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Kreisliga B2 Lemgo

TuS RW Grastrup/Retzen – Das Aus von Coach Thore Eitner

Auf den ersten Blick überraschend, aber letztlich aus nachvollziehbaren Gründen beendet Grastrup/Retzen-Coach Thore Eitner seine Trainertätigkeit. Die Hintergründe könnt Ihr bei Lippe-Kick nachlesen.

 

 

„Wichtig ist, dass alle ein Ziel verfolgen“

Kreisliga B2 Lemgo (hk). Es war kein böser April-Scherz, dass Thore Eitner seit dem 1. April 2020 kein Trainer mehr vom TuS RW Grastrup/Retzen ist. Ein Wegzug aus Lage aus beruflichen Gründen ist dafür ursächlich, dass Eitner so Knall auf Fall seine Coaching-Tätigkeit bei den Rot-Weißen beenden musste. Kurzfristig wird er in diesem Mai in einen Einsatz geschickt. Es geht in das westafrikanische Land Mali. Der 34-jährige Familienvater blickt auf seine Zeit in Grastrup/Retzen zurück, lässt die Zeit Revue passieren. Zugleich verspürt er Zuversicht, was die Perspektive des TuS RW Grastrup/Retzen angeht.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

 

Thore Eitner

Wie alles begann: Nach dem Ausscheiden von Martin Jedral im Sommer 2019 ist der Vorstand vom Turn- und Sportverein aus Grastrup/Retzen mit der Bitte an Eitner herangetreten, ob er an dem verwaisten Cheftrainerposten Interesse hätte. Dieser gibt via Lippe-Kick authentisch zu: „Ich war anfangs skeptisch.“ Bis dato war er als Assistenzcoach, hier speziell im Konditions- und Fitnessbereich tätig. Den Mutigen gehört das Himmelreich, das weiß natürlich auch der Mittdreißiger, der bewusst ein kalkulierbares Risiko eingegangen ist: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt und somit habe ich mich dafür entschieden.“ In der Spielzeit 2018/19 verteidigte Eitner noch selbst entschlossen für die Rot-Weißen auf dem Platz, sammelte dadurch wichtige Erfahrungswerte: „Ich wusste, wo und welche Stellschrauben gedreht werden müssen“, ist er nicht unmittelbar ins kalte Wasser geschmissen worden. Entscheidend war für Eitner: „Ziel war es, weg von dem Kick’n’Rush Fußball, wie es die Liga spielt und hin zu einem attraktiven Fußball.“

 

Aufwendiges Vorbereitungsprogramm

 

Da einiges aufzuholen war, zudem eine Abkehr vom alten Spielstil erfolgte, wurde der Vorbereitungsbeginn auffällig früh datiert, zudem der Fokus auf die neue Taktik mit der „falschen Sechs“ gelegt. Eitner benennt bei Lippe-Kick seinen verhängten Anforderungskatalog: „Die Jungs mussten von Anfang an Gas geben, um ihre Kondition, Fitness zu steigern und ihre Laufwege einstudieren“, ist es die Mischung aus körperlicher und mentaler Anstrengung, die die Gra/Ret-Jungs ableisten mussten. Einige Spieler betraten damit Neuland, waren sie diese Umfänge und Inhalte so nicht gewohnt, „aber wer Erfolg haben will, muss auch etwas dafür tun“, erklärt der bald zweifache Familienvater. Extrem strebsam und ausführlich haben die Rot-Weißen ebenfalls getestet. Nach einem 0:1 beim TuRa Heiden II und einem 5:3-Erfolg bei der SG Lüdenhausen/Talle/Westorf kam es an einem Wochenende zu zwei Vereinsturnieren. Am Samstag unterlag man den Sportfreunden Berlebeck/Heiligenkirchen mit 0:1, dem TuS Quelle mit 0:3 und dem TuS Leopoldshöhe gar mit 0:4. Auch am Folgetag wurde weiterhin kein Sieg gefeiert. Nach einem 0:1 gegen den FC Schwelentrup-Spork/Wendlinghausen folgten zwei 1:1 gegen die SF Berlebeck/Heiligenkirchen und den TuS Altenbeken. Dem schlossen sich in den folgenden drei Vorbereitungspartien drei torreiche Siege an. Nach einem 5:1 beim FC Unteres Kalletal folgte ein 4:2 beim SuS Lage und ein spektakuläres 13:0 beim RSV Hörste II. Im Kreispokal hielt man sich ebenfalls schadlos, schlug den VfB Matorf mit 3:1 und die SG Kalldorf mit 4:3. Eitner ist von diesem Test-Marathon wahrlich begeistert, attestiert seinem Team: „Durch die zahlreichen Vorbereitungsspiele haben wir uns optimal für die Saison vorbereitet und sind auch hervorragend in die Saison gestartet.“

 

„Potenzial ist nicht immer zu 100 Prozent vorhanden“

 

Persönlich ist es für Eitner auch ganz wichtig gewesen, dass die Pokalgeschichte mit Leben gefüllt wird. So sollte doch bitteschön der Verein dadurch hervorgehoben werden, also eine positive PR betrieben werden. Zudem sollte die Mannschaft ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren. Nachdem die ersten beiden Pokal-Runden erfolgreich vor der Serie bestritten wurden, gab es ein echtes Hitchcock-Spiel gegen den BSV Leese, der mit 10:9 nach Elfmeterschießen bezwungen wurde. Mit viel Pech erlitt man im Viertelfinale das Ausscheiden vom Punkt gegen den Bezirksligisten TSV Oerlinghausen – mit 5:6. In der Liga ist es bis zur Corona-Pause die vierte Position mit Tuchfühlung zum Aufstiegsplatz. Es bleibt zu konstatieren: Sie haben eine gute Visitenkarte abgegeben, sich extrem gut verkauft. Mit dieser Zwischenbilanz kann sich Eitner definitiv anfreunden, als er via Lippe-Kick klarstellt: „Ich denke, wir haben uns in der Liga und im Pokal sehr gut geschlagen. Besonders im Pokal sind wir unglücklich ausgeschieden und sind so weit gekommen, wie die letzten fünf Jahre nicht“, haben die Rot-Weißen somit ein Stück weit Fußball-Geschichte geschrieben. Demonstriert hat das langjährige Spitzenteam vor allem im Pokal, dass es mit A-Klassen-Teams mithalten kann, taktisch und fußballerisch. Ein kleines Manko, was der Hauptfeldwebel und Berufssoldat kritisch anmerkt: „Das Potenzial ist leider nicht immer zu 100 Prozent vorhanden.“ Er wird etwas konkreter in seiner Tiefenanalyse: „Uns hat in der Saison einfach die Kontinuität gefehlt, weil Spiele auf die leichte Schulter genommen worden sind, der Gegner ehrgeiziger, kämpferischer war als wir oder uns Schlüsselspieler gefehlt haben.“

 

„TuS hat so viel Potenzial“

 

Auch während der langen, ursprünglich rund viermonatigen Winterpause durften die RW-Spieler nur vier Wochen relaxen, „damit sie von Anfang an die Marschrichtung kannten.“ Diese lautet, in den oberen Tabellengefilden heimisch zu werden, eher noch den Sprung in die A-Liga anzustreben. Neben der viel zitierten Corona-Krise ist es auch das regnerische, nasskalte Wasser gewesen, das einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Deshalb steht den Rot-Weißen ein Kaltstart bevor, wenn irgendwann mal wieder gegen den Ball getreten werden darf. Eitner bemerkt: „Aber glücklicherweise geht es nicht nur uns so, sondern allen“, ist nicht nur Grastrup/Retzen von der Epidemie und den daraus resultierenden harten Konsequenzen betroffen. Eitner stellt sich selbst die Frage: „Wer kommt schneller aus den Startlöchern und will aufsteigen beziehungsweise unter den ersten drei Teams stehen?“ Aktuell führt der TuS Lockhausen (Bild links) die Tabelle mit 42 Punkten an, hat somit fünf Zähler mehr als der Tabellenzweite TuS Lipperreihe II und sechs mehr als der drittplatzierte TuS Asemissen II, die allesamt schon 18 Partien auf der Habenseite haben. Zwei Begegnungen weniger weist Grastrup/Retzen auf, die 33 Zähler auf dem Konto besitzen. Thore Eitner blickt auch mit etwas Wehmut zurück, erklärt er bei Lippe-Kick ehrlich: „Vermissen werde ich natürlich die Jungs, den Verein und den Fußball. Es ist wirklich ein familiäres Verhältnis in Retzen, wo man sich heimisch fühlt.“ An die Qualitäten vom Turn- und Sportverein glaubt er: „Der TuS hat so viel Potenzial und kann, wenn er fokussiert arbeitet, viel erreichen.“ Die Voraussetzung: „Wichtig ist natürlich, dass alle ein Ziel verfolgen und jeder dafür alles gibt.“

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