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Kreisliga A Detmold

TuRa Heiden – Die magische Wandlung

Serien kommen und gehen im schnelllebigen Fußballgeschäft. Das ist der Inhalt vom Inside-Report über den TuRa Heiden.

In der Ruhe liegt die Kraft

 

Kreisliga A Detmold (hk). Ich könnte jetzt den Hamburger SV-Chefcoach Dieter Hecking zitieren, der gefragt und ungefragt von einem Marathon spricht, der seinen Hanseaten im Aufstiegskampf der 2. Bundesliga bevorsteht. Vielleicht würde dann auch – mit einer Prise Humanität so kurz vor dem Weihnachtsfest – ein Phrasengeld für die Lippe-Kick-Sprit-Kasse möglich erscheinen. Nun gut. Diese Worte lassen sich auch schablonenhaft auf den TuRa Heiden anwenden, der als Tabellensechster, einem gefühlten „Europa League-Platz“, in den langen Winterschlaf geht, doch eine Tal- und Bergfahrt miterlebt hat – in dieser Reihenfolge.

 

Von Henning Klefisch

 

Am liebsten würde wohl TuRa-Trainer Thorsten Geffers den September löschen, hat dieser schwarze Monat schließlich fünf Pleiten in Serie produziert, weshalb der emotionale Leader mit sauertöpfischer Miene rund um die Rotenberg-Kampfbahn umhertigerte. Gegen die Spitzenteams – und mit weitaus mehr personellen Mitteln und Perspektiven ausstaffierten Mannschaften – aus Lügde (1:6), Jerxen/Orbke (1:6) und TSV Horn (2:8) darf verloren werden. Sie erlebten einen Schleuderkurs. Die Frage ist nur: Wie? Und: Warum so hoch? Noch schlimmer. Das 1:4 in Diestelbruch war ein Schock, noch mehr der unvermutete Pokal-Abgang nach einem 2:4 beim B-Ligisten SG Istrup/Brüntrup. Noch heute schüttelt Geffers mit dem Kopf, wenn er sich an die völlig überflüssige 3:4-Auftaktniederlage beim TuS Horn-Bad Meinberg zurückerinnert. Auch das 1:3 gegen den RSV Hörste lädt zum Haare-Raufen im Hause Geffers ein. Mit diesen durchaus eingeplanten

Thorsten Geffers

neun Zählern mehr auf der Habenseite hätten die Heidener 33 Zähler, stünden damit auf dem vierten Rang. Vorsicht. Hätte, hätte, Fahrradkette, denn der Konjunktiv ist ja bekanntlich der Indikativ des kleinen Mannes. Thorsten Geffers ist ein realistischer, bodenständiger, gewiss auch weiterhin impulsiver Gefährte, der dank seiner langjähriger Coaching-Erfahrung weiß, an welchen Stellschrauben er drehen muss, um den TuRa-Dampfer wieder in Gang zu bringen. Trotz all seiner temperamentvollen Art ist er mit den Jahren ein Stück weit ruhiger und gelassener, manche sagen Altersmilde geworden. Er begründet die periodische Schwächephase mit den bis zu acht Langzeit-Ausfällen.

 

„Ein kleiner Verein mit einem großen Herzen“

 

Lippe-Kick hat die Rotenberg-Kampfbahn einst als Anfield Road vom lippischen Fußball bezeichnet, nicht aus der Ambition heraus, beim nächsten Heimspiel die fabelhafte TuRa-Platte für lau zu verköstigen. Nein, vielmehr geht es darum, die intensive Beziehung zwischen den Dorfbewohnern und ihrem Verein zu beschreiben, die nicht zu verachtende hitzige Atmosphäre, die von den leidenschaftlichen Anhängern ausgeht. Als der Autor dieser Zeilen noch selbst dem Objekt der Begierde im Liga-Alltag hinterherjagte, es mit den egoistischen Fummel- und Fallkünsten etwas übertrieb, ließ ihn dies der 12. Mann lautstark spüren. Auch Geffers hat die enorme Wucht, die Herzlichkeit erkannt, die stilprägend für diesen Verein ist: „Wir sind ein kleiner Verein mit einem großen Herzen. Mit einer Mannschaft voller Teamgeist und Leidenschaft.“ Harte Maloche ist angesagt. Von nichts, kommt nichts, das ist die Devise vom Turn- und Rasensportverein, der erst den Fußball arbeitet, ihn dann spielt. Auch das Funktionsteam harmoniert prächtig, ist eng verzahnt, lobt der Trainer präzise: „Das fängt bei unseren Obmännern Di Paterniano, Böddeker und Stehr an, bis hin über meine Jungs und meiner Tätigkeit als Coach.“ Die Gönner-Szene mit dem dicken Portemonnaie ist begrenzt, stellt Thorsten Geffers doch fest: „Auch haben wir keinen großen finanziellen Spielraum wie vielleicht einige andere Klubs“, ist daher bei Neuverpflichtungen viel Überzeugungsarbeit und ein plausibles Konzept gleichermaßen entscheidend.

 

„Die Unterstützung der Stadt Lage könnte besser sein”

 

Eine unendliche Geschichte scheint die Problematik mit dem Rasenplatz in Heiden zu sein. Zweifellos ist die Anlage idyllisch, im Frühjahr und im Sommer eine Wonne dort zu spielen. Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, ergibt sich allerdings eine Problematik, die einfach nur nervig ist. Eine Wellness-Oase sieht anders aus, vielmehr werden auf diesem Untergrund die primären Fußball-Tugenden nachgefragt. Der 44-jährige Geffers wählt gewohnt direkte Worte, betont er schließlich via Lippe-Kick: „Zudem ist unser Rasenplatz momentan in einem katastrophalen Zustand, die Unterstützung seitens der Stadt Lage könnte hier besser sein“, so wünscht er sich sehnlichst. So müssen die Heidener eben notgedrungen die vier Kilometer weite Anreise auf sich nehmen, um auf dem neuen Kunstrasenplatz in Lage zu kicken. „Für das Training und die Spiele optimal, doch kostet uns das Ausweichen auch Zuschauer und Einnahmen durch den fehlenden Verkauf. Dadurch entgeht uns in Lage sicherlich ebenfalls auch die besondere Atmosphäre, die an unserer heimischen Rotenberg-Kampfbahn herrscht“, so Geffers. Sein gut gemeinter Vorschlag: „Ein eigener Kunstrasenplatz würde hier dem gesamten Verein und unserem Konzept weiterhelfen.“

 

Mehr Ruhe und Köpfchen, bitteschön

 

Fleißig wie die Maurermeister waren die Heidener Kader-Planer vor dieser Saison. Dass Fänger Daniel Kleinwegener (Bild links) sich allerdings bereits zum Auftakt sein Kreuzband gerissen hat, kann keinem in die Schuhe geschoben werden, ist es schlichtweg das Schicksal, das sich hier gegen den TuRa und Kleinwegener abgewendet hat. Tröstlich: „Aber es sieht gut aus, dass er zur Rückrunde wieder fit sein wird.“ Manuel Pellkofer hat seine Fähigkeiten ebenfalls nur ansatzweise angedeutet, musste er ebenfalls im frühen Saisonstadium verletzungsbedingt aufgeben. Beim Finesse-Fußballer Andrei Pyrlitesku wurde schon mehr von seinem Leistungsvolumen abgerufen, doch hier und da zwickte es beim juvenilen Offensiv-Mann. Die Instinktfußballer Julian Brune und Wladimir Schwabauer (Bild rechts) haben das fußballerische Niveau bei den Heidenern auf ein neues Level gehoben, muss ihnen eine Eingewöhnungsphase allerdings zugestanden werden. Es ist ganz bestimmt nicht alles Gold, was glänzt beim Traditionsverein aus dem knapp 2200 Einwohner Ort zwischen Lage und Lemgo gelegen. Thorsten Geffers legt seinen Finger in die Wunde: „Steigerungspotenzial besitzen wir noch im taktischen und spielerischen Bereich. Da wünsche ich mir hier und da etwas mehr Ruhe am Ball, so wie das Spielen mit mehr Köpfchen.“ Diese Punkte werden auf die Agenda ganz weit nach oben geschrieben, gilt es hier, in der Winterpause daran anzusetzen. Was ein Lächeln in das Gesicht vom Familienvater zaubert: „Unser Umschaltspiel hingegen ist schon sehr gut. Wenn jetzt der Kader größtenteils verletzungsfrei bleibt, sehe ich noch Luft und Qualität nach oben.“ Durchdrehen wird keiner. Wenn einer zum Höhenflug ansetzt, wird ihn der gestrenge Thorsten Geffers eigenhändig herunterholen. Die Maßgabe an sein Team ist eindringlich: „Ich verlange von meinen Spielern, dass sie in jedem Match ans Limit gehen beziehungsweise darüber hinaus“, ist ein Marathon eben qualvoll, am Ende aber meist beglückend.

 

 

 

 

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