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Kreisliga A Lemgo

TuS Leopoldshöhe – „Kein Projekt für ein halbes Jahr“

Sehr lebendig geht es beim TuS Leopoldshöhe zu. Die Blau-Weißen verfügen über eine großartige Perspektive, haben allerdings auch mit Problemen zu kämpfen, wie Coach Christian Martens gegenüber Lippe-Kick klarstellt.

Jedes Spiel als Endspiel

Kreisliga A Lemgo (hk). Die Erwartungen waren hoch, die Enttäuschung war es letztlich auch. Mit keineswegs bescheidenen Ansprüchen ging der TuS Leopoldshöhe in das Wiederauftakt-Spiel beim TuS Sonneborn. Schließlich haben die Leos zuvor 20 Punkte mehr als die Sonneborner in ihren 17 Partien eingesammelt, auch in den Testpartien meist vollauf überzeugt. Automatisch steigen dadurch die Wünsche. Die überraschende Gegenwart: Nach 90 aufregenden Minuten steht es 3:3-Unentschieden, macht der Gäste-Coach Christian Martens aus seinem Herzen nach dem verpassten Sieg keine Mördergrube, als er Lippe-Kick in den Notizblock diktiert: „Ich war enttäuscht, dass das, was wir in der Vorbereitung gespielt haben, das, was uns stark macht, das schnelle und direkte Passspiel, die nötige Bewegung, mir in der ersten Halbzeit gefehlt hat.“ Ergo: „Wir haben all das vermissen lassen, was uns stark macht.“

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

Von Henning Klefisch

 

Die konkrete Realität im Sonneborn-Match: Die Außenbahn-Spieler verhungern auf ihren Positionen, fehlt auch der Abwehr die nötige

Christian Martens

Entschlossenheit im eigenen Handeln, lassen sich zugleich Defizite im Stellungsspiel erkennen. Das Mittelfeld bietet so viele Räume, sodass ein LKW mühelos dort wenden könnte. Was für die grundsätzlich fußballerisch so feinen Leo-Jungs echt überraschend ist: Der Barntruper Kunstrasenplatz bietet keinen Mehrwert. Es sind unforced errors, die vor allem im technischen Bereich bei den Leopoldshöhern anzutreffen sind. Leicht zu verarbeitende Bälle prallen ab, bei der Mitnahme fehlt die enge Ballführung. Es ist ein Notstand an Konzentration, der die simple Fehlerkette unangenehm anwachsen lässt. Es ist allerdings nicht alles schlecht. Die Leistungssteigerung über ein halbstündiges Zeitintervall im zweiten Spielabschnitt ist schnell erkennbar, reißt sich das Team am Riemen, zeigt Nehmer-Qualitäten. Warum diese Leistungen nur unbeständig abgerufen werden, stellt keine echte Überraschung dar, ist die Leo-Truppe doch taufrisch, extrem jung. Deshalb ist der Lerneffekt nötig, auch erforderlich, denn die Löwen-Jungs sind wissbegierig und stets motiviert. „Das gefällt mir an dieser Mannschaft, dass sie sich alles so annimmt und zuhört. Sie haben vollstes Vertrauen in das Trainerteam. Ich spüre, dass die Mannschaft selbst weiß, dass sie etwas falsch gemacht hat“, so der frisch Vermählte. Das Comeback tatsächlich hinzulegen, die Mankos möglichst schnell auszumerzen, das ist eine Fähigkeit der Leo-Jungs.

 

„Haben es auf die leichte Schulter genommen“

 

Die Vorbereitung verlief aus Sicht vom TuS Leopoldshöhe sehr annehmbar. Beim Detmolder B-Ligisten RSV Hörste feierte man einen 4:1-Sieg, beim Bielefelder A-Ligisten TuS Eintracht Bielefeld ein 2:1. Einzig im letzten Testkick beim TSV Oerlinghausen verspürten die Leos ein Negativerlebnis, verloren klar mit 0:3. Dass nach diesem vielversprechenden Testspielprogramm tatsächlich solch ein Leistungseinbruch im ersten Liga-Spiel nach der Winterpause erlitten wird, war überhaupt nicht vorhersehbar. „Es deutete überhaupt nichts darauf hin“, stellt Martens klar. Obwohl Wettergott Petrus sich in den vergangenen Wochen als übel gelaunt präsentierte, haben die Leos mit ganz viel Fleiß trainiert, auf dem Hartplatz in Greste den inneren Schweinehund überwunden. Dieser Schlacke-Platz besitzt zweifelsfrei Kultcharakter, ist es nur ein schmaler Aschestreifen, dominiert der Rasenwuchs kolossal. „Hier waren die Jungs stets da und heiß“, kommt die jüngste Vorstellung mehr als überraschend für ihn. „Gedanklich waren meine Jungs schon beim Sieg. Für Sonneborn geht es um alles. Wir haben es auf die leichte Schulter genommen“, zeigt sich einmal mehr, dass viele Fußballspiele vor allem im Kopf entschieden werden. Die Kunst für den ehemaligen SuS Lage-Coach wird es nunmehr sein, seine Spieler zielgerichtet zu motivieren. Der Hintergrund: Der Aufstiegszug wird nach 13 Punkten Abstand zum Klassenbesten TBV Lemgo ebenso kein Thema darstellen wie der Abstiegskampf bei 23 Zählern vor einem Abstiegsplatz. Man muss also sein eigenes Rennen fahren. Wenn er den Bruder Leichtfuß im Anmarsch sieht, wird er diesen ganz gepflegt umgrätschen, denn Arroganz kann er mal so gar nicht ausstehen. „Ich werde meine Jungs in jedem Spiel so heiß machen, als ob es ein Endspiel wäre. Nur so können sie dazulernen“, sollen die Leos stets unter Strom stehen.

 

Plöger ist gut vernetzt

 

Jan Plöger

Natürlich hat der TuS Leopoldshöhe visionär die Planungen für die neue Serie in der Winterpause in Angriff genommen. Mit Jan Plöger ist vom Liga-Konkurrenten BSV Leese ein neuer Co-Trainer verpflichtet worden. Vielleicht entsteht dadurch eine Kettenreaktion und die Spieler sagen der Reihe nach zu. Das Ziel ist klar: Der Kader soll tunlichst zusammengehalten werden, wird es nunmehr darauf ankommen, dass die sportliche Leitung frühzeitig in Kenntnis gesetzt wird, wenn eine Luftveränderung ansteht. Die ersten Gespräche laufen schon, auch Plöger ist aufmerksam wie ein Luchs. Er schlägt wohl Alarm, wenn sich eine interessante Möglichkeit im Personalsektor bietet. Bekanntlich ist der Ur-Leeser sehr gut vernetzt, tritt überzeugend auf, gilt der TuS Leopoldshöhe grundsätzlich als eine extrem reizvolle Adresse im lippischen Fußball. Dass es auch an lukrativen Offerten für die Löwen-Jungs nicht mangelt, dürfte ein offenes Geheimnis sein. „Wir gucken gemeinsam, wie wir den Kader noch verstärken können, haben dabei den einen oder anderen Spieler im Blick“, schützt er die Namen wie seinen Augapfel.

 

Gamm als Game-Influencer

 

Extrem unvorteilhaft, dass Taktgeber Marcel Heisler in der Rückrunde aus beruflichen Gründen nicht mehr kicken kann. Christian Martens hat beobachtet: „Da fehlt die individuelle Klasse, der Überraschungsmoment, die permanente Bewegung, das Bälle fordern und verteilen. Diesen Spielmachertypen haben wir kein zweites Mal bei uns im Kader“, listet er zudem noch Mark Reh (Kreuzbandriss) und Jan Rose auf, der sich mit Knieproblemen herumplagt. Ein leichter Hoffnungsschimmer: Michael Meyer gibt nach monatelanger Trainingsabstinenz nunmehr sein Comeback. Die Ursache für diese Absenz: Er hatte kein Auto. Diese Situation stellt sich für ihn nun jedoch als verbessert dar. „Er hat einen absolut guten Eindruck gemacht“, lobt ihn sein Coach. Die direkte Kommunikation mit Thomas Gubin, der ebenfalls seine Prioritäten Richtung Job gefunden hat, sucht nun Martens, um ihn von einer Rückkehr zu überzeugen. Was der Mann für die besonderen Momente, Marlon Gamm (Bild rechts), allerdings beim 3:3 in Barntrup gezeigt hat, beeindruckt sehr. Gamm’ s Leistung ist noch umso höher einzuschätzen, studiert der fleißige Student doch unter der Woche in Hannover, kann demnach nicht trainieren, nur am Wochenende spielen. „Wenn er so spielt wie gegen Sonneborn, ist er nicht zu ersetzen. Er bekommt weiterhin Spielanteile, weil die Qualität ausschlaggebend ist.“ Selbstverständlich gestaltet es sich dauerhaft als sehr schwierig, wenn er nicht trainieren kann, aber spielt. Dies angemessen zu moderieren, wird eine dringliche Aufgabe für Christian Martens darstellen. Das entscheidende Aber: „Der eine oder andere Spieler hat gegen Sonneborn gezeigt, dass er nicht 100 Prozent gegeben hat. Deshalb musste ich auf einen Marlon Gamm zurückgreifen“, ist letztlich die Qualität ausschlaggebend. Löblich. Gamm hat das Game voll angenommen, war die Antriebsfeder für den tollen Schlussspurt der Leos. Für den TuS Leopoldshöhe ist er der Game-Influencer.

 

„Nächste Saison richtig angreifen“

 

„Wir wollen weiterhin daran arbeiten, schnellen und modernen Fußball, auch Pressingfußball zu spielen. Wir wollen taktisch klug agieren, uns auch hier weiterentwickeln. Auf jeder Position möchte ich die einzelnen Spieler beiseite nehmen, ihnen aufzeigen, was sie besser machen können“, sollen auch Einzelgespräche folgen, zudem der Mannschaftsgedanke immanent gelebt wird. Denn: „Die mannschaftliche Geschlossenheit soll so bleiben, wie sie ist. Ich möchte die positive Stimmung in der Mannschaft weiterhin fördern“, erkennt der sympathische Coach hier den Schlüssel zum Erfolg. Dieser beinhaltet, dass der momentane sechste Rang zumindest gehalten wird. Natürlich droht die Gefahr, dass in der Rückserie ein Spannungsabfall eintritt. Dieser soll tunlichst verhindert werden. Falls die Reserve wichtige Spieler benötigt, ist Martens gerne

T. Gubin

dazu bereit, diese aus seinem Team zu stellen. Trotzdem genießt Priorität, dass der Platz im oberen Tabellendrittel weiterhin verteidigt wird. „Das ist kein Projekt für ein halbes Jahr“, ist die Langfristigkeit der Entwicklung außerordentlich wichtig. Was er völlig schmerzfrei und realistisch betrachtet: „Aufgrund unserer Ausfälle und der Qualität, die uns verloren gegangen ist, ist es uns in der Rückrunde nicht möglich, für Sensationen zu sorgen.“ Nun soll der Boden bereitet werden, um in der „nächsten Saison richtig anzugreifen.“ Dann aber bitteschön mit einer anderen Einstellung als gegen den TuS Sonneborn.

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