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Bezirksliga

SG Hiddesen/Heidenoldendorf – Einiges mitgemacht

Dass Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, hat die Spielgemeinschaft aus Hiddesen und Heidenoldendorf am eigenen Leib erfahren. Lippe-Kick guckt sich den lippischen Emporkömmling etwas genauer an.


Sportliche Achterbahnfahrt fördert die Motivation

Bezirksliga 3 (hk). Wäre der schlechte Verlierer Donald Trump Coach der SG Hiddesen/Heidenoldendorf, dann hätte er nach drei Spieltagen lautstark gepoltert: „Stop the count.“ Zu diesem Zeitpunkt grüßte die Spielgemeinschaft immerhin nach drei Dreiern zum Auftakt von der Tabellenspitze dieser dritten Bezirksliga-Staffel. Zum Glück ist SG-Coach Markus Rüschenpöhler aber das genaue Gegenteil von Trump, nämlich clever, bescheiden, empathisch und kompetent. Rein äußerlich unterscheiden sich die beiden allein schon frisurentechnisch. Während der eitle Trump mit einer Meerschweinchen-Locke aufwartet, hat es der zupackende Rüschenpöhler kurz wie pflegeleicht auf seinem Haupt. Der Ehrgeiz ist die nahezu einzige Gemeinsamkeit der beiden. Es lodert in Rüschenpöhler, dass er aus den letzten vier Partien mit seinem Team nur zwei Punkte einfuhr.

 

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Von Henning Klefisch

 

Zunächst hing der Himmel voller Geigen für Hiddesen/Heidenoldendorf, denn nach einer intensiven und guten Vorbereitung wurden drei Siege zum Start gefeiert. Nicht nur die Resultate versetzen Rüschenpöhler (Bild links) in einen glücklichen Gemütszustand, auch die Performance lädt zum Genießen ein. Jovial blickt er zurück. Mit welcher Reife und Spielstärke zum Saisonauftakt beim erfahrenen Bezirksligisten FC Augustdorf mit 4:2 triumphiert wurde, glich einem prächtigen Statement. Verdient haben sich die jungen Wilden auch die 2:0-Siege gegen den FC Peckelsheim-Eissen-Löwen und VfR Borgentreich. In der Folgezeit hielt sich der Vorjahres-Aufsteiger mit dem Anschreiben auf die Punktetafel merklich zurück. Zwei Punkte heimsten sie ein, aber zwölf waren in der Verlosung. Diese Partien wurden zu einem komplizierten Unterfangen. Ein eklatantes Klaffen zwischen Aufwand und Ertrag ließ sich in den folgenden beiden Partien nicht wegdiskutieren. Mit dem 1:2 beim bis dato sieglosen FC Blau-Weiß Weser setzte es eine höchst unglückliche Niederlage. Schützend hält Rüschenpöhler die Hand über seine Schützlinge: „Ich kann hier meiner Mannschaft überhaupt keine Vorwürfe machen. Wir haben zwei Standardsituationen gegen uns bekommen, einen Elfmeter und einen Freistoß. Die waren drin“, ist dies wohl als eine enorme Kaltschnäuzigkeit wahrzunehmen. Die Spiel-DNA der Lipper ist in diesem Match „ordentlich“, wie der SG-Architekt meint, der eine Allianz mit der Glücksgöttin Fortuna an diesem Tag schmerzlich vermisst. Ebenso beim Torlos-Match in Höxter wäre ein Dreier keine Fata Morgana gewesen. Der SG-Übungsleiter hat eine hohe Meinung vom SVH, bezeichnet er dieses 0:0 als einen „Punktgewinn“, begründet er dies mit der immensen Heimstärke der Höxteraner. Deshalb ist es nicht hoch genug zu bewerten, als er bei Licht betrachtet feststellt: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht, waren dem Sieg chancentechnisch ein Stück näher“, weshalb Markus Rüschenpöhler trotz der steigerungsfähigen Ausbeute nicht grollt.

 

Kopf bestimmt das Beinverhalten

 

Spürbar betrübt blickt Rüschenpöhler auf das Lipper-Duell mit dem RSV Barntrup zurück. Er charakterisiert die eigene Darbietung bei der 1:2-Niederlage als „schwach.“ Im nächsten lippischen Aufeinandertreffen teilten sich die jungen Fohlen beim 3:3 gegen den TuS WE Lügde die Punkte. Hier mangelte es signifikant am angemessenen Rhythmus. Nach einer schwachen ersten Halbzeit gab es im zweiten Durchgang immerhin eine klare Leistungssteigerung. „Mit dem Ergebnis können und müssen wir leben“, erklärt Markus Rüschenpöhler gegenüber Lippe-Kick. Dass Fußball nicht nur in den Füßen, vor allem im Kopf stattfindet, ist hier deutlich geworden. Denn das Selbstverständnis, die Selbstsicherheit, ging nach einer leichten Ergebniskrise, einhergehend mit einer Leistungsdelle, zuletzt etwas flöten. Vielleicht ist auch eine Teilschuld bei der frappierenden Personalnot zu suchen, die wie ein Taifun über die SG Hiddesen/Heidenoldendorf hinwegfegte, was die Umsetzung vom Matchplan das eine oder andere Mal über den Haufen schmiss. Eine personelle Konstanz ist außerordentlich wichtig. Unglücklicherweise fielen einige Schlüsselspieler aus. „Gute Spieler machen ihre Mitspieler besser,“ stellt Rüschenpöhler völlig treffend wie überzeugt fest. „Trotzdem haben meine Spieler den Anspruch, in der Bezirksliga zu spielen. Einige haben es gezeigt, andere haben es noch nicht nachgewiesen“, konstatiert der SG-Trainer auch mit freier Sicht auf das A-Jugend-Oktett, das seit diesem Sommer Seniorenluft schnuppern darf. Ganz entscheidend: „Wir geben allen Spielern die Chance zur Entwicklung.“ Den Stab nach einem jüngsten Abwärtstrend möchte er über seine Mannschaft allerdings nicht brechen, denn Wellentäler sind mit dem Fußball eben untrennbar verbunden. Bei aller Analyse muss allerdings eingeräumt werden, dass die Spielzeit erst in den Kinderschuhen steckt. So Corona es zulässt, müssen noch 23 Partien bestritten werden.

 

Rüschenpöhler glaubt an den Post TSV-Aufstieg

 

Böse Blicke muss der Autor dieser Zeilen nicht befürchten, wenn er Markus Rüschenpöhler als Fußball-, nein, sogar als einen Sport-Nerd bezeichnet. Er konsumiert viel, macht sich Gedanken, um die richtigen Inhalte für sich zu extrahieren, diese dann an sein Team weitergibt. Ob national oder lokal, mit viel Eifer sammelt er nützliches Wissen, wie auch über den Post TSV Detmold, den er zudem aus eigener Erfahrung sehr gut kennt. Aus allen Wolken fällt er folglich nicht, dass die Residenzler so famos die Spielklasse anführen. Genau dies hat der Blondschopf auch exakt so prophezeit, untermauert dies via Lippe-Kick nachdrücklich: „Sie waren mein Aufstiegsfavorit. Das hat sich bisher bestätigt. Sie haben eine gute Mannschaft und viel Qualität. Anscheinend haben sie aktuell auch eine bessere Mentalität, da sie viele enge Spiele gewinnen“, fielen manche Post TSV-Siege doch außerordentlich knapp aus. Der SG Hid/Hei-Coach zeigt sich fest davon überzeugt, dass die Detmolder die Tabellenführung bis zum Saisonende verteidigen, dann in die Landesliga stürmen.

 

Erst kommt die Körperlichkeit, dann das Filigrane

 

Der Expertentipp beweist es Spieltag für Spieltag. Vorhersagen in dieser Liga zu treffen, erweist sich als äußerst kniffliges Unterfangen. In dieser Höx-Lip-Liga passiert extrem viel, was die Fußball-Weisen so nicht prognostiziert haben. Markus Rüschenpöhler hat diese Unberechenbarkeit aufmerksam registriert: „Jeder kann fast jeden schlagen. Das ist die Qualität dieser Spielklasse. Insbesondere auswärts wird es immer schwierig. Man weiß nicht immer, was einen erwartet“, ist das Überraschungspotenzial bei einigen Gastspielen nicht von der Hand zu weisen. Der 34-Jährige hat durch die Vorsaison einen veritablen Vergleichswert, weshalb er offenherzig urteilt: „In der Spitze hat die Liga nicht die Qualität wie im letzten Jahr“, benennt er exemplarisch Teams wie Mastbruch, ebenfalls Delbrück II, die für ein noch höheres fußballerisches Niveau stehen und standen. Allerdings hebt er die physische Komponente hervor, erschwert dies die eigenen Bemühungen um ein Vielfaches. So werden doch bei vielen Teams die talentfreien Tugenden wie Laufen und Kämpfen sehr offen ausgelebt. „Man muss absolut dagegenhalten“, kommt für ihn die Einstellung zu all den fußballerischen Komponenten noch dazu.

 

Rüschenpöhler fordert eine deutliche Leistungssteigerung

 

Viele Fragezeichen tummeln sich in der Gedankenwelt von Rüschenpöhler, besitzt er doch keine Nostradamus-Fähigkeiten, sprich: Wann die Liga wieder startet, liegt auch in den Händen der Mediziner, nicht weniger an der Disziplin der Bevölkerung. Wenn, wie von einigen Experten vermutet, es im Februar wieder weitergehen sollte, dann wären seine Sorgenfalten bezüglich der Personalsituation hinfort. Rüschenpöhler, ein kluger Kopf, versieht einen Re-Start bereits im Folgemonat Dezember mit einem „starken Fragezeichen.“ Realistisch ist es, dass er eine Wintervorbereitung Zeit hat, um an den erforderlichen Stellschrauben zu drehen. Automatisch würde die Rückkehr von einigen Leistungsträgern zu einer Verbesserung der Wettbewerbskultur führen, was sich wiederum auf die Teamleistung auswirkt. „Mit bester Besetzung brauchen wir uns vor keinem zu verstecken“, vertraut er seinem Kader. Dennoch muss seine Equipe einen Gang höher schalten, fordert der ehemalige Bezirksliga-Spieler unmissverständlich bei Lippe-Kick: „Im Vergleich zu den letzten Spielen müssen wir uns deutlich steigern. Das hat auch etwas mit Selbstvertrauen zu tun, aber wir müssen im Ballbesitz und gegen den Ballbesitz wieder aggressiver, williger, unangenehmer werden“, zeigt er sich optimistisch, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen. Die logische Konsequenz sind Siege, die für ein Verweilen in sicheren Tabellengewässern sorgen. Wer den langjährigen Fußballer kennt, weiß, dass Markus Rüschenpöhler für den Fußball brennt, doch nach dem abermaligen Lockdown verrät er ehrlich: „Das hat bei mir ein bisschen auf die Motivation geschlagen. Wir wurden recht zäh ausgebremst“, besitzt jedoch unwiderruflich die Gesundheit die allerhöchste Prämisse.

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