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FC Türken Detmold – Der erste ausländische Verein in Lippe

Wer war eigentlich der erste ausländische Verein im Lipperland? Diese Frage stellten wir uns und Nihat Basokur beantwortet diese.

 

„Wir konnten anderen Mut machen, es zu wagen!“

Allgemein (hk). Vor exakt vier Jahrzehnten wurde der erste ausländische Verein aus der Taufe gehoben. Ein, zwei Jahre davor gab es bereits rein türkische Teams, in den dritten Mannschaften vom SuS Lage und vom FC Augustdorf. Aus dem FCA III entsprang auch der FC Türken Detmold, der von Halil Ünal, einem Ex-Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt Herford, und dem inzwischen leider verstorbenen Mecit Özkaplan ins Leben gerufen wurde. Basokur erklärt die Ursprungsidee für die Gründung eines eigenen Vereins: „Man wollte eine Gemeinschaft aus Freunden schaffen und sportliche Ziele verfolgen. Die Idee war es, die vielen, in anderen Vereinen spielenden, talentierten Freunde, in einer starken Mannschaft zu vereinen.“ Das Ende:  Im Jahr 2011 hat sich der FC Türken Detmold vom Spielbetrieb zurückgezogen.

 

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Von Henning Klefisch

 

Was man zunächst vielleicht vermutet: Es war keine einfache Zeit im eher spießig und intolerant anmutendem Deutschland Anfang der 80er Jahre, doch der Mut wurde belohnt. Schnell suchten die Türken einen geeigneten Heimplatz in der Residenzstadt, fanden diesen im Herzen der Stadt auf der Brunnenwiese, eine wunderschön gelegene Location, von vielen Seiten begehbar, direkt neben dem ehemaligen Jugendzentrum „Lobby“ gelegen. Die dort vorhandenen Kabinen und Duschen durften das Heim- und Auswärtsteam jeweils nutzen. Basokur schwelgt sorglos in alten Zeiten: „Bei der Gründung gab es keine großen Probleme. Alle vom Kreis waren sehr kooperativ und hilfsbereit.“ Der FC Türken Detmold war multikulturell zusammengesetzt, bestand aus türkischen und deutschen Akteuren, war es ein großer, fußballspielender Freundeskreis, welcher gemeinsam und geordnet in einem Verein kicken wollte. In der tiefsten Kreisliga gestartet, wurde die Spielstärke immer offensichtlicher. Mit einer ansehnlichen Spielanlage und flotten Kombinationen bot der FCT Detmold Fußball für das Auge, ließen die Erfolge nicht allzu lange auf sich warten. Mit dem FC Augustdorf III wurde in der Kreisliga C die Meisterschaft errungen. Bitter, aber völlig regelkonform: Nach der Neu-Gründung mussten die gleichen Spieler unter neuem Vereinsnamen komplett von vorne in der tiefsten Kreisliga starten. Nach einem zweijährigen Intermezzo im Detmolder Kreisunterhaus Anfang der 80er gelang der Sprung in die A-Klasse. Auch dort dauerte der Zwischenstopp zwei Spielzeiten an, ehe der Sprung in die Bezirksliga gelang. Man verstärkte sich mit vielen auswärtigen Spielern, vornehmlich aus dem Kreis Herford, nach Initiative von Ünal, arbeitete dieser doch dort bei der AWO. Die vielen Neuzugänge, die in den Folgejahren in der Landes- sogar Westfalenliga spielten, schossen die Detmolder an die achte Position in der Bezirksliga. Der Anfang vom Ende. „Wir konnten sie finanziell nicht mehr halten“, beteuert Basokur.

 

Opitz erkennt den Fehler im Detail

 

Im zweiten Jahr nach dem Aufstieg musste der bittere Abstieg verkraftet werden. Ein Spiel aus der Serie 1985/86 ist bis heute unvergessen. Die Rede ist vom finalen Match gegen den damaligen Bezirksligisten TuS Horn-Bad Meinberg II. Dieser hat sich mit einigen fähigen Akteuren aus der eigenen Landesliga-Truppe verstärkt, hier mit 3:1 die Oberhand behalten. Auf Anraten von Gönner Opitz wurde Protest eingelegt, denn der Unternehmer hat spitzfindig herausgefunden, dass diese Regel falsch ist. Der Hintergrund: Wenn ein Spieler aus der ersten in die zweite Mannschaft versetzt wird, muss er zuvor zehn Tage aussetzen. „Das war ein Regelverstoß“, betont Nihat Basokur, führt freudestrahlend weiter aus: „Wir haben die Klage gewonnen, wir sind aufgestiegen, nicht der TuS Rot-Weiß Schieder, der bereits gejubelt hat.“ Wie finanzierte sich denn der FC Türken Detmold in dieser Zeit? Hilfreich war die großzügige Unterstützung der Firma Opitz, ein Wintergartenhersteller, der für die finanzielle Basis zusammen mit den Mitgliedsbeiträgen sorgte. Maximal 150 Mitglieder zählte der Verein. Das wandelnde Fußball-Lexikon Nihat Basokur erklärt die Triumphfahrt der Residenzler: „Den Erfolg kann man am besten so erklären, dass der Verein nach der Vereinsgründung innerhalb der ersten fünf, sechs Jahre es bis in die Bezirksliga geschafft hat. Als erste türkische Mannschaft“, waren die Türken aus Detmold gleichermaßen Pioniere und Vorbilder in Fußball-Lippe. Direkte Hilfe wurde den nachfolgenden ausländischen Vereinen nicht geleistet, „aber in vielen Gesprächen konnten wir einigen Fußballern gute Tipps geben und als Vorreiter Mut machen, es zu wagen.“ Man darf mit Abstand konstatieren: Es hat sich gelohnt.

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