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Interview Thomas Helmer

Helmer: „Ich drücke Bad Salzuflen weiterhin die Daumen”

 

Allgemein (hk). Lippe-Kick hat diesmal mit einem bundesweit bekannten Fußballer mit Wurzeln in Lippe in einem Interview gesprochen. Dort erzählt der 51-jährige Thomas Helmer, warum er beim SC Bad Salzuflen als Youngster so torgefährlich war, wie das Verhältnis zwischen dem Amateur- und Profifußball besser werden kann und er äußert sich auch seinem Ex-Verein FC Bayern München und zum Emporkömmling RB Leipzig. Thomas Helmer ist seit 2014 fester Moderator von „Der Volkswagen Doppelpass” und in dieser Funktion das nächste Mal am kommenden Sonntag, 26. März, live ab 11 Uhr auf SPORT1 zu sehen. Zuvor war er ab 2011 in Deutschlands bekanntestem Sporttalk bereits als Experte aktiv. Aktuell moderiert der gebürtige Westfale auf SPORT1 auch die „Telekom Spieltaganalyse” und den „Fantalk”. Seine Laufbahn als Sportjournalist beim DSF (heute SPORT1) begann er 2004 nach seiner Fußballkarriere – als Nationalspieler gekrönt mit dem Gewinn der Europameisterschaft 1996. Als Moderator war Thomas Helmer unter anderem bereits bei den Formaten „Hattrick Live” und „Bundesliga Aktuell” sowie beim früheren Bundesliga-Sender LIGA total! im Einsatz.

Lippe-Kick: Hallo Herr Helmer, Sie haben in Ihrer Jugend beim lippischen Traditionsverein SC Bad Salzuflen Fußball gespielt. Wie präsent sind Ihre Erinnerungen an diese Zeit?

Thomas Helmer: „An die Plätze damals kann ich mich noch gut erinnern, ich habe in der Jugend in Bad Salzuflen Kreisliga gespielt, meist auf roter Asche. Auswärts war ein Rasenplatz ein Highlight. Nach der Jugend ging es zu den Senioren, Salzuflen war in der Landesliga und ich wollte eigentlich schon aufhören. Der damalige Präsident hat mir dann 500 Mark und zwei Paar Fußballschuhe geschenkt, auch deshalb hab ich weitergemacht (schmunzelt).”

Lippe-Kick: Und wie lief es in der ersten Mannschaft?

Thomas Helmer: „Ich musste mich erstmal ans Tempo gewöhnen, hatte aber gottseidank einige Fürsprecher im Verein. Ich habe im offensiven Mittelfeld gespielt, durfte alle Freistöße und Elfmeter schießen und hab in der ersten Saison um die 20 Tore erzielt.”

Lippe-Kick: Das hat sicher Spaß gemacht, oder?

Thomas Helmer: „Natürlich und ich hatte das Glück, dass in unserer Gruppe die zweite Mannschaft von Arminia Bielefeld gespielt hat – mit dem Sohn des damaligen Arminia-Trainers Gerd Roggensack. Roggensack hat sich ab und zu sonntags die Partien seines Sohns angeschaut und auch mich gesehen. Wir haben auf der Alm gegen die zweite Mannschaft gespielt, das war für uns schon etwas Besonderes. Roggensack hat mich zu einem Probetraining eingeladen, ich habe aber erstmal grundsätzlich abgelehnt, ehe es später doch zu Arminia ging.”

Lippe-Kick: Wie ausführlich verfolgen Sie aktuell den lippischen Fußball?

Thomas Helmer: „Ich habe immer noch regelmäßig Kontakt zu meinem früheren A-Jugend-Trainer von Bad Salzuflen Haka Dick und erkundige mich, was Bad Salzuflen und andere Teams derzeit so veranstalten und drücke Bad Salzuflen weiterhin die Daumen.”

Lippe-Kick: Aktuell gibt es eine Diskussion bezüglich des Verhältnisses zwischen Profi- und Amateurfußball. Wie ist ihre Meinung dazu, dass der Amateurfußball „ausgebeutet” wird, wenn man den Worten von Herrn Engelbert Kupka lauscht?

Thomas Helmer: „Ich bin überzeugt, dass der Amateurbereich eine ganz wichtige Basis für den Profifußball ist. Das sollte man schützen und wertschätzen. Da verstehe ich die Amateurvereine, dass sie sich etwas benachteiligt fühlen, auch wenn ich die Wortwahl nicht teile.”

Lippe-Kick: Sollte der Profifußball den Amateuren gegenüber mehr Respekt zeigen?

Thomas Helmer: „Respekt ist nicht das richtige Wort. Für mich ist aber nachvollziehbar, dass die Amateure die Verteilung der Gelder gerne gerechter hätten.”

Lippe-Kick: Wie verfolgen Sie allgemein die Entwicklung in den unteren Ligen, sehen Sie Steigerungs- oder Änderungspotential?

Thomas Helmer: „Was mir auffällt: Der Aufstiegsmodus in der Regionalliga ist ziemlich unglücklich. Wenn du in den Regionalligen, die ja stark besetzt sind, Meister wirst und nicht automatisch aufsteigst, ist das schwierig.”

Lippe-Kick: Nun zum Profifußball: In der Bundesliga droht die latente Langeweile. Bayern München dreht an der Tabellenspitze einsam seine Kreise und wird nach menschlichem Ermessen auch 2017 die Meisterschaft einfahren. Was muss passieren, damit wir spannungstechnisch “englische Verhältnisse” haben?

Thomas Helmer: „Im Moment hat ja Chelsea in England einen komfortablen Vorsprung, aber ich verstehe, was Sie meinen. In der Bundesliga kann man den Bayern keinen Vorwurf machen, sie erledigen seit Jahren einen super Job. Ich hoffe, dass Leipzig und Dortmund konstanter werden, zudem steht beim FC Bayern ein Umbruch an, das könnte für die anderen Teams vielleicht die Chance sein. Leipzig und Dortmund haben sehr junge Mannschaften, der BVB müsste jedoch noch etwas in der Defensive tun, da sehe ich derzeit kleine Defizite. Und der zweite Anzug von Dortmund müsste noch stärker werden, die Bayern können im Moment jeden reinwerfen und es passt.”

Lippe-Kick: Aktuell ist die Diskussion um RB Leipzig in vollem Gange. Die Geister scheiden sich an diesem Verein. Wie ist ihre persönliche Meinung dazu?

Thomas Helmer: „Ralf Rangnick, der Sportdirektor von RB Leipzig, war ja zuletzt (12.03.) bei uns im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 zu Gast. Er hat sehr gut seinen Standpunkt vertreten. Ich finde Leipzig ein spannendes Projekt. Der Osten hatte lange keinen Erstliga-Fußball gesehen, das Stadion ist immer voll und auch auswärts reisen viele Fans mit. Da ist eine Euphorie entstanden. Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick haben etwas wachsen lassen, sie haben viele junge schnelle Spieler, das ist heute sehr wichtig.”

Lippe-Kick: Können Sie die Traditionalisten unter den Fußballfans verstehen?

Thomas Helmer: „Sagen wir es so, ich kann sie zum Teil verstehen, wenn sie sich nach alten Zeiten zurücksehnen und sagen: ,Wir haben diese finanziellen Möglichkeiten nicht.‘ Manche Klubs haben aber auch die Zukunft etwas verschlafen, muss man zugeben.”

Lippe-Kick: Blicken wir zum Abschluss etwas voraus. Wie stellen Sie sich den Fußball in zehn Jahren vor?

Thomas Helmer: „Als nächstes kommt wohl der Videobeweis, darauf bin ich schon sehr gespannt. Dann gibt es die Idee, das Abseits abzuschaffen, davon bin ich allerdings gar kein Freund. Aus meiner Sicht sollte nicht jedes Jahr etwas verändert werden: Der Fußball, so wie er jetzt ist, hat genug zu bieten.”

Bildquelle: Copyright SPORT1/Müller.

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