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Kreisliga C1 Lemgo

TuS Sonneborn II – Das neue Leben mit dem Corona-Virus

Was macht Covid-19 mit einem Fußballverein? Dieser Frage ist Lippe-Kick nachgegangen, hat sich mit dem Sonneborner-Coach René Brinkmann auch darüber unterhalten.

„Der Fußball ist nicht alles“

 

Kreisliga C1 Lemgo (hk). Fußballerisch hat sich der TuS Sonneborn II nicht allzu viel zuschulden kommen lassen. Von zwölf Saisonpartien behielt der letztjährige B-Ligist in elf davon die Oberhand. Einzig beim 3:7 bei einer verstärkten Mannschaft vom FC Schwelentrup-Spork/Wendlinghausen II wurde die weiße Weste befleckt. Die Wartezeit für die B1-Jungs ist immens, wurde das letzte Mal vor einem guten halben Jahr beim 3:1-Auswärtssieg bei der SG Kalldorf II um Tore und Punkte gekämpft. Seither gab es Anfang März noch das Test-Spiel gegen den TSV Germania Reher, was mit 2:9 verloren wurde. Wenige Tage später ist der Amateurfußball zur völligen Stagnation gekommen. Der Sonneborner-Coach René Brinkmann zeigt dafür großes Verständnis, wenn er bei Lippe-Kick erklärt: „Für jeden Sportler, gerade Mannschaftssportler, ist die aktuelle Situation natürlich nicht gerade zufriedenstellend, aber in solchen Ausnahmefällen rückt für mich der Sport in den Hintergrund!“

 

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Von Henning Klefisch

 

Solch eine Pandemie hat es seit der Pest im Mittelalter nicht mehr gegeben, ist die Rezession extrem, so schlimm wie seit den 30er Jahren nicht mehr. Die Menschen im Allgemeinen, selbstredend auch die Fußballer im Speziellen, müssen nunmehr enger zusammenrücken, persönliche Befindlichkeiten hinten anstellen. Sicherlich sollte man auch nicht verachten, dass im lippischen Fußball nicht nur die Beteiligten auf dem Platz davon betroffen sind. Auch die Medien müssen schauen, wie sie ihre Zeilen füllen, ihre Einnahmen generieren, ist selbst die Berichterstattung über die C-Ligen nicht ehrenamtlich zu erledigen, um vielleicht mit einem Gerücht aufzuräumen. Für Brinkmann, der in seinem Beruf auch viel verbalen Kontakt mit Menschen hegt und pflegt, in gewisser Weise auch von der

René Brinkmann

Wirtschaftskrise tangiert sein wird, genießt der Schutz der Bevölkerung die höchste Priorität: „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten die Verantwortlichen schon viel früher Nägel mit Köpfen machen sollen. Gerade, wenn man bedenkt, dass zwei Monate lang über den ganzen Mist der Mantel des Schweigens gelegt worden ist, bis schließlich der Spiel- und Trainingsbetrieb erst ausgesetzt worden ist.“ Was er meint: Die Ausbreitung hätte nicht diese Dynamik genommen, wenn man der Gefahr früher entschlossen ins Auge geblickt hätte.

 

Die Ungewissheit lähmt

 

Dass an einem sinnbildlichen Datum, Freitag, den 13. März 2020, auch in Lippe der Fußball komplett zum Erliegen kam, war für den einen oder anderen, der die Gefahr unterschätzte, schwer vermittelbar. Brinkmann verdeutlicht: „Die Pause ist natürlich der genau richtige Weg gewesen, wenn auch nur durch den auch politisch bedingten inakzeptablen Informationsfluss mehr als schwer auszuhalten. Jeder fragt sich: Wann geht es wie weiter und man durchforstet das gesamte Internet nach möglichen Informationsquellen und klammert sich an jedem möglichen Strohhalm, aber so wirklich schlauer wurde man nie so wirklich.“ Auch hat der 33-Jährige die neuesten Pressemitteilungen der Bundesregierung wie ein nasser Schwamm aufgesaugt, um dadurch mehr nützliches Wissen zu erlangen. Zunächst war aber nur klar, dass vieles unklar war, während andere Sportarten bereits Fakten mit einem Abbruch geschaffen haben. Sich in Geduld zu üben, diese Eigenschaft ist erforderlich gewesen für die lokalen Fußballer. Immerhin herrscht nun Gewissheit, dass es vorbei ist. Das große Aber: „Wie es genau gewertet werden soll, da gibt es ja auch erst einmal nur Empfehlungen, die allerdings erst im Juni 2020 getroffen werden sollen. Das ist auch nicht gerade zufriedenstellend. Es ist schon wieder diese Ungewissheit“, stört ihn diese doch sehr.

 

„Die restliche Saison wäre wirklich noch sehr spannend geworden“

 

Was er bei Lippe-Kick verraten kann, was so klar ist, wie das Single-Dasein vom Papst: „Wir wurden natürlich auch schriftlich über die Empfehlung zur Aufstiegsregelung informiert und uns war sofort klar, egal, wie man es dreht oder wendet, wir steigen auf. Wenn es denn dann auch so entschieden wird, wie auch empfohlen.“ So etwas hat es noch nie gegeben und wird es hoffentlich auch nicht mehr geben, gibt es definitiv unzufriedene Vereine, doch die geplante Quotientenregelung ist von allen Möglichkeiten die beste. Den Aufstieg nun Anfang Mai realisiert zu haben, bedeutet die Erfüllung vom Saisonziel. Dennoch sind die Sonneborner Sportsmänner genug, um dies lieber auf dem Fußballfeld realisiert zu haben. Zumal von den zwölf bisher absolvierten Saisonspielen nur ein Quartett Heimspiele waren. Dementsprechend müssen die Nordost-Lipper auf einige Gelder bei den nunmehr abgesagten Heimpartien verzichten. Als Sportler durch und durch hätte er sich eine andere Lösung gewünscht, stellt er nunmehr klar: „Ich glaube auch, dass die restliche Saison wirklich noch sehr spannend geworden wäre, weil wir auch direkt nach der Winterpause die SG LTW II und den SSW II als direkte Konkurrenten vor der Brust gehabt hätten.“ In solchen Spielen entscheidet sich bekanntlich sehr viel. Und: Da könnte man in einem Abwasch auch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Das Dach vom eigenen Vereinsheim könnte sicherlich neu gedeckt werden. Derzeit ist dort noch die Bedeckung mit dem Schriftzug „TuS Sonneborn Aufstieg 15 versehen“, was nun mit der Zahlenänderung in 20 leicht verändert werden könnte.

 

Laufwettbewerb sorgt für große Motivation

 

Es juckt in den Füßen, für diese Spekulation braucht man keine Ausbildung als Wahrsager an der örtlichen Volkshochschule. Die Trainingsstätten waren nicht bespielbar, ist die Hoffnung jetzt da, dass ab dem 11. Mai 2020 wieder auf dem Sportplatz gekickt werden darf. Wie hat sich der Tabellenführer die Zeit vertrieben? „Seit Ende März haben wir uns nicht mehr gemeinsam sportlich betätigt, wir haben unseren Jungs Kräftigungsübungen für zu Hause mit an die Hand gegeben und aufgefordert, selbstständig für sich Joggen zu gehen.“ Ein echtes Lockmittel: „Um für einen gewissen Anreiz zu sorgen, haben wir vor kurzem einen Laufwettbewerb ins Leben gerufen, den wir über eine App am Ende auswerten werden. Die drei ehrgeizigsten werden mit Sachpreisen prämiert. Man kennt seine Pappenheimer ja und weiß, wie gerne jeder für sich privat laufen geht“, wenn vor allem der Ball nicht in Sichtweite ist. Welche Lehren könnte der Fußball aus diesem Shutdown ziehen? „Was der Fußball daraus lernen kann, ist natürlich, dass man sich für solche Ausnahmen in Zukunft besser vorbereitet. Nur, weil ein Saisonabbruch bisher nie vorkam, heißt es ja nicht, dass es nie passieren kann. Man sollte auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Dann wird man zumindest von nichts mehr überrascht. Jetzt ist es an der Zeit, weitere Notfallpläne für die Zukunft zu entwickeln“, damit der Überraschungseffekt beim nächsten Mal geringer ausfällt. Was Brinkmann als Fußballer allen Leuten ins Gedächtnis ruft: „Was man auch unbedingt lernen sollte, ist, dass Fußball, so schön die schönste Nebensache der Welt auch ist, einfach nicht alles ist.“

 

„DFL hätte mit gutem Beispiel vorangehen sollen.“

 

Viele lippische Fußballer haben in ihrem bewusst gelebten Leben wohl noch nie so lange ohne die mutmaßlich schönste Nebensache der Welt Zeit verbracht. Immerhin wurden – bis auf wenige Ausnahmen – weltweit sämtliche Fußball-Ligen ausgesetzt. René Brinkmann vermisst nicht nur den lippischen Kick, auch die Bundesliga fehlt dem passionierten Bayern München-Fan sehr, formuliert er diese Sehnsucht konkret bei Lippe-Kick: „Irgendwie freue ich mich auch darauf, dass bald der Samstag endlich wieder einen Sinn bekommt, aber auf Teufel komm raus, nur aus finanziellen und kommerziellen Drucksituationen heraus die Saison auf Biegen und Brechen zu Ende zu bringen, finde ich unverantwortlich!“ Es fehlt ihm die Verhältnismäßigkeit: „Die Millionäre dürfen, natürlich unter extremen Auflagen, ihrem Beruf nachgehen, aber erkläre das mal einem kleinen Kind, das seine Freunde nicht treffen kann, um zu spielen, geschweige denn Fußball zu spielen. Da mit zweierlei Maß zu messen, finde ich einfach ein Unding“, hängen am Profifußball allerdings auch eine stattliche Anzahl an Arbeitsplätzen, verkörpert dieser daher einen wichtigen Wirtschaftszweig in der Bundesrepublik Deutschland. Dass bis auf unabsehbare Zeit nunmehr ohne Fans gespielt wird, verärgert ihn ein Stück weit, hebt er hervor: „Von der Atmosphäre bei Geisterspielen will ich gar nicht erst anfangen. Meiner Meinung nach hätte hier die DFL mit bestem Beispiel vorangehen sollen. Jetzt wirkt es auf mich so, als ob sie unbedingt eine Extra-Wurst bekommen müssen und das kann ich als Fußball-Spieler und Fan überhaupt nicht nachvollziehen! Ich dachte immer, vor dem Gesetz sind alle gleich, aber allem Anschein nach sind manche dann doch noch etwas “gleicher”!“

 

Kopfschütteln für Kalou-Video

 

Im Fall von Dynamo Dresden ist das bereits eingetreten, was René Brinkmann befürchtet hat. Zwei SGD-Kicker sind positiv auf Covid-19 getestet worden, weshalb der Trainer-, Betreuer- und Spielerstab vom sächsischen Zweitligisten komplett in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt worden ist. Was bei ihm die Nackenhaare aufstreben lassen: „Wenn ich schon sehe, wie Salomon Kalou mit seinem Facebook-Video für Furore sorgt, dann will ich gar nicht wissen, wie sehr auf die Hygiene und Abstands-Vorgaben in anderen Clubs geachtet wird“, sollte man hier allerdings nichts pauschalisieren. „Für mich eine absolut richtige Entscheidung, ihn zu suspendieren. Aber wer weiß, wie es bei anderen abgeht, die nicht so dumm sind, das zu filmen?“, fragt er sich mit besorgter Miene im Lippe-Kick-Gespräch. Klar ist, dass die Wertigkeit der diesjährig errungenen Erfolge eher von geringer Natur sein wird: „Vor allem, welcher Verein, egal, ob Amateur oder Profi, guckt in ein paar Jahren zurück auf diese Saison und spricht voller Stolz über die Meisterschaft oder den Aufstieg?“, so seine rhetorische Frage, die sich demnach leicht beantworten lässt. Klar ist jedoch auch für den Chefcoach vom TuS Sonneborn II, dass der Spannungsfaktor zukünftig nicht geringer wird. Für ihn ist allerdings überdurchschnittlich wichtig: „Bleibt alle gesund oder werdet es ganz schnell wieder.“

Werbegruppe OWL Sport

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