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Fanstory

Fanstory – BSV Leese

Die ereignisreiche Fanstory von Klaus Hollensteiner erfahrt Ihr in diesem Bericht. Blickt mal hinein, Freunde der Sonne.

„Ich dusche Sie dann in der Ilse“

 

Fanstory (hk). Der ehemalige Kaufmann Klaus Hollensteiner blickt auf eine lebhafte Zeit als BSV Leese-Anhänger zurück. Seit 60 Jahren ist er Mitglied, wurde vom Verein für diese Treue auch mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Ebenfalls privat besticht er mit Konstanz: Erst vor drei Jahren hat er seine Platin-Hochzeit gefeiert, ist seit mittlerweile 58 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet. Da Hollensteiner noch gut zu Fuß ist, trägt er regelmäßig die BSV-Broschüre in 130 Briefkästen im Bezirk Leese aus. Beim “gemütlichen Nachmittag der Senioren”, in Begleitung der Frauen, gibt es neben interessanten Gesprächen auch leckeres Essen und kühle Getränke. Zudem ehrt er ab Januar 2020 zusammen mit Herrn Rolf Rhiemeier die Senioren zum runden Geburtstag mit einem Präsent vom BSV Leese. Was nicht minder interessant ist: Der 78-Jährige ist ein Allesfahrer, äußert im Lippe-Kick-Gespräch seine Sorgen, teilt mit, welche Situation für ihn besonders schlimm zu ertragen gewesen ist. Klar ist: Am Anfang ging es um etwas Abwechslung. Letztlich wurde eine Leidenschaft aus diesem Hobby, das ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben wurde.

 

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Von Henning Klefisch

 

Selbstständige sind selbst und ständig am Arbeiten. Auch Hollensteiner und seine Frau malochten tagtäglich, meist 12 bis 14 Stunden in seinem vom Vater übernommenen Lebensmittel-Laden in Leese. Wehmütig denkt er an diese Zeit zurück: „Meine Kunden waren überwiegend Leeser. Ich bin in jedem Haus in Leese gewesen. Am Mittwoch holte ich mir meine schriftlichen Aufträge, Donnerstag habe ich die Waren zusammengestellt und am Freitag ausgeliefert.“ Kein schlechter Aprilscherz war es, dass der charismatische Fußball-Freund am 1. April 1980 seinen Laden im rund 700 Einwohner-Ort – nördlich von Lemgo gelegen – dichtmachen musste. Immer mehr größere Supermärkte öffneten schon vor vier Jahrzehnten in der kleinen Hansestadt, zwangen den fleißigen Hollensteiner zur Aufgabe. Danach in Selbstmitleid zu versinken, nein, das wollte er nicht. So bewarb er sich auf eine Zeitungsannonce von der Volksbank Lage, arbeitete dort mehrere Jahre als Kassierer. Er gilt als ein Mann mit Prinzipien, weshalb er nach zehn Jahren dort aufhörte, „weil ein junger und neuer Chef kam, der meinte, er wäre der große King“, plaudert der Edelfan geschmeidig bei Lippe-Kick. Um sich selbst zu schonen, vielleicht auch den sehr von sich überzeugten Vorgesetzten, kündigte er 1990 auf Anraten seiner Frau und kümmerte sich fortan mehrfach pro Woche um die Bedienung im Hotel Ilsetal bei seinem Schwager, dort auch um die Kegelbahn. Er baute Kontakt zum Personalchef der Sparkasse Lemgo auf, arbeitete nahe seiner Heimat bis zur Rente.

 

„Auswärts ist das ganz miserabel“

 

Natürlich benötigt ein Mensch Zerstreuung, wenn er beruflich voll gefordert wird. Hollensteiner sucht und fand diese beim Ballspielverein in Leese. Seit rund drei Jahrzehnten unterstützt er seinen Heimatverein am Platz. Besonders der 3:1-Auswärtssieg beim TuS RW Grastrup/Retzen am 28. und somit drittletzten Spieltag 2018/19 in der B2 Lemgo hat es ihm ganz besonders angetan. Am Ende stand nach 37-jähriger Abstinenz das viel umjubelte Comeback in der Lemgoer A-Klasse. „Es gab immer Höhen und Tiefen“, erinnert sich Hollensteiner, der den Ehrenvorsitzenden vom BSV Leese, Fritz Falke, zu den Auswärtsspielen meist mitnimmt. Egal, wie weit die Reise geht, Hollensteiner feuert seine Jungs an, auch wenn er hier noch in der Fan-Szene Luft nach oben erkennt. „Auswärts ist das ganz miserabel. Wenn wir ganz viel haben, haben wir 10, 15 Leute dabei. Ich habe auch schon mit drei Leuten draußen gestanden“, wünscht er sich künftig mehr Zuschauer, die den aktuellen Tabellenvorletzten der A Lemgo ebenso in der Fremde begleiten. „Gerade in schlechten Zeiten muss man zum Verein stehen, die Jungs unterstützen, aufmuntern“, verdeutlicht die treue Seele vom BSV Leese. Was ihm gewaltig auf den Senkel geht, sind die Zuschauer, die selten auswärts dabei sind. „Viele meckern nur. Von den Jungs, die früher in der ersten Mannschaft gespielt haben, ist kaum noch einer dabei“, bemängelt er.

 

Privatgrundstück hinter der Bande

 

Der Besuch bei Heimspielen ist für ihn „ganz ordentlich“, sind durchschnittlich 30 Zuschauer rund um den Sportplatz an der Ilse versammelt. Somit ist zumindest das „Schiedsrichtergeld beisammen“, wie er Lippe-Kick lachend erzählt. In heimatlichen Gefilden passierte rund um die Jahrtausendwende eine kuriose Szene. Hollensteiner war mit einigen Schiedsrichterentscheidungen überhaupt nicht einverstanden, echauffierte sich darüber äußerst emotional in einem gut wahrnehmbaren Mecker-Ton. Daraufhin bat ihn der Referee, sofort die Sportanlage zu verlassen, über die Brücke zu gehen, um vollständig aus dem Blickfeld zu gelangen. Für Hollensteiner kam dies nicht in die Tüte, weshalb er dem Spielleiter mitteilte: „Hier hinter der Bande befinde ich mich auf meinem Privatgrundstück. Sie dürfen mich gar nicht des Platzes verweisen. Wenn Sie mich vom Spielfeld werfen, brauchen Sie nicht mehr zu duschen, ich dusche Sie dann in der Ilse“, war ihm vor einem möglichen Konflikt nicht bange. Weil: „Er hätte ruhig kommen dürfen. Damals war ich noch kräftiger.“

 

 

„Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben“

 

Wie sieht denn ein gewöhnlicher Spieltag im Hause Hollensteiner aus? Ein richtiges Sonntagsessen steht nicht auf der Tagesordnung. So soll nicht gekocht werden, ist dies eine altbekannte Tradition in der Kaufmanns-Familie, die nie so viel Wert darauf gelegt hat. Vielmehr gönnt sich der treue Leese-Fan auf dem Sportplatz eine Manta-Platte, maximal ein alkoholfreies Bier, wenn er fährt, beweist er damit viel Verantwortungsbewusstsein für seine Mitfahrer und sich selbst. „Wenn ich fahre, trinke ich nicht einmal ein Bier. Da bin ich konsequent und diszipliniert. Für mich gibt es da nur die null Prozent-Toleranz.“ Mit anderen treuen BSV-Fans wird vor dem Match gefachsimpelt, auch getippt. Seine Liebe trägt er nicht nur im Herzen, sondern auch auf dem Kopf. Er war der Pionier, was das Tragen von BSV Leese-Mützen angeht. Drei Jahre etwa ist es her, als er aus den Händen vom Vorstand Volker Schröder solch ein Exemplar als Erster in Empfang genommen hat. Dass er diese nun nicht bei Spielen anziehen kann, empfindet er als „schade. Wir waren in einem ganz guten Lauf“, sind es doch auch nur drei Punkte bis zum rettenden Ufer und dem TuS Sonneborn. Wenn es denn irgendwann weitergeht, befürchtet Klaus Hollensteiner einige Probleme auf den BSV Leese zukommen. „Der eine oder andere Spieler hat nach der langen Pause keine Zeit, keine Lust. Besser werden sie nach einem halben Jahr Pause auch nicht. Ob die Spieler an einem Strang ziehen, muss man schauen.“ Völlig desillusioniert gibt er sich aber nicht, denn die Zuversicht mit Blick auf den Klassenerhalt lebt: „Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Das können wir schaffen, wenn die Jungs alle ein bisschen zur Sache gehen.“

 

 

Rühriges Andenken an einen treuen BSV-Begleiter

 

Vor rund zwei Jahren hat der Kaufmann und Fan aus Leidenschaft das dunkelste Kapitel seiner Fan-Zugehörigkeit aufschlagen müssen. Helmut Kroos, eine BSV Leese-Vereinsikone, ist beim Gastspiel in Schötmar zusammengebrochen, später im Lemgoer Krankenhaus verstorben. Er lebte seinerzeit schon in einem Pflegeheim. In der ersten Halbzeit stand Kross noch neben den BSV-Auswärtsfans, worunter sich auch Hollensteiner befand. Im zweiten Abschnitt schaute dieser, wo denn sein Freund geblieben sei. Hinter einer Werbe-Bande lokalisierte er zunächst dessen Jacke und Stock, dann seinen langjährigen Weggefährten. „Ich habe mit den Sanitätern gesprochen, die Nachricht seiner Schwester mitgeteilt, die mir traurig in die Arme gefallen ist.“ Auch das BSV-Team hat an Kroos gedacht, ihm in Person von Christoph Scheibe (Bild links) einen BSV-Schal ins Krankenhaus gebracht. Dieser hing in seinem Zimmer, bevor er verstarb. Klaus Hollensteiner litt sehr unter dem Tod, rühmt er Kroos doch: „Helmut wusste immer, wie er wo parken musste, dann zum Sportplatz kam.“ Nach einigen Besuchen musste er diese aber beenden, verrät Hollensteiner doch via Lippe-Kick: „Meine Frau sagte mir: Du darfst da nicht mehr hinfahren. Sonst kippst Du doch auch noch um.“ In den Erinnerungen und im Herzen wird Helmut Kroos bei Klaus Hollensteiner und beim BSV Leese für immer und ewig weiterleben. Diese Gemeinschaft und dieser Zusammenhalt sind auch Merkmale der BSV-Fanszene.

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