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Bezirksliga

SG Hiddesen/Heidenoldendorf – Jugendliche Frische als neue und alte Stärke

Die Überraschungsmannschaft der Vorsaison pflegt ihr Image als herausragende Kaderschmiede des lippischen Fußballs. Man entwickelt seine eigenen Local Heroes, was gerade in Zeiten der Corona-Krise nicht nur aus monetären Gründen extrem sinnvoll ist.

 

 

Formen und fordern

 

Bezirksliga 3 (hk). Wie im Fluge verging die Zeit seit der Corona-Krise, die leider als ein dunkles Kapital in die Weltgeschichte eingehen wird. Gespräche mit dem Fußball-Professor Markus Rüschenpöhler und seinen jungen Fohlen hat der Autor dieser Zeilen im vergangenen Vierteljahr schmerzlich vermisst. Der früher überkreislich aktive Kicker besticht mit seinen messerscharfen Analysen, seiner angenehmen Expertise und seiner großen Leidenschaft, die er für die schönste Nebensache der Welt investiert. Wer die jungen, gierigen Fußballer der Spielgemeinschaft aus Hiddesen/Heidenoldendorf kennt, weiß, dass es ihnen ganz besonders schwergefallen ist, die Füße stillzuhalten. Seitdem vor einigen Wochen der Lockdown auch für die Amateur-Kicker relevant wurde, daher wieder Übungseinheiten erlaubt sind, trainiert auch der Bezirksliga-Aufsteiger wieder – natürlich unter den gebotenen und strengen Hygieneregeln.

 

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

 

Von Henning Klefisch

 

 

M. Rüschenpöhler

Seit kurzer Zeit offenbart sich wieder die Möglichkeit, dass das komplette Trainingsprogramm durchgeführt werden darf, beinhaltet dies sämtliche Spielformen mit vollem Körperkontakt. Für die energiegeladenen SG-Kicker ist dies eine wahre Wonne gewesen, haben sie zweimal pro Woche auf dem Übungsplatz in Heidenoldendorf geprobt. „Die Jungs hatten Lust. Wir hatten eine riesige Resonanz bei den Trainingseinheiten. Es waren extrem viele Leute dabei. Mittlerweile haben wir wieder ein passables Niveau erreicht“, trifft die Entwicklung voll und ganz den Geschmack von Rüschenpöhler. Zunächst hat der Tabellensiebte der dritten Bezirksliga-Staffel noch zwei Übungseinheiten absolviert, ehe es dann in die mehrwöchige, tendenziell vierwöchige Sommerpause ging. Am 26. Juli 2020 ertönt der offizielle Startschuss für den Trainingsauftakt zur Spielzeit 2020/21. Es wird munter und hochkarätig getestet. Gegen den Landesligisten SCV Neuenbeken wird geprobt, ebenso gegen die Bezirksligisten TSV Oerlinghausen, FC Augustdorf und VfB Schloß Holte. Zudem geht es gegen die A-Ligisten SV Diestelbruch/Mosebeck und den TuS Horn-Bad Meinberg. Klar ist, dass die Gerüchteküche explosiv brodelt, munkeln die einen, dass Anfang September die neue Serie losgeht, die anderen spekulieren mit einem völligen kickenden Stillstand bis in das Jahr 2021 hinein.

 

„Geben den jungen Spielern relativ viel Einsatzzeit“

 

Durch die Corona-Krise ploppen auch bei der Spielgemeinschaft mehr Frage- als Ausrufezeichen in der Transferpolitik auf, denn durch die weiterhin undurchsichtige Situation zögert der eine oder andere umworbene externe Spieler mit seiner Unterschrift noch etwas. Deutlich zustimmungsfähiger sind da schon die Eigengewächse, haben sieben an der Zahl ihr Ja-Wort für die kommende Spielzeit gegeben, sich zum Verein und der Philosophie mit Haut und Haaren bekannt. Damit festigt die SG weiter ihr Image als hervorragende Talentschmiede, rücken wieder echte Perspektiv-Spieler aus dem Fohlen-Stall in die Seniorentruppe der jungen Fohlen-Elf hoch. Die Sturm- und Drang-Generation scharrt mit den Hufen, hat nun in der Vorbereitung die Möglichkeit, die Werbetrommel für sich zu rühren, um somit Spielanteile zu erhaschen. Sieben Spieler auf einen Streich nehmen den Sprung aus der eigenen Bezirksliga-A-Jugend. Sechs davon sind 2001 geboren, gibt es mit den Ausnahme-Talenten Julian Jobstmeier, Arne Hüls und Artur Andrejew

J. Jobstmeier

drei Akteure, die bereits in der Vorsaison Seniorenluft erhaschen durften. Für Marlon Höfer, Samjuel Heim und Seyithan Karatay sind es hingegen gänzlich neue Erfahrungswerte, die gesammelt werden. Justin Gottfried gehört sogar dem Jahrgang 2002 an. Er bekommt eine Seniorenerklärung, soll der Teenager eine Chance bekommen. „Ich traue ihm zu, eine sehr gute Rolle bei uns zu spielen“, so Rüschenpöhler, der seinem Ruf als Diamantenschleifer wieder gerecht werden will. Die Petkau-Brüder sind wohl allesamt mit einem Fußball-Gen zur Welt gekommen. Die fußballaffine Familie zählt mit Christopher, Nicklas und Oliver Petkau bereits drei Kicker, gab Marco Petkau nach seinem Auslands-Intermezzo in Neuseeland im Training bereits eine erste Kostprobe seines fußballerischen Könnens ab. „Ich bin mir sicher, dass Marco uns verstärken wird“, muss Rüschenpöhler solch eine Aussage gewiss nicht juristisch absichern. Auffällig beim Favoritenkiller vom Bent, dass die Spieler immer jünger werden. Rüschenpöhler versteht sich nicht nur qua seines Berufes als Fußball-Lehrer, wie er im Buche steht, predigt mit viel Verve in seiner Stimme: „Wir geben den 17-,18-, 19-Jährigen die Chance, sich zu entwickeln. Wir sind dafür bekannt, dass wir den Spielern relativ früh viel Einsatzzeit geben, ist das unser Plus.“ Ein Propheten-Studium hat der redegewandte Blondschopf nicht hinter sich, weshalb die Perspektive „offen ist“, inwieweit die Spielanteile für alle Nachwuchshoffnungen mit den individuellen Ansprüchen kongruieren.

 

Die vier Phasen einer Partie

 

Auch mithilfe der neuen Medien hat sich immer mehr durchgesetzt, dass sich die Trainer aus dem Amateurbereich ein Beispiel am höherklassigen Fußball nehmen, ist doch in der Hochzeit der Taktik-Lehre alles transparent. Gefühlt ist es weitaus mehr als eine Modeerscheinung, dient es vielmehr auch dem Erfolgsziel, möglichst schnell und erfolgreich zwischen den verschiedenen Spielsystemen switchen zu können. Rüschenpöhler pflegt durchaus sein Image als Taktik-Guru. Er postuliert im Lippe-Kick-Gespräch: „Mir ist insgesamt sehr wichtig, dass wir eine einheitliche Idee haben, wie wir im Ballbesitz agieren, wie wir Tore erzielen wollen und wie wir gegen den Ball respektive verteidigen wollen.“ Markus Rüschenpöhler ist es exorbitant wichtig, dass jeder seiner elf Akteure eine Idee hat, davon überzeugt ist, diese in die Tat umzusetzen. So hat der einstige Bayern München-Coach Louis van Gaal stets von vier Phasen eines Fußballspiels gesprochen. Es geht um den eigenen Ballbesitz, wenn der Gegner organisiert ist. Das eigene Team versucht, die gegnerische Defensive zu übertölpeln. Es folgt das gedankenschnelle Umschalten von Angriff auf Abwehr, wenn der Gegner im Ballbesitz ist, nachdem die eigene Mannschaft durch einen Fehlpass, einen verlorenen Zweikampf oder einen Schuss ins Toraus das Objekt der Begierde abgegeben hat. Wenn die Organisation der eigenen Abwehr vollumfänglich durchgeführt wurde, geht es darum, dem Kontrahenten den Ball abzuluchsen, das eigene Tor zu verteidigen. Die vierte Periode behandelt das Verhalten beim Zurückerobern des Balles, gibt es hier wohl die aussichtsreichste Perspektive auf Erfolg, denn das gegnerische Team steht ungeordnet, weshalb mit einem schnellen und präzisen Passspiel und guten Laufwegen der Ertrag in Form eines Treffers gelingen kann.

 

Erst die Idee, dann die Umsetzung

 

Rüschenpöhler ist flexibel in seiner taktischen Anordnung, variiert er hier zwischen einer Dreier-, Vierer- oder Fünferkette in Abwehr und Mittelfeld, ändert sich dies je nach Spielstand und Gegner. Im Angriff wird oft eine Dreierreihe angewendet, aber auch eine Zweier-Formation oder die falsche Neun als singuläre Spitze sind Varianten, die sinnvoll sind. Seine Schützlinge pflegen das Image als „Jäger des verlorenen Balles“, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst schnell das Objekt der Begierde zurückzuerobern, um somit den Gegner auf dem falschen Fuß zu erwischen. Für den ehemaligen Bezirksliga-Kicker sind dies nur „Nuancen und Details“, die hier auf die Situation einwirken. Kurzum: Im ersten Schritt geht es um eine gemeinsame Idee, folgt Phase zwei mit der Umsetzung und der Formation. Mehr Unberechenbarkeit im taktischen Bereich an den Tag zu legen, ist ein Ziel für die Spielgemeinschaft aus Hiddesen/Heidenoldendorf, die den Vorteil hat, über taktisch gut ausgebildete Spieler zu verfügen, die schnell ein neues System verinnerlichen können. „Jeder Trainer hat da sicherlich eine andere Vorstellung“, prognostiziert Rüschenpöhler, dass die Geschmäcker an der Taktik-Tafel unterschiedlicher Natur sind.

 

„Unschön, dass Zuschauer nicht erlaubt sind“

 

Der Verfasser dieser Zeilen muss wohl keine Tracht Prügel erwarten, wenn er den letztjährigen Aufstiegscoach als „fußballverrückt“ bezeichnet. Wie ein nasser Schwamm saugt der 34-Jährige auch die Erkenntnisse aus dem Profifußball auf, schaut sich nationale und internationale Partien an, sammelt Wissenswertes für sich in puncto Taktik und Mannschaftsführung. Den Re-Start in der Fußball-Bundesliga verfolgte Rüschenpöhler extrem aufmerksam, macht er kein Geheimnis daraus, dass die leeren Stadien sein Fußballer-Herz nicht gerade besänftigt haben. Letztlich triumphiert bei ihm allerdings die Vernunft, erkennt er in der Durchführung der Saison einen „guten Anfang.“ Er wird beim Betrachten der leeren Stadien nicht melancholisch, stellt er doch im Lippe-Kick-Gespräch klar: „Als TV-Zuschauer macht es für mich keinen großen Unterschied, ob Zuschauer da sind oder nicht. Ich will das Fußballspiel sehen. Allerdings wäre ich auch selbst gerne das eine oder andere Mal ins Stadion gegangen. Von daher ist es unschön, dass Zuschauer nicht erlaubt sind“, schlägt sein Herz für den Erstliga-Rückkehrer Arminia Bielefeld. Für ihn, den rationalen Verstandesmenschen, ist dieser Weg alternativlos, war der deutsche Fußball doch Pionier für die anderen kontinentalen Spielklassen. „Ich finde gut, dass die anderen europäischen Ligen wieder begonnen haben, sodass der Fußball auch dort wieder weitergeht“, wird sein Verlangen nach der für viele schönsten Nebensache der Welt auch in den Urlaubsmonaten mit viel Live-Fußball besänftigt.

Fahrschule Duru

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