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Historisch

Unvergessene Vereine – TuS Langenholzhausen

Der TuS Langenholzhausen ist einer der Vorgängervereine des FC Unteres Kalletal und feierte in den 60er- und 70er-Jahren große Erfolge. Wir blicken zurück.

 

Was wäre der TuS ohne die Stutzke-Brüder?

Unvergessene Vereine (ab). Was heute der FC Unteres Kalletal ist, waren zuvor der TuS Langenholzhausen, der SuS Stemmen-Varenholz und der SVA Heidelbeck. In unserer Rubrik „unvergessene Vereine“ beleuchten wir diesmal die Historie des TuS Langenholzhausen, der in ferner Vergangenheit einige erfolgreiche Jahre hatte, die eng mit dem Namen „Stutzke“ verbunden sind. Zusammen mit Cornelia Rehse, der Vorsitzenden des TuS, blicken wir zurück auf eine bewegte Geschichte.

 

Die Geburtsstunde des Langenholzhauser Sportvereins schlug im Jahr 1911, zuerst als Turnverein TV Langenholzhausen, seit 1925 dann Turn- und Sportverein Langenholzhausen. „Zu den Sportarten Turnen und Leichtathletik wurde seit Mitte der 20er-Jahre auch Handball und Fußball praktiziert“, erläutert Cornelia Rehse. Nachdem im zweiten Weltkrieg auch die Spielstätte des TuS nahezu komplett zerstört wurde, musste nach Kriegsende zunächst Wiederaufbauarbeit geleistet werden. „Der ehemalige Sportplatz im Pferdebruch, der zwischenzeitlich als Kartoffelacker genutzt wurde, wurde wiederhergerichtet und 1948 fanden die ersten Spiele dort statt.“ Doch zunächst lief es überhaupt nicht rund, es hagelte hauptsächlich Niederlagen für den TuS. Erst gegen Ende der 50er-Jahre hielt der sportliche Erfolg Einzug in Langenholzhausen. Sowohl im Senioren- als auch im Juniorenfußball. Durch einen Sieg gegen die Kalletaler Nachbarn vom SV Germania Westorf glückte im Jahr 1959 der Sprung in die 1. Kreisklasse.

 

Die „Stutzke-Ära“

Zur Meistermannschaft gehörten: Heinz Depping, Dieter Frevert, Norbert Greife, Werner Höfer, Heinz Hölscher, Günther Johanning, Waldemar Kater, Herbert Peglow, Addi Stutzke, Bruno Stutzke, Paul Stutzke, Jürgen Schäfsmeier, Karl- Heinz Schrader und Siegfried Süvern (Quelle: Chonik- 100 Jahre TuS Langenholzhausen). Schon hier fällt auf, dass der Name „Stutzke“ häufig fällt. Und ja, ohne die Stutzke-Brüder hätte es die sportlichen Erfolge vermutlich nie gegeben. So heißt es in der von Anke Bebermeier verfassten Chronik des Vereins wie folgt:

 

„Stutzke, Stutzke und immer wieder Stutzke: „Stutzke-Elf“, „Stutzke-Ära“, „Stutzke-Team“. Zwischen den 50er- und 70er-Jahren haben die vier Brüder Paul, Bruno, Adalbert („Addi“) und Klaus Stutzke großen Anteil an der fantastischen fußballerischen Entwicklung in Langenholzhausen. Wer sich den phänomenalen Aufstieg aus der 2. Kreisklasse an die Bezirksliga-Spitze anschaut, kommt an diesem Quartett nicht vorbei.

Vier Brüder, ein Drittel der TuS-Mannschaft: Trotz ihres Altersunterschieds spielen Paul, Addi, Klaus und Bruno Stutzke (von links) eine Zeitlang zusammen in einer Elf. Quelle: Vereinschronik TuS Langenholzhausen

Bruno, Klaus und Addi gehören der Mannschaft an, die in der Saison 1964/1965 den Sprung in die Bezirksklasse schafft. Der älteste Bruder Paul tritt als Trainer des TuS Langenholzhausen von November 1977 bis 1978 wieder in Erscheinung und ist zwischenzeitlich auch in anderen Vereinen aktiv. Bruno spielt noch eine zeitlang mit seinen Brüdern Addi und Klaus und übernimmt dann von „Obmann-Denkmal“ Horst Schlinkmeier die Betreuung des Teams. Als Trainer Juan Cabrera während des 3:0-Erfolges über den TuS Helpup, der den TuS Langenholzhausen zum Bezirkslassen-Herbstmeister machen wird, plötzlich das Stadion verlässt und dem Verein einen Tag später seine Kündigung zuschickt, ist Bruno Interimscoach. Als Jugendleiter und zweiter Vorsitzender unterstützt er den Verein auch an anderen Positionen. Die beiden jüngeren Stutzke-Brüder, Addi und Klaus, sorgen in der Bezirksklasse noch viele Jahre gemeinsam für Furore und sind weit über die Grenzen Lippes hinaus bekannt.“

 

Gehören zum Besten, was der TuS fußballerisch zu bieten hat: Klaus Stutzke, Arno Hauser, Addi Stutzke, Hartmut Engel, Manfred Brinkmann, Harry Stielke, Ortwin Jekel, Knut Vauth, Werner Klocke, Heinz Depping und Wolfgang Schilling (v.l.).

 

Stadion am Kirchberg wird 1963 eingeweiht

Sicherer Rückhalt: Udo Sahlmann hält im entscheidenden Spiel gegen Barntrup 1979 den Klassenerhalt fest. Nur einmal muss der Torhüter hinter sich greifen. Der TuS bleibt im Kreisoberhaus.

Angespornt vom sportlichen Erfolg während dieser Zeit sollte auch die Sportstätte noch einmal wechseln, wie Cornelia Rehse erläutert: „Die Planungen für das jetzige Stadion am Kirchberg begannen und 1963 wurde es eingeweiht. Fußball sollte seit dieser Zeit für viele Jahre die Hauptrolle im Verein spielen. Unter dem Vorsitzenden Karl Willer und dem Trainer Willi Engel stieg der TuS Langenholzhausen 1965 in die Bezirksklasse auf und kann sich dort auf den Spitzenplätzen behaupten.“ Die „goldene Fußball-Ära“ sollte bis 1977 andauern und war vornehmlich den Stutzke-Brüdern und diversen Trainer-Stars zu verdanken. „Auch heute noch denken viele ältere Fußball-Fans gerne an diese Zeit zurück.“ Weitere große Namen in der Langenholzhauser Fußballgeschichte waren neben den Stutzke-Brüdern auch Ortwin Jekel, Udo Sahlmann, Jürgen Kuhlmann, Wolfgang Schilling, später auch Ralf Jekel, um nur einige zu nennen.

 

Feldkamp und Babington sind zu Gast

Neben den jährlichen Pfingst-Sportfesten, die auch heute noch zur Tradition gehören und im Dorf groß gefeiert wurden (und nach dem Ausfall in diesem Jahr in den nächsten Jahren gefeiert werden), gab es viele weitere fußballerische Highlights, so Rehse weiter:

Dicht umlagert: Während der Autogrammstunde im Schuhhaus Willer schreiben Carlos Babington (Mitte) und seine Kollegen der SG Wattenscheid fleißig Autogramme.

„Da der Sportplatz für seine gepflegte Rasenfläche bekannt war, haben bekannte Fußballvereine wie Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen oder auch SG Wattenscheid 09 mit Kalli Feldkamp als Trainer und dem argentinischen WM-Star Carlos Babington ihre Trainingslager dort aufgeschlagen. Obligatorisch war natürlich ein Testspiel, zu dem dann mal mehr als 2000 Zuschauer anreisten.“ Auch Vereinsvorsitzende wie Karl Willer oder auch später Horst Hohmeier haben sich einen herausragenden Ruf erarbeitet und den Fußball stark unterstützt. „Und nicht zu vergessen: Eckhard Bebermeier, der in seinen Funktionen als Obmann, als zweiter Vorsitzender und aktuell immer noch als Platzwart mit viel Leidenschaft und ehrenamtlichem Engagement viel für den Fußball und den TuS Langenholzhausen getan hat.“

 

1999: Der FC Unteres Kalletal wird gegründet

Anfang der 80er-Jahre war der TuS Langenholzhausen dann ein Vorreiter und hat mit dem SVA Heidelbeck die erste Jugendspielgemeinschaft im Kalletal gegründet, der sich später auch der SuS Stemmen-Varenholz angeschlossen hat. „Das Spielerpotential der Altvereine war nicht mehr ausreichend, so dass es dann 1999 zur Vereinsgründung des FC Unteres Kalletal kam, bekanntlich aus den Fußballabteilungen der Vereine TuS Langenholzhausen und SuS Stemmen-Varenholz und später auch SVA Heidelbeck.“ Erste Ideen solch einer Fusion gab es bereits in den 70er-Jahren, die vom SuS Stemmen-Varenholz aber noch abgelehnt worden sind. 1999 war es dann der SuS wiederum, der das Gespräch mit dem TuS Langenholzhausen suchte. „Wir wollen nicht weiter auf der Stelle treten, sondern uns weiterentwickeln“ waren die Worte von Helmut Wirausky, dem 1999 gewählten Vorsitzenden des FC Unteres Kalletal (Quelle: „Als rasender Sportreporter unterwegs“ von Hans-Ulrich Krause).

 

Interesse an Fußball ist weiterhin groß

Der Fußballsport ist seitdem aus dem TuS Langenholzhausen ausgegliedert, was aber nicht bedeutet, dass es den Verein nicht mehr gibt oder dass das Interesse am Fußball erloschen ist: „Der Sportplatz und auch das Sporthaus werden nach wie vor vom TuS Langenholzhausen gepflegt und gewartet. Und es gibt es seit Jahren erfolgreiche Sportarten wie Tischtennis und Korbball und Breiten- und Fitnesssport“, so Cornelia Rehse.

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