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„Meistermacher“ im Interview über Assauer

Der Tod von Schalke-Macher Rudi Assauer hat auch in Lippe große Betroffenheit ausgelöst. Unvergessen ist die Vier-Minuten-Meisterschaft 2001. Lippe-Kick hat sich mit dem „Meistermacher“ und TV-Reporter Rolf „Rollo“ Fuhrmann über Assauer unterhalten.

„Ich hoffe, ich kann Rudi die Schale mit nach oben bringen“

 

Allgemein (hk). Zweifelsfrei ist Rolf Fuhrmann das, was man eine Reporter-Legende nennt. 2001 mutierte er zum Meistermacher, für andere ist er der „Rollo.“ Auch ihn hat der Tod von Rudi Assauer geschockt. Am Mittwoch, den 6. Februar 2019, ist dieser gestorben. Am letzten Freitag fand die Trauerfeier statt, der Fuhrmann beiwohnte. Auch in Lippe gibt es viele Schalke-Anhänger, die bestürzt auf die schreckliche Nachricht über die Schalker Manager-Legende reagierten. Lippe-Kick-Chefreporter Henning Klefisch hat mit Fuhrmann über den besonderen Macher, Malocher und Manager gesprochen.

 

Von Henning Klefisch

 

Lippe-Kick: Hallo Rollo, zunächst einmal recht herzlichen Dank, dass wir ein Interview mit Dir über Dein Verhältnis zu Rudi Assauer führen dürfen. Unvergesslich ist Deine Beziehung zum kürzlich verstorbenen Rudi Assauer. Wie hast Du von seinem Tod erfahren?

Rolf Fuhrmann: „Ich habe es online erfahren. Ich bin ja ständig auf dem Laufenden. Plötzlich kam die Nachricht auf.“

 

Lippe-Kick: Hast Du seitdem Kontakt zu seinen Angehörigen gehabt?

Fuhrmann: „Nein, habe ich nicht. Ich fand das auch sehr tragisch, was da Familien-mäßig passiert ist – auch etwas unwürdig. Ich hatte Kontakt zum FC Schalke 04, die mich zur Trauerfeier eingeladen haben.“

 

Lippe-Kick: Assauer hat auf Außenstehende einen harten Eindruck hinterlassen. Hast Du auch seine schwache Seite kennengelernt, hat er Dir gegenüber auch mal Ängste zugegeben?

Fuhrmann: „So eng waren wir nie. Ich glaube, kaum einer wird davon erfahren haben, bevor er seine Alzheimer-Erkrankung bekannt gegeben hat. Nur im allerengsten Familienkreis wussten sie von dieser Krankheit. Für manche, die öfter mit ihm zu tun hatten, hat sich das vielleicht leicht angedeutet, aber so eine Diagnose tatsächlich zu veröffentlichen, ist vielleicht auch etwas anderes. Ich habe ihn so schwach nie erlebt. Er war immer voll dabei, er war ein Macher, das weiß auch jeder. Das letzte Mal, dass ich ihn erlebt habe, war vor ein paar Jahren beim Stammtisch in Essen. Da saß er ganz ruhig und sah nicht ganz fit aus, aber hat mit keinem geredet und hat auch nicht einmal die engsten Schalker erkannt. Das war schon heftig. Das weiß man ja, dass diese Krankheit so etwas bewirkt. Es hat einen ein bisschen traurig gemacht, das so zu sehen. Aber Du hattest eigentlich keine Chance. Bei Assauer galt: Harter Kern, weiche Schale.“

 

Lippe-Kick: 2006 ist er vom FC Schalke 04 durch den Aufsichtsrat abberufen worden. Ein fehlendes Vertrauen in den Manager Rudi Assauer war der Grund. Tut es Dir auch ein bisschen leid, wie mit ihm umgegangen worden ist? Immerhin hat er doch Schalke zu dem gemacht, was Schalke aktuell ist.

Fuhrmann: „Definitiv, er hat das Stadion gebaut. Er hat den allergrößten Anteil sicherlich an dem, was Schalke dann geworden ist. Ich weiß gar nicht, was er jetzt sagen würde angesichts der Situation auf Schalke. Das würde mich interessieren, aber das wird man nie erfahren. Ich bin mir nicht sicher, ob der eine oder andere vom Aufsichtsrat 2006 davon erfahren hat, dass er krank ist. Man wollte es nur nicht bekannt geben, denke ich. Auch Assauer nicht und deshalb hat man das so als Entlassung oder gegangen oder gegangen worden deklariert. Es ist auch nie ein großes Aufheben darum gemacht worden. Einige Leute wussten vielleicht schon, was los ist. Wenn sie dann groß Alarm geschlagen hätten, hätte er das vielleicht zu einem Zeitpunkt bekannt geben müssen, zu dem er das nicht wollte.“

 

Lippe-Kick: Vor einer Woche – am Freitag – fand die Trauerfeier statt. Wie hast Du diese erlebt?

Fuhrmann: „Die Trauerfeier war sehr würdevoll. Ich habe nicht viele Trauerfeiern erlebt, aber das war schon eine Eins mit Sternchen, wie damit umgegangen wurde von allen Seiten. Ich war sehr angetan davon, was da so gesungen, geredet wurde. Es war sehr emotional, aber nicht mit Mitleid. Es wurde auch mal kurz gelacht.“

 

Lippe-Kick: Seit 2001 bist Du für viele Schalke-Fans der Meistermacher. Wie kam es dazu?

Fuhrmann: „Die Geschichte habe ich schon häufig erzählt. Die gesamte Technik, das Fernsehen war noch nicht so durchstrukturiert wie heute. Ich stand am Eingang der Rolltreppen im Gelsenkirchener Parkstadion, hatte kein Bild. Der Platz wurde gestürmt. Ich hatte nachgefragt, ob das Spiel in Hamburg beendet ist. Viele haben mir dann gesagt, in Hamburg ist Schluss. Dann habe ich das Interview geführt. Nach Beendigung des Interviews ging die Videowand an mit dem Freistoß von Patrick Andersson. Ich dachte, was ist da los? Ist das eine Aufzeichnung? Ich realisierte dann sehr schnell, dass es live war und dass Schalke nicht Meister war. Dies war DAS Finale der Bundesliga-Geschichte. Das wird es auch so nie wieder geben.“

 

Lippe-Kick: Wie hat Assauer auf Deine Fehlmeldung reagiert?

Fuhrmann: „Er war völlig geplättet, wie alle anderen auch. Denen standen die Tränen in den Augen. Der FC St. Pauli ist 2001 in die erste Bundesliga aufgestiegen. Dann habe ich Assauer beim Schalker Gastspiel im September am Millerntor getroffen. Wir haben dann kurz gesprochen und er sagte zu mir: Alles ist in Ordnung, obwohl die verpasste Meisterschaft an ihm genagt hat. Es gibt so viele Anekdoten über Assauer, aber es gibt eben nur diese eine Geschichte. Das ist etwas ganz Fatales, dass er die Schale nicht mitnehmen konnte.“

 

Lippe-Kick: Welche gemeinsamen Erinnerungen hast Du mit Assauer?

Fuhrmann: „Da gibt es einige. Die Fast-Meisterschaft 2001 ist ein ganz zentrales Thema, das überragt alles. Man darf nicht vergessen: Von 20, 30 Interviews ist vielleicht nur eines unvergessen. Nach 2001 haben die auf Schalke immer noch zu mir gesagt: Da kommt der Meistermacher. Dann habe ich ihnen gesagt: Seid froh, dass Ihr es mal für vier Minuten wart. Ich hoffe, dass sie es irgendwann mal wieder werden. Dann kann ich Rudi Assauer die Schale mit nach oben bringen. Als Typ war er klar, authentisch. Er war nicht frech oder aufmüpfig. Er war ganz normal. Rhetorisch war er ähnlich eloquent wie Klaus Allofs, nur knapper und präziser. Rudi Assauer wusste auch, dass nicht ich es war, der so lange spielen lassen hat, dass nicht ich es war, der – wie Schober, „der Schalker“ (2001 in diesem Spiel im HSV-Tor gegen Bayern, Anm. d. Red.) – den Ball aufgenommen hat. Das war ich alles nicht. Schalke war ja auf den HSV angewiesen. Sie haben die Meisterschaft sogar schon einen Spieltag zuvor in Stuttgart verspielt. Wenn sie da gepunktet hätten, hätte es gereicht.“

 

Lippe-Kick: Einst sagte Assauer: Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich. Welcher Teil der Aussage trifft eher zu und warum?

Fuhrmann: „Er hat Schalke geschaffen. Wenn Du so eine Krankheit wie Alzheimer hast, war nicht Schalke schuld. Er hat so viele Verdienste. Den UEFA-Pokal 1997 hat er mit den Knappen geholt, den DFB-Pokal 2001 und 2002. Er hat das Stadion gebaut, Schalke diesen Stellenwert gegeben, den sie nun haben. Die Fans hat er stets ernst genommen, sie unterstützt. Ich finde es aber für die Fans nicht gut, dass er anonym in einem Friedwald beigesetzt worden ist. Ich glaube nicht, dass er das wollte. So ähnlich war das auch bei Hannelore Kohl, wo die Kinder nicht zum Grab durften. Das ist eine Abschottung.“

 

Lippe-Kick: Wie stehst Du dazu, dass einige Schalke-Fans sagen: Man sollte das Schalker Stadion in „Rudi Assauer-Arena“ umbenennen?

Fuhrmann: „Die Idee ist gut. Ob das umsetzbar ist, das weiß ich nicht. Aber ganz sicher werden sie eine Straße nach ihm benennen. Auch eine Statue hätte er sicherlich verdient.“

 

Lippe-Kick: Eine Abschlussfrage: Glaubst Du, dass Assauer auch woanders funktioniert hätte?

Fuhrmann: „Das ist sehr spekulativ. Assauer gehörte zum Pott. Er hätte wohl auch in Dortmund genauso funktioniert. Auch in Bremen hat er gezeigt, was er kann. Immerhin hat er Otto Rehhagel zu Werder Bremen geholt. Dort hat es auch geklappt. Letztlich ist er ein Kind des Ruhrpotts. Überall im Ruhrpott hätte er so funktioniert.“

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