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Historisch

Unvergessene Vereine – SV Arminia Heidelbeck

Bis vor acht Jahren, da gab es noch den angesagten SVA Heidelbeck. Seine Heimspielstätte, die legendäre Alm, liegt malerisch mitten im Wald. Der ehemalige Geschäftsführer Waldemar „Waldi“ Peters erinnert sich selig an diese Zeit zurück.

 

 

„Die Vereinsgründung war kein Fehlschlag“

Unvergessene Vereine (hk). Ohne Flachs. Immer wenn wir besonders im Stress sind, und das kommt bei Lippe-Kick nicht allzu selten vor, fahren wir Richtung Nordlippe. Dort herrscht eine pure Entspannungs-Oase, gilt vor allem die Heidelbecker Alm, abseits vom Trubel gelegen, als Hot-Spot dafür. Man fährt am angesagten Restaurant und Pension-Betrieb Schlosskrug vorbei, ebenso an mehreren Höfen, dies alles über einen Feldweg. Falls es zum Gegenverkehr kommt, bietet sich die lokale Botanik als Haltemöglichkeit an. Nach rund 50 Metern durch ein kleines Waldstück eröffnet sich der Parkplatz für die Heidelbecker Alm. Nachdem etwa 20 Treppenstufen erklommen sind, bietet sich für das Auge eine Wohltat, denn diese Wald-Arena gehört zweifelsfrei zu den schönsten Sportplätzen im gesamten Lipperland. Verlockend: Neben dem FC Unteres Kalletal wird auch die SG Kalldorf künftig ihre Heimspiele auf der Alm austragen dürfen. Wir blicken auf den SVA Heidelbeck.

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Von Henning Klefisch

 

Wir zäumen das Pferd von hinten auf. Zur Serie 2012/13 herrschte pure Ernüchterung. Die SVA-Vereinsführung um Ingmar Tölle sah ein, dass die lange Zeit behütete Selbstständigkeit aufgegeben werden musste, man sich der Fußball-Abteilung vom FC Unteres Kalletal anschloss. Der Nachbarverein hatte so etwas bereits hinter sich. Im Jahr 1999 hat der FCUK nämlich selbst eine Fusionsgeschichte verfasst, entspringt dieser Verein doch dem Zusammenschluss vom SuS Stemmen-Varenholz und dem TuS Langenholzhausen. Zurück zur Arminia aus Heidelbeck und zum Zusammenschluss: Ein logischer Schritt, bildeten die beiden Vereine seit Jahren doch schon eine Jugendspielgemeinschaft. Identitätsstiftend: Die Heidelbecker-Fußballer sind bei UK angemeldet, doch die Beiträge werden weiterhin dem SV Arminia bezahlt. Wichtig für die stolzen Heidelbecker, dass weiterhin ihre Verbundenheit damit zum Ausdruck gebracht wird. Selbst die passionierten Heidelbecker unterstützen nunmehr ihre Local Heroes in anderen Farben, in einem anderen Logo, fachsimpeln aber seit jeher im Tevenhauser Krug über den hiesigen Fußball. Auch für „Waldi“ ist diese Gaststätte, mitten im Bilderbuch-Kalletal gelegen, ein ganz besonderer Ort, gehört der Krug doch seinen Schwiegereltern mit dem Nachnamen Zander. Die sportliche Fusions-Geschichte ist ansprechend. Im ersten Jahr sprang ein sechster Rang in der B1 Lemgo heraus, in der zweiten Saison wurde der Aufstieg gefeiert, folgte nach einem elften Platz im Lemgoer Kreisoberhaus 2016 der Abstieg in die B-Klasse. Dort stehen bislang zwei fünfte und ein vierter Platz zu Protokoll, belegt in dieser Spielzeit das Team von Coach Sven Mingram die achte Position.

 

Erfolgreicher Start in das neue Vereinsleben

 

Sein 50-jähriges Vereins-Jubiläum würde der SVA Heidelbeck in diesem Jahr feiern, allerdings rückt durch die Corona-Pandemie alles in den Hintergrund. Doch, lasst uns eine Zeitreise zurück in das Jahr 1970 unternehmen. Die Gründungsväter hießen Werner Wegener, Heinz-Dieter Zander, Friedel Lange und vor allem der Hohenhauser Lehrer Henning Frerichs, die am 1. Juli 1970 den Verein aus der Taufe hoben. Insgesamt 42 Versammlungsteilnehmer waren zugegen. Das Jungfern-Match gab es in Kalldorf, gelang den Heidelbeckern mit dem 3:1-Sieg ein exzellenter Startschuss. Wie auch Tölle in seinem Grußwort zum 40-jährigen Bestehen vielsagend erklärt hat: „Die Entstehungsgeschichte unseres Vereins spiegelt für mich das wider, was ich hier in meiner Jugendzeit kennen und schätzen gelernt habe: Zusammenhalt, Freundschaft und die Bereitschaft, für andere auch mal an seine Grenzen und darüber hinauszugehen.“

 

 

 

 

 

Die alte Alm: Mehr Urwald als Sportplatz

 

In der Tat waren genau diese Tugenden gefragt, als mitten im Wald der Fußball-Sport in Heidelbeck und Tevenhausen wieder zum Leben erweckt wurde. Das Gestrüpp und die umgekippten Bäume erinnerten mehr an einen Urwald als an einen Sportplatz, haben viele freiwillige Helfer energiegeladen mit angepackt, um die Fläche ab September 1970 – auf einem kleinen Berg, andere sagen Hügel befindlich – wieder salonfähig, sprich spielfähig zu machen. Interessant, was in der Heidelbecker Vereinschronik verraten wird: „Die undichte Holzbaracke, die zum Umkleiden diente, wurde von den Gästen kaum genutzt. Sie reisten meist schon in ihrer Sportbekleidung an. Wasser und Strom gab es natürlich auch noch nicht. Bis zur Fertigstellung der Anlage im Jahre 1984 gab es kaum einen Tag, an dem nicht Mitglieder und Freunde des SVA ihre Freizeit opferten, um die Heidelbecker Alm zu einem Schmuckstück zu gestalten.“ Besonders schwierig gestaltete sich die Verlegung von Wasser- und Stromleitungen von der Heidelbecker Straße durch den Wald. Maschinen konnten aufgrund der vorherrschenden Bedingungen nicht eingesetzt werden. Die Gemeinde Kalletal hat die Materialkosten bezahlt. Im Jahr 1979 war das Sporthaus endlich fertiggestellt, mussten noch weitere 6000 Arbeitsstunden erbracht werden, um ab 1982 die Platzanlage zu renovieren, zu erweitern, einen Parkplatz zu bauen, um den Komfort an Ort und Stelle weiter zu verbessern.

 

Keser-Lobeshymne auf die Heidelbecker-Alm

 

Ordentlich gekickt wurde natürlich ebenso. Der Blumenstrauß der SVA-Historie ist bunt und vielfältig zugleich. Die Busekros-Brothers haben in den wilden 70er Jahren mit viel Anmut und Leichtfüßigkeit das Spiel für den Verein aus dem rund 600-Einwohner-Ort geprägt. Aufstrebend: 1975 zählte der Verein bereits mehr als 200 Mitglieder. Erfolgreich: Die SVA-A-Jugend wurde 1981 Kalletal-Meister und Vizemeister im FuL-Kreis Lemgo. Zwei Jahre später gelang in der Winterrunde die Meisterschaft in der Landesliga. 1984 triumphierten die Frauen bei den Lippischen Hallenmeisterschaften. Auch Tischtennis, Mädchen/Frauenturnen und Korbball wurde gespielt. Deshalb muss Frerichs zugestimmt werden, der, mittlerweile stellvertretender Geschäftsführer, mit Aureole in seiner Stimme einst verkündete: „Die mit Skepsis aufgenommene Vereinsgründung war kein Fehlschlag.“ Es sollte noch besser kommen: 1984 gelang der Arminia die Meisterschaft in der A Lemgo, somit der Aufstieg in die Bezirksliga, der sie vier Jahre lang angehörten. Die mittleren 80er Jahre gehen als Glanz-Zeit in die Heidelbecker-Historie ein. 1986 kam nämlich Borussia Dortmund zu einem Freundschaftsspiel auf die Alm, hatte seine Stars wie Lothar Huber, Frank Mill, Marcel Raducanu und Thomas Helmer mit im Gepäck. Mehr als 2200 Besucher verwandelten die „Alm“ in einen ausverkauften Hexenkessel, der sich ein Lob vom türkischen Star-Spieler Erdal Keser abholte: „Viele Plätze in der türkischen 1. Liga sind schlechter als dieser.“ Was freilich beeindruckt, fast schon eine sporthistorische Bedeutung einnimmt: Der SVA war der erste Kalletaler-Verein, der sportliche Beziehungen zur damaligen DDR aufgenommen hat. Im April 1990 ist eine offizielle Delegation ins niederschlesische Reichenbach gefahren, um sich zu beschnuppern. Zwei Monate später kreuzten sich die Klingen auf Fußball-Ebene, kam es zu einem Testspiel zwischen Traktor Reichenbach und dem SVA Heidelbeck. Auch die Anhänger vom ruhmreichen Hamburger SV kamen voll auf ihre Kosten. 2003 war die HSV-Traditionself mit Peter Nogly in der Wald-Arena zu Besuch. Stefan Molenda schoss das Ehrentor beim 1:5 der Kalletal-Auswahl gegen die hanseatischen Alt-Stars. Aus der großen Fußball-Welt thematisch hinab bis in die C-Klasse. Die Heidelbecker-Zweitvertretung verkörperte ein Spitzenteam in der C-Klasse, belegte dort stets vordere Tabellenplätze, gewann 1993 sogar die Kalletal-Meisterschaften. Auffällig, dass die Dörfer Tevenhausen und Heidelbeck treu und stets hinter ihrer Arminia standen, waren besonders die Kalletal-Derbys gut besucht. An guten Tagen pilgerte eine dreistellige Zuschauerkulisse auf die Heidelbecker-Alm. Es ging aber leider stetig abwärts. 2008 ist die zweite Mannschaft aus Personal-Not eingestampft worden, ein Jahr später stieg die Erstvertretung in die C-Klasse ab. In der Endphase der Eigenständigkeit halfen noch die leistungsfähigen Alt-Internationalen wie Mike Rekate und Bernd Stutzke aus. Nachdem ihre routinierten Körper immer mehr Auszeit benötigten und die potenziellen Nachfolger nicht in Sichtweite waren, wurde das letzte Kapitel in der ruhmreichen Heidelbecker-Vereinshistorie geschrieben. Was bleibt, sind die schönen Erinnerungen an diesen populären Verein, einen Verein mit Herz, einer ereignisreichen Historie und ganz viel Zusammenhalt.

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