Connect with us

Was macht eigentlich...?

Was macht eigentlich…? Teil 10: Dirk Hecker

Dirk Hecker ist eine echte Marke. Manche würden sogar voller Ehrfurcht sagen: Er ist eine Kalletal-Legende. Es gibt also reichlich Gründe, warum wir ihn euch etwas näherbringen wollen.

Dirk Hecker, der kecke Checker

 

Was macht eigentlich..? (hk). Was für ein Traum. Wir fantasieren munter drauf los. Wären doch nur alle Personen zumindest annähernd so fußballverrückt wie Dirk Hecker. Die gravierenden Personalsorgen zwecks Motivationsproblemen respektive anderweitigen Interessenslagen, wären nur Fiktion, keine bittere Realität. Zugegeben: Ziemlich viel Konjunktiv, deshalb bestücken wir unseren Bericht doch einfach mal mit einer großen Menge an Faktenreichtum. Wir nehmen das fußballerische Leben der Westorfer-Fußball-Legende unter die Lupe. Hilfreich, dass Hecker ein hervorragender Geschichtenerzähler ist. Einer, dem man gerne lauscht, wenn er aus dem Nähkästchen plaudert. Der 57-Jährige redet, weil er etwas zu sagen hat. Bevorzugt über seine große Liebe, den lippischen Fußball.

 

Bestellt und schlemmt doch lecker bei:

 

Von Henning Klefisch

 

 

 

Hecker, zu Spielerzeiten ausgestattet mit einem phänomenalen Torriecher, hat es im Kalletal zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Sein Name ist untrennbar mit der SG Talle/Westorf verbunden. Fußball war, ist und bleibt sein Lebenselixier, seine Wohlfühloase, seine Leidenschaft. So kommt es nicht überraschend, dass er bis Mai 2019 mit stolzen 56 Lenzen für die Reserve der SG Talle/Westorf kickte. Als Hecker seine Blütezeit als Fußballer erlebte, dirigierte er sein Ensemble als Taktgeber auf der Zehner-Position direkt hinter den Spitzen. Ein Regisseur mit ganz viel Spielwitz, einer ansprechenden Technik und Raffinesse gesegnet. In routinierteren Jahren bekleidete er die Rolle als Stürmer, traf weiterhin äußerst verlässlich. Ärgerlich für ihn, den Fußball-Nerd, dass nach einem Jahrzehnt Bestehen die Ta/We-Reserve aufgrund von Personalmangel den Geist aufgab. „Die Ära mit dem TuS Lüdenhausen begann, was mich dann beflügelt hat, nicht mehr in den Senioren-Mannschaften zu spielen.“ Nicht nur exklusiv in Talle, dem Heimatort von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, wird fleißig getuschelt, dass Germania Westorf-Blut durch Heckers Adern fließt. Hecker ergänzt allerdings ebenso zutreffend, dass durch den Zusammenschluss mit den Erlenhain-Jungs ausreichend personelle Ressourcen zur Verfügung stehen, um zukünftig auf seine fußballerischen Dienste zu verzichten. Ein halbes Jahrhundert ist Hecker schon dem Vereins-Fußball angehörig. Eine kurze Einordnung für die historisch Interessierten. 1970 machte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt den Kniefall vor dem Warschauer Ghetto-Ehrenmal. Brasilien kürt sich zum Fußball-Weltmeister und in der Bundesliga spielen noch Teams wie Rot-Weiß Oberhausen, Kickers Offenbach und Rot-Weiß Essen. Jaja, alles ziemlich lange her mit dem Fußball-Ursprung von Dirk Hecker, dem kecken Checker. Automatisch bietet sich ein Vergleich mit dem deutschen Rekordnationalspieler Lothar Matthäus an, der erst mit 40 Jahren seine Fußball-Schuhe an den Nagel hängte. Ein fast schon biblisches Alter für einen Profifußballer. Wobei: Der Frauenverschleiß von Matthäus ist um ein Vielfaches höher als beim glücklich verheirateten „lippischen Pistolero.“ Deshalb, bezugnehmend auf die Überschrift, war Hecker vor allem auf den Fußballplätzen der kecke Checker.  Hecker kickte sogar noch mit 44 Jahren für die Erstvertretung, dies als nützliche Aushilfe. Erst im Sommer 2019 sagte er dem Senioren-Fußball endgültig Lebewohl. Seit rund drei Jahrzehnten erweist er sich als belebendes Element im Westorfer Vorstand. Er führt damit eine Familien-Dynastie weiter fort, als er via Lippe-Kick kundtut: „In der Vorstandsetage des Vereins, in dem auch schon mein Großvater vor 100 Jahren und später in den 50er, 60er und 70er Jahren mein Vater die 1. Mannschaft geprägt haben, war ich in den 90er Jahren schon einmal 3. Vorsitzender, wurde ich in den mittleren 2000er Jahren 2. Vorsitzender, ehe ich 2009 zum 1. Vorsitzenden aufgerückt bin. Dieses Amt habe ich bis heute inne.“ Eine ausgeklügelte Entscheidungsstrategie war nicht erforderlich, um den Umworbenen erfolgreich zu bezirzen: „Irgendwie musste man mich damals vor den Wahlen nicht groß überreden, hatte mir der Verein doch während meiner aktiven Laufbahn viel gegeben. So konnte und kann ich ihm jetzt einiges mit meinem Vorsitz zurückzahlen. Vom Kicken kann und möchte er sich komplett nicht lossagen. Derzeit ist der Grandseigneur des Kalletaler Fußballs bei den Alten Herren noch aktiv. Diese ist bestehend aus den drei Vereinen Bentorf, Hohenhausen und Westorf.

 

Beruflich ambitioniert, privat vielseitig

 

Nicht nur bei seinem liebsten Hobby besticht Dirk Hecker mit reichlich Tatendrang und Engagement gleichermaßen. Seit exakt 42 Jahren arbeitet er bei der Firma Gebr. Brasseler in Lemgo. Nach einer Ausbildung als Industriemechaniker folgte eine Weiterbildung zum Industriemeister Metalle. Seit 1994 ist er mit der Leitung der Kostenstelle beauftragt, sitzt zudem im Prüfungsausschuss der IHK Detmold für Industriemeister. Auch privat lieferte er. Je zwei Töchter und Enkelkinder hat er. Wenn es die Temperaturen im Sommer zulassen, bevorzugt Dirk Hecker die rasante Fahrt und viel frische Luft, wahlweise mit den Motorrädern oder dem Cabrio. Oder er entspannt in seinem Wohnwagen an der Kieler Bucht. Wer rastet, der rostet, denkt sich der Endfünfziger, fährt wenigstens zweimal jährlich nach Österreich zum Skifahren. „Des Weiteren bin ich ein bekennendes FC Schalke 04-Mitglied und Fan, obwohl ich in diesen Monaten nichts zu lachen habe.“ Aktuell rangieren die Schalker Knappen als Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga, doch das Fan-Dasein ist wie eine gute Ehe. Man hält in guten wie in schlechten Zeiten zusammen. Trotzdem. Das lokale Treiben genießt allerhöchste Aufmerksamkeit, geht Hecker mit der Zeit: „Natürlich verfolge ich den lippischen Fußball. In der heutigen Zeit ist das ja einfach. Kurz nach den Spielen stehen schon alle relevanten Daten sofort online. Im Gegensatz zu früher, als man auf den Presseanruf wegen Ergebnissen warten musste, macht das Internet es sogar möglich, dass selbst kurz nach Spielende Torschützen, Aufstellungen oder rote Karten einzusehen sind.“ Vor allem die drei Seniorenteams der SG LTW sind in seiner Gunst ganz weit oben angesiedelt. Wenn es im Westorfer Waldstadion um Tore und Punkte geht, grillt der Vereins-Boss sogar noch selbst. Ein Comeback gibt es auch hier, wenn der unsichtbare Feind Corona vertrieben ist.

 

„Das Fußballsterben begann vor langer Zeit“

 

Extrem sorgenvoll hat er die aktuelle Situation vom lippischen Fußball im Blick. So befürchtet er, dass in einem Jahrzehnt im Kalletal nur noch „zwei große Spielgemeinschaften“ übrigbleiben. Es fühlt sich an, wie in einem Land vor unserer Zeit. Früher gab es einmal elf Erstvertretungen, heute nur noch ein wackeres Quartett, meist als Spielgemeinschaften unterwegs. „Einzig und allein Kalldorf ist noch eigenständig, aber nur mit einer Mannschaft. Im gesamten lippischen Raum nimmt dieses Phänomen zu. Nur die höherklassigen Vereine wie TBV Lemgo usw. haben noch Potenzial. Allerdings müssten solche Vereine mit ihren Einzugskreisen wesentlich höher spielen.“ Er denkt noch selig an die Zeit zurück, als der TBV Lemgo ein stolzer Verbandsligist war, die Westorfer diesem haushohen Favoriten einen leidenschaftlichen Pokal-Fight lieferten. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Hecker ist in der Epoche groß geworden, als nach jeder Laufrunde ein Kieselstein fallengelassen wurde. Wer sich ausmalen kann, wie viele Kieselsteine in zwei Hände passen, der weiß, wie hart die Konditionsbolzerei war. Vielleicht möchten sich junge Leute nicht mehr rigoros quälen, sind die Nachwuchssorgen derzeit kolossal. Hecker meint ein Stück weit konsterniert: „Wenn man bedenkt, dass ich in der letzten eigenen A-Jugend gespielt habe, die Westorf hatte. Danach kam die Jugendspielgemeinschaft mit dem TuS Talle, dann weiß man, dass das Fußballsterben schon vor langer Zeit begonnen hat. Erst war es ein schleichender Prozess, der bis heute immer schneller wird.“ Die Quantität, die fehlt, doch auch die Qualität lässt arg zu wünschen übrig, mangelt es an einer zielgerichteten fußballerischen Ausbildung. Nicht ungewöhnlich, dass wenig vorgebildete Väter eine Jugendmannschaft coachen. Pyramidenartig verringert sich die Anzahl an geeigneten Akteuren mit dem Alter. Andere Hobbys, Ausbildung oder auch Partnerschaften lassen mit der Zeit das Interesse am Fußball schwinden. Das hohe Maß an Identifikation, was vor der Jahrtausendwende identitätsstiftend für jeden Verein war, zerbröselt immer mehr. Viele Vereine haben Schwierigkeiten, Personen für den Spielbetrieb, ebenso die Vorstandsarbeit zu gewinnen.

 

„Einen Wechsel konnte ich Selcuk nicht antun“

 

Dirk Hecker genießt einen exzellenten Ruf in der Fußball-Szene. So stand sein Telefon oft nicht still, wenn es um die Besetzung eines neuen Trainerpostens ging. Einen anderen Verein als seine Westorfer zu coachen, stand für ihn nie zu Debatte. Für ein kurzes Zeitintervall von maximal sechs Monaten schlüpfte er in die Rolle als Feuerwehrmann für seinen Heimatverein. „Immer dann, wenn ein Trainer vorzeitig entlassen wurde, oder von sich aus die Brocken hingeschmissen hatte.“ Zudem leitete er zehn Jahre lang die eigene Reserve als Trainer an. Von 2005 bis 2010 war er zudem Assistenz-Coach der Erstvertretung. Treue besitzt für ihn eine gewichtige Bedeutung. Gewechselt ist er nie. Doch eines Tages hat er sich von der Germania aus Westorf abgemeldet. Bei Lippe-Kick erzählt er launig: „Ich war schon fast in der Bezirksklasse beim TSV Kirchheide, bis mir unser damaliger Geschäftsführer Friedel Rolf, er stand abends bei mir vor der Tür, vier Pässe von neuen Spielern und meinen alten Kumpel Selcuk Güler als Trainer präsentierte. Einen Wechsel konnte ich Selcuk natürlich nicht antun und er war vom Tisch. Mir fehlt das heute auch nicht, ich meine, dass ich nie gewechselt bin“, ist diese enge Verbundenheit für seinen Kultstatus im Dorf nicht unbedingt schädlich gewesen. Stichwort Verbundenheit zum Heimatort: Das große Fest, zum 100. Geburtstag des SV Germania Westorf, musste coronabedingt in diesem Jahr ausfallen. Im neuen Jahr wurde das Jubiläum vom 2. Juli bis zum 4. Juli terminiert. Im Festzelt auf dem Westorfer Sportplatz soll die große Fete stattfinden. Die Vereins-Macher sind fleißig, erarbeiten etwa derzeit eine rund 300-seitige Chronik. Hecker gibt zu bedenken: „Aber es ist trotzdem noch viel Arbeit vorhanden. Die Festzeitschrift ist zwar so gut wie fertig, aber die Sponsoren müssen alle noch einmal neu angesprochen werden“, was in der aktuellen Zeit wahrlich kein Freilos  mitsamt einer Vergnügungssteuer bedeutet.

 

„Ich bin extra im Anzug gekommen“

 

Dirk Hecker hat so einiges erlebt. Auf- und Abstiege pflastern seinen Weg als Kicker. Dazu gesellt sich der Triumph bei den Kalletal-Meisterschaften unter dem Hallendach. Wir schreiben das Jahr 2008, als es den Doppeltriumph der ersten und zweiten Mannschaft gab. Der „Knappe“ coachte damals die Reserve, wiederholte im folgenden Jahr dieses Husarenstück. Zu einem Serientäter mutierte der Fußball-Besessene mit dem Alt-Herren-Team aus Talle/Westorf, staubte er zwischen 2012 und 2015 viermal hintereinander den Kalletal-Pokal ab. Lippe-Kick möchte wissen, ob es weitere magische Momente gab, die ihm auf Anhieb einfallen. Wie aus der Pistole geschossen, liefert er schnurstracks die Antwort: „Zum Beispiel meine letzte offizielle Saison in der 1. Mannschaft, das letzte Spiel. Das war 2006. Ich bin extra im Anzug gekommen, was meine Mitspieler natürlich flachsend honorierten. Wir gewannen 4:1 und ich konnte mich in die Torschützenliste eintragen. 20 Minuten vor Schluss durfte ich vom Feld und zwei meiner Mitspieler kamen von hinter heran und trugen mich über die Linie“, fehlte wohl nur noch eine Sänfte, um diesen Rahmen noch feierlicher zu begehen. Hecker, der alte Schlingel, hat sich wieder etwas ausgeheckt, schildert durchaus anschaulich mit einem verschmitzten Grinsen im Antlitz: „Und einmal habe ich Ärger bekommen. Wir mussten gegen Almena in Westorf ran. Ein wichtiges Spiel um den Aufstieg. Aber an diesem Sonntag im Oktober 1989 wurde meine ältere Tochter getauft. Nach dem Essen in der Gastwirtschaft sagte ich zu meiner Frau, ich will einmal auf den Sportplatz und schauen, wie das Spiel läuft. Das war kurz vor 15.00 Uhr. Nach zwei Stunden war ich wieder zurück und meine Frau meinte, du hast aber lange geschaut. Sicher, sagte ich, es war so spannend.“ Der joviale Hecker juchzt: „Sie wusste ja nicht, dass meine Tasche längst am Sportplatz war. Am nächsten Tag stand dann in der Zeitung: „Dirk Hecker schießt das 4:1.“ Und so war der Ärger da.“ Dieses legendäre Anekdötchen sorgt trotz des exorbitanten Spaßfaktors dennoch für eine nachdenkliche Miene bei Hecker, auf die heutige Zeit anspielend. „So etwas würde heute kein Spieler mehr bringen. Die bleiben ja schon zu Hause, wenn irgendwo ein Hamster Geburtstag hat“, oder die Großmutter zum vierten Mal im Jahr ihren 80. Geburtstag zelebriert.

 

„Mit so einer Klatsche hatten wir nicht gerechnet“

 

Dirk Hecker betrachtete den Ball stets als seinen verlässlichen Kompagnon, den er liebevoll behandelte, was auch honoriert wurde. Etwa mit Nominierungen für die Ü32-Kalletal-Auswahl. Dort lieferte er sich intensive Duelle mit den Traditionsmannschaften vom FC Schalke 04, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Arminia Bielefeld oder dem Hamburger SV. Crème de la Crème der 70er, 80er und 90er Jahren gab sich ein Stelldichein im Kalletal. Ob Hans-Jörg Criens, Matthias Herget, Klaus „Tanne“ Fichtel oder Peter Nogly, alle waren sie da. 2006 kam es zum Aufeinandertreffen mit den Alt-Internationalen von Borussia Dortmund, die mit solchen Ausnahmekönnern wie Jürgen „Kobra“ Wegmann, Marcel Raducanu oder Lothar Sippel kamen. Nach einem 1:5 mussten die Stars bedröppelt die Heimreise antreten. „Damit hatten sie nicht gerechnet“, lacht Hecker beherzt. „An meiner Seite kämpften damals lippische Fußballgrößen wie Christian „Paule“ Arnold, Peter Tonn, Heiko Schmieding oder Christian Schmidt aus Lüdenhausen. Nach dem Spiel beim Plausch sagte mir Jürgen Wegmann: „Ich habe meine Truppe noch gewarnt, die Spieler der Auswahl sehen alle ziemlich fit aus. Aber mit so einer Klatsche hatten wir nicht gerechnet“, gibt Dirk Hecker via Lippe-Kick zu Protokoll. Gerade einmal dreieinhalb Jahre ist es her, als sich etwas Außergewöhnliches in Westorf zutrug. Hintergrund der Geschichte. Einige Nachwuchsteams von manchen Bundesligisten schlugen ihr Trainingslager in Nordlippe auf, trainierten im Waldstadion. „Mit Eintracht Braunschweig und seinem damaligen Trainer Sascha Eickel, heute Trainer der U19-Fohlenelf aus Gladbach, residierte der frisch gebackene U19-DFB-Pokalsieger in Westorf. Stolz präsentierten sie uns damals den DFB-Pokal. Mit dem ehemaligen Champions League-Kicker Martin Groth, mit Weltmeister Frank Mill und dem früheren DFB-Flitzer David Odonkor machte er ebenfalls auf dem Spielfeld Bekanntschaft. Zum Bild mit dem Vorbereiter des Siegtors für Oliver Neuville bei der Heim-WM 2006 gegen Polen sagt Dirk Hecker nun erklärend bei Lippe-Kick: „Das Foto entstand bei einem Einlage-Spiel gegen die Frank Mill-Fußballschule im August 2015 in Talle.“

 

„Wir schauten mit großen Augen zu Hollensteiner auf“

 

Erstaunliche 50 Jahre kickte Dirk Hecker, sah Trainer kommen und gehen. Der gesellige und kommunikationsfreudige Hecker entwickelte so einige Freundschaften zu seinen ehemaligen Übungsleitern. Speziell zum Ex-Coach der TSG Holzhausen/Sylbach, Horst Hollensteiner, war der Draht besonders eng. Der Respekt vor dem ehemaligen Verbandsliga-Kicker war groß, genoss er einen Ruf wie Donnerhall. Vor allem in den 70er und 80er Jahren stand der Name Hollensteiner für echte lippische Fußball-Kunst. Heute würde man sagen: Er war ein Unterschiedsspieler. Zu Taller-Bezirksligazeiten coachte er das dortige Team, ehe er erfolgreich nach Westorf gelockt werden konnte. Mit viel Respekt in seiner Stimme betont Dirk Hecker gegenüber Lippe-Kick: „Fünf Jahre war er dort mein Trainer. Wir Jugendlichen, damals frisch aus der A-Jugend zu den Senioren aufgerückt, schauten mit großen Augen zu diesem Spielertrainer auf, denn Horst war ein großer Motivator und ich habe mir sehr viel von ihm abgeschaut, was mich einfach als Fußballspieler weitergebracht und geprägt hat.“ Ob Hollensteiner noch unter uns weilt, kann Dirk Hecker nicht verifizieren, schätzt er ihn auf „um die 70. Aber“, macht er daraus kein Geheimnis, „ich würde mich sehr gerne noch einmal mit ihm unterhalten, über unsere gemeinsame Zeit und den heutigen Fußball.“ Weitere Trainer, die für ihn unvergessen sind, waren Übungsleiter wie der Höntruper Hartwig Tessnow, Axel Drechshage, der Kalletaler Ü32-Coach und Ex-Schalke-Kicker Wolfgang Schilling, Stefan Proksch, oder der oben bereits erwähnte Selcuk Güler. Der Vlothoer Achim Wojcik spielt ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle in seiner Gedächtniswelt. So ging Wojcik doch deshalb in die Geschichtsbücher ein, weil er der „letzte eigene Westorfer Trainer“ war, zugleich der erste Coach der 2009 neu ins Leben gerufenen Spielgemeinschaft Talle/Westorf. Ein ehemaliger Team-Lemgo-Auswahltrainer hat ihn ebenso in seinen Bann gezogen, plaudert er kurzweilig: „Mit Kai Gröchtenmeier verband mich auch sehr viel, habe ich ihn doch damals kontaktiert, ob er Trainer bei der SG machen wollte. Unter ihm habe ich auch mein allerletztes Spiel in der ersten Mannschaft bestritten. Ich darf es gar nicht sagen, ich war schon 52 Jahre alt, war aber immer noch im Training, somit ziemlich fit und wir hatten ein DFB-Pokal-Spiel gegen den TSV Schötmar aus der Bezirksliga. Kai gingen die Spieler wegen Verletzungen aus und als er mich fragte, habe ich sofort zugesagt“, hat Dirk Hecker den Fußball mit jeder Faser seines Körpers gelebt, geatmet, gespürt.

 

Allstar-Game in 2018

 

Welche Mitspieler haben ihn außergewöhnlich fasziniert? Wenn Hecker erzählt, wird es nicht langweilig, denn er hat so einiges erlebt, diese Zeit noch mehr genossen. „Mir sind viele Mitspieler in Erinnerung geblieben. Einige leben aber auch schon nicht mehr. So zum Beispiel Hansi Fuchs, unser eisenharter Verteidiger. Er ist viel zu früh an Krebs verstorben. Oder Frank „Harnisch“ Harnischmacher, einer der schnellsten Spieler, die ich kannte. Auch Größen wie der Winterberger Peter Kleint oder Klaus „Fluti“ Meier fallen mir ein. Mit meinen Kollegen aus den 90er-Jahren treffen wir uns noch jährlich und machen eine Mannschaftsfahrt. Wir nennen das heute immer noch so, auch wenn die Spieler heute überall woanders wohnen“, ist diese Zeit fest verankert. 2018 haben Andreas „Buddy“ Nitschke und Hecker ein Allstar-Team der letzten drei Jahrzehnte aufgestellt, dieses auf dem Westorfer Sportfest gegeneinander spielen lassen. Vor einer enormen Zuschauerkulisse gab es ein spektakuläres 4:4 zu bestaunen „und die Feier unterm Westorfer Festdach ging bis tief in die Nacht“, wurde hier nicht nur Apfelschorle konsumiert.

 

20 DM für ein Revanche-Foul

 

Einen kleinen Schwank in die glorreiche Vergangenheit unternimmt er, konkreter: Hinein in die wilden 90er-Jahre. Es erwies sich als ein Trugschluss, dass die Heimpartie in Westorf gegen einen Kalletaler Rivalen mit 2:1 gewonnen wurde. Es waren nur noch wenige Zeigerumdrehungen zu absolvieren, als der Gast einen Handelfmeter zugesprochen bekam, weil der Westorf-Libero, ja, damals gab es so etwas noch, in bester Torwartmanier auf der Tor-Linie klärte. Der folgende Versuch wurde über das Westorfer Gehäuse gedroschen. Kurios: „Ein Spieler hatte sich nun in die Statuten „eingelesen“ und festgestellt, dass der Schiedsrichter unserem Libero die rote Karte hätte zeigen müssen. Das Spiel wurde wiederholt und wir verloren 1:2. Das machte mich derart wütend, dass ich eine Prämie auf den Spieler von 20 D-Mark ausgesetzt habe, die derjenige bekommt, der ihm im Spiel die Haare kämmt. Denn dieser Spieler war immer gut frisiert. Zwei Jahre später war es so weit, wieder in Westorf, wurde dieser Spieler an der Außenlinie gefoult und ein Zuschauer holte die Haarbürste heraus und richtete wieder seine Frisur. Die 20 D-Mark habe ich dann brav abgedrückt. Mit dem besagten Spieler arbeite ich heute im Gemeinde-Sportverband Kalletal zusammen und wir lachen gemeinsam über diese Geschichte. Er hat sich damals immer gefragt, was das sollte, es ging auch durch die Presse, aber er musste 15 Jahre lang auf die Antwort warten“, kichert Hecker auch einige Zeit später immer noch über diesen von ihm finanzierten Racheakt. Nicht minder interessant: Einige Jahre zuvor, Ende der 80er Jahre, leitete Heckers Arbeitskollege eine Begegnung in Humfeld. „Er sagte schon bei der Passkontrolle: „Glaubt ja nicht, nur weil ich mit einem von euch zusammenarbeite, dass ich euch bevorteile.“ Was geschah? Hecker traf doppelt, doch der pfeifende Arbeitskollege verweigerte beiden Toren die Anerkennung. Dirk Hecker, zuweilen ein Emotions-Bolzen, räumt ein: „Das gab natürlich am Montag auf der Arbeit richtig Terz.“

 

 

 

 

 

 

 

Bild und Textquelle: Dirk Hecker privat, Lippische Wochenschau, Lippische Landeszeitung, Lippische Rundschau.

More in Was macht eigentlich...?

%d Bloggern gefällt das: