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Historisch

TSV Schötmar – Historische Höherklassigkeit

An die erfolgreichen Zeiten anzuknüpfen, das ist die große Sehnsucht, die den TSV Schötmar umtreibt. Merke: Es ist noch gar nicht allzu lange her, da befanden sich die rot-schwarzen Panther sogar im Fußball-Olymp.

 

 

 

Kameradschaft und grandiose Kicker

Historisch (hk). Noch in der Spielzeit 2016/17 vertrat der TSV Schötmar die lippischen Farben im überkreislichen Fußball, war elitäres Mitglied in der starken Bielefelder und Herforder Staffel. Zunächst von 2009 bis 2012, dann von 2013 an kickten die Schötmaraner strebsam in der Bezirksliga. Einen Moment für die Ewigkeit schufen sich die Lohfeld-Jungs, als sie 2013 den prestigeträchtigen LZ-Cup einfuhren. Für die Schötmaraner galt das altbekannte Motto, stets einmal mehr aufzustehen als hinzufallen, denn nach den Abstiegen in das Lemgoer-Kreisoberhaus, sogar in das Unterhaus, gelang stets das unmittelbare Comeback. Der Urknall wurde im Frühsommer 1982 genommen, erzählt euch Lippe-Kick die ganze Geschichte.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

 

Die Historie umspannt einen zeitlichen Rahmen von mittlerweile fast vier Jahrzehnten. Vor satten 38 Jahren sind türkische Gastarbeiter auf die edle Idee gekommen, sich fußballmäßig zu organisieren. Zunächst bandelte man mit dem SV Werl-Aspe an, bildeten die türkischstämmigen Kicker nach Erlaubnis vom Asper-Vorstand fortan die vierte Mannschaft ab der Serie 1982/83. Der Erfolg ließ nicht allzu lange auf sich warten, gelang in der Premierenspielzeit direkt der Triumph in der Meisterschaft. Bemerkenswert war der Triumph über den Aufstiegskonkurrenten SV Wüsten II, der mit einem satten 3:0 in die Knie gezwungen wurde. Welche Bedeutung dieses Match besaß, wurde dadurch deutlich, dass einige TSV-Schlachtenbummler sogar ihre Türkeireise vertagten, um diesem epochalen Match beizuwohnen. Mit der neuen Rolle im Lemgoer Fußball-Kreis-Unterhaus fremdelten die Schötmaraner keineswegs, gelang es, sich in der neuen Liga schnell zu integrieren, echte Duftmarken im fußballerischen Bereich zu setzen, ja sogar im Tabellen-Norden mitzumischen. Harun Siviloglu, der Verfasser der TSV Schötmar-Chronik, findet selbstkritische Worte: „Obwohl man ständig an der Tabellenspitze mitspielte, häuften sich nun die negativen Schlagzeilen. Die türkische Mentalität machte sich des Öfteren bemerkbar und die Unsportlichkeiten auf dem Platz nahmen zu.“ Deshalb ist es nur mehr als nachvollziehbar, dass der SV Werl-Aspe-Vorstand solch ein aggressives Verhalten nicht mehr weiter tolerieren wollte, nachvollziehbarerweise die Zusammenarbeit im Sommer 1986 beendete.

 

Höhen und Tiefen in den Anfangsjahren

 

Am 7. Juni 1986, also fast auf den Tag genau vor 34 Jahren, ist mit dem Sportclub Schötmar Türken die erste türkische Fußball-Truppe in Bad Salzuflen ins Leben gerufen worden. Das Junkerhaus war das damalige Vereinslokal. Dank der fußballerischen Klasse ließ der Erfolg nicht allzu lange auf sich warten, konnten die rot-schwarzen Panther von der C- in die A-Klasse direkt durchmarschieren. Um im Kreis-Oberhaus tatsächlich bestehen zu können, ist der legendäre Manfred Tacke als Coach verpflichtet worden, woraufhin mit ihm ein sensationeller fünfter Rang im Aufstiegsjahr realisiert wurde. Niemals vergessen: „Der Sieg im DFB-Pokal gegen den damaligen Landesligisten TBV Lemgo war ein Highlight“, gibt Siviloglu bei Lippe-Kick zu Protokoll. In den folgenden Jahren wurden fußballerisch eher Sträucher als Bäume ausgerissen, war das Geld knapp, weshalb 1992 der Niedergang in die B-Klasse verkraftet werden musste. Parallel mit dem Umzug in den türkisch-islamischen-Kulturverein und der Gründung einer A-Jugend wurde ein neuer Startschuss geliefert. Die Freude flackerte allerdings nur kurz auf, denn durch das fehlende Engagement und dem Spielermangel sanken auch die Leistungen, weshalb die A-Junioren bald schon keine Mannschaft mehr hatten.

 

Neues Konzept bringt den Erfolg

 

Seit dem 19. Juni 1993 kickt der TSV Schötmar unter seinem heutigen Namen. In den 90er Jahren gab es nicht viel Erhellendes. Einzig eine Kreismeisterschaft und das Duell im Westfalenpokal gegen den Regionalligisten SC Verl stechen hervor. Ende des vergangenen Jahrtausends sind einige wichtige Weichen gestellt worden. So ist die Wichtigkeit einer A-Jugend erkannt worden, gelang mit dieser im ersten Jahr schon der Triumph in der Meisterschaft. Zugleich entsprangen aus dieser Elf sogleich einige fähige Zocker für den Seniorenbetrieb. „Durch das vorgenommene Ziel, wieder in die Kreisliga A aufzusteigen, wurde dementsprechend die Mannschaft kontinuierlich und gezielt verstärkt“, berichtet Siviloglu bei Lippe-Kick. Tuncay Yildirim übernahm im Sommer 2003 das Traineramt in Schötmar, sagt Harun Siviloglu mit einem Blick zurück: „Mit seiner konservativen Art kamen die meisten jungen Spieler nicht zurecht, doch der Vorstand stand zu jedem Zeitpunkt hinter dem Trainer. Er konnte somit seine Linie durchziehen und die Arbeit mit der Meisterschaft krönen. Die Freude war riesig und es wurde natürlich überschwänglich gefeiert. Nach zwölf Jahren sind wir auf Kreisebene wieder “erstklassig“. Im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg gelang Rang sieben. Was dann noch folgte, sollte die Stimmungslage bei allen Beteiligten erheblich verbessern.

 

„Der Bezirksliga-Aufstieg war etwas ganz Besonderes für uns.“

 

Mit großen, strahlenden Augen berichtet TSV-Vereins-Boss Ersan Dargecit, selbst ein langjähriges Vereinsmitglied: „Wir haben glorreiche Zeiten gehabt, die Gegner kamen zu Auswärtsspielen ins Lohfeld und waren meistens im Vorfeld schon glücklich, wenn sie ein Unentschieden ergattern konnten“, entwickelte sich das Lohfeld-Stadion in einen Hexenkessel „mit einer besonderen Atmosphäre“, so die Erinnerung vom Endzwanziger im Lippe-Kick-Gespräch. „Die Spiele waren immer sehr gut besucht (Anm. d. Red.: Bei Derbys kamen weit mehr als 300 Zuschauer) und selbst die Aufstiegsfeiern fanden teilweise mit 500, 600 Besuchern statt. Jeder Spieler wurde einzeln aufgerufen und wurde mit Spotlight und lauten Standing Ovations gefeiert.“ Man merkt, die Schötmaraner wussten, wie man eine Show veranstaltet, die Spieler richtig in den Fokus rückt. Auch Yasin Altinisik, jahrelang ein Vorstandsmitglied beim TSV Schötmar, hat den Sprung in den Bezirksfußball nicht vergessen, entsinnt sich: „Der Aufstieg in die Bezirksliga war schon etwas ganz Besonderes für uns, meiner Meinung nach hatten wir damals eine super Chemie zwischen Mannschaft, Vorstand und den Fans.“

 

„Wir hatten immer eine gute Mischung“

 

Sebahattin Gürel als erfolgreicher Geschäftsmann.

Fast wäre es sogar noch weitergegangen, wie sich Altinisik entsinnen kann: „Unter der sportlichen Leitung von Sebahattin Gürel ist man in die Bezirksliga aufgestiegen und kurzzeitig war ein Aufstieg in die Landesliga ein Thema.” Er lobt er die Protagonisten in den höchsten Tönen: „Zur damaligen Zeit kann ich nur sagen, dass wir den besten Vorstand, die beste sportliche Leitung und die besten Spieler hatten.“ Gürel wurde aufgrund seiner Aktivität als Manager auch „Uli“ genannt. Ein Spitzname, der ihm in Anlehnung an den berühmten Bayern München-Macher Uli Hoeneß vermacht wurde. Altinisik führt weiter aus: „Um ihn besser zu verstehen und seinen eingesetzten Ehrgeiz, muss man wissen, dass der älteste Bruder Sami Gürel nach einem frühen Tod eine Riesen-Lücke in Schötmar hinterlassen hat. Seitdem hat es sich Sebahattin Gürel als Aufgabe gemacht, diese Lücke so gut wie es geht zu schließen“, hat dies nach Ansicht von Altinisik ausgesprochen gut funktioniert. So war er ganz entscheidend, dass nach einem Dutzend Jahren der Sprung in die A-Klasse, wenig später sogar in die Bezirksliga, gelang. „Der Erfolg war stets sein Begleiter, wie auch ein Händchen für gutes Personal“, demonstrierte er auch nach seiner aktiven Laufbahn große Unterstützung für seinen Herzensverein. „Sein großer Bruder Sami wäre sicher auf ihn stolz und auch, dass der Sohn vom verstorbenen Sami Gürel, Abdullah Gürel, jetzt diese Rolle als Vorstandsmitglied übernommen hat“, erklärt Yasin Altinisik mit viel Pathos in seiner Stimme und führt weiter fort: „Einen Gürel gab es fast immer schon in der Mannschaft und das wird es weiterhin noch geben.“ Heutzutage spricht man von der goldenen Generation um Ausnahmeerscheinungen wie den Zauberfüßlern Ilker Siviloglu und Fatih Öztürk, die auf dem Höhepunkt ihrer fußballerischen Schaffenskraft für den TSV Schötmar kickten. Der heutige TSV-Trainer Fatih Ilhan war eines der Küken im Team, gesellten sich im Laufe der Jahre weitere verheißungsvolle Talente wie Hakim Aytan, Volkan Turp oder Tuna-Han Demircan dazu, die es verstanden, sehr liebevoll mit der Murmel umzugehen. Entscheidend für den damaligen Erfolg: „Wir hatten immer eine gute Mischung aus jungen, talentierten und erfahrenen Spielern, was sehr zum Erfolg beigetragen hat“, berichtet Dargecit beim Sport-Portal seines Vertrauens.

 

„Eine Freude, die du so schnell nicht vergisst“

 

Die Spielerzeit-Epoche von Ilker Siviloglu implizierte eine besonders schöne Zeit. Dargecit verneigt sich vor diesem Unterschiedsspieler, der trotz seiner Qualitäten stets demütig und bescheiden blieb: „Mit seiner Erfahrung, die er in den höheren Ligen sammeln konnte, hat er viele Spieler weiterentwickelt. Er wusste genau, was er tat als Trainer. Das war sowohl beim Training als auch bei den Spielen der Fall. Zudem war er eine Respektsperson, zu der jeder aufgeschaut hat“, hat der kleine Prinz eine ganze Ära geprägt. Mit stolzgeschwellter Brust und mit einem Lächeln auf den Lippen schwelgen die Hauptdarsteller von einst immer noch in den seligen Erinnerungen, bleiben diese Jahre unauslöschlich in den Gedanken bei allen Beteiligten. „Da werden immer lustige Anekdoten und Momente in der Kabine erzählt“, verrät Dargecit bei Lippe-Kick. Bis zum letzten Jahr noch hatten die Schötmaraner zwei Seniorenteams am Start, übertrug sich die familiäre Atmosphäre hinüber zur Zweitvertretung, die zumeist in der B-Klasse ihre fußballerische Heimat gefunden hatte. Das Band untereinander war eng wie vertrauensvoll, bemerkt Dargecit doch mit viel Pathos in seiner Stimme: „Wenn hin und wieder Spieler der Ersten bei uns aushelfen mussten, war das nie ein Thema und sie kamen sogar gerne“, wird folglich eine Erkenntnis klar ausgerufen: „Das schmilzt zwei Mannschaften stark zusammen.“ Sogar eine Legende wie Ilker Siviloglu wollte freiwillig in der Reserve aushelfen, gibt Dargecit (Bild links)  erhobenen Hauptes zu: „Ich hatte sogar noch die Ehre und war der Kapitän der zweiten Mannschaft.“ Was er immer in seinem Herzen tragen wird: „Wenn dich ein Ilker Siviloglu nicht nur in den 90 Minuten auf dem Platz, sondern auch privat mit „Captain“ anspricht, dann ist das natürlich eine Freude, die du so schnell nicht vergisst“, ist Ersan Dargecit nach dieser Adelung um ein paar Zentimeter gewachsen.

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