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Corona-Krise – Landrat Dr. Lehmann spricht über die Sportsituation in Lippe

In diesen schwermütigen Tagen ist es in Lippe auch sportlich etwas ruhiger. Hoffnungsschimmer sind allerdings zu erkennen. Landrat Dr. Axel Lehmann hat sich dazu bei Lippe-Kick geäußert.

 

 

„Haben das Glück, in einer ländlichen Region zu leben.“

(hk). Das Leben kam für mehrere Wochen nahezu zum Erliegen. Auch der lippische Sport litt sehr unter der auferlegten Bewegungseinschränkung. Besserung ist in Sicht. So langsam finden bundesweit Lockerungen statt. Es steht zur Diskussion, dass auch hierzulande einige kontaktlose Sportarten wie Golf oder Tennis bald wieder möglich sein sollen. Lippe-Kick-Chef Heinz Klefisch mit dem Landrat Dr. Axel Lehmann ein Gespräch über die aktuelle Sportsituation in Lippe geführt.

 

Lippe-Kick: Hallo Herr Dr. Lehmann, als ehemaliger Fußballer des TuS Falke Berlebeck können Sie sich wahrscheinlich gut in die Gefühlslage der lippischen Fußballer und Sportler hineinversetzen, die seit mehreren Wochen ihren jeweiligen Sport nicht mehr ausüben können. Ab wann rechnen Sie mit einer Öffnung der Sportstätten?

Dr. Axel Lehmann: „Ich kann mir vorstellen, dass einige Sportstätten, wie Tennis- oder Golfplätze, auch in Nordrhein-Westfalen nach dem 3. Mai wieder öffnen. In einigen Bundesländern ist dies bereits der Fall und aus
meiner Sicht auch möglich, da ein direkter Kontakt der Sportler vermieden werden kann. Auch Einzel-Reitunterricht halte ich für umsetzbar. Bei anderen Sportarten, die kontaktintensiver sind, wird es länger dauern – so schwer das auch fällt.“

Lippe-Kick: War es richtig, dass alle Sportarten nicht mehr ausgeübt werden durften, oder hätte es Ausnahmen geben sollen?

 

Dr. Lehmann: „Da zu Beginn der Pandemie niemand voraussagen konnte, wie sich die Lage in Deutschland entwickelt, war die Entscheidung aus meiner Sicht richtig.“

Lippe-Kick: Inwieweit wäre es sinnvoll gewesen, besonders die Kinder mit Übungsleitern Sport treiben zu lassen?

 

Dr. Lehmann: „Ich verstehe alle Eltern, die den berechtigten Wunsch nach Bewegung für ihre Kinder äußern. Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen sind aber besonders kleineren Kindern nur schwer zu vermitteln. Bei Ballsportarten wie Handball oder Fußball bleibt der direkte Kontakt nicht aus. Mannschaftssport mit Mundschutz halte ich nicht für realistisch. Beim Kinderturnen müssen Übungsleiter oftmals Hilfestellung leisten und sind so im unmittelbaren Kontakt mit den Kindern. Als Alternative haben Vereine online Möglichkeiten geschaffen, wie sich Kinder unter Anleitung bewegen oder tanzen können. Das ist für den Moment ein guter Weg.“

Lippe-Kick: Dem Schulsport wird im Schulalltag nur wenig Raum gelassen, besonders der Schwimmunterricht kommt den Grundschulen zu kurz. Wäre es da nicht möglich gewesen, vonseiten des Kreises Lippe besonders für die Nichtschwimmer zum Beispiel im Aqualip Schwimmunterricht zu erteilen?

Dr. Lehmann: „Schwimmunterricht halte ich für essenziell, auch und besonders in Schulen. Aber auch hier gilt, dass die Sicherheit der Lipperinnen und Lipper momentan vorgeht. Bund und Land haben die Nutzung von Schwimmstätten generell untersagt. Danach richten sich die Betreiber von Schwimmbädern in Lippe und damit können die Schulträger auch keinen Schwimmunterricht planen.“

 

Lippe-Kick: Durch die Corona-Krise bedingt wurden auch die Kinderspielplätze gesperrt. Sollten nicht gerade besonders Kleinkinder, die in beengten Wohnverhältnissen leben, sich unter Aufsicht auf Spielplätzen austoben können?

Dr. Lehmann: „Ich denke, es ist schwer zu gewährleisten, dass Kinder, besonders Kleinkinder auf Spielplätzen mit einem ausreichenden Abstand spielen. Auf dem Dorfspielplatz ist dies vielleicht noch einfacher
umsetzbar als auf einem Spielplatz in der Stadt. Aber natürlich können und wollen die Ordnungsämter hier keinen Unterschied machen. Doch wir in Lippe haben das Glück, in einer ländlichen Region zu leben und jederzeit im Wald spazieren gehen zu können. Auch dort können sich Kinder – aus meiner eigenen Erfahrung heraus – gut beschäftigen.“

Lippe-Kick: Immer mehr junge Menschen befassen sich zu Hause stundenlang mit unterschiedlichen Medien und engagieren sich kaum noch in Sportvereinen. Häufig fehlen auch die sportlichen Einrichtungen, wenn man einmal an die vorhandenen Hallenkapazitäten denkt. In welchem Maße könnte hier der Kreis Lippe zusammen mit den Kommunen bei den häufig zu kleinen Turnhallen und fehlenden Nutzungszeiten für Abhilfe schaffen?

 

Dr. Lehmann: „Die Verantwortung liegt hier bei den Städten und Gemeinden. Dennoch ist es mir und dem Kreis Lippe ein sehr großes Anliegen, den Vereinssport in Lippe zu stärken und dauerhaft aufrechtzuerhalten. Sport ist fest im Zukunftskonzept Lippe 2025 verankert. Darüber hinaus haben der Kreis und der Kreissportbund Lippe mit dem „Pakt für den Sport“ eine dauerhafte Möglichkeit geschaffen, die Sportförderung zeitgemäß weiterzuentwickeln, um den vielfältigen Anforderungen angemessen begegnen zu können. Auch unser Ehrenamtsbüro steht allen Vereinen – nicht nur den Sportvereinen – jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.“

Lippe-Kick: Inwieweit wird vonseiten des Kreises Lippe über ein ausgebautes Radwegenetz nachgedacht?

Dr. Lehmann: „Auch das Thema Mobilität ist ein wichtiger Teil im Zukunftskonzept des Kreises. Unser Ziel ist eine bedarfsgerechte Verkehrsinfrastruktur. Das bedeutet auch, dass Fuß- und Radwegen gegenüber Straßen eine wachsende Bedeutung zukommt. Das Projekt „Fahrradfreundlicher Kreis Lippe“ zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen zum Radfahren in Lippe systematisch und nachhaltig zu verbessern. Verschiedene Aufgabenbereiche sind dabei angesprochen. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radfahrer hat hier eine besondere Priorität. Zugleich streben wir einen höheren Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr an. Ein gut ausgebautes Radwegenetz ist dafür unabdingbar. Neben dem Kreis sind dabei auch die weiteren Straßenbaulastträger mit im Boot, also die Städte und Gemeinden sowie das Land NRW. Wir wollen Lücken im Wegenetz schließen und werden drei neue Bauprojekte in Detmold und Extertal, außer der Reihe, in die Bauplanung aufnehmen.“

Lippe-Kick: Arbeitnehmer, die in Lippe ihren Arbeitsplatz haben und nach Lippe hereinfahren, schauen sich neben bildungspolitischen auch nach kulturellen und sportlichen Angeboten um. Besonders in den Randgebieten Lippes fehlt es an sportlichen Möglichkeiten, zum Beispiel Kunstrasenplätze. In welchem Maße kann hier der Kreis unterstützend eingreifen?

Dr. Lehmann: „Da verhält es sich genauso wie bei fehlenden Hallenzeiten und Sportstätten. Unterstützung statt Eingriff ist der Hebel. Die Sportstätten liegen in der Verantwortung der jeweiligen Stadt oder
Gemeinde, zu Fragestellungen beraten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Verwaltungen in Lippe.“

Lippe-Kick: Kann der Sport in Lippe nach der „Corona-Zeit“ so wie vorher wieder ausgeübt werden oder müssen gravierende Veränderungen vorgenommen werden?

Dr. Lehmann: „Ich hoffe, dass viele Sportarten in den kommenden Monaten wieder ausgeübt werden können. In welcher Form, das bleibt abzuwarten. Für die Vereine wünsche ich mir, dass sie die Zeit bis dahin gut über die Runden bekommen und die Mitglieder ihrem Verein die Treue halten. Aber davon gehe ich aus, denn die Solidarität und – bildlich gesprochen – der Zusammenhalt der Lipperinnen und Lipper ist in diesen Tagen sehr groß.“

 

Lippe-Kick: Herr Dr. Lehmann, Lippe-Kick dankt Ihnen für Ihre offenen und informativen Äußerungen.

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