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Bezirksliga

Historisch – Post TSV Detmold: „The Boys of the early 90ies“

  1. Der Post TSV Detmold war Mitte der 2010er Jahre das lippische Aushängeschild schlechthin, gewann gleich mehrfach in Folge den LZ-Cup, holte sich den Kreispokal und mimte im Westfalenpokal den Favoritenschreck. Taktgeber Johann Felker erinnert sich.

 

 

 

Die Titelhamsterei mit der Post-Kutsche

 

Historisch (hk). Bei Manchester United sprechen die vielen Fans ehrfurchtsvoll über „The Class of 92.“ In diesem britischen Dokumentarfilm geht es um sechs Freunde, die 1992 zusammen den englischen Jugendpokal gewonnen haben. Nur sieben Jahre später triumphierten Ryan Giggs, David Beckham, Gary und Phil Neville, Nicky Butt und Paul Scholes in der Champions League durch den Last-Minute-Sieg über Bayern München. Es kam noch besser: Das Triple wurde von den “Red Devils” gefeiert. Beim Post TSV Detmold, der vor rund einem halben Jahrzehnt zu einem echten Titelhamster in Fußball-Lippe wurde, könnte man den Begriff „The Boys of the early 90ies“ verwenden, erblickten doch die Protagonisten wie Marcel Zimmer, Tim Smithen, Johann und Alex Felker, Christian Schiprowski, Christoph Rüschenpöhler, Tobias Stork, Jan Hilbrink, Hamo Marhosevic, auch die Wichmänner oder ebenso Cedric Albrecht, optisch eine Gattung kalifornischer Surferboy, in diesem Zeitintervall das Licht der Welt. Der LZ-Cup war 2015, 2016 und 2017 ihr Wettbewerb, fuhr die Post-Kutsche den Titelhattrick ein, stiegen somit hinauf in den Fußball-Olymp, wie Lippe-Kick auch mit diesem Film eindrucksvoll und emotional festhielt (siehe https://www.youtube.com/watch?v=206qq2ymyKc.)

 

Von Henning Klefisch

 

Nicht falsch verstehen: Der Star ist die Mannschaft, bestand der Post TSV, bis 2015 noch Post SV Detmold, nicht nur aus diesen genannten Akteuren. Diese Jungs waren allerdings verhaltensauffällig – mit Blick auf deren Leistungen auf dem Spielfeld. Bevor der Verfasser dieser Zeilen böse Blicke befürchten muss, wenn der Canossa-Gang gen Werre-Stadion ansteht, sollte dies in aller Deutlichkeit so kommuniziert werden. Fußball-Mozart Johann Felker stellt zuvorderst fest: „Seitdem ich in den Senioren spiele, war das immer so, dass die erste Mannschaft nicht nur acht oder zehn richtig gute Hallenkicker hatte, sondern zwölf bis 15.“ Daher zollt er auch dem Trainerteam um Chefdirigent Andreas Goll, später Teamchef Michael Grundmann und Coach Ralf Brokmann, tiefsten Respekt, dass diese vor der Mammut-Aufgabe standen, einen Acht-Mann-Kader, respektive erweiterten zehn-Mann-Kader auszuwählen. Der Konkurrenzkampf tobte unerbittlich, warf doch jeder Postler seinen Hut in den Ring, versuchte mit sportlich starken Leistungen in der Vorbereitungsphase und bei anderen Turnieren viel Eigenwerbung zu betreiben. Natürlich sind auch charakterlich einwandfreie Typen erforderlich, die ihr eigenes Ego hinten anstellten, den Teamgedanken lebten und freiwillig anderen Spielern den Vortritt ließen – alles im Sinne des angestrebten, gemeinschaftlichen Erfolgs. „Sie dachten, das wäre das Beste für das Team“, nickt Johann Felker voller Respekt, zieht dabei beide Augenbrauen hoch.

 

Interessanter Auswahlmechanismus

 

Klar, eine Heldengeschichte wird dadurch produziert, dass im Vorfeld des Events viel Schweiß, Blut und Tränen flossen, das lässt sich so leicht verkaufen, wie Eis am Stiel im Hochsommer. Felker zählt allerdings zur Spezies der ehrlichen Zeitgenossen, gibt unumwunden im Lippe-Kick-Gespräch zu: „Wir haben nicht viel vor dem LZ-Cup trainiert, wie etwa andere Vereine, die der ganzen Angelegenheit auch in der Vorbereitung mehr Gewicht verliehen. Arminia Bielefeld-Profi Roland Kopp diente als Vorbereitungs-Oase, waren die Residenzler dort mit Blick auf den LZ-Cup nur dreimal – jeweils vor der Vor-, Zwischen- und Endrunde. „Irgendwie hat Ralf dem LZ-Cup nicht so ein großes Gewicht gegeben“, blickt Felker auf die Zeit vor dreieinhalb Jahren zurück, als der ehemalige SuS Pivitsheide-Coach Brokmann den Post TSV-Dampfer steuerte. In der finalen Übungseinheit vor dem Matchday wurde sich ein abschließender Einblick verschafft, um das Kaderpuzzle sinnvoll zu lösen. So wie die Jungfrau zum Kinde kamen die Trainerfüchse nicht zur Erleuchtung, wenn es um die eigene Kaderauswahl geht. Es war nämlich eine gewisse Vorauswahl bereits gedanklich getroffen. Für den zweiten Felker im Team, den weißen Brasilianer, der auf den Vornamen Alexander getauft wurde, sind die Emotionen auch fünfeinhalb Jahre später immer noch überbordend. Gegenüber Lippe-Kick erinnert er sich: „Wenn ich an diese Turniere zurückblicke, bekomme ich immer wieder Gänsehaut, weil es vor allem 2015 echte Krimis waren im Halbfinale und Finale“, sollten Leute mit einem hohen Blutdruck diesem Treiben eher nicht zusehen. Vor allem die enorme mannschaftliche Geschlossenheit ist für ihn ein entscheidendes Erfolgskriterium gewesen, kam die Eingespieltheit ebenso dazu wie die Nervenstärke. „Selbst wenn wir einmal zurücklagen, hat jeder an die Stärke im Team geglaubt und dann haben wir Spiele noch umgebogen.“ Der einprägende Moment für den Techniker war der Sieg im Jahr 2015. „Einfach wegen dem Feeling, den Krimis, auch weil es das erste Turnier in der Lipperlandhalle vor so vielen Menschen war.“ Trotzdem: „Die Gewinne 2016 und 2017 will ich natürlich nicht kleinreden, die waren auch absoluter Bonus, woran ich gerne zurückblicke“, werden Erfolge schließlich immer gerne gefeiert.

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