das Detmolder Spiel bringen kann.

R. Brokmann

Der 26-Jährige zählt noch weitere Aspekte auf, die als Argumente pro Post TSV richtungsweisend gewesen sind: „Für Post spricht definitiv der Stellenwert des Vereins im Detmolder Bereich, die Entfernung für mich und außerdem kenne ich den ein oder anderen Spieler und auch Trainer, Ralf Brokmann, der mir damals geholfen hat, höher spielen zu können.“ Auf ein konkretes Saisonziel möchte der vielseitig einsetzbare Kicker sich nicht festnageln lassen. Spaß ist ein ganz wichtiger Faktor, ist jedoch auch die Motivation, die zu den Residenzlern passt: „Ich will jedes Spiel gewinnen.“ Ihm ist vollauf bewusst: „Es wird für mich auch einiges neu sein und ich bin bereit für eine neue Erfahrung.“ Wie das oft so ist. Mit dem Fortschreiten des Alters wird man als Spieler immer defensiver. Zunächst bekleidete Marco Rüskaup die Offensivpositionen, hat nun als Rechtsverteidiger seine Position gefunden. „Daran habe ich mich gewöhnt, wobei auch andere Positionen mich wieder reizen würden. Ich spiele da, wo mich der Trainer und das Team braucht und jede Position hat Vorteile – außer im Tor“, möchte er seine Hände doch lieber bei Einwürfen gewinnbringend einsetzen. Beim SV Avenwedde und in Delbrück hat er jeweils in der Westfalenliga sich fußballerisch verwirklicht. Diese „schönen Erfahrungen“, die er mit den beiden Traditionsvereinen erlebt hat, kann ihm keiner mehr nehmen. „Ich durfte gegen Profis spielen, was sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Damals das Halbfinale im Westfalenpokal in Wattenscheid, was wir leider im Elfmeterschießen verloren hatten, war auch eines meiner Highlights. Da gibt es echt viel, was man erleben durfte“, würde das Aufzählen den Rahmen sprengen.

 

Gerne Mittelfeld, liebend gerne zentral

Wer Robin Jöstingmeier (Bild links) mit seinen 18 Lenzen so spielen sieht, dem geht das Herz auf. Selbst habe ich dieses Erlebnis schon mehrfach spüren dürfen. Liebevoll streichelt er das Spielgerät, es entsteht eine perfekte Symbiose zwischen Fuß und Ball. Jöstingmeier, der Sohn vom ehemaligen Post TSV Detmold II-Coach Jörg Jöstingmeier, bringt die technische Komponente in das Spiel des Detmolder Vorzeigevereins. Er gilt als polyvalent auf den zentralen Mittelfeldpositionen, ist in diesen Tagen eines der größten Versprechen im lippischen Fußball. Ob auf der sechs, acht oder zehn. Er beschreibt sich selbst: „Das Spiel zu gestalten, anzutreiben ist sicherlich meine Stärke. Bei der SG spiele ich auch auf Außen, das war ich auch eine sehr lange Zeit in der Jugend“, bringt er das auch dafür erforderliche Tempo mit. Sein Stiefvater Ralf Brokmann hat diesen Wechsel in die Wege geleitet. Zunächst einmal ist unverbindlich darüber gesprochen worden, wie sich seine Situation darstellt.

 

Wolfühlfaktor ist gegeben

M. Jöstingmeier-Polvora

Gegenüber Lippe-Kick verrät der 177 Zentimeter große Mittelfeldmann: „Ich fühle mich wohl bei der SG, doch ein Gedanke bei Post zu spielen, war immer da. Ich kenne die Jungs ganz gut bei Post von Alex Felker, mein Cousin Marco Jöstingmeier-Polvora. Das sind alles super Jungs, wo ich mich sicherlich weiterentwickeln kann“, möchte der Ballvirtuose an deren Seite sich entwickeln. Auch das Training unter Brokmann präferiert er, möchte er das vermittelte Wissen wie ein Schwamm aufsaugen und für sein Spiel nutzen. Seine Juvenilität könnte ihm dabei behilflich sein. „Ich sehe das als Herausforderung. Ich bin jung, werde im Sommer erst 19. Ich werde versuchen jeden Sonntag in der Startelf zu stehen und immer 200 Prozent zu geben“, wird ob der letzten Wörter jeder Freund der Wahrscheinlichkeitsrechnung zunächst einmal stutzig gucken. Robin Jöstingmeier gilt als Fußball-Nerd, sein Leben dreht sich um die schönste Nebensache der Welt, gilt das nur 60 Kilogramm schwere Leichtgewicht als hochmotiviert. Mit der Waffe Technik besticht er gegen gegnerische Bullen, die meist 20 bis 30 Kilogramm mehr auf die Waage bringen. Entscheidend ist für ihn auch, dass Post TSV-Manager Michael Grundmann ihm sein Vertrauen schenkt, sich die beiden auch menschlich gut verstehen.

 

Ring will wieder Spaß haben

Michael Ring (Bild links) sucht nun eine neue Herausforderung, dies ausgerechnet beim Erzrivalen aus der Nachbarschaft. Der 19-Jährige erhofft sich primär eine spielerische Weiterentwicklung und: „Von diesem Wechsel hoffe ich mir, dass ich wieder den Spaß am Fußball finde“, wird dies unterstützt von fähigen Mitstreitern an seiner Seite. Zuvorderst ist für ihn entscheidend gewesen, dass er mit seinen besten Freunden in einem Team spielen kann. Robin Jöstingmeier etwa ist einer seiner engen Buddys. „Außerdem liefen die Gespräche mit Ralf Brokmann und Michi Grundmann sehr positiv. Ralf kennt mich schon seit der B-Jugend. Mit Michi habe ich mich auf Anhieb verstanden“, ist die Wohlfühlatmosphäre wohl gegeben. Offen und als erstes hat Ring seinen Trainern Bastian Möller und Marco Schlobinski diese Entscheidung mitgeteilt. „Wir sprachen offen über meine Situation. Nachdem ich mich für einen Wechsel entschieden habe, waren sie sicherlich enttäuscht, aber bei der darauffolgenden Begegnung haben sie mich dennoch in den Arm genommen“, ist die Enttäuschung relativ schnell verflogen. Das Löhnen von genügend Gerstensaft ist für seine Mitspieler entscheidend gewesen, verrät der Abgang doch gegenüber Lippe-Kick: „Das Team konterte meinen Wechsel mit: „Michi, das kostet aber eine Kiste!“ Schweren Herzens verlässt er seine Junx“, gibt daher folgerichtig zu: Der Wechsel fällt mir schwer, weil ich mich mit jedem Einzelnen in der Mannschaft super verstehe.“

 

„Möchte jede Sekunde den Ball an meinem Fuß haben“

Ich hoffe, dass ich meiner Mannschaft in dieser Saison noch helfen kann, trotz meines Fußbruches“, genießt das vollständige Auskurieren dieser schweren Verletzung zunächst einmal eindeutig Priorität. Er bedauert die Wechsel von Enis Cömert und Johann Felker ein wenig, bezeichnet dies als „schade“, weil: „Ich bin mir sicher, dass ich viel von denen abschauen und lernen könnte. Meine Position liegt ganz klar im zentralen Mittelfeld.“ Genauso wie Robin Jöstingmeier sieht auch Ring seine Qualitäten im zentralen Mittelfeld am besten aufgehoben. Während er in der Jugend noch die typische Spielmacherrolle eingenommen hat, ist er Toni Kroos-like immer weiter nach hinten gerückt, hat die Jerxer-Aufstiegssaison zuletzt auf der Sechs bestritten. Der Reiz an einer Rolle im mittigen Bereich: „Ich fühle mich im zentralen Mittelfeld besonders zuhause, da ich gefühlt jede Sekunde den Ball an meinem Fuß haben möchte und gerne das Spiel gestalte.“

 

Chance für andere Spieler

M. Grundmann

Ergo: Exorbitant sinnvoll verstärkt hat sich der Tabellensiebte der Bezirksliga 3. Die jungen Wilden sollen das Feuer in der Mannschaft torpedieren, gelten Jöstingmeier und Ring doch als ausgesprochen ehrgeizig, tragen das Fußball-Gen intus. Beide sind ausgesprochen gierig auf die Kickerei, werden alles investieren, um möglichst viel Spielzeit zu erhaschen. Rüskaup kann ein neuer Krieger werden, bringt alles mit, um direkt eine Führungsrolle zu übernehmen. Ungeachtet dessen ist sich Grundmann im Klaren, dass „wir die Abgänge von Johann und Enis nicht eins zu eins  ersetzen können.“ Er trauert den Mittelfeldspielern hinterher: „Beide sind fantastische Fußballer und zudem noch menschlich überragend. Sie gehören zu den Aushängeschildern unserer ersten Mannschaft und geben in jedem Training und Spiel Vollgas. Sie haben eine sehr erfolgreiche Zeit bei Post geprägt, dafür sind wir ihnen sehr dankbar“, findet er versöhnliche Worte für den nahenden Abschied. Diese Abgänge bieten zugleich auch Möglichkeiten, wie Michael Grundmann begründen kann: „Ich bin mir aber auch sicher, dass andere Spieler vielleicht ein bisschen mehr in den Vordergrund rücken und mehr Verantwortung übernehmen werden. Aktuell läuft sehr viel in unserem Spiel über die beiden, was sich in der nächsten Saison dann aber ändern wird. Ich würde beide gerne behalten, aber wir machen aus der Situation das Beste und sehen es auch als Chance, unser System und Spielweise zu verändern.“

 

„Überragendes Verhältnis“ zu Brokmann“

Konstanz herrscht auf der Trainerposition. Chefcoach Ralf Brokmann hat für ein weiteres Jahr seine Zusage gegeben. Trotz einer nicht einfachen Saison, gibt es auf der wichtigsten Position im Verein nunmehr Klarheit. Die Motivation dürfte zukünftig steigen, denn ein Platz im Tabellenmittelfeld der Landgruppe – wenn auch nur mit vier Punkten Differenz auf Rang drei – ist deutlich unter den Erwartungen. Auch das bittere Vorrunden-Aus beim LZ-Cup, dies ohne Niederlage, hat die Mundwinkel der Postler nach unten gezogen. Auch persönlich ist es für Grundmann ganz bedeutend gewesen, dass eine Fortführung der gemeinsamen Arbeit geklärt ist: „Mit Ralf habe ich ein überragendes Verhältnis und mir war es sehr wichtig, dass er weitermacht! Er ist ein Top-Trainer und ich bin super glücklich, dass er ein weiteres Jahr zugesagt hat“, ist Konstanz auf der Trainerposition überaus wichtig.
Tabellenplatz sieben mit satten 14 Punkten Hypothek auf den Klassenbesten SCV Neuenbeken ist ein dickes Brett, was gebohrt werden muss. Es wird nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu schaffen sein, in den Aufstiegskampf einzugreifen. Zu konstant punktet der SCV, auch der Tabellenzweite FC Nieheim wirkt überaus gefestigt. Die Postkutsche hat gegen Ende der Hinserie allerdings die eine oder andere Panne erlebt.

 

Freispruch für Futsal

Ganz nach dem Grundmannschen Gusto wäre es gewesen, hätte er einen Wunsch frei, sagt er doch bei Lippe-Kick: „Die Hinrunde verlief durchwachsen, den November hätte ich gern gestrichen, da hatten wir die Seuche im Team. Wenn du jedes Spiel sechs bis zwölf Verletzte hast, kannst du nicht oben angreifen. Ich kann mich an Spiele erinnern, wo ich mich auf die Bank setzen musste oder Rudi Pisarenko im Feld spielen musste“, ist dies ein klares Indiz für die massive Personalnot. Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen einigen Minusleistungen der Postler und den Anforderungen der Cherusker Detmold gibt, dies weist Grundmann strikt von sich, betont er doch eindeutig: „Es gibt ja immer „Experten“, die sagen, Futsal hätte uns beeinflusst und die Jungs wären Sonntag platt gewesen, was ich sehr komisch finde, denn als wir die Spiele im November verloren haben, spielten Johann Felker, Enis Cömert und Alex Felker eigentlich kein Spiel beim Futsal mit. Deswegen kann ich da nur den Kopf schütteln und schmunzeln“, setzt er die Experten ganz bewusst in Gänsefüßchen. Die erhebliche Verletzungsnot mit Ausfällen von Sturmführer Felix Buba oder anderen Korsettstangen, das ist eher als realistisches Argument für die Schwächephase anzuführen. Ein kleines Trostpflaster: Hoffnungslos unterlegen sind die Lipper nicht gewesen, gab es doch durchaus die Option, zwei, drei Dreier einzutüten. Große Lust verspürt Michael Grundmann, dass seine Zöglinge zu Serientätern mutieren: „Ich hoffe, dass wir in der Rückrunde wieder Gas geben und eine Serie starten!“

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