Connect with us

Kreisliga C2 Detmold

Lippe-Kick gegen Corona – Rappelkiste-Chef Tobias Jahn im Interview

Die Geschäfte vor Ort unterstützen, das möchte Lippe-Kick. Schaut mal, was Rappelkiste-Inhaber und TuS WE Lügde II-Coach Tobias Jahn über sein Geschäft und die aktuelle Situation zu sagen hat.

 

„Es gibt keine kleinen und großen Kinder!“

 

Lippe-Kick gegen Corona (hk). Mitten im Herzen der Osterräderstadt Lügde, direkt neben der Kirche, da liegt das Sehnsuchtsziel für Kinder und die, die es immer noch sind. Die Rappelkiste in Lügde ist eine Anlaufstelle für Junggebliebene, gilt das von Tobias Jahn seit 2015 geführte Geschäft aber nicht nur als Eldorado für Spielzeugliebhaber. Auch Schreibwaren sind in einem großen Sortiment vorhanden. Ebenso bietet der erfahrene Kaufmann einen Paketshop an. Ein Schmankerl während der Corona-Krise ist die Eistruhe, wird doch vor allem während der nunmehr heißeren Jahresphase gerne einmal etwas Kühles am Stiel konsumiert. Im Gespräch mit Lippe-Kick-Chefredakteur Henning Klefisch äußert sich der Fußballtrainer vom ortsansässigen C2-Ligisten aus Lügde sehr informativ und ehrlich.

 

 

Lippe-Kick: Seit wann führst Du die Rappelkiste?

Tobias Jahn: „Vorher wurde der Laden unter dem Namen Spielwaren Weber geführt. Davor war er auch schon ein Spielzeugladen, aber er war jedes Mal anders. Schreibwaren, GLS, DPD oder auch Eis, das gab es vorher alles nicht. Es war ein reines Spielzeugwarengeschäft. Jetzt ist es ein Mix-Sortiment.“

Lippe-Kick: Warum heißt das Geschäft Rappelkiste?

Jahn: „Der Name kommt durch das viele Spielzeug. Viele denken auch, wenn sie den Namen hören: Das ist ein Kindergarten. Viele sagen immer: Wir gehen in die Rappelkiste. Nein, geht Ihr nicht. Ihr geht in Lügdes Rappelkiste. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Das verstehen viele nicht. Zunächst hatte ich viele Namen, wie etwa Lügdes Spieleburg. Den aktuellen Namen fand ich am schönsten. Dann habe ich mich darauf festgelegt. Die Farben sind sehr bunt. Das Logo ist das Osterrad vom Osterräderlauf, aber beim Osterräderlauf sind drei Flammen, bei uns nur zwei. Somit sind beide Logos geschützt.“

Lippe-Kick: Welche Idee steckt hinter der Rappelkiste?

Jahn: „Ich habe im Einzelhandel gelernt, aber in der Modebranche, bei Kaufhaus Schwager in Holzminden. Drei Jahre lang habe ich bei Jack & Jones in der Ernst-August-Galerie in Hannover gearbeitet. Dann ist die Vorgängerin dieses Ladens hier in Rente gegangen, hat gesagt: Der Laden ist geschlossen. Für mich war klar: Ich komme wieder zu meinen Wurzeln zurück. Das bot sich an, weil mein Vater über dem Geschäft wohnt, Steuerberater ist. Das hier ist unser Eigentum. Durch DLS und DPD ist hier auch immer etwas los. Das bringt uns auch viel ein, denn die Kunden kommen, holen ihre Pakete ab und kaufen dann auch etwas.“

 

Lippe-Kick: Kannst Du uns etwas zur Käuferschicht sagen, wer sich für das Spielzeug interessiert?

 

Jahn: „Von 0 bis 90 Jahre. Es gibt keine kleinen und großen Kinder. Es gibt nur Kinder, denn jeder ist ein Kind. Wir haben hier ein Altenheim in der Nähe. Die Leute waren vor der Öffnung hier nie drin. Das hat einen ganz gewissen Grund: Die Rampe, die vor dem Geschäft sichtbar ist, haben wir da hingesetzt. Die gab es vorher nicht. Da kann ein Kinderwagen rein, ein Rollstuhlfahrer. Vorher waren hier nur drei Treppenstufen. Das hier ist auch behindertenfreundlich. Die ältere Kundschaft kommt herein und kauft Karten, Stifte. Das ist das Sortiment, was ich mit dazu genommen habe, Schulbedarf, Schreibwaren, Druckerpatronen, sämtliche Hefte. Bücherbestellungen nehmen wir auch ab Juli vor. Wir haben eine Verkaufsfläche von 240 Quadratmeter. Man kann sich nicht vorstellen, wie es 2014 hier aussah. Bis dahin war der gesamte Laden dunkel. Die Unterschiede sind seitdem sehr groß. Nun ist alles heller, geräumiger, strukturierter.“

Lippe-Kick: Mit Blick auf das Spielzeug: Was kann alles angeboten werden?

Jahn: „Ob Playmobil, Lego, Duplo, Billardtische, Kicker, Tipp-Kick, auch ein ferngesteuertes Auto für 1000 Euro. Wir können nahezu alles bestellen. Was seit zwei Jahren richtig gut funktioniert, sind Helium-Luftballons. Wir haben eine Heliumflasche hier. Wenn einer einen Ballon benötigt, ist das kein Problem. Unser Schmankerl: Das sind unsere Geburtstagstische. Die Eltern oder Kinder suchen sich hier etwas für den Geburtstag aus, legen diese Gegenstände auf den Tisch. Wie läuft das ab: Alle, die eingeladen sind, kommen in das Geschäft, sagen: „Ich brauche für Jette ein Geschenk.“ Sie suchen sich etwas aus, packen es ein und nehmen es mit. Es gibt nichts doppelt. Sicherlich kennt Ihr das von Hochzeitstischen. Wir hatten sogar Baby-, Einschulungstische. Wenn eine Pinkelparty ist, gerade unter Fußballern, da kann sich jeder etwas runternehmen. Das bietet einen hohen Mehrwert. Durch die Corona-Krise stehen aktuell zwei Geburtstagstische hier. Sonst stehen hier mindestens zehn. Das läuft hier sehr gut.“

Lippe-Kick: Gibt es hier auch Möglichkeiten zum Verweilen, zum Entspannen?

Jahn: „Was es vorher auch nicht gab: Eine Sitzecke mit zwei Sitzen und einem Kaffeeautomaten. Interessant: Unser TuS WE Lügde I-Coach Andreas Hoffmann hat morgens auf dem Weg zur Arbeit FFM gehört und dabei mitbekommen, dass Tobias Jahn gezogen wurde. Meine Schwester hat mich bei einem Gewinnspiel angemeldet. Wir haben nie damit gerechnet, dass wir gewinnen. Nach Hoffmanns Hinweis habe ich da angerufen, einen coolen Picture-Maker gewonnen. Das ist einfach der Hammer. Danach gab es einen richtigen Hype, gerade bei Kindern. Es folgte die Geschichte mit dem Campingplatz in Elbrinxen (Kindesmissbrauch Anm. d. Red.). Es ist etwas zurückgegangen. Der Unterschied ist: Wir können hier helfen beim Picture-Maker. In einigen Drogerien, wo das auch angeboten wird, muss man auf die Hilfe länger warten – oder vergeblich. Hier hast Du Deine Ruhe. Die älteren Leute setzen sich hier hin, können eineinhalb Stunden daddeln. Da sagt keiner etwas. Eine richtig coole Sache.“

 

Lippe-Kick: Werden auch Geschenkgutscheine angeboten?

Jahn: „Es gibt Geschenkgutscheine von uns und vom Marketing. Da sind über 50 verschiedene Firmen von bis  drin. Die kannst Du bei der Stadt kaufen und aussuchen, wo Du ihn einlöst. Es gibt darüber hinaus auch Fanartikel. Von Hannover 96 habe ich noch welche, auch wenn ich Hamburger SV-Anhänger bin. Wir sind offizieller Hannover 96-Fanshop. Das geht auch ganz gut. Wir hatten andere Vereine, wie Dortmund, Bayern, Schalke, Bielefeld und Paderborn. Das verkaufte sich alles nicht so gut.“

Lippe-Kick: Was kannst Du uns zu den Öffnungszeiten sagen?

Jahn: „Geöffnet ist das Geschäft von Montag bis Freitag von 10. 00 bis 16.30 Uhr durchgehend. Am Samstag von 10.00 bis 13.00 Uhr. Für mich ist aber der Kunde König. Gestern kamen welche um 16.25 Uhr. Zu ihnen habe ich gesagt: Ihr könnt so lange hierbleiben, wie Ihr wollt. Wenn Ihr geht, macht das Geschäft zu. Aber nicht vorher.“

Lippe-Kick: Während der Corona-Schließung gab es auch weiterhin Möglichkeiten zum Online-Verkauf?

Jahn: „Wir haben einen Shop bei Ebay-Kleinanzeigen. Da schauen viele darauf. Wir haben auch viel Kontakt gehabt über Whats-App, Telefon und E-Mail. Dann haben wir auch die Waren zu den Kunden geliefert. Wir waren in Sabbenhausen, in Rischenau. Dort haben wir die Sachen hingebracht. Es wurde per Pay-Pal bezahlt, auch über Überweisung. Das machen wir auch weiterhin. Das haben wir vorher nicht gemacht, aber wir lassen es, da es gerade für die Älteren eine super Sache ist. Viele haben gefragt, ob wir ihnen den Artikel vor die Tür legen können. Ab 20 Euro ist die Lieferung kostenlos. Wir haben auch eine Kundin aus Hagen bei Bad Pyrmont. Sie kommt zweimal im Monat. Sie hat ein Spiel für 11,99 Euro gekauft. Bei Ihr haben wir gesagt: Kein Problem, wir machen das auch so.“

Lippe-Kick: Werden Waren von Euch auch repariert?

Jahn: „Es kommt darauf an, was für Reparaturen anstehen. Wenn irgendein Spielzeug defekt ist, machen wir das. Wir tauschen das so aus, dass ich das defekte Produkt annehme. Ich gebe dem Kunden das neue Spielzeug raus. Den Rest kläre ich mit dem Lieferanten ab. Die Kunden müssen das nicht machen, weil das zu lange dauert.“

Lippe-Kick: Wie ist der Trend bei den Kindern?

Jahn: „Modelleisenbahn, auch Gartenbahn, das verkauft sich einfach nicht. Deshalb haben wir das nicht mehr in unserem Sortiment. Die Kinder bauen auch keine Buden mehr. Lego läuft insgesamt gut. Was den Verdienst angeht, ist Lego immer ein schmaler Fuß, aber man muss es haben, weil es jeder kennt. Das gilt auch für Playmobil. Bei Lego läuft Star Wars super. Das Spiel schlägt ein wie eine Bombe. Was ich früher auch nie gedacht hätte, aber meine Freunde der Sesamstraße, Ernie und Bert, hatten letztes Jahr 50-jähriges Jubiläum, verkaufen sich auch sehr gut. Der Hauptverkauf ist ab 35 Jahre. Die kaufen sich das, weil es ein Kindheitsgedanken ist. C64 wurde extrem gut verkauft. Merchandising-Artikel wie Brotdosen und Tassen waren innerhalb von einem Monat komplett weg. Aber nur an die großen Kinder.“

Lippe-Kick: Existieren die Überlegungen, Spielgeräte live vorzuführen, um den neuen Trend zu befeuern?

Jahn: „In Hannover haben wir das gemacht. Das kenne ich. Dort heißt es Männerabend. Die zahlen einen Obolus. Es gibt ein Bierchen, es gibt etwas zu essen. Der  Laden wird dafür extra geöffnet. Mehrere Stationen werden aufgebaut. Wie etwa eine Carrera-Bahn, auch andere Spiele. Sie können sich drei Stunden lang austoben in meinem Laden. Zum Testen darf ein Spiel mit nach Hause genommen werden, zum Beispiel ein Gesellschaftsspiel. Dann machen wir etwas am Preis. Wenn es nicht gut ankommt, wird es reduziert. Wir kennen unsere Kunden.“

 

Lippe-Kick: Gibt es einen Einpackservice bei Geschenken?

Jahn: „Ja, auf Wunsch packen wir selbstverständlich auch die Geschenke ein.“

 

Lippe-Kick: Jetzt kommen wir zu etwas Negativem. Inwiefern wirkt sich die Corona-Krise auf das tägliche Geschäft bei Dir aus?

Jahn: „Es gibt großartige Neuheiten, aber das Problem ist, dass es teilweise nicht lieferbar ist. Einige Lieferanten haben Kurzarbeit, Homeoffice, weshalb die Lieferungen stocken. Erst gestern habe ich mit einem Kartenlieferanten gesprochen. Normal hat er 60 Leute im Betrieb. Zurzeit arbeiten sie zu zweit von zu Hause aus. Hier bieten wir welche zu allen Anlässen an: von der Geburt bis zur Trauer, Hochzeiten, Kommunion, Konfirmation, Firmung, mit Musik, ohne Musik. Alles, was das Herz begehrt. Playmobil hat uns etwa ein Schreiben zukommen lassen. Die liefern ab Mitte Mai, aber inoffiziell vor Juni nicht.“

 

Lippe-Kick: Wie viele Mitarbeiter hast Du?

Jahn: „Ich habe zwei 450 Euro-Kräfte, die machen momentan aber Pause wegen Corona. Ich rechne aber damit, sie ab Mai wieder beschäftigen zu können. Dann beginnt langsam unsere Hauptsaison Richtung Schulanfang und Weihnachten. Das ist unsere Haupteinnahmequelle.“

 

Lippe-Kick: Hast Du Dir vielleicht schon einmal Gedanken für die Sommerferien gemacht? Viele können bekanntlich nicht wegfahren.

Jahn: „Beim Ferienspaß in Lügde sind wir beteiligt. Fünf Mal haben wir bisher mitgemacht. Wir hatten ein Nerf-Turnier, beim Sandburgen-Wettbewerb waren 50 Kinder. Das war der absolute Hammer, die bestbesuchteste Veranstaltung im Auenpark. Je nachdem, was man für den Sommer machen kann, habe ich schon die Idee, dass wir mit Rabatten vor der Tür vielleicht einen Sandhaufen aufbauen. Dann muss man sehen: Was darf ich und was nicht. Im Moment darf man ja gar nichts entscheiden. Eben gerade habe ich etwa erfahren, dass ab Montag Maskenpflicht ist. Wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt, auch wir Geschäftsinhaber, müssen wir solch einen Schutz tragen.“ (Anm. d. Red.: Das Interview fand am vergangenen Mittwoch, den 22. April 2020, statt.)

 

Lippe-Kick: Wir danken für dieses nette Gespräch und wünschen Ihnen gute Geschäfte.

EDEKA Wiele

More in Kreisliga C2 Detmold

%d Bloggern gefällt das: