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Historisch

Historisch – Blomberger SV

Dem Blomberger SV ging es nicht immer so gut wie in den letzten Jahre. Zu Beginn dieses Jahrtausends spielten die Nelkenstädter sogar nur in der C-Liga. Wir blicken zurück.

 

Einmal nach unten und wieder zurück

Historisch (ab). Heutzutage kann man sich kaum vorstellen, dass dieser Blomberger SV, der seit Jahren in den oberen Bereichen der A-Liga oder in der Bezirksliga heimisch ist, vor rund 20 Jahren noch ein C-Ligist gewesen ist. Man hatte damals sogar damit zu kämpfen, dass Spieler den BSV nicht als attraktivste Adresse im Blomberger Raum gesehen haben und lieber zu Lokal-Konkurrenten gewechselt sind. Der Aufschwung kam mit Knut Winkelmann, der aus der Not eine Tugend und aus dem BSV das gemacht hat, was er heute ist: Eine Top-Adresse im lippischen Fußball.

 

 

Wir schreiben das Jahr 1999, als der Blomberger SV eine seiner schwärzesten Phasen der Vereinshistorie durchlebt. „Ende der 1990er war der BSV-Fußball eine eher durchwachsene Zeit, die innerhalb von drei Jahren vom Aufstieg in die Kreisliga A in der Saison 1997/1998 bis zum Abstieg in die Kreisliga C in der Saison 1999/2000 mündete“, berichtet Michele Caporale. 97/98 wurde man noch Meister der Kreisliga B2 Detmold mit drei Punkten Vorsprung auf den TuS WE Lügde, doch im Jahr darauf stieg man als Tabellenletzter gleich wieder ab, noch ein Jahr später musste man als Vorletzter sogar den Platz in der Kreisliga B räumen und fortan in der Kreisliga C3 Detmold. Statt SuS Lage oder Post SV Detmold hießen die Gegner TSV Kohlstädt II, SV Cappel II oder TSV Leopoldstal. Caporale erklärt die Gründe für den rasanten Abstieg: „In dieser Zeit hatten wir nicht mehr die Qualität im Kader, die es uns erlaubte, in der obersten Kreisebene zu spielen. Man hat etliche Jahre zuvor die gute Jugendarbeit in den 1970ern nicht mehr halten können und dadurch viel verschlafen. Es gab kaum bis keine eigenen, gut ausgebildeten Spieler, die man in die Erste werfen konnte. In dieser Zeit waren auch Mannschaften rund um Blomberg attraktiver als der BSV, sodass viele Spieler sich gegen den BSV entschieden haben.“

 

 

Die SG Blomberg/Maspe entsteht

Dazu kam auch noch das organisatorische Problem, dass das Stadion in Blomberg kaum für Trainingszwecke genutzt werden durfte: „Das Training fand somit fast ausschließlich auf dem Natoplatz oder auf dem Ascheplatz (Schiederstraße) statt. Es sind einfach viele kleine Punkte, die sich „groß“ ausgewirkt haben.“ Trotz Platz drei in der C-Liga-Saison 2000/2001 spielte der BSV ab 2001 wieder in B-Liga, allerdings in einer Spielgemeinschaft mit dem SSV Maspe, der dem großen Nachbarn zu der Zeit den Rang abgelaufen hatte und bessere Platzierungen holte. „Mit der Spielgemeinschaft durften wir dann wieder in der Kreisliga B starten. Innerhalb der fünf Jahre spielten wir eine gute Rolle in der Kreisliga B, für den Sprung nach oben reichte es aber leider nicht.“ Platz 5, Platz 5, Platz 10 und nochmal Platz 5 erreichte die SG in den vier Saisons ihres Bestehens.

 

Blomberger SV startet allein wieder durch

2005/2006 wanderten die ehemaligen Maspe-Spieler einheitlich zum TuS Wöbbel ab, der Blomberger SV ging wieder allein auf Torejagd. „Wir mussten uns aber durch eine Entscheidungsrunde kämpfen“, erklärt Caporale. „Beim normalen Verlauf hätten wir in der Kreisliga C starten müssten, da aber der SSV Maspe vom Spielbetrieb abgemeldet wurde, konnten wir uns in der Entscheidungsrunde durchsetzen und in der Kreisliga B starten.“ Und das auch mit großem Erfolg. Denn fortan lief es wieder prächtig beim BSV. 2005/2006 schloss man als klarer Tabellenführer die Saison in der Kreisliga B2 Detmold ab und war seitdem durchgehend A- oder sogar Bezirksligist. „In diesem Jahr kamen auch gute Jugendspieler hoch“, so Caporale weiter. „Hier hatte vor allem Knut Winkelmann, unser damaliger Vorsitzender, großen Anteil. Denn durch seine Initiative heraus wurde die Jugend wieder angekurbelt.“

 

Jahrgang prägt Jahrzehnt

Serdar Tuzakci

Dieser Jahrgang prägte ein ganzes Jahrzehnt. Noch heute spielen mit Serdar Tuzakci, Basti Magers, Andreas Wecker und Andreas Massold Spieler dieses Jahrgangs in der ersten oder zweiten Mannschaft des BSV. „Ein entscheidender Faktor war auch Boris Murach, den wir damals vom TBV Lemgo zurückholen konnten. Mit ihm und unseren eigenen Jugendspielern konnten wir sofort in die Kreisliga A aufsteigen. Es war eine super Truppe, mit vielen jungen Spielern, die damals 80 von 84 mögliche Punkte holte.“ Nach und nach kamen die weiteren guten Jahrgänge hoch, die Jahrgänge 89/90 waren in ihrer Jugend jeweils in die Bezirksliga aufgestiegen, „so dass wir dann ab dem Jahr 2006 ununterbrochen in der Kreisliga A oder Bezirksliga spielten. Damalige Spieler, die noch heute ihre Spuren hinterlassen sind Joscha Retzlaff und Timur Uzunlar.“

 

Highlight-Spiel gegen SC Verl

In der A-Liga spielte der Blomberger SV ebenfalls sofort oben mit, schloss bis zum Aufstieg 2010/2011 jede Saison unter den ersten Fünf ab. Schon im zweiten Jahr wäre man beinahe in die Bezirksliga aufgestiegen, am Ende war aber TuRa Heiden einen Punkt besser. „Leider reichten die 120 Tore in der Saison nicht aus, um den letzten Punkt zu ergattern“, so Michele Caporale. Über 70 dieser 120 Tore besorgen übrigens die Goalgetter Andreas Wecker und Serdar Tuzakci im Alleingang. Und: „In diesem Jahr standen wir auch im Kreispokalfinale, das wir gegen den damaligen Bezirksligisten FC Eintracht Augustdorf verloren.“ Dennoch durfte man im Westfalenpokal antreten, bis heute eines der ganz großen Spiele für die Nelkenstädter. In der ersten Runde war der SC Verl zu Gast. „Ein absolutes Highlight für uns. Das Spiel ging zwar mit 0:8 verloren, aber das war nebensächlich.“

 

BSV kehrt in die Bezirksliga zurück

Der Aufstieg 2010/2011 gelang in beeindruckender Manier, trotz namhafter Abgänge wie Alexander Herrmann, den Behler-Zwillingen oder Kemal Ibrahim in den Jahren zuvor. Zehn Punkte Vorsprung hatte man am Ende auf Fortuna Schlangen. Nach über 40 Jahren Abstinenz gelang die Rückkehr in den überkreislichen Fußball. „Ein entscheidender Faktor war, dass wir alle Spieler der Vorsaison halten konnten und uns auf entscheidende Positionen verstärkt haben. Darüber hinaus konnten wir mit Manuel Roßblatt einen jungen Spielertrainer holen, der den nötigen Biss hatte und auch mal den Hammer rausgeholt hat, wenn die Einstellung der Jungs nicht passte.“ Die beste Saison spielte man gleich in der Spielzeit 2011/2012, als man in der „lippischen Bezirksliga“ mit gleich acht Detmolder oder Lemgoer Mannschaften hinter dem SV Dringenberg und Jerxen-Orbke Dritter wurde. „Bis zur Saison 2017/2018 blieb die Bezirksliga unsere Heimat, in diesem Jahr mussten wir dann wieder den Rückschritt in die Kreisliga A machen.“ Äußerst unglücklich und mit einem bitteren Nachgeschmack musste man punktgleich mit dem Warburger SV, der im Jahr darauf auseinanderbrach und sang- und klanglos und ohne Sieg Letzter wurde, den Gang in die A-Liga antreten.

 

Caporale: „Die erfolgreichsten Jahre des BSV“

„Dennoch waren es mit die erfolgreichsten (Fußball-)Jahre des BSV“, bilanziert Caporale rückblickend. „Dies war ein Weg, der 15 Jahre vorher durch Knut Winkelmann und seinen damaligen Vorstandskollegen auf den Weg gebracht wurde. Die damalige Entscheidung, voll auf die Jugend zu setzen, hat sich bezahlt gemacht und den BSV zu einer guten Adresse im lippischen Fußball entwickelt.“ 18/19 ging es also in der Kreisliga A „mit 30 Derbys“ weiter. Mit dem Aufstieg hatte der BSV nichts zu tun, „da wir fast eine komplette Mannschaft neuformieren mussten und die Mechanismen noch nicht eingespielt waren.“ Womit wir in dieser aktuellen Spielzeit ankommen, zu der man sich beim Blomberger SV zur Genüge geäußert hat.

 

„Nicht entscheidend, in welcher Liga wir spielen“

Den Weg, den man vor 15 Jahren eingeschlagen hat, verfolgt man weiter: „Seit drei Jahren wird der Fokus wieder voll auf die Jugend gesetzt. Wir wollen wieder die erfolgreiche Zeit, wie wir sie in den letzten zehn Jahren erleben durften, wiederholen. Letztendlich möchte jeder im Verein wieder solch ein besonderes Gefühl haben. Man möchte wieder gerne zum Fußball gehen, um sich seinen Sohn oder Enkel anzuschauen. Es ist gar nicht entscheidend, in welcher Liga wir spielen, sondern wie ist die Identifikation der Spieler zum Verein und der Zuschauer zu den Spielern.“

 

 

„Elf Freunde müsst ihr sein“ als Leitmotiv

Deshalb gibt man auch keine Ziele, was die Klassenzugehörigkeit betrifft, mehr heraus. „Vielmehr gilt bei uns der alte, aber immer noch geltenden Spruch „Elf Freunde müsst ihr sein“. Das ist ein Maßstab, den wir letztendlich selbst bestimmen können. Denn um erfolgreichen Fußball zu spielen, muss jeder im Verein sich heimisch fühlen, ob es dann letztendlich reicht eine Klasse höher zu spielen, können wir nicht voraussagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist um ein Vielfaches höher. Somit gibt bei uns nicht das Ziel den Weg vor, sondern der Weg das Ziel!“

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