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Was macht eigentlich...?

Was macht eigentlich…? Teil 8: Jochen Werger

Ein echter Typ ist Jochen Werger, der einen festen Eintrag in der Heiligenkirchener Vereinshistorie gefunden hat. Nicht nur dort, wie er im großen Lippe-Kick-Bericht erwähnt. Gebt euch den K(l)ick.

Jochen Werger: Identifikationsfigur, Tormaschine, Lebemann, Legende!

Was macht eigentlich…? (hk). Eine wahre Begebenheit. Mittagessen in der Glanzzeit der Nullerjahre in der Casa Klefisch. Vier Söhne und das Familienoberhaupt sitzen beim Schlemmen. Im Hintergrund läuft der damalige Kult-Hit „Dragostea Din Tei“ vom rumänischen Pop-Triumvirat O-Zone. Es folgt der amerikanische Frauentyp Mario, der voller Inbrunst „Let me love you“ schmettert. Inmitten dieser musikalisch so magischen Momente erhebt der Autor dieser Zeilen seine Stimme. „Dad, ich muss Dir was sagen.“ Akademische Pause, um die volle Aufmerksamkeit zu erhaschen. Weiter im Takt. „Ich habe gestern im Spiel den Lieferdienst für Jochen Werger gemacht.“ Stille. Der jüngere Bruder stammelt nur so vor sich hin: „Krass, Jochen Werger. Ein echt cooler Typ mit guten Sprüchen und ein toller Fußballer.“ Der Vater setzt seinen staatsmännischen Gesichtsausdruck auf, sagt nur kenntnisreich: „Einer aus dem Jahrhundertjahrgang.“ Wie Recht er doch hat. Jochen Werger, ein Mann wie Steffi Graf, das würde Kult-Kommentator Jörg Dahlmann sagen. Er genoss einen Ruf wie Donnerhall, schoss das Heiligenkirchener Wunderkind doch einst 63 Tore in der F-Jugend. Wählt man einen prominenten Vergleich, würde man zeitig auf Union Berlin-Stürmer Max Kruse kommen. Okay, Werger produziert keine sinnfreien Videos von sich, lässt keine 75.000 Euro im Taxi liegen und bezeichnet bestimmt auch nicht die Polizei als „Schweine“ und die ganze Szenerie als „stark asozial“, wenn er mal mit dem Auto geblitzt wird. Doch fußballerisch, auch mit Blick auf das Kabinenklima, da ist der mittlerweile 39-Jährige mit dem fußballerisch so feinen und meinungsstarken Ex-Nationalspieler in Verbindung zu setzen.

 

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Von Henning Klefisch

 

 

Der Fußballer Jochen Werger erfüllt viele Punkte eines kompletten Angreifers. Mit einem unnachahmlichen Tor-Riecher ausgestattet verfügt der „Sturmtank“ (O-Ton von Ex-Mitspieler Frank Laabs) in seinem Werkzeugkasten über ein großes technisches Repertoire, ist kopfballstark, ein Strafraumwühler, taugt als Wandspieler und ist überaus ehrgeizig. Echte lippische Wertarbeit eben, denn Werger ist das Gegenteil von einer Schachtel Pralinen. Bei ihm weiß man, was man bekommt. Und das ist ganz schön viel. Mit großen Schritten kommt das fünfte Lebensjahrzehnt näher für den vielseitig interessierten Familienvater. Im kommenden Jahr ist es so weit und einer der bedeutendsten Fußballer in der Heiligenkirchener Vereinsgeschichte feiert seinen runden 40. Ehrentag. Selbstredend war Fußball nur ein ernst betriebenes Hobby, baute der auch an dem Handball-Bundesligisten TBV Lemgo interessierte Werger 2000 sein Abitur, dies am Detmolder Leopoldinum. Dann absolvierte er bei Schuh Wortmann eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann, studierte Betriebswirtschaftslehre in Lemgo, ehe es ihn 2005 in die Rheinmetropole Düsseldorf samt Familie verschlug. Zwölf Jahre arbeitete er für L’ Oreal. Seit 2018 ist er als Vertriebsleiter national für Newsha tätig.

 

 

Das ewige Heiligenkirchen versus Schlangen-Duell

 

Der Kontakt in die lippische Heimat ist allerdings nie so richtig abgerissen. Seine Eltern wohnen in Heiligenkirchen. Dazu beobachtet er primär das sportliche Treiben seiner Ex-Vereine. Wie etwa den „Aufstieg und Absturz der vergangenen Jahre“ beim TuS Horn-Bad Meinberg. Ebenfalls die Entwicklung vom Post TSV Detmold, „eines der Aushängeschilder des lippischen Fußballs“, nimmt der hünenhafte Werger mit Interesse wahr. Er macht deutlich: „Aber mein größtes Interesse gilt meiner fußballerischen Heimat, den SF Berlebeck/Heiligenkirchen, mit guten Freunden an der Spitze, Jan Schaper, Matthias Kuhlmann, aber auch Thomas Hülsmann sind Menschen, mit denen ich heute noch eng in Kontakt stehe“, ist die Wertschätzung und die Freundschaft nie erloschen. Wenn man im Gespräch mit den fußballinteressierten Dorfältesten in Heiligenkirchen bestimmte Namen erwähnt, wird prompt vom „Jahrhundertjahrgang“ voller Ehrfurcht gesprochen. Werger, der sämtliche Heiligenkirchener Nachwuchsteams durchlief, klärt auf:  „Die Jahrgänge 1980/81/82 waren nicht nur quantitativ gut besetzt, sondern auch qualitativ sehr stark mit Spielern wie Matthias Kuhlmann, Andre Schnatmann, Alexander Bajs, Rainer Werger oder Daniel Schulze. In Heiligenkirchen wurde diese Generation immer als der „Jahrhundertjahrgang“ bezeichnet, den es davor und vermutlich danach nie wieder geben wird.“ Es gab einen Gegenpart, wie der joviale Protagonist gegenüber Lippe-Kick verrät: „Spannend ist, dass es auf der anderen Seite der Gauseköte ein vergleichbares Phänomen gab. Bei Fortuna Schlangen bildete sich ein fast so starker Jahrgang um Spieler wie Thorsten Becker, Dennis Jahn, Björn Brinkmann, Bastian Lüning oder Mike Klöpping.“ Die Konsequenz, die er aufzeigt: „Somit war in der Jugend klar, die Saison hängt am Hinspiel, Rückspiel und dem Pokalspiel gegen Schlangen. Gewinnst du, dann ist dir der Titel sicher. Oftmals mit dem besseren Ende für die Heiligenkirchener“, schmunzelt der eloquente Akademiker.

 

 

 

 

Die Mischung machts

 

Als Werger artig seine fußballerische Ausbildung bei der Spielvereinigung beendete, kickte er zweieinhalb Spielzeiten für seinen Heimat- und Herzensverein im Detmolder Kreisoberhaus. Für das gleiche Zeitintervall schnupperte er eine Spielklasse höher Bezirksliga-Luft beim TuS Horn-Bad Meinberg. Gegenüber Lippe-Kick berichtet er über den ersten Weggang aus den heimatlichen Gefilden: „Ich traf da auf eine sehr ambitionierte Truppe, abgehalfterte Landesliga-Kicker wie Frank Laabs, Bernd Stach oder John Matthews, gepaart mit Zwanzigern wie Stefan Burkert, Jan Schaper oder Gregor Irek und dazu noch 18-jährige Jungspunde wie Steven Hengstler, Stefan Poorten und Michael Potthast.“ Sein Urteil: „Eine tolle Truppe mit extremem Spaß-Faktor auf und neben dem Platz, angeführt vom „Langen“ Wolfgang Wächter.“ Von 2005 bis 2009 gab er ein Comeback in Heiligenkirchen. Mittlerweile fusionierte die Spielvereinigung mit dem TuS Falke Berlebeck zu einem Verein. Da er bereits in Düsseldorf wohnhaft war, konnte er nicht sämtliche Spiele, erst recht nicht alle Trainingseinheiten bestreiten.

 

„Eins werden mit dem Sportplatz“

 

 

Die Erfolge konnten sich durchaus sehen lassen. Treppchenplatz drei in der Bezirksliga, dazu ebenfalls den Bronzerang bei der Premierenveranstaltung vom LZ-Cup. 2004 gab es mehr Saures als Süßes für die Zuckerstädter des SuS Lage. Der TuS Horn-Bad Meinberg schlug die Lagenser im Finale, holte sich den Detmolder Kreispokal. Basis für die Verschönerung vom Steckbrief war die unerschütterliche Kameradschaft der fußballerisch so talentierten Truppe. Beliebte Ausflugsziele wie Willingen oder Mallorca wurden angesteuert. Werger ist auch fast zwei Jahrzehnte später immer noch ganz entfesselt von den Abenteuern mit den Kurstädtern. „Unvergessen bleiben mir die Vorbereitungstrainingslager vom Langen an einem Wochenende vor der Saison, wo man nie so richtig wusste, ob es darum geht, eine konditionelle Grundlage zu legen oder seine Leber auf die bevorstehende Saison zu konditionieren.“ Außergewöhnlich ist eine spitzfindige Symbiose-Übung: „In einem Trainingslager kam es dazu, dass die halbe Mannschaft im Waldstadion draußen geschlafen hat, um „eins zu werden mit dem Sportplatz“ und um „den Rasen zu spüren“, wie Kasi Schierenberg später zusammenfasste.“

 

 

 

 

 

Gleisner, Kater, Kopfballtor

 

 

Bei den Kurstädtern, da fühlte er sich pudelwohl, verklärt er die damalige Epoche, verwendet bedeutungsschwere Worte: „Das war damals in Horn eine tolle Zeit, fußballerisch vermutlich das Beste, was Lippe zu der Zeit zu bieten hatte, aber auch vom Teamgeist her im Bereich Champions League anzusiedeln.“ In der vorletzten Runde der Spielzeit 2004/05 kam es zum sportlich bedeutungslosen Aufeinandertreffen mit dem VfL Lüerdissen. Werger, beizeiten auch als Feierbiest bekannt, gönnte sich zusammen mit Sven Gleisner vom TuS Bexterhagen eine Veranstaltung, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte. Es wurde nicht nur Fanta getrunken, sodass sich der flüssige Konsum auf die physische und infolgedessen auch mentale Verfassung unmittelbar auswirkte. Jochen Werger spricht die Kalamitäten offenherzig an: „Am nächsten Mittag kam ich mit einem leichten Kater zum Treffpunkt.“ Dieser schnurrte bestimmt nicht, war eher schmerzhaft, wie er anschaulich darlegt: „Meine Kopfschmerzen wurden nach dem ersten Luftkampf mit meinem Gegenspieler Nils Thospann, ein Kopf größer als ich und ein Kreuz wie ein Bär, nicht besser.“ Als „bis heute schleierhaft“ bezeichnet er die Tatsache, dass seine Horner durch sein Kopfballtor mit 2:1 triumphierten. Achselzuckend ergänzend: „Aber es passierte einfach.“ Trotz des lippischen Lokalkolorites war es allerdings ein „faires Duell“, betont Werger treuherzig gegenüber Lippe-Kick.

 

Unterschied Düsseldorf und Lippe

 

Nach diesen prägenden Momenten bei den Schwarz-Weißen – und einer anschließenden BHK-Rückkehr – zog er berufsbedingt nach Düsseldorf. In der Rheinmetropole kickte er temporär etwas gegen das Objekt der Begierde. Hier reifte allerdings flugs die Erkenntnis, „dass meine Zeit vorbei ist.“ Ein ganz entscheidender Unterschied zu Fußball-Lippe: „Was ich in Düsseldorf sehr interessant fand, war, dass fast jeder Verein ein von einem Wirt betriebenes Clubhaus hatte. Da war es normal, nach dem Spiel oder Training noch länger am Platz zu bleiben und auch mit dem Gegner noch in Ruhe etwas zu essen und zu trinken“, war dies in Lippe ein gänzlich unbekanntes Phänomen. Unweigerlich stellt sich mit Blick auf Werger die Frage, ob er denn nicht nach dem Ende als Spieler für eine Trainer-Laufbahn in Betracht käme. Immerhin versteht er doch den Fußball, ist gut vernetzt, hat die rhetorischen und fachlichen Fähigkeiten, um dieses Amt auszufüllen. Für den Business-Mann Werger war dies aber nie eine Option, „da ich beruflich sehr viel in Deutschland unterwegs bin und froh bin, am Wochenende Zeit und Ruhe für meine Familie zu haben.“ Den Fußball in Lippe verfolgt er weiterhin mit großer Begeisterung, vermisst allerdings einen Landesliga-Vertreter hierzulande. „Da ist Lippe leider ein grauer Fleck auf der Landkarte, obwohl ich glaube, und das zeigt ja auch das Futsal-Beispiel, dass Lippe durchaus Potenzial hat, ambitionierte Spieler zu fordern und zu fördern“, sieht er hier Hopfen und Malz noch längst nicht verloren.

 

 

 

 

 

 

Bild- und Text-Quelle: Lippische Landeszeitung, Lippische Wochenschau, Privatarchiv Jochen Werger.

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