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Ehrenamt ist Ehrensache – FSV-Grande Rolf Kröger im Interview

Das Ehrenamt ist kein Zuckerschlecken. Das weiß auch FSV-Pivitsheide-Geschäftsführer Rolf Kröger, wie er im folgenden Gespräch erklärt.

 

„Es gab viele Neider“

 

Allgemein (hk). Rolf Kröger ist fußballverrückt. Neben seiner Frau hat er mit dem FSV Pivitsheide und dem 1. FC Köln zwei große Leidenschaften. Im Interview mit Lippe-Kick-Chefreporter Henning Klefisch äußert er sich zu den Vor- und Nachteilen des Ehrenamtes. Er liefert dabei einen Schwenk aus seinem Leben, bewertet Dinge kritisch, nimmt kein Blatt vor den Mund.

 

Lippe-Kick: Hallo Rolf, vielen Dank, dass wir dich zum Thema Ehrenamt interviewen dürfen. Wann hast Du mit dem Ehrenamt beim FSV Pivitsheide begonnen?

 

Rolf Kröger: „Ich komme aus Kalletal/Westorf, habe dort meine ganze Jugend verbracht und habe bis Serienende 1982 gespielt – bei der SG Germania Westorf. Durch einen Arbeitskollegen bin ich hierhin gekommen. Er hat mir gesagt, ich muss zum FSV wechseln, weil ich in VL wohne, obwohl der VH-Sportplatz für mich näher gewesen wäre. Ich habe hier geheiratet. Mein Schwager spielte in VH. Dann bin ich hierhin gekommen. Diese Zeit möchte ich nicht missen. Seit Juli 1982 bin ich im Verein, bin Jahrgang 1954, habe jahrelang Senioren gespielt, auch in der ersten Mannschaft. Mein Arbeitskollege hat gesagt: „FSV ist ein geiler Verein, komme hierhin. Wir sind der Arbeiterverein, da unten sind die Geschäftsleute.“ Da unten war ein Rasenplatz, hier ist Tenne gewesen. Ich kannte auch nur Rasenplatz. Eine super Gemeinschaft hier, mit all den Sportkameraden, all den Trainern, die man kennen gelernt hat. Geprägt hat mich Manfred Tacke von Bad Salzuflen, er war auch Spielertrainer.“

 

Lippe-Kick: Wie ist der Kontakt zu anderen Vorstandsmitgliedern?

 

Kröger: „Sehr gut. Bei den einen etwas mehr, bei den anderen etwas weniger. Ich habe alle Vorstände miterlebt. Erst war ich Spielführer, dann wurde ich Fußball-Obmann. Im nächsten Schritt war ich ruckzuck im Vorstand drin, auch war ich beim Karneval im Elferrat drin, ich war der Prinz. Es gab viele Neider, die gesagt haben: Guck mal, da kommt der Kröger aus Westorf, er hat sich eingeheiratet zu den Oberen und schon ist er im FSV-Vorstand. Ich bin schon 50 Jahre hier, er noch keine zehn Jahre und ist schon im Vorstand. Als Sozialwart bin ich angefangen, schnell war ich unter Günther Wagner stellvertretender Vorstand. Er hat aufgehört, weil seine Frau an Krebs verstarb im Mai 1992. Ich habe dann zehn Jahre den Vorsitz übernommen. In Eigenregie haben wir danach das Sporthaus angebaut. Damit hatte die Stadt nichts zu tun. Es wurde an den FSV Pivitsheide übergeben. Damit hatte ich viel zu tun. Der Beruf brachte es dann auch mit, dass ich viel Sachverstand hatte, die gesamte Organisation tagsüber machen konnte. 2002 war ein bisschen die Luft raus. Auch heute sage ich noch: Ich war Vorsitzender, ich habe quasi alle Posten durch. Ich bin mir für nichts zu schade. Mittlerweile bin ich seit sechs Jahren im Vorruhestand als Rentner, mache weiterhin viel. Ich bin nun Geschäftsführer für den Seniorenbereich, mache das ganze Pass- und Sozialwesen. Viele sagen zu mir, ich wäre der Hausmeister Krause. Viele bekommen das gar nicht mit.“

 

Lippe-Kick: Du hast auch Frau und Kinder, wie wurdest Du von deiner Familie unterstützt?

 

Kröger: „Sehr gut, sonst hätte ich das gar nicht machen können. Meine Kinder waren damals klein. Mein Sohn ist 37 Jahre alt, ist Lehrer am Gymnasium in Hamburg. Meine Tochter wohnt hier auch im Dorf eine Querstraße weiter mit ihrem Mann, Daniel Dittberner. Er kommt vom TuS Wöbbel, hat auch in Heiden und bei Post SV Detmold im Tor gespielt. Meine Tochter sagt: Zum Glück ist er Vater geworden, dann hat sich die Karriere erledigt.“

 

Lippe-Kick: Haben sich die Aufgaben in den letzten Jahren für dich verändert?

 

Kröger: „Der ganze Aufwand ist natürlich mehr geworden. Wir können das ganze Elekronische nutzen, sprich: DFB-Net, Mailverkehr. Es gibt kaum einen Verein, von dem ich nicht die Kontaktdaten habe.“

 

Lippe-Kick: Mit welchen Widerständen hat man denn zu kämpfen als Ehrenamtler?

 

Kröger: „Wenn du ein Ehrenamt annimmst, musst du auch Nackenschläge hinnehmen. Wenn du meinst, du kannst Dank erwarten, dann bist du schon falsch für den Job. Wenn ich als Älterer mit 65 Jahren zu den jüngeren Spielern etwas sage, das kommt immer anders herüber, als bei unserem Vorsitzenden. Sie machen einen guten Job, aber der Respekt fehlt. Ich sage immer: Das hat nichts mit dem Alter zu tun. Überlegt mal, wie alt war ich 1992. Respekt muss man sich erarbeiten. Ein Beispiel von meinem Sohn: Ein Schüler duzte ihn. Da ist mein Sohn steil gegangen, hat ihm gesagt: Pack die Sachen, ich will dich nicht mehr sehen. Ich erwarte eine Entschuldigung, sonst gehe ich zum Rektor.“ Zu mir: Wenn ich zu den Jungs sage, macht mal dies, mal das. Dann machen die Jungs das auch. Manche nörgeln auch erst. Ich betone stets: Stellt euch eigentlich die Frage, warum seid ihr in einem Verein? Fragt euch selbst mal, wie es Götemann und ich und die meisten, die ein Ehrenamt ausfüllen, tun, was kann ich für den Verein tun? Die meisten fragen sich: Was tut der Verein für mich? Da kommen wir wieder zu dieser Schleife. Da habe ich Gottfried Dennebier und Hartmut Tegeler angedeutet: Die ganze Mentalität im Sport stört mich. Das ganze Dilemma fing damals beim BSV Heidenoldendorf an. Was haben die für Spieler für Geld geholt. Da war nicht einer, bis auf die Heidenoldendorfer, die für nothing gespielt haben. Ob es die Tschritters waren. Er hat alle bezahlt. Das waren alles in Anführungsstrichen Söldner. Sie sind in die Bezirksliga aufgestiegen.“

 

Lippe-Kick: Inwieweit ist die Unterstützung von Behörden für einen Verein notwendig?

 

Kröger: „Du kannst viele Behördengänge dir tagsüber erlauben. Per Mail oder Telefonat geht das nicht. Stehe ich irgendwo bei Volkswagen am Band, habe ich diese Möglichkeiten nicht. Dann kann ich hier also machen.“

 

Lippe-Kick: Sollte das Ehrenamt von den Medien stärker in den Fokus gerückt werden?

 

Kröger: „Das hat sich auch der DFB auf die Fahne geschrieben, das Ehrenamt hochzulegen. Vereinsehrenamtsbeauftragter, so wie der FuL-Kreis-Ehrenamtsbeauftragte, ist immer an den Posten des ersten Vorsitzenden gebunden. Günter Erfkamp hat das damals seit den 90er Jahren schon mitinitiiert.“

 

Lippe-Kick: Einige fordern, dass das Ehrenamt bezahlt wird. Wäre das auch etwas für dich?

 

Kröger: „Jein. Andere Vereine machen das. SuS Pivitsheide hat im Jugendbereich darauf bestanden, dass jeder Trainer von der A-Jugend bis runter in die Minikicker Geld bekommt. Ich war schon damals dagegen, musste aber die Kröte schlucken. Wir machen das jetzt anders. Wer einen C-Übungsleiter-Schein hat, der ist von Haus aus beitragsfrei. Ich muss nicht für einen A-Jugendtrainer Summe xy ausgeben. Im Vorstand kam ich damit durch. Das sehe ich als Anreiz. Am besten ist das Bargeldlose, dass jeder, der eine Mannschaft trainiert, beitragsfrei ist. Wenn es für das halbe Jahr 30 Euro sind, für das ganze Jahr 60 Euro, beziehungsweise 98 Euro, ist auch Geld. Dafür machen wir auch mal etwas Geselliges. Wir machen mal ein Helferfest, eine Weihnachtsfeier, inklusive unseren fünf ehrenamtlichen Schiedsrichtern. Die wollen alle umsorgt werden, wissen, sie sind hier gut aufgehoben. Von anderen Sportkameraden hört man oft: Wir sind meistens nur ein Anhängsel. Wenn wir mal eine Schiedsrichtergarnitur brauchen, bekommen wir die. Dann ist es auch gut. Bei uns können sie sich bedienen, bekommen Getränke, etwas zu essen. Auf dem Sportfest haben wir nur eigene Schiedsrichter.“

 

Lippe-Kick: Wir bedanken uns für das Interview.

Vigilant Team Sports

Taskin Haustechnik

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