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Kreisliga B2 Lemgo

TSG Holzhausen/Sylbach II – Unberechenbarkeit als Qualitätsmerkmal

Die Senkrechtstarter kommen in diesem Jahr aus Holzhausen/Sylbach. Die Reserve mischt die Liga auf. Lippe-Kick Reporter Henning Klefisch blickt hinter die Kulissen.

Einer für alle, alle für einen

Kreisliga B2 Lemgo (hk). Wer mit der 1. Fußball-Bundesliga aufgewachsen ist, der giert nach Spannung. Die ersten drei Plätze sind mit Abonnement-Meister FC Bayern München, Borussia Dortmund und Rasenball-Ballsport Leipzig so sicher besetzt wie die letzte Busreihe mit coolen Jugendlichen. Um den vierten Champions League-Rang rangeln Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Folglich: Eine triste, weil vorhersehbare Landschaft an der Spitze vom deutschen Fußball. Vielleicht sollte dem Amateurfußball mehr Beachtung geschenkt werden. Dass die mit einer furiosen Transferoffensive in den Lichtkegel gerückten Schötmaraner als Bergführer in Erscheinung treten, sollte keinen überraschen. Dass die Erstvertretungen aus Grastrup/Retzen und Holzhausen/Sylbach oben mitmischen, sorgt ebenfalls nicht für hektische Schnappatmung. Schon eher der zweite Rang der TSG Holzhausen/Sylbach II, die in neun Partien 22 Zähler eingefahren hat. Leitwolf Simon Koring verweist auf das drei Musketiere-Prinzip seiner Equipe.

 

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Von Henning Klefisch

 

Irgendwann hat der Autor dieser Zeilen aufgehört, zu zählen, wie oft von der Gemeinschaft gesprochen wurde, die zählt. Bei einigen Trainern klang das fast wie blanker Euphemismus, orchestrierte dieser doch eine Ansammlung voller Solo-Selbstständige, die lieber mit einem kunstvollen Hackentrick glänzen wollten, anstatt einen einfachen Pass zum Mitspieler zu spielen. Bei dieser Turn- und Sportgemeinschaft aus Holzhausen/Sylbach ist dies aber tatsächlich so. Exemplarisch sind auch die Torschützen breit gefächert, was das Merkmal der Unberechenbarkeit deutlich erweitert. Auf den Erfolgsfaktor angesprochen, verrät Coach Simon Koring: „Was uns so stark macht, ist die Gemeinschaft und die Tatsache, dass auch bei Fehlern jeder für jeden kämpft und die Stimmung positiv bleibt.“ Wie einst die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis kämpfen die TSG II-Kicker leidenschaftlich füreinander und sind die Überraschungsmannschaft schlechthin im bisherigen Saisonstadium. So gänzlich ohne Druck die Aufgaben anzugehen, erweist sich als überaus nützlich. Angetreten sind die Koring-Kicker mit dem Ziel, zunächst einmal den Klassenerhalt zu sichern. Sämtliche Fußballgötter müssen sich gegen diese TSG Holzhausen/Sylbach II verschwören, dass nach dem Restart tatsächlich noch um den Liga-Verbleib gezittert werden muss. 17 Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang und den SC St. Pauli sorgen für einen erholsamen Schlaf.

 

 

Erstaunliche Entwicklung

 

 

Tiki-Taka ist nicht angesagt, ebenso wenig wie ein stundenlanges Studium an der Taktiktafel. Simon Koring verordnet seinem Team eine relativ simple Spielidee. In der Defensive genießt die Sicherheit einen ganz hohen Stellenwert. Mit einem dynamischen Umschaltspiel soll der gegnerische Abwehrverbund aufgedröselt werden. Gegnerabhängig ist es, ob dies über die Außenpositionen, durch die Mitte oder per Pressing-Versuch geschieht. Hilfreich ist an dieser Stelle die körperliche Konstitution der Blau-Weißen: „Da sind die Jungs so fit, dass es individuell betrachtet werden kann.“ Erfolgreiche Fußballer zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Ehrgeiz grenzenlos ist. Dass sie sich trotz Siegen stets aufs Neue motivieren können. Daher ist die TSG-Reserve per definitionem eine besondere Mannschaft. Die Entwicklung ist grandios. In den letzten fünfzehn Jahren fristeten sie größtenteils ihr fußballerisches Dasein in der C-Liga. Ein kurzes Zwischenhoch im Lemgoer Kreisunterhaus gab es mit der zweijährigen Stippvisite in den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11. Seit 2019 ist man der niedrigsten Kreisliga entflohen, platzierte sich im Vorjahr auf dem elften Rang und vor dem erneuten Corona-Lockdown an die zweite Position.

 

 

Koring ist gerne der Notnagel

 

 

Die Kaderqualität wurde deutlich erhöht mit Neuzugängen wie Daniel Heisler und Matthias Schelinski (Bild links), die aus der C-Liga-Drittvertretung hochgezogen wurden. Auch Stefan Janzen, Henri Milz (Bild rechts), Jonathan Born, Manuel Ptoszek (Bild links unten) und Denis Dyck sind nun eine Liga höher angekommen. „Sie sind wichtige Bestandteile des Teams geworden, welches sich durch die gute Vorbereitung echt toll gefunden hat. Wir mussten bei manchen Positionen und Vorstellungen noch mal etwas diskutieren, aber insgesamt weiß das ganze Team, dass jeder gebraucht wird“, ist es diese immense Wertschätzung, die ein wichtiges Erfolgskriterium darstellt. Diesen einen überragenden Kicker, der vom Gegner per Sonderbewachung kaltgestellt werden muss, den gibt es bei der TSG Holzhausen/Sylbach II einfach nicht. Schelinski ist mit sieben Toren an geteilter neunter Position im

Daniel Heisler

Goalgetter-Ranking, der fünffache Torschütze Alexander Möwe besetzt den 15. Platz. Einen Knaller-König der Güteklasse eines Marco Schröder, Volkan Turp, Olcay Esen oder Sascha Döller besitzt das Team, zwischen Bad Salzuflen und Lage beheimatet, nicht. Zudem sind die Drähte zur eigenen Ersten und Dritten eng, sodass immer wieder genügend Spieler zur Verfügung stehen. „Wenn es mal dünner wird, packe ich selbst noch die Puschen ein“, wird Koring im Gegensatz zu Thomas Müller nicht knötterig, wenn er als Notnagel bezeichnet wird. Nein, ein notorischer Nörgler ist Koring nicht. Er sieht stets die schöne Seite der Medaille.

 

 

Perfekte Symbiose zwischen Publikum und Mannschaft

 

 

Ein Einlaufen unter den ersten fünf Teams der Liga würde die Geschmacksnerven von Simon Koring treffen. „So lange es geht, genießen wir den Platz hinter Top-Favorit Schötmar“, lässt es sich im Windschatten schnell radeln. Wenn es um die Aufstiegsthematik geht, hat der TSG II-Trainer ein Quintett im Blick: „Oben mitspielen werden definitiv, neben Schötmar, Grastrup/Retzen, Lipperreihe II, unsere Erste und Asemissen II.“ Die Richtung stimmt. Das hat auch Koring so erkannt. Bei Lippe-Kick konstatiert er wohlwollend: „Wenn wir uns mit diesen Mannschaften in Reichweite sehen, haben wir im zweiten Jahr B-Liga einfach enorm was erreicht und die Jungs sind ehrgeizig genug, kein Spiel bis zum Abpfiff verloren zu geben.“ Der blau-weiße Hexenkessel in Holzhausen mit der markanten Tribüne und den stimmungsvollen Anhängern ist ein echter Trumpf. Koring platzt fast vor Stolz, als er gegenüber Lippe-Kick berichtet: „Gerade zu Hause ist es ein besonderes Gefühl und die Neuen guckten beim ersten Heimspiel nicht schlecht, wie viele Fans den Weg am Sonntag zum Platz finden. Dort kann es schonmal zum Hexenkessel werden, wenn die anderen Mannschaften und die Stammzuschauer hinter einem stehen und anfeuern oder den Gegner mit Kommentaren verunsichern.“ Wie ein nasser Schwamm saugt der Emotional Leader Möwe diese Atmosphäre auf, steigert dies seine persönliche Motivation um ein Vielfaches. Es ist ein Geben und Nehmen, wäscht die eine Hand die andere. „Nach Abpfiff tauscht man sich dann mit den Fans aus und bedankt sich für den Support. Das schweißt die Gemeinschaft in und um den Verein richtig zusammen“, ist die Bande zwischen Team und Publikum ganz besonders eng bei der TSG Holzhausen/Sylbach II.

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