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Saison 2020/21

Der Mann mit Pfiff. Teil 3: Denis Kudat

Schweigen bedeutet Lob. Wenn über sie nicht berichtet wird, dann haben sie eine einwandfreie Leistung gezeigt. Lippe-Kick möchte in der neuen Serie den Spielleitern die Wertschätzung erweisen, die sie längst verdient haben. Klickt euch mal hinein.

 

Kudat und die transparente Spielleitung

Der Mann mit Pfiff (hk). Von den Schiedsrichtern wird stets verlangt, dass sie fehlerfrei agieren. Perfektionismus pur. Manche Kreisliga-Spieler schießen mehr hoch als weit, lassen den Ball vom Schienbein weiter abprallen, als andere passen können. Doch die Spielleiter, die müssen ohne Fehl und Tadel agieren, so das Anspruchsdenken einiger. Man muss selbstbewusst sein, dazu ein hohes Maß an Souveränität und Fußball-Kompetenz besitzen, um in diesem Stahlbad seinen Mann zu stehen. Wie zum Beispiel Denis Kudat. Er hat sich als Referee durchgesetzt. Schon als Teenager pfiff er. Durch virale Aktivitäten hat er sich zu einer echten Berühmtheit in Ostwestfalen-Lippe entwickelt. Er nimmt viele Follower mit in die fabelhafte Welt der Schiedsrichterei. Und bildet den dritten Teil zur neuen Serie bei Lippe-Kick, die den Namen trägt: „Der Mann mit Pfiff.“

 

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

 

Kinder, die Zeit, die rauscht an einem nur so vorbei. In Lichtjahren, ohne Kompromisse, ohne Gefühlsduselei. Husch, husch, ab in die Zeitkapsel. Was haben wir doch nur mit 16 Jahren gemacht? Vielleicht ging es das erste Mal mit Erlaubnis der Eltern in den lokalen Tanzschuppen. Wir liebkosten die erste Freundin oder eben die erste Spielleitung. Was? Wie? Die erste Spielleitung als Teenager. Verrückt. Ja, Denis Kudat, der charmante Mann mit Pfiff in dieser Ausgabe, hat bereits als harmloser Teenager mit der Schiedsrichterei begonnen. Das war 2013. Mittlerweile ist er 24 Jahre alt. Pater Zufall spielte eine schicksalhafte Rolle, dass Kudat sich zum Pfeifen-Mann modifizierte. Er kickte passabel für den Nachwuchs von seinem Heimatverein, dem TuS Lockhausen, als ein Mitspieler ihn mit der Idee konfrontierte, sich doch gemeinsam für den nächsten Schiedsrichter-Lehrgang anzumelden. Eine Spontan-Polonaise vor Begeisterungsschüben veranstaltete der smarte Kudat jetzt nicht, doch seine Entscheidung bereute er nicht. „Gesagt, getan. Es war eine der besten Entscheidungen, die ich in dem Alter getroffen habe.“

 

Kudat schaut zu Aytekin auf

 

Mit großer Leidenschaft leitet er die Partien, lässt viele Leute daran teilhaben. Im Social-Media-Bereich gewährt er eine überbordende Transparenz hinein in die Kunst der Pfeiferei. 1, 3 Millionen Abonnenten liefern Zeugnis davon, dass das Interesse an seinem „Schiedsrichter-Vlog“ enorm ist. „In diesem berichte ich, wie ich mich für so ein Spiel vorbereite, zeige die Platzbegehung, aber auch viele weitere Insights“, alles exklusiv und aus erster Hand, das versteht sich von selbst. Wenn man nicht wissen würde, dass er zur Gesetzeshüter-Garde gehört, könnte man ihn auch als Social Media-Leiter in irgendeinem Startup aus der Hamburger Speicherstadt verorten. Das Handy ist ein treuer und verlässlicher Begleiter für den Sheriff der lippischen Schiedsrichterzunft, der von einigen Kollegen gepiesackt wird. Wie etwa vom wortgewaltigen Timo Franz-Sauerbier, der sich geflissentlich erkundigt, ob er denn wieder mit dem Handy auf dem Spielfeld steht. Von Sauerbier, im Volksmund auch besser bekannt als Collina mit Haaren, ist überliefert, dass er den Bundesliga- und FIFA-Referee Deniz Aytekin zu seinem persönlichen Vorbild gekürt hat. Optisch passt der Modellathlet Sauerbier dank seiner Größe besser zum 197 Zentimeter großen fränkischen Schlacks. Kudat, ebenso ein Aytekin-Jünger, muss da schon mehr nach oben schauen – mit seinen 1, 72 Metern. Seine Nackenmuskulatur wird nicht zu knapp beansprucht.

 

„Bis heute fehlen mir die Worte“

 

Der Bundespolizist aus Herford liebt es, für Recht und Ordnung auf dem Spielfeld zu sorgen. Brenzlig wurde es für ihn vor rund sechs Jahren. 2014 wurde er mit einigen Drohungen wenig christlich angegangen. Was war passiert? Nach drei roten Karten gegen Rojhilat Bad Salzuflen-Akteuren im Match gegen die TSG Holzhausen/Sylbach sah er sich gezwungen, die Partie abzubrechen. Er verständigte seine Polizei-Kollegen, musste sich schließlich um seine körperliche Unversehrtheit sorgen. „Ab dem Zeitpunkt habe ich auch den Glauben in unsere Spruchkammer verloren, die dieses Spiel tatsächlich wiederholen ließ, statt ein klares Zeichen für Schiedsrichter und gegen Gewalt zu setzen. Bis heute fehlen mir die Worte dafür.“ Die sorgenvolle Miene hellt sich allerdings schnell auf. Memorabel in seiner Gedankenwelt war im September 2014 das Jugend-Pokal-Finale zwischen dem TuS Lipperreihe und dem TBV Lemgo. Zum ersten Mal in seiner Schiedsrichterkarriere hatte er bei diesem Endspiel Schiedsrichter-Assistenten mit dabei. Grundsätzlich lässt sich nur schwerlich abstreiten, dass es zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen dem Schiedsrichter und dem Reporter gibt. Meist wird das Einzelkämpfertum bevorzugt, bekommt man nur bei besonderen Ereignissen Gesellschaft durch seine Zunft. Wenn von den Vereinen geschwiegen wird, dann war die Leistung meist annehmbar. Zudem ist das Nachwuchsproblem nicht von der Hand zu weisen. Die nervliche Belastung, infolge temporär emotionaler Kritik, ist nicht für jedermann geeignet.

 

 

„Mit der Spieler-Entwicklung bin ich sehr zufrieden“

 

Ausufernde Meckereien in seine Richtung kann Denis Kudat mal so gar nicht leiden. Er lässt sich nicht gerne auf Diskussionen mit den Aktiven ein. Natürlich gehören Emotionen zum Fußball dazu, doch alles muss seine Grenzen haben, so erläutert der Sunnyboy gegenüber Lippe-Kick. Es ist allerdings Licht am Ende vom Horizont sichtbar: „Seitdem es die Bestrafungen auch gegen Team-Offizielle gibt, hat sich die Sache meiner Meinung nach verbessert. Aufgrund meines Berufes als Polizist seit 2016 bin ich Meckereien jedoch gewohnt und kann damit sehr gut umgehen und weiß, wie ich in diesen Situationen handeln muss, um die Emotionen nicht hochkochen zu lassen.“ Er räumt unverhohlen ein, dass im Zweifel die gelbe Verwarnungskarte bei ihm recht locker sitzt. Wenn man auf den Sportplätzen der Region unterwegs ist, fällt auf, dass vor allem die Schaulustigen ihren Verbal-Senf dazugeben, zu häufig den Schiedsrichter heftig kritisieren. Kudat präzisiert bei Lippe-Kick vor allem: „Von Zuschauern würde ich mir wünschen, dass sie einfach mal selber die Pfeife in die Hand nehmen, bevor unqualifizierte Aussagen kommen. Ansonsten bin ich mit der Entwicklung der Spieler relativ zufrieden. Das Spiel wird immer schneller“, weil athletischer.

 

„Die Vorbereitung auf ein Spiel ist immer wichtig“

 

Zurzeit bringt das Corona-Virus alles kolossal durcheinander. Seit knapp zwei Monaten kam ebenfalls der Amateurfußball komplett zum Erliegen. In seligen, den coronafreien Zeiten, bestimmte der Lokal-Fußball die Wochenendplanung von Kudat. Eine Partie leitete er am Samstag, die andere am Sonntag. Da die personelle Situation rund um die hiesige Schiedsrichterzunft allerdings dramatische Ausmaße angenommen hat, musste Kudat immer häufiger auch mal zwei Partien an einem Sonntag pfeifen. Wie bereitet sich der 24-Jährige auf die zu leitenden Begegnungen vor? „Die Vorbereitung auf ein Spiel ist immer wichtig. Ich gucke mir die Tabelle an und anhand der Tabellen-Platzierung und der letzten Spiele kann man grob einschätzen, welche Brisanz die Partie hat. Am Spieltag selbst habe ich keine besonderen Sachen, die ich vor dem Spiel mache. Konzentration und viel trinken“, bietet dies die Grundlage für eine umsichtige Spielleitung.

 

 

 

Bild-Quelle: Privat.

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