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Kreisliga C1 Lemgo

FC Unteres Kalletal II – Die Fünf als besondere Zahl

Auf den ersten Blick kann die zweite Garde vom FC Unteres Kalletal völlig entspannt der verbleibenden Saisonphase entgegenblicken. Im Aufstiegskampf wird keine Rolle gespielt, der Abstiegskampf fällt in der C-Liga grundsätzlich aus. Coach Fabien Dankwerth äußert sich zu seinem Team.

„Haben alle Spaß, ein Teil des Teams zu sein“

 

Kreisliga C1 Lemgo (hk). Beim Schreiben ist es wie im normalen Leben. Es spielt sich sehr viel im Unterbewusstsein ab. Es gibt Vereine, da freut man sich diebisch, Texte über diese zu verfassen. Der FC Unteres Kalletal II ist einer von diesen. Dazu haben wir echte Typen im hohen lippischen Norden. Ob den geselligen Schiedsrichter und zweiten UK-Vorsitzenden Timo Franz-Sauerbier, dem man nur auf den sozialen Netzwerken folgen muss, um das wahre Leben kennenzulernen. Oder seinen Buddy und Vorstandskollegen Waldemar „Waldi“ Peters, dem wir es hoch anrechnen, dass er im Jahr 2017 aus Dankbarkeit für die Arbeit von Lippe-Kick extra aus dem Kalletal zum Best of Lippe-Kick nach Pivitsheide gepilgert ist. Auch die Dankwerth-Brothers verkörpern Witz und Eleganz gleichermaßen. Für die kämpferischen Tugenden ist Julian Grolm zuständig, der Prototyp eines Mentalitätsmonsters, das nicht den Körper und die Technik eines Cristiano Ronaldo besitzt, aber auf und außerhalb des Platzes eine enorm wichtige Bedeutung für den sympathischen Verein aus dem Kalletal verkörpert. Er kickt derzeit für die Zweite, womit wir auch die Brücke zum Inside-Report schlagen können.

 

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Von Henning Klefisch

 

Ein kurzer egoistischer Rückblick: Was war das nur für eine überragende Zeit im Studium, absolviert in den beiden größten deutschen Metropolen Berlin und Hamburg. Im Fach Sportpsychologe, durchaus als ein Bereich für sprechfreudige Kameraden bekannt, war ein Prüfungsthema, welche Bedeutung Remis besitzen. Der allgemeine Tenor war klar: Es ist weder Fisch noch Fleisch, fehlt die Klarheit, hängt es vom Betrachtungswinkel ab. Was deutlich klarer ist: Ein Psychologie-Studium ist nicht erforderlich, um zu spüren: Beim FC Unteres Kalletal II herrscht offensichtlich ein bestimmtes Ressentiment gegen Punkteteilungen, gab es in den bisherigen zehn Partien doch nur Siege oder Niederlagen, Tod oder Gladiolen, wie der einstige Bayern München-Coach Louis van Gaal einst inflationär in jede Kamera kommentierte. Sehr opportun unterwegs ist Unteres Kalletal II-Trainer Fabien Dankwerth, ordnet er doch völlig passend ein: „Eine Punkteteilung ist immer auch ein Punkteverlust. Denn“, ist diese These keineswegs steil, „jeder möchte gerne nach jedem Spiel die drei Punkte bei sich wähnen.“ Die Einschränkung folgt prompt: „Doch es gibt auch Spiele, bei denen man im Nachhinein sagen kann, dass eine Punkteteilung gerecht ist und wenn ein Spiel eventuell keinen Sieger verdient hat.“ Gut möglich, dass die UK-Jungs bei jeder Gelegenheit High Five zelebrieren, hat die volle Hand eine ganz besondere Bedeutung. Fünf Siege wechselten sich mit fünf Niederlagen ab, führt dies alles zum fünften Platz. Dankwerth hat sich über diese Zahlen-Bedeutung bisher nicht den Kopf zermartert, vermutet er vielmehr: „Man könnte daraus schlussfolgern, dass man bisher eine durchwachsene Hinserie durchlebt hat.“ Was er meint: „Mit hohen Niederlagen als Lehrstunde, knappen Niederlagen, mit ärgerlichen Punktverlusten, aber auch guten bis sehr gute Spielen mit den verdienten Punkten.“

 

Top-Five als Saisonziel

 

Mit den bisher gesammelten 15 Punkten stehen die Nord-Lipper im Nirwana der C1 Lemgo. Um in den Rotlicht-Bezirk dieser Spielklasse abzurutschen, verfügt das Team über zu viel Klasse. Doch für ganz oben reicht es derzeit einfach nicht. Dass es dieses Jahr einen Dreikampf im Aufstiegskampf gibt, ist so sicher, wie, dass das lippische Wasserski-Mekka in Stemmen beheimatet ist. Der TuS Sonneborn II (33 Punkte), die SG Lüdenhausen/Talle/Westorf II (30) und der FC Schwelentrup-Spork/Wendlinghausen II (27) stellen das Triumvirat dieser Spielklasse. Dass UK II im Aufstiegsrennen keine Aktien hat, sorgt nicht für depressive Verstimmungen, denn dies war auch nicht das erklärte Saisonziel.

Fabien Dankwerth

Dankwerth erklärt nämlich dazu: „Wir haben vor der Saison viele neue und junge Spieler integriert und das muss sich spielerisch auch erst einmal finden. Das merkt man in manchen Spielen noch und für ganz oben fehlt uns manchmal der Wille und auch die Konstanz. Unser Ziel ist es, mit dem Team unter die ersten Fünf zu kommen.“ Einmal mehr ist es diese magische Zahl, die eine Bedeutung bei den Rot-Weißen einnimmt. Dieses Saisonziel wäre definitiv erreicht, doch man sollte den Blick in den Rückspiegel nicht vernachlässigen, denn die SG Bega/Humfeld II, die SG Kalldorf II (jeweils 13 Punkte) und der TuS Brake III (12) lauern jeweils gierig auf Patzer. Es ist aber auch mehr möglich, denn bis zum vierten Rang, den derzeit der TuS Almena belegt, sind es nur vier Pünktchen. Der eloquente Coach zeigt sich hoffnungsfroh: „Wir werden sehen, was die Rückrunde für uns noch so bereithält.“

 

„Viele Leute sind sehr auf sich fixiert“

 

Die Anzahl an Fußballteams schwindet immer mehr. Spielgemeinschaften sind daher oft die Realität. Auf die von Lippe-Kick in den Raum geworfene Behauptung, dass die sinkende Bevölkerung dafür ursächlich sein könnte, schüttelt der auch als FCU-Geschäftsführer aktive Dankwerth nur sein Haupt, betont: „Doch das würde ich nicht auf den Bevölkerungsrückgang schieben. Denn dieser ist ja nicht so stark, da es auch immer mehr Menschen aus

den Städten wieder aufs Land zieht.“ Woran liegt es dann? „Doch die allgemeine Grundhaltung zum Vereinssport und zum Dorfleben hat sich meiner Meinung nach geändert. Dazu kommt die gestiegene Auswahl an anderen Freizeitmöglichkeiten.“ Und: Eine bedenkliche Entwicklung, die Lippe-Kick ebenfalls mit einem Stirnrunzeln registriert: „Man merkt auch, dass viele Leute sehr auf sich selbst fixiert sind und mit Vereinsleben sowie Dorfleben und der damit verbundenen Gemeinschaft nicht viel zu tun haben wollen. Das ist sehr schade.“ Auch die Jüngsten praktizieren ein anderes Freizeitverhalten, ist dies nicht vergleichbar mit dem, was rund um die Jahrtausendwende Usus war. Dankwerth liefert einen Schwenk aus seiner eigenen Vergangenheit: „Aber auch die Kinder zieht es nicht mehr so auf den Sportplatz. Für mich gab es damals nichts Besseres, als ich nach der Schule und den Hausaufgaben mit meinen Freunden auf den Sportplatz konnte und wir, bis es dunkel wurde, dort gekickt haben. All das findet man heute fast gar nicht bis nur noch sehr selten.“ Schon in jungen Jahren Sport zu treiben, kann nicht nur den Gemeinschaftswillen stärken, auch die körperliche Beschaffenheit wird dadurch verbessert, Krankheiten wie Adipositas bei den Jüngsten könnten mit viel Bewegung verhindert werden.

 

Fehlender Kunstrasenplatz sorgt für Nachteile

 

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es den FC Unteres Kalletal. Über drei Plätze verfügt der aus den Alt-Vereinen TuS Langenholzhausen, SuS Stemmen/Varenholz und SVA Heidelbeck entstandene Verein. „Das erleichtert die Trainingsgestaltung und die Belastung der einzelnen Plätze enorm“, stellt Fabien Dankwerth fest. Er schränkt zugleich ein: „Doch wenn es, wie zuletzt im November, so viel regnet, haben auch wir Schwierigkeiten, sowohl Trainingseinheiten als auch angesetzte Spiele durchzuführen.“ Hilfreich wäre hier wohl eine Kunstrasenfläche. Einzig in Hohenhausen gibt es einen solchen wetterresistenten Untergrund. Als „bedauerlich“ bezeichnet es der Reserve-Coach, dass es die Gemeinde Kalletal bisher nicht geschafft hat, einen spieltauglichen Kunstrasenplatz in dieser Region zu schaffen. Ob in Talle, Westorf, Kalldorf, Bentorf, Bavenhausen, Lüdenhausen oder Hohenhausen, auch die anderen Rasenplätze sind schön, dazu idyllisch gelegen, doch spätestens ab November geht das Zittern los, ob überhaupt gespielt werden kann. Beispielhaft benennt er hier die anderen Gebiete in Lippe, wie etwa im Extertal, wo solch ein neues Feld gebaut wird. Barntrup hat seit 2016 einen, in Lemgo gibt es neben dem Jahnplatz noch den nigelnagelneuen Kunstrasenplatz im Walkenfeld. Auch im angrenzenden Vlotho ist einer vorhanden. Das Vorstandsmitglied vermutet: „Ich denke auch, dass durch so einen fehlenden Platz schon ein kleiner Nachteil entsteht. Sowohl als Attraktivitätsfaktor nach außen, aber auch in Sachen Training und Spielbetrieb.“ Was er meint: „Vereine in den umliegenden Kommunen und Städten können somit ihre Spiele oft wie geplant durchziehen. Vereine ohne müssen ihre Spiele ins neue Jahr legen und dann warten noch mehr englische Wochen, in denen manche Vereine dann Schwierigkeiten haben mit dem Kader, aufgrund von Arbeit, Studium oder anderen Gründen.“ Die Hoffnung, dass in naher Zukunft tatsächlich solch ein Spielfeld entsteht, möchte er allerdings weiterhin nicht begraben.

 

Zusammenhalt als Qualitätsmerkmal

 

von links: Sven Mingram, Fabien Dankwerth, Stefan Molenda, Mike Risse

Man hat beim Gesamtverein FC Unteres Kalletal den Eindruck, dass die Gemeinschaft ganz großgeschrieben wird. Der Fußball, auch das Vereinsleben an sich, wird mit allen Fasern gelebt. Dem 29-Jährigen ist aufgefallen: „Die Gemeinschaft ist super und alle haben Spaß, ein Teil des Teams zu sein.“ Ein Beispiel gefällig? „Egal, ob es ein gutes Spiel war oder es schlecht lief, sitzen wir trotzdem noch länger gemeinsam zusammen. Auch dass man von den anderen Mannschaften, ob erste Mannschaft oder unsere Damen-Mannschaft, wenn es zeitlich passt, kräftig unterstützt wird.“ Dieser Zusammenhalt ist typisch für den FC Unteres Kalletal, wird so aber auch vom Vorstand praktiziert, der mit viel Herzblut und Weitsicht agiert. Dass die ersten beiden Senioren-Teams so gut harmonieren, könnte auch an den gemeinsamen Übungseinheiten liegen, entsteht dadurch eine Win-win-Situation. Man lernt sich besser kennen, folglich auch schätzen, erkennt B-Liga-Trainer Sven Mingram, auf welche Kicker er auch aus der eigenen Zweitvertretung setzen kann. Diese sind vielleicht noch ein Stück weit motivierter beim Training unterwegs, dient dieses doch als Plattform zur Eigenwerbung.

 

Kunert taugt zum Hoffnungsträger

 

Nun steht die Wintervorbereitung auf dem Programm, wird es darum gehen, an den vorhandenen Stellschrauben zu drehen. Es genügt ein flüchtiger Blick auf das Zahlenwerk, um zu erkennen, dass die Abwehr nicht stabil genug erscheint. 31 Gegentore in zehn Partien sind zu viel. Die Hoffnung naht, in personeller Natur: „Durch die Rückkehr von Tim Kunert nach seiner Verletzung werden wir da auch eine Option mehr haben“, verrät Fabien Dankwerth im Lippe-Kick-Gespräch. Er führt zu dieser Personalie weiter aus: „Das freut mich sehr, denn er hat vor seiner Verletzung Bomben-Spiele gezeigt.“ Als Stammspieler vom Nachbarverein SG Kalldorf II wechselt Mittelfeldmann Sascha Kreie zum FC Unteres Kalletal II. Sein neuer Coach ist fasziniert: „Er passt mit seiner persönlichen Art und seiner fußballerischen Klasse perfekt in unser Team und unseren Verein.“ Verlockend. Es könnte noch weiteren Zuwachs geben, halten die UK-Verantwortlichen Augen und Ohren offen, führen weiterhin gezielte Unterhaltungen mit möglichen Neuzugängen. Wie seine Zöglinge die direkten Duelle annehmen, da gibt es für Dankwerth noch Verbesserungsbedarf. Auch im Bereich der Fokussierung, dies über die komplette Spielzeit, sieht er noch Potenzial. In der Abteilung Attacke ist die Baustelle nicht ganz so groß, moniert er dennoch: „Die Rückwärtsbewegung, unnötige Ballverluste und manchmal auch der Torabschluss sind noch zu verfeinern. Aber es ist noch reichlich Zeit bis zum Start im März und die werden wir sinnvoll nutzen.“ Damit auch bei der Saison-Abschlussfeier kräftig High Five verteilt werden kann.

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