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Coronavirus SARS CoV-2 – Das denken lippische Fußballer darüber

Man kommt an diesem Thema einfach nicht vorbei. Vielleicht wird auch der lippische Amateurfußball durch Covid 19 ausgebremst. Lippe-Kick hat sich mal umgehört. Wichtig: Die Aussagen sind seit Mittwoch getätigt worden.

„Hoffe, dass der Spuk schnell ein Ende hat“

Allgemein (hk). Jeden Tag gibt es neue Schlagzeilen. Die Anzahl an Neuansteckungen mit dem Coronavirus steigt stetig. Bei mehr als 2000 Personen wurde allein in Deutschland dieser Virus nachgewiesen, darunter mit Timo Hübers und Jannes Horn von Hannover 96 die ersten Fußball-Profis. Es gibt hierzulande bereits sechs bestätigte Todesfälle. Um vor allem die drei Risikogruppen, ältere Menschen, Vorerkrankte und Raucher zu schützen, sind nahezu in ganz Deutschland Veranstaltungen mit mehr als 1000 Leuten abgesagt worden. Folglich werden viele Fußball-Partien zu Geisterspielen. Es steht im Raum, sämtliche Sportveranstaltungen, auch Fußball-Spiele in Westfalen bis einschließlich Ende April 2020 auszusetzen. Nicht auszuschließen, dass auch der lippische Fußball davon betroffen sein wird. Vier meinungsstarke Fußballer hat Lippe-Kick-Reporter Henning Klefisch zu dieser Thematik befragt.

 

Dieser Text wird präsentiert von:

Lippe-Kick: Wie bewertest Du die aktuelle Lage?

Sebastian Milde (Bild links), Trainer FC Donop/Voßheide: „Eigentlich halte ich das Ganze für überzogen und wir sollen mal alle den Ball flachhalten!“ (Anm. d. Red.: Der Vorstand vom FC Donop/Voßheide hat den Trainingsbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt.)

 

Lothar Köhnemann, Obmann TuS Ahmsen: „Sehr schwierig, weil es da seitens der Regierung schon viele Aussagen zu gab und jetzt auch schon sehr viele Aktionen durchgeführt wurden. Bundesliga ohne Zuschauer, Sportereignisse unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich weiß nicht, ob es richtig oder falsch ist. Ich denke, jeder Einzelne sollte für sich entscheiden können, ob er sich dem Risiko von CoronaV19 aussetzen kann, will oder gar muss. Es kann jeden und jederzeit treffen. Wer wirklich ängstlich ist und Vorsicht walten lassen möchte, sollte sich dann dementsprechend verhalten und große Menschenansammlungen meiden und falls dann doch unter Menschen gegangen werden muss, dann sollte sich jeder bitte so verhalten, wie es seit Tagen angepriesen wird. Händeschütteln und Küssen zur Begrüßung mit Freunden oder Fremden sein lassen, außer mit mir versteht sich. Das sollte man ein paar Tage, ja vielleicht sogar Wochen, sein lassen und sich so häufig wie möglich Hände waschen und zusätzlich, wenn möglich, Desinfektionsmittel benutzen. Schaden kann das nicht. Ich glaube schon, dass es eine Epidemie ist und sich noch einige anstecken und krank werden, aber auch da muss man klar sagen: Die Infektion ist nicht sofort tödlich, sondern ernst zu nehmen und man sollte sich passend dazu verhalten. Es wird gerade noch gesagt, dass ältere und kränkliche Menschen eine besonders gefährdete Gruppe ist. Also sollten gerade diese Personen sich besonders verhalten, die nächsten Tage. Selbst ist die Frau und der Mann.“

 

Ender Ünal, TSV Horn-Manager: „Als Erstes steht die Gesundheit jedes Menschen an erster Stelle, natürlich auch die Sicherheit. Fußball ist Hobby und Spaß. Deshalb sage ich: Jeder Fall, der eintreten könnte, wäre einer zu viel. Natürlich denkt man als jüngerer Mensch anders, aber wenn es einen selbst oder Familienangehörige trifft, nimmt man es ernster. Ich finde, wir als Menschen sollten uns umschauen und Gedanken machen, in was für einer Welt wir leben, wie gut oder wohlhabend es uns geht, aber all das Geld kann mit einem Coronavirus nichts mehr wert sein. Damit will ich sagen: Niemand ist sicher, die Chinesen haben Macht und rum geprotzt und jetzt? Ich wünsche meinen ärgsten Feinden keine Krankheit, aber wir Menschen sollten uns wirklich Gedanken machen, wie wir miteinander umgehen. Egal, welcher Abstammung oder Glaube. Ich finde, dieser Virus ist ein Ausrufezeichen von dem lieben Gott, der uns, den Menschen, sagt: Stopp, stopp, so geht es nicht weiter.“

 

L. Soylu

Lütfi Soylu, Sportlicher Leiter SG Hiddesen/Heidenoldendorf: „Ich arbeite im lippischen Blinden- und Sehbehinderten-Verein, desinfiziere täglich 10, 15 Mal am Tag meine Hände, damit ich nicht andere Leute oder mich selbst anstecke. Ich desinfiziere mein Handy, versuche, dass ich keinen engeren Kontakt zu anderen Menschen habe. Aber: Selbst wenn Du einkaufen fährst, musst Du den Einkaufswagen anfassen, Türklinken im öffentlichen Bereich, die Tanksäule, das Wechselgeld. Wie man die Situation löst, weiß ich nicht.“

Lippe-Kick: Auf Deinen Verein bezogen: Wie schwerwiegend wären Geisterspiele bezüglich Eintritt, Catering, Werbewirkung für Eure Sponsoren?

Milde: „Ob man Spiele in der Kreisliga ohne Zuschauer austragen sollte? Das allein infrage zu stellen, wäre lächerlich! Wir machen bei uns genauso weiter wie sonst auch! Sonst könnte man jedes Jahr bei einer Grippe-Welle wieder alle verrückt machen! Für uns gibt es keine Veränderung und wir geben uns alle auch noch die Hand. Ob dies Auswirkungen auf Einnahmen hat, wenn wir ohne Zuschauer spielen, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass einige Vereine den Schiedsrichter bezahlen von den Einnahmen der Zuschauer. Aber, ob man jetzt drei Würstchen mehr oder weniger verkauft, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Für mich ist das alles hier übertrieben! Man sollte sich lieber um wichtige Dinge kümmern. Über die Grippe-Welle, wo schon 80.000 Menschen erkrankt sind, erzählt keiner etwas und da sterben jedes Jahr mehrere Tausend Menschen in Deutschland.“

 

Köhnemann: „Klar würden Einnahmen wegfallen, aber die belaufen sich eh nur in der Größenordnung für die Schiedsrichter-Ausgaben. Die paar Leute, die immer da sind, die sind hundertprozentig so vernünftig, dass sie im Falle eines Falles bei auch nur einem kleinen Anzeichen sofort fernbleiben, um niemanden zu gefährden. Auch da gibt es ja die guten alten Begrüßungspraktiken wie Bussi aus einem Meter Entfernung andeuten oder auch modern den Fuß-Shake, bei dem man sich mit den Füßen begrüßt. Fast wie beim russischen Polka-Tanz Kalinka. Also Angst und Bangemachen gilt nicht. Wir passen ein bisschen auf uns und unsere Mitmenschen auf und versuchen, entspannt zu bleiben, eigentlich wie immer.“

 

Ünal: „Ich finde, der wirtschaftliche Totalschaden ist größer und gefährlicher, als das, was uns im Amateur-Fußball erwartet. Ich glaube nicht, dass es auf uns einen Einfluss in dem Sinne hat. Unsere Sponsoren stehen uns immer bei. Ich hoffe, dass der Spuck schnell ein Ende hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir jetzt im Amateur-Bereich den einen oder anderen Fan mehr haben werden. Man kann sich ja nicht im Haus einsperren und wir brauchen den Sport am Wochenende. In diesem Sinne wünsche ich, dass wir alle gesund bleiben.“

 

 

Soylu: „Ich glaube, dass es besser wäre, den Fußball-Betrieb drei Wochen komplett abzustellen. Egal, ob Bundesliga, Kreisliga C oder Jugendfußball. Ich weiß, dass das sehr schwierig ist, weil wir ja mit der ersten Mannschaft und mit der A-Jugend in der Bezirksliga spielen. Die weiten Fahrten nachzuholen, würde natürlich richtig heftig werden. Ich denke aber, es macht Sinn,  alle Spiele erst einmal für drei Wochen abzusagen, damit sich keiner ansteckt. Man hört ja immer mehr, dass auch Spieler von Hannover 96 und von Juventus Turin sich angesteckt haben. Das wird nicht lange dauern und auch wir werden mehr davon betroffen sein. Für ältere Leute und für Kinder wird das schlimm. Mit allen Beteiligten hast Du auch ohne Zuschauer fast 50 Leute auf dem Platz. Man muss nur einmal husten oder niesen, dann steckst Du den anderen an. Allein die Türklinke anzufassen, wenn man in die Kabine geht, reicht ja schon aus. Auch auf Training sollten wir verzichten, auch wenn das richtig schwierig ist. Die Jungs sollen für sich selbst Laufen gehen. Ob das hilft, gut oder nicht gut ist, müssen andere Leute entscheiden. Am vergangenen Wochenende haben wir in Clarholz mit der A-Jugend gespielt. Der Vereins-Buli war voll mit acht Kindern. Auf dem Rückweg saßen acht andere Kinder im Buli. Dort waren viele Leute. Dann fährst Du zurück nach Heidenoldendorf, guckst Dir die erste Mannschaft gegen Mastbruch an. Wieder neue Spieler, neue Zuschauer. Der Kontakt ist viel da. Deswegen weiß ich nicht, wie man am besten damit umgeht. Mit den verpassten Einnahmen ist alles nebensächlich. Wichtig ist nur, dass sich die Krankheit nicht verbreitet. Vor allem, dass Leute nicht sterben müssen wegen dieser Krankheit. Das ist mir sehr wichtig.“

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