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Kreisliga A Detmold

Türkischer SV Horn – Kein Müssen, ein Dürfen

Druck kann lähmend wirken. Beim Türkischen SV Horn sind die Ansprüche traditionell hoch, doch man bleibt völlig tiefenentspannt. Lippe-Kick liefert hier den Hintergrundbericht.

Streben nach den Sternen, aber immer bodenständig

Kreisliga A Detmold (hk). Streut bitte ganz viel Asche über das Haupt, gerne ebenso über das Antlitz, vom Verfasser dieser Zeilen. Vielleicht ist das Streben nach Spannung der Wunsch der Vater des Gedanken, warum der TSV Horn von Lippe-Kick zu den Aufstiegsanwärtern gezählt wird. Was in ersten Spielklassen wie in Schottland, Bulgarien, Zypern, Österreich, Aserbaidschan, Kasachstan, Frankreich, Italien, selbstredend leider auch Deutschland, für kollektives Einnicken sorgt, soll doch schließlich in unserer lippischen Prestige-Klasse tunlichst verhindert werden. Wir reden vom wenig aufregenden Meisterschaftskampf. Klar, der Blomberger SV würde Aufstiegsquoten bringen, bei denen nicht einmal die mächtig verschuldeten Boris Becker oder Michael Wendler ihr Glück versuchen würden, doch – Phrasen-Fetischisten aufgepasst – die Hoffnung stirbt zuletzt. Und: Im Fußball ist alles möglich. TSV-Trainer Thorsten Schmiech, ein akribischer, analytischer und fleißiger Coach, hält den Ball ganz flach. Trotzdem: Das Dortmund-Syndrom ist offensichtlich.

 

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Von Henning Klefisch

 

Der einst langjährig beim TuRa Heiden aktive Schmiech macht kein großes Aufheben um seine Person, auch nicht um sein Team. Die Statistik weist nur vier Punkte Rückstand auf den Klassenstreber Blomberger SV auf, zudem steht der direkte Vergleich noch aus. Mit 31 Toren spielen die Ballermänner der Liga beim Türkischen SV Horn, kassierten sie bisher elf Gegentore. Trotzdem beschwichtigt Schmiech mit seinen flachen Handflächen, die er nach oben und nach unten fächelt, dabei seine Lippen zusammenpresst, einen klaren Blick demonstriert: „Wir sind dieses Jahr nicht angetreten, um aufzusteigen“, möchte selbst der spannungsliebende Reporter hier keine Widerworte leisten. Immerhin argumentiert er scharf wie eine Rasierklinge: „Nicht weil wir das nicht wollen oder weil wir uns dazu nicht in der Lage sehen würden, sondern weil mit Blomberg eine Mannschaft in der Liga ist, die es schon letztes Jahr verdient gehabt hätte, aufzusteigen. Eine sehr abgezockte und konstant auftretende Mannschaft, die auch in der Breite sehr gut aufgestellt ist“, sind die Nelkenstädter im Vorjahr von allen guten Fußball-Göttern sträflich alleingelassen worden. Die Jäger aus dem Eggestadion haben ihr Pulver noch längst nicht verschossen, wollen sie die Flinte nicht voreilig ins Korn werfen. Solange es rechnerisch eine Restchance gibt, den Top-Favoriten in Schwulitäten zu bringen, soll diese bitteschön genutzt werden. Dafür sind die rot-weißen Adler doch Sportler genug.

 

Schmiech und das Streben nach Kontinuität

 

Man bewirbt sich bestimmt nicht für ein Abo auf eine lebenslange Rindsbratwurst im Eggestadion, wenn man die Horner als eine der fußballerisch besten Mannschaften der gesamten Liga apostrophiert. Teilweise fehlt ihnen bei aller spielerischen Expertise die nötige Durchschlagskraft, wird beizeiten die Schleife zu viel gemacht. Der Trainingsfleiß stimmt Schmiech zuversichtlich. Für einige TSV-Spieler ist Kontinuität offenbar ein italienisches Nudelgericht, weshalb Schmiech unverhohlen anprangert: „Bisher war es so, dass wir in unseren Spielen zu schwankend aufgetreten sind.“ Die Horner leiden ganz offensichtlich unter dem Dortmund-Syndrom, schlucken überraschende Niederlage gegen widerstandsfähige Gegner – trotz einer vermeintlichen fußballerischen Überlegenheit. Thorsten Schmiech rezitiert im Lippe-Kick Gespräch: „Nach einer durchwachsenen Leistung gegen FSV Pivitsheide (0:2) folgte ein souveräner Auftritt gegen Brakelsiek und nach einer schlechten Vorstellung gegen Türkgücü Detmold (1:2) folgte ein 11:1 gegen Hörste!“ All das ergießt sich in der selbstbewussten Erkenntnis: „Wir wissen, was wir können und müssen einfach nur lernen, es Woche für Woche auf den Platz zu bringen!“ Alleinig den Zweikampf zwischen den Blombergern und Hornern ins Visier zu nehmen, könnte sich als Trugschluss erweisen, blickt Schmiech immerhin doch aufmerksam in den Rückspiegel: „Ich finde, dass auch Diestelbruch/Mosebeck und Heiden eine beeindruckende Saison bisher spielen, sie sicher auch noch eine gute Rolle in der Saison spielen werden.“

 

Neue Puzzleteile passen und ergeben Sinn

 

Als 2019 nach dem Bezirksliga-Abstieg die Tränen der Trauer getrocknet waren, krempelten die Horner die Ärmel hoch. Eine Völkerwanderung setzte ein, verließen 17 Spieler die Rot-Weißen. Der Umbruch ist hervorragend moderiert und praktiziert worden. In diesem Sommer wurden kosmetische Kaderveränderungen vorgenommen, was bei Thorsten Schmiech zu der Erkenntnis führt: „Wir haben es nun geschafft, zum einen eine schlagkräftige Mannschaft zu formen und zum anderen ein Team auf den Platz zu bringen, was den Namen Team auch verdient hat. Beides ist uns absolut gelungen und alle im Club haben gerade mega viel Spaß, mit dieser geilen Truppe zu arbeiten.“ Die neuen Spieler passen als Puzzleteil hervorragend in das Gesamtkonstrukt. Schmiech beherrscht die Klaviatur der Menschenführung, adelt und tadelt, variiert zwischen Zuckerbrot und Peitsche. Er ist kein Schönredner, pointiert gezielt seine Kritik, benennt die Missstände beim Namen. Schmiech ist durchschaubar wie Plexiglas, sagt das, was er denkt. Der TSV-Trainer rühmt seine Jungs als „ehrgeizig, fleißig, diszipliniert,

Aykut Firinci

aber immer auch mit dem Anspruch, spielen zu wollen.“ In mehr als 85 Prozent aller möglichen Übungseinheiten war etwa das Trio Levent Kücüker, Ahmet Firinci und Aykut Firinci vor Ort. Deshalb platzt Schmiech fast vor Stolz, nickt euphorisch: „Das ist großartig und macht auch viel Spaß mit den Bengels.“

 

System, Mentalität und Gier als Erfolgsinstrumente

 

Der Hamburger SV macht es in der 2. Fußball-Bundesliga als prominentes Vorbild ausgezeichnet vor. Die Unberechenbarkeit ist eine Tugend, die vom Gegner nur schwer zu entschlüsseln ist. Verschiedene Systeme zu verinnerlichen, schnell zwischen diesen zu switchen, das erfordert Verstand, Herz und Schweiß gleichermaßen. Thorsten Schmiech zeigt sich regelrecht angetan von der taktischen Disziplin seiner Schützlinge, als er Lippe-Kick in den Notizblock diktiert: „Wir haben es geschafft, der Mannschaft unterschiedliche Systeme zu vermitteln, was uns mittlerweile viele Optionen eröffnet. Egal ob 4-3-3 mit hohem Pressing oder 4-2-3-1 eher abwartend bis hin zu 3-5-2. Was aber bei allen taktischen Möglichkeiten nicht ersetzbar ist, ist die richtige Mentalität, die absolute Gier, Spiele gewinnen zu wollen. Daran arbeiten wir sehr intensiv.“

 

„Ich bin Sportler durch und durch“

 

Wer Thorsten Schmiech kennt, der würde ihn als überaus ehrgeizig bezeichnen. Nicht krankhaft, vielmehr strebend. Es ist exemplarisch, wie Zettel-Toto wie einst der große Ewald Lienen sich Notizen zu den Spielen macht. Diese bereitet er auf, um in dosierter und komprimierter Form die Erkenntnisse seinem Team mit auf den Weg zu geben. „Ich bin Sportler durch und durch und von daher strebe ich immer nach dem maximal Möglichen.“ Finanziell ist die A-Klasse vielleicht sogar lukrativer als die Bezirksliga. Trotz der Lippe-Liga kommen in der Kreis-Klasse A im Schnitt mehr Zuschauer, man kennt sich und der Sonntag geht nicht bei Auswärtsfahrten Richtung Höxteraner Land komplett für Fußball drauf. Schmiech, der herzliche Kopfmensch, wägt ab: „Mir macht es Spaß, in der A-Liga vor vielen Zuschauern bei der FSV Pivitsheide, in Diestelbruch oder in Heiden zu kicken, aber ich habe es genauso genossen, in Dringenberg, Heide Paderborn oder BW Weser gegen klasse Mannschaften zu kicken. In der neuen Lippe-Liga hätte ich mit meinen Jungs schon richtig Bock und dafür ist, denke ich, jeder Kicker auch gerne bereit, längere Fahrten in Kauf zu nehmen“, stärken diese bekanntlich auch den Team-Spirit.

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