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Historisch

Unvergessene Vereine – SuS Stemmen-Varenholz

Wir begeben uns wieder ins Kalletal, wo diesmal dem SuS Stemmen-Varenholz in unserer Rubrik der „unvergessenen Vereine“ eine große Aufmerksamkeit zuteilwird.

 

Richert: „Spaß und Geselligkeit standen an erster Stelle“

Unvergessene Vereine (ab). Dort, wo heute der Campingpark Kalletal ist, spielten in den 30er und 40er-Jahren noch die Kicker des SuS Stemmen-Varenholz 1920 e.V.. Mittlerweile ist man auf die andere Straßenseite gewechselt und der Verein, der dort spielt, heißt FC Unteres Kalletal. Der SuS ist einer der drei Stammvereine des FC UK und hat eine unvergessene Historie.

 

Erstmalig erwähnt wird der SuS Stemmen-Varenholz, bzw. der „Arbeiter-Sportklub Freiheit Stemmen“, wie der Verein zuvor hieß, in einem Dokument vom 25.12.1920. Dort bittet der Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Flentge, das Lippische Landespräsidium um Zuweisung eines geeigneten „Spielplatzes“. Die offizielle Bezeichnung des Vereins damals: „Arbeiter-Sportklub S 20“. Der Verein zählt seinerzeit 32 Mitglieder, davon sind immerhin 14 Jugendliche.

 

Erste Jugend 1939

 

Sportplatz seit 1932 – Erste Erfolge in den 60er-Jahren

Zwölf Jahre vergehen, als der „Arbeiter-Sportklub“ dann endlich nach vielen freiwilligen Arbeitsstunden von Mitgliedern der erste eigene Sportplatz vorhanden ist. Nach dem zweiten Weltkrieg, während dem der Spielbetrieb komplett ruht, wird aus dem Arbeiter Sportklub der SuS Stemmen-Varenholz 1920 e.V. Im Jahr 1949 spielt die erste Mannschaft das erste Mal in einheitlichen Trikots. Heute eine Selbstverständlichkeit.

Bis der SuS aber die ersten Erfolge feiern kann, vergehen noch einmal beinah zwei Jahrzehnte. Die Sechziger Jahre gehören bis heute zu den erfolgsreichsten des Vereins. Dirk Richert, zweiter Vorsitzender des Vereins, berichtet: „Im Mai 1967 steigt die erste Mannschaft erstmals in die 1. Kreisklasse Lemgo auf.“ Spielertrainer ist damals Fritz Beling. Vier Jahre kann sich der SuS Stemmen-Varenholz in der Liga halten.

 

Die Aufstiegsmannschaft 1967

 

Der Aufstiegskader

Den Aufstieg erringen diese Spieler: Horst Lenk, Dieter („Theo“) Kreimeier, Fritz Beling, Rolf Böckstiegel, Hans-Jürgen („Hansi“) Kroll, Gerd Tolkmitt, Rolf Kreimeier, Heinz Böke, Heinz Rumbke, Heinz Tilgner, Rainer Sundermann, Franz Helmlinger, Hartmut Grabowski.

A-Jugend 1968

„Wie stark dieses Team war, zeigt auch die Tatsache, dass 1966, 1967 und 1968 der Fritz-Winter-Pokal gewonnen wird. An diesem Turnier nimmt immerhin auch der heimische Bezirksligist TuS Langenholzhausen teil, der in begeisternden Spielen bezwungen wird“, so Richert.

 

SuS wird „Fahrstuhlmannschaft“

Am 15.06.1975 wird die neue, heutige Sportanlage eingeweiht. 440.000 DM hat der Bau damals gekostet. „Sie liegt dem alten Platz auf der Straßenseite gegenüber. Dort, wo einst der alte Sportplatz stand, ist nun die Einfahrt zum Weserfreizeitzentrum Varenholz, dass seit einiger Zeit Campingpark Kalletal heißt.“ Vier Jahre später wird auch die Flutlichtanlage eingeweiht. Die erste Mannschaft spielt zu dieser Zeit allerdings nur noch in der Kreisliga C, steigt im April 1980 aber wieder in die B-Liga auf. Und direkt wieder ab. Und direkt wieder auf. Im Mai 1982 heißt es in einer lokalen Pressemitteilung: „„Kraftwerk“ Marzog mit 69 Toren „Vater“ des Erfolges. Der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Kreisliga B ist perfekt.“

 

 

Freundschaftsspiel gegen afghanische Nationalmannschaft

Ein weiteres Highlight in der Geschichte des SuS Stemmen-Varenholz ereignete sich im Juli 1983, als man ein Freundschaftsspiel gegen die ehemalige afghanische Nationalmannschaft absolviert. Dirk Richert erzählt: „Die afghanischen Spieler haben nach ihrer Flucht in Paderborn ein neues Zuhause gefunden und spielten dort als FC Paderborn III in der Kreisliga A. Die Neu-Paderborner gewannen nach einem 0:0 zur Halbzeit das Spiel mit 3:0.“

Persönliche Erfolge sammeln zwei Jugendspieler des SuS: Martin Slotta und Jens Höfemann, die damals in der C-Jugend des SuS Stemmen-Varenholz gespielt haben und als hochtalentierte Nachwuchsfußballer galten, erhielten im Juni 1984 eine Einladung für den Kader der Westfalenauswahl. Die erste Mannschaft hingegen erringt einen weiteren Aufstieg in die Kreisliga B im Mai 1985.

 

C-Jugend-Meister 1984

 

Peterding wird Vereinsvorsitzender

Fast ein Vierteljahrhundert lang wird der SuS Stemmen-Varenholz von Jörg Peterding als 1. Vorsitzender geführt. Am 19.02.1993 wird Peterding Vereinsvorsitzender und soll dieses Amt bis März 2016 behalten. Somit ist er 1999 auch aktiv an der Gründung des FC Unteres Kalletal beteiligt, der aus den Fußballabteilungen des TuS Langenholzhausen und des SuS Stemmen-Varenholz (später kommt auch noch der SVA Heidelbeck dazu) entsteht, die zuvor aus ihren Stammvereinen ausgegliedert worden waren. Der bekannte Trainer Helmut Wirausky wird erster Vorsitzender. Im März 2016 gibt Jörg Peterding sein Amt als 1. Vorsitzender nach 23 Jahren ab und wird Ehrenvorsitzender. Nachfolgerin ist Martina Schopmeier. Mit ihr übernimmt erstmals eine Frau das höchste Vereinsamt.

 

1974 in Silixen

 

Richert’s Fazit

Dirk Richert zieht Bilanz: „Beim Fußball in Stemmen und Varenholz stand immer Spaß und Geselligkeit an erster Stelle. Man kann die Historie der Fußballabteilung durchaus mit der Bezeichnung „Fahrstuhlmannschaft“ benennen. Die Trainer wechselten, neue Spieler kamen, andere verließen den Verein, von denen viele aber zurückkamen.

Es gab aber auch immer wieder Erfolge zu vermelden. Beim Kalletal-Sportfest haben sich die Fußballer immer achtbar geschlagen und 1985 wurde die Trophäe zum ersten Mal gewonnen und anschließend ausgiebig gefeiert. Zuletzt war 1992 Jörg Peterding vergönnt, den Pokal aus den Händen von Bürgermeister Flörkemeier entgegen zu nehmen.
Bei der Vergabe des Fritz-Winter-Pokals haben wir oft ganz oben mitgespielt und insgesamt sieben Mal vom SuS gewonnen worden (1965, 1966, 1967, 1968, 1987, 1989, 1992).“

 

Folgende Spieler haben in der Fremde das Glück gesucht und höherklassig gespielt:

Heinz („Hase“) Jobs – SV Löhne-Obernbeck (Landesliga)
Rolf („Roland“) Gräbe – TSV Eintracht Exten (Bezirksklasse Niedersachsen)
Gerhard Fleckner – TSV Eintracht Exten (Bezirksklasse Niedersachsen)
Ralf Jobs – FSC Eisbergen (Bezirksklasse)

 

Sportfest mit dem SuS Herford, 1948

 

Nachwort von Peterding

Abschließend haben wir noch ein Zitat aus dem Nachwort zur Chronik vom Ehrenvorsitzenden Jörg Peterding, da er „eigentlich die momentane Situation des Fußballs auf dem Dorfe genau erfasst“ wie Richert findet:

„Der Fußball gilt als weltweit beliebteste Mannschaftssportart. Im Gegensatz zu anderen Sportarten (z.B. Handball) entwickelten sich Spitzenklubs im Fußball in der Regel nur in großen Städten, welche die sehr aufwendige Infrastruktur mit zuletzt immer höheren Anforderungen aufweisen können. Die Kicker auf dem Lande haben nach den „fetten“ Jahren mittlerweile auch Nachwuchs-Sorgen. Es gibt immer weniger Jugendliche, die sich diesem Mannschaftssport verschreiben. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass es derzeit keine A-Jugendmannschaft im ganzen Kalletal gibt. Auch in den anderen Altersklassen finden sich immer mehr Vereine zu Spielgemeinschaften zusammen.

Nach dem Höhepunkt der SuS-Fußballer, dem Aufstieg in die 1. Kreisklasse, gleicht der weitere Weg unserer Fußballer dem einer Achterbahn. Es gab zahlreiche Abstiege aus der Kreisliga B in die C und gleich viele Wiederaufstiege zurück. Zwischen den vielem Hoch und Runter gab es doch auch einzelne Erfolgserlebnisse. So gewannen die Senioren-Fußballer zweimal die Kalletal-Meisterschaft und insgesamt siebenmal den Fritz-Winter-Pokal.

Nach dem Zusammenschluss mit dem TuS Langenholzhausen spielen unsere Fußballer im neu gegründeten FC Unteres Kalletal weiter. Für die meisten Spieler war dies überhaupt kein Problem, da sie in der Jugend schon lange Jahre in der Jugendspielgemeinschaft Unteres Kalletal zusammengespielt hatten.
In den folgenden Jahren erreichte man noch zweimal den Wiederaufstieg in die Kreisliga A. Die Euphorie war groß und man träumte von weiteren großen Erfolgen. Aber dies scheint mittlerweile auch in den untersten Leistungsklassen nur mit erheblichen finanziellen Mitteln möglich zu sein und die sind beim SuS nicht gegeben.
Nach dem Zusammenschluss mit dem TuS wurde sogar eine Frauen-Fußball-Mannschaft gebildet, die äußerst erfolgreich am Punktspielbetrieb teilnimmt.“

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