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Bundesliga in Bega – Große Fußball-Welt, tolle Geschichten

Echte Farbtupfer für den lippischen Fußball setzte der TuS Bega 09, der einige Persönlichkeiten der internationalen und nationalen Fußball-Szene in den kleinen Ort nahe Barntrup lockte. Lippe-Kick erzählt euch die ganze Geschichte dazu.

 

 

„Einige Trikots und viele tolle Eindrücke”

 

Unvergessene Vereine (hk). Wir wollen mal so ehrlich sein wie der Papst. Bega hat keinen Madison Square Garden wie New York, keine Golden Gate Bridge wie Los Angeles. Auch keinen Eifelturm wie Paris oder einen roten Platz wie Moskau. Der kleine 1400 Einwohner-Ort aus der Gemeinde Dörentrup verfügt auch über keine Externsteine, auch nicht über ein Hermannsdenkmal. Asiatische Touristen mit Fotoapparaten im Gepäck suchen auch nicht gezielt diesen kleinen Ort auf. Nicht einmal Lebensmittel sind in Bega käuflich zu erwerben. Dafür dürfen die Begaraner mit einem Pfund wuchern, was ihre Brust auf Arnold Schwarzenegger-Niveau anwachsen lässt: Die Rede ist von der Serie „Bundesliga in Bega“, die von 1995 bis 2017 lief, so einige nette Anekdötchen produziert hat. Im geistigen Hinterstübchen stellt man sich das Bochum-Liebeslied von Herbert Grönemeyer vor, textet es gedanklich auf Bega um. Wir haben uns mit dem Organisator Friedrich-Wilhelm Petig, einigen Zeitgenossen ist er besser unter der Kurzform „Friedo“ bekannt, und dem Alt-Internationalen und nimmermüden Nico Haase über besondere Erlebnisse mit der Fußball-Prominenz unterhalten.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

Schnell wird deutlich, dass eine One-Man-Show nicht zum Erfolg führt. Im Orga-Team waren auch Friedhelm Deppe, Eckhard Schlue, Oliver Bertram, der viel zu früh verstorbene Carsten Begemann und Jürgen Schlue aktiv. „Das war keine One-Man-Show. Wir haben hervorragend im Team zusammengearbeitet, viel Zeit investiert. Ich bin richtig stolz darauf, wie wir das gemeinsam geschafft haben“, sagt Petig süffisant gegenüber Lippe-Kick. Dazu ist auch der ebenfalls viel zu früh verstorbene Coach Andreas Besch unvergesslich, der 21-Mal die Begatal-Auswahl in das Duell gegen den haushohen Favoriten führte. Somit war er der Evergreen, bei allen Vergleichen hautnah dabei. Rekordtorschütze für den Underdog ist der Vierfachtorschütze und

Patrick Besch

Bega-Lokalmatador Patrick Besch, der ebenso wie Vadim Thomas je viermal einnetzte. Zusammen mit Sergiu Radu (FC Energie Cottbus) und dem aktuellen Schalke-Coach und ehemaligen FC Gütersloh-Spieler David Wagner rangieren sie somit auf dem geteilten zweiten Rang. Einzig Rene Kägebein, Spitzname „der schöne Rene“, hat das Quartett sogar noch übertrumpft mit seinen fünf Toren im Jahr 2000. Zwei Jahrzehnte später kickt er, knapp 39-jährig, immer noch. Beim DSC 99 Düsseldorf, dies bei stattlichen Maßen von 180 Zentimeter Gardemaß und 97 Kilogramm. Nächstes Thema. Man muss viele Hüte ziehen vor dem Verhandlungsgeschick, der Weitsicht der “Bundesliga in Bega”-Macher. Taktisch wurde äußerst clever vorgegangen. Man wusste, dass Fußball-Lippe die höherklassigen OWL-Klubs liebend gerne protegiert, primär vor Ort. Teams wie der DSC Arminia Bielefeld, der TuS Paderborn-Neuhaus, später der SC Paderborn 07 oder der FC Gütersloh, schauten in der Nachbarschaft vorbei. Die Premiere war der Arminia vorbehalten, kam sie 1995, in dem Jahr, als Trainerlegende Otto Rehhagel seinen Bremer Stadtstaat als König verließ und bei Bayern München nicht einmal eine komplette Saison als Coach erleben durfte. Am 22. August 1995 siegten die Bielefelder im Begaraner Waldstadion vor 1500 Zuschauern mit 7:0. Weitere Gastspiele der Leineweberstädter folgten 1998 (7:0, vor 1000 Zuschauern), 2002 (5:0, 1100), 2007 (10:0, 3000), 2013 (6:0, 2000) und zuletzt vor vier Jahren ein 8:4-Erfolg, der für Petig der größte Erfolg von sämtlichen prominenten Vergleichen war, lag der Underdog, die Begatal-Auswahl, doch zeitweise sogar mit 3:1 in Front. „Das war der Wahnsinn. Wir waren mutig und haben selbstbewusst gespielt, waren vom Trainerteam hervorragend eingestellt. Ein tolles Spiel von unseren Jungs“, schwärmt Petig und seine Augen strahlen dabei wie Diamanten. Im letzten Jahrtausend, die älteren Freunde der schönsten Nebensache der Welt werden sich noch erinnern, waren auch der TuS Paderborn-Neuhaus (1996; 6:1-Sieg, 500) und der FC Gütersloh (1997; 9:0, 550) zu Besuch. Der SC Paderborn 07 gab als frisch gebackener Zweitligist 2009 eine Stippvisite ab, triumphierte satt mit 6:0, dies vor 700 Schaulustigen.

 

Knappe Kiste gegen den HSV

 

Es gab klare Regeln. Die eiserne Bedingung war, dass die Teams mit Erst- zumindest Zweitliga-Erfahrung aufwarteten. So kamen die lippischen Fans auch in den Genuss von Teams wie dem VfL Bochum (2001; 6:0, 1000), Kickers Offenbach (2004; 5:0, 650), Rot-Weiss Essen (2006; 7:0, 600), Energie Cottbus (2010; 12:0, 500), MSV Duisburg (2012; 6:3, 600) und im Jahr 2017 das letzte Gastspiel vom SC Preußen Münster, der sich vor rund 500 Fans mit 6:0 durchsetzte. Petig, ein passionierter wie leidgeprüfter Anhänger vom VfL Bochum, die als die „Unabsteigbaren“ seit einem Jahrzehnt im deutschen Fußball-Unterhaus reüssieren, benennt als Highlights die Gastspiele von Werder Bremen. Als die Weser-Jungs 1999 zum ersten Mal Bega-Boden betraten, war auch ein gewisser Claudio Pizarro dabei. Das Waldstadion war Schauplatz eines sporthistorischen Moments, denn der Anden-Bomber schoss hier sein erstes Tor auf europäischem Boden. Der langjährige Obmann des TuS Bega 09 schmunzelt, wenn er sich an diesen Moment zurückerinnert, sinniert: „Wir haben Geschichte geschrieben. Das nimmt uns keiner mehr. Unglaublich”, outet sich der meist gut gelaunte reimende Landwirt als echter Pizarro-Anhänger. Das Werder-Feeling brachte er exakt eineinhalb Jahrzehnte später erneut nach Bega. Im Weltmeister-Jahr behielt das Bundesliga-Gründungsmitglied mit 10:1 deutlich die Oberhand. Auch Fortuna Düsseldorf besuchte die nordlippische Provinz gleich zweimal. Die Weltpremiere wurde im Millennium-Jahr gefeiert, mit einem stolzen 12:0-Sieg. Konstanz bewiesen die Rheinländer 15 Jahre später, gewannen sie mit dem identischen Ergebnis. Für eine großartige Kulisse sorgten auch die Publikumsmagneten wie der Hamburger SV (2003; 3:2, 2000 Zuschauer), Hannover 96 (2005; 10:1, 2500) oder auch der FC St. Pauli (2008; 10:0, 2200). Für die launige Unterhaltung und die Entertainment-Schiene war stets Friedo Petig verantwortlich, geradezu prädestiniert.  Charmant, mit viel Wortwitz gesegnet, führte er durch das Programm.

 

Gefühl wie bei einem Vereinsspiel

 

Jubiläumsträchtige zehn Mal war Nicolas Haase hautnah auf dem Platz dabei, als der lippische Außenseiter sich heldenhaft den Profifußballern in den Weg stellte. Bei Lippe-Kick erzählt er, wie seine Erlebnisse mit „Bundesliga in Bega“ aussahen. Eine präzise Vorbereitung auf den Kontrahenten gab es nicht. Nach einigen Jahren wurde ein Fototermin eingeführt, der vom pflichtbewussten Haase und seinen Mitspielern meist gut frisiert wahrgenommen wurde. „Persönlich habe ich mich nicht wirklich in besonderer Art und Weise auf die Spiele vorbereitet“, gibt er zu. Man kannte sich untereinander von Spielen auf lippischen Plätzen, weshalb das Eis, „nach anfänglicher Zurückhaltung,“ immer mehr schmolz, vor allem während der Begegnung die Mannschaft auf dem Spielfeld zusammenwuchs. Schlaflose Nächte kannte Haase bezüglich der Fußball-Spiele nur vom Hören-Sagen. Der Familienvater stellt klar: „Der Spieltag an sich fühlte sich erstmal gar nicht groß anders an, als bei einem Spiel mit dem eigenen Verein. Man hat so eine gewisse Grund-Anspannung. Richtig nervös war ich eigentlich – außer vielleicht beim ersten Einsatz, da man noch nicht wusste, was auf einen zukommt – nicht.“ 1998 war dies. Er fühlt sich, als wenn es noch heute wäre: Der gerade aus dem Teenager-Status entwachsene Haase war mit 20 Lenzen mit „ordentlich Respekt“ in diese Partie gegangen, kreuzten sich doch direkt die Klingen mit dem späteren Nationalspieler Ronald Maul oder Fußball-Koryphäen wie Fritz Walter, Thomas von Heesen und Armin Eck.

 

Außergewöhnliche Reden von Ristic und Petig

 

Markus Lanz würde an dieser Stelle fragen: Was macht das mit einem, wenn man auf einen Bundesliga-Profi trifft? „Man hat vielleicht die Vorstellung, dass die bezahlten Fußballer etwas Außergewöhnliches sind. Im Spiel merkt man aber schnell, dass sie auch nur Fußball spielen – das natürlich aber deutlich schneller, besser und technisch versierter als es in unseren Klassen üblich ist“, beschreibt Haase die meisten Spieler als „nett“, ergibt sich zudem noch der eine oder andere gepflegte Small-Talk während oder nach dem Match. Auf dem Platz war die Taktik leicht erkennbar. Die Begatal-Auswahl wehrte sich tapfer, spielte äußerst defensiv, meist sehr diszipliniert und versuchte über schnelle Tempogegenstöße zum Erfolg zu kommen. Welche Partien stechen für Nico Haase hervor? „1998 das erste Spiel gegen die Profis war schon etwas aufregend. Es gibt einige Ereignisse, neben meinem ersten Spiel, die hängen geblieben sind.“ 2000 gab bekanntlich die Fortuna aus Düsseldorf ein Gastspiel in Bega. Am Vorabend vor dem Spiel ist die Begatal-Auswahl zu einem gemeinsamen Essen eingeladen worden. Haase erinnert sich: „Am lustigsten waren die Reden von Ristic und Friedo, der sich zu “Reim-Zwecken“ 20 Minuten vorher auf die Toilette verzogen hatte“, gilt Petig insgeheim als Meister der Improvisation.

 

„Der HSV konnte und wollte nicht mehr Vollgas geben“

 

Der einst, für einige Fans immer noch große Hamburger SV, hat im Jahr 2003 für besondere Gefühle in ganz Fußball-Lippe gesorgt. Manche plagten sich sogar mit einer Gänsehautentzündung herum. Friedo Petig verrät gegenüber Lippe-Kick: „Der Kontakt kam über die HSV-Legende Uwe Wehmeyer zustande, dessen Eltern in Herford lebten.” Der mehrmalige Deutsche Meister und Europapokal-Landesmeister von 1983 blamierte sich in Bega fast bis auf die Knochen. Nach 20 Minuten führten die Hanseaten mit 3:0. Kurz vor der Halbzeitpause gelang dem Underdog fast schon sensationell das 1:3-Anschlusstor, kurz nach dem Seitenwechsel sogar das 2:3. Haase schwärmt: „Wir haben voll dagegengehalten und konnten das Ergebnis bis zum Ende halten.“ Was der Grund für die nachlassende Leistung vom Bundesliga-Dino war: „Der HSV konnte und wollte aber wohl auch nicht mehr Vollgas geben, da das Spiel nach der Bundesliga-Saison stattfand und sich kein Spieler mehr beweisen musste.“ So verriet der Hamburger-Angreifer Erik Meijer Haase, dass er die Vorwoche über zum Erholungsurlaub auf Mallorca weilte. „Für mich hat das Pensum aber gereicht. Ich glaube, ich habe in dem Spiel 60 oder 65 Minuten gespielt und war fix und alle. Aber es war das erste Mal, dass ich gegen eine Bundesliga-Mannschaft eine Halbzeit gewonnen hatte“, geht dies als ein epischer Triumph in seine persönliche Fußball-Historie ein. Zudem staubte er sein erstes Souvenir ab – ein Aufwärm-Shirt von seinem Gegenspieler Martin Groth. Die Laune von HSV-Coach Kurt Jara war so im Keller, dass das geplante gemeinsame Essen im Zelt ausfiel, stattdessen relativ fluchtartig der Weg ins Burghotel Blomberg angetreten wurde. Die Feierbiester Meijer, Ingo Hertzsch und Martin Pieckenhagen, deren Verträge allesamt am Saisonende ausgelaufen sind, haben es richtig krachen lassen, sind mit dem Bega-Auswahlkicker Sven Ludwig zusammen in einen ostwestfälischen  Tanztempel gepilgert. Nicht auszuschließen, bei der Beendigung der sportlichen Tanzaktivitäten haben die ersten Vögel schon den neuen Tag angezwitschert, die ersten Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg. Haase lächelt spitzbübisch: „Man munkelt, sie wären gerade so zur Abfahrt des Mannschaftsbusses in Blomberg gewesen.“

 

Der Baljak-Trikot-Coup

 

Gegen den ehemaligen Erstligisten FC Energie Cottbus (zwischen 2000 und 2003 und 2006 und 2009) erlebte das Bundesliga-Gastspiel 2010 seine Premiere, denn es fand nicht in Bega, sondern im Braker Walkenfeld-Stadion statt. Dort erhielt Haase sein erstes Trikot. Das von Sergiu Radu, dem Energie-Goalgetter. Eine atemberaubende Leistung demonstrierten die Lipper zwei Jahre später, als die Zebras vorstellig wurden. Temporär führte man mit 3:1, zur Halbzeitpause immer noch mit 3:2. Schlussendlich setzte es nach einer aufopferungsvollen Vorstellung eine 3:6-Niederlage. Ein auf allen Ebenen überzeugend auftretender Haase ruft sich ins Gedächtnis: „Auch hier konnte ich meinem Gegenspieler, Kapitän Srdjan Baljak, das Trikot abschwatzen.“ In seiner Endphase als Amateur-Kicker hat das Barntruper-Urgestein sogar noch die extremen Unterschiede zwischen höher- und tieferklassigem Fußball erlebt. 2014 gab es – trotz einer schnellen 1:0-Führung – ein ernüchterndes 1:10 gegen Werder Bremen. Ein Jahr später unterlag die Auswahl gegen Düsseldorf sogar mit 0:12. Haase staunt nicht schlecht und würdigt: „Beide Bundesliga-Mannschaften haben in diesen Spielen ihre Qualität eindrucksvoll gezeigt und bewiesen, wo der “Unterschied zwischen Berufsfußballern und Hobbykickern ist.“ Auf verbale Tuchfühlung ging Nico Haase mit dem Werderaner Nils Petersen vor und mit Christian Strohdiek und Kerem Demirbay nach dem Match. Legendär für ihn: „Bei diesen beiden Spielen konnte ich mir übrigens die Trikots von Theodor Gebre Selassie und Kerem Demirbay sichern.“

 

Spektakuläres Auswahl-Spiel-Ende

 

Nicht nur die Gegenspieler, sondern auch ein ganz bestimmter Mitspieler hat es ihm richtig angetan. Die Rede ist von Handball-Weltmeister Florian Kehrmann, der gegen seinen Lieblings- und Heimatverein Fortuna Düsseldorf 2015 in der Begatalauswahl mitgespielt hat: „Wir haben uns von Anfang an ganz gut verstanden – vielleicht auch, weil wir mit Abstand die Ältesten im Team der Begatalauswahl waren und haben uns gut zwei Stunden nach dem Spiel an der Theke unterhalten“, kickte der TBV Lemgo-Coach zeitweise auch für den Lemgoer B1-Ligisten VfL Lüerdissen II. Der Kreis schließt sich für Nico Haase, als er 2016 gegen Arminia Bielefeld kicken durfte. Letztmalig. Auch dieses 4:8, in dem die Begatalauswahl zum Pausenstand sensationell mit 4:3 führte, bewies, dass die Lipper richtig gut performen können. Hier hat er sich das Trikot von Manuel Junglas gegönnt. Fast schon staatsmännische Worte wählt Haase im Lippe-Kick-Rückblick über dieses Spiel: „In dieser Partie haben wir das wahrscheinlich beste Spiel, auf jeden Fall aber die beste Halbzeit einer Begatalauswahl gesehen!“ Was resultierend für ihn immer und ewig bestehen bleibt, sind „drei gewonnene Halbzeiten gegen Bundesligamannschaften, einige erspielte Trikots und viele tolle Eindrücke!“

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