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Saison 2020/21

Der Mann mit Pfiff. Teil 5: Nils Hasse

Schweigen bedeutet Lob. Wenn über sie nicht berichtet wird, dann haben sie eine einwandfreie Leistung gezeigt. Lippe-Kick möchte in der neuen Serie den Spielleitern die Wertschätzung erweisen, die sie längst verdient haben. Klickt euch mal hinein.

 

Nils Hasse als Aufstiegsgarant

Der Mann mit Pfiff (hk). Von den Schiedsrichtern wird stets verlangt, dass sie fehlerfrei agieren. Perfektionismus pur. Manche Kreisliga-Spieler schießen mehr hoch als weit, lassen den Ball vom Schienbein weiter abprallen, als andere passen können. Doch die Spielleiter, die müssen ohne Fehl und Tadel agieren, so das Anspruchsdenken einiger. Man muss selbstbewusst sein, dazu ein hohes Maß an Souveränität und Fußball-Kompetenz besitzen, um in diesem Stahlbad seinen Mann zu stehen. Der Lügder Nils Hasse beweist dies stets auf eindrucksvolle Art und Weise. Von seinem Bruder Jonas einst inspiriert, startet er voll durch, hat sich zu einem der besten lippischen Schiedsrichter entwickelt. Im vergangenen Jahr feierte der 23-Jährige sein rundes, zehnjähriges Jubiläum als Referee. 2010 nahm er nämlich an seinem Premieren-Anwärterlehrgang teil. Hasse ist Nummer fünf in der neuen Serie bei Lippe-Kick, die den Namen trägt: „Der Mann mit Pfiff.“

 

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Von Henning Klefisch

 

Was bringt der ältere Bruder einem nur alles bei? In jungen Jahren bezieht sich dies auf das Konstruieren von Spielzeugwelten, was für viel Bewunderung in den Kinderaugen sorgt. Die Vorführeffekte werden mit dem Alter immer komplexer. Erst ist es das Buden bauen, dann FIFA-Zocken. Oder eben das Pfeifen beim Fußball. Bei Nils Hasse hat sein älterer Bruder Jonas ihn einst für die Spielleitung begeistert. Derzeit kickt Jonas Hasse beim lippischen Bezirksliga-Vertreter TuS WE Lügde, pfiff damals bereits überkreislich. Er war sogar auf dem Sprung Richtung Landesliga, den er allerdings knapp verpasste. „Ich war ab und zu bei seinen Spielen und fand das irgendwie cool, den Fußball auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.“ So war es der ehemalige Kreisschiedsrichter-Obmann Klaus Meier, der den jüngeren Hasse-Bruder überzeugte, sich beim Lehrgang anzumelden. Die Ernte wurde eingefahren. Mittlerweile leitet er sogar Partien in der Westfalen-Liga. Prominente Vorbilder aus der internationalen Referee-Gilde gibt es einige. So bezeichnet Hasse etwa Pierluigi Collina als eine „Legende.“ In der Neuzeit ist es der FIFA-Schiedsrichter Björn Kuipers, den er „cool“ findet. Seine Begründung: „Der hat immer eine super Kommunikation mit den Spielern und Trainern und pfeift immer konstant auf einem hohen Niveau.“ Um etwas zu übertreiben: Poster von Legenden mit Pfiff hat er nicht in seinem Schlafgemach hängen, will er schließlich seine eigenen Spuren setzen. „Grundsätzlich möchte ich aber keinen Schiedsrichter kopieren oder einem nachahmen. Ich habe meinen eigenen Stil und mit dem habe ich, glaube ich, bis jetzt ganz guten Erfolg.“

 

Gutes Verhältnis zu den lippischen Fußballern

 

Auf seinem Weg zu einem noch besseren Referee hat er so einige Höhenmeter genommen. Die beiden Finalrunden bei den lippischen Hallenmeisterschaften stehen für ihn weit oben in seiner Gunst, fanden diese doch auch in der gigantischen Phoenix Contact Arena statt. Das Westfalen-Liga-Spiel zwischen dem VfB Fichte Bielefeld und dem SC Peckeloh besitzt ebenfalls einen festen Platz in seiner Gedankenwelt. Bei Lippe-Kick gibt er unverhohlen zu: „Da war ich schon extrem aufgeregt vor dem Spiel.“ Auch nicht von schlechten Eltern war die Tatsache, dass er im vergangenen Jahr ein Testspiel zwischen den U19-Mannschaften vom Hamburger SV und dem FC Viktoria Köln pfeifen durfte. „Das hatte schon ein bisschen was von professionellem Fußball.“ Nils Hasse hat eine gewisse Vorliebe dafür entwickelt, möglichst schnell aufzusteigen. Seit fünf Jahren ist er im Herrenbereich. Gleich viermal stieg er seitdem auf. Es ging von der B-Liga hinauf bis in die Westfalen-Klasse. Er räumt ein: „Den Jahresvergleich in den Ligen selber habe ich also nicht mitbekommen. Ich kann nicht beurteilen, wie der Ton vor zehn Jahren in der Kreisliga B oder in der Kreisliga A im Vergleich zu heute war. Was ich aber sagen kann, je höher die Liga wurde, umso mehr ging es auch um Fußball. In der Kreisliga hatte ich ab und zu das Gefühl, dass es manchen Spielern oder Trainern gar nicht mehr ums Gewinnen oder um das Spiel an sich geht, sondern mehr darum geht, auch mal seinen ganzen Frust ablassen zu können“, sollte vielleicht der eine oder andere zukünftig vielleicht etwas tiefer durchatmen, bevor der Gefühls-Vulkan Lava spuckt. Trotzdem. Mit den Protagonisten im lippischen Fußball kommt er in Summe sehr gut zurecht, ist bei ihm die Vorfreude enorm, wenn er eine Partie mit lippischer Beteiligung pfeifen darf. „Vom Eindruck her ist es auch so, dass viele Leute sich ebenfalls freuen, wenn sie mich auf dem Sportplatz bei ihnen sehen. Ich hoffe, das ist kein falscher Eindruck von mir“, schallt es aus dem Wald heraus, so wie man hineinschreit.

 

Mehr Verständnis füreinander

 

Wie bereits im Lippe-Kick-Intro angedeutet, wäre es gewiss das Beste, wenn über die Spielleiter der Mantel des Schweigens gehüllt wird. Immerhin, so wirft Nils Hasse völlig treffend ein, gehe doch niemand am Sonntag zum Fußball, um sich den Schiedsrichter zu begutachten. „Ich kann es auch gut verstehen, wenn man sich aufgrund einer strittigen Entscheidung, besonders, wenn diese wichtig ist, mal aufregt. Aber Schiedsrichter sind ja nicht dazu da, um populär zu sein. Wir sind dazu da, um darauf zu achten, dass die Regeln eingehalten werden und die Mannschaften ein Spiel fair austragen können. Dabei treffen wir viele Entscheidungen pro Spiel und manche dieser Entscheidungen sind halt unpopulär“, stellt er gegenüber Lippe-Kick klar. Sein Wunsch ist präzise ausformuliert: „Ich würde mir wünschen, dass sich einige diese Erkenntnis mal durch den Kopf gehen lassen und dann vielleicht mit einem noch größeren Respekt gegenüber uns sich verhalten.“ Kein Referee macht mit Absicht etwas falsch. Folglich ergänzt Hasse via Lippe-Kick: „Fehlentscheidungen gehören zum Schiedsrichter, wie der Fehlpass zum Spieler oder die falsche Aufstellung zum Trainer. Fehler sind menschlich und machen uns aus“, erhofft er sich künftig einen Denkanstoß für die stetig meckernden Trainer, Fans und Spieler.

 

Samstags werden die Elite-Schiedsrichter inspiziert

 

Das Schiedsrichterwesen beansprucht einen gehörigen Anteil von Hasses Zeit. Am Montag erhält er die Ansetzung für sein Spiel am Sonntag. Viel Überraschungspotenzial bietet sich hier für ihn: „Das ist immer sehr spannend, weil man nie weiß, was kommt. Mannschaften haben die Motivation, Spiele zu gewinnen. Ich habe die Motivation, am besten jeden Sonntag ein geiles Spiel in der Westfalen-Liga zu pfeifen.“ Immerhin wächst doch auch der Referee mit den Aufgaben. Werktags trainiert er vier- bis fünfmal, ist eine körperliche Fitness für Schiedsrichter doch außerordentlich wichtig. „Ich habe für mich den Anspruch, mindestens genauso fit zu sein, wie ein Spieler in der jeweiligen Liga.“ Wenn er seine Tätigkeit als Finanzbeamter im Finanzamt Detmold akkurat beendet hat, dann stählt er seinen Körper, um für die Spielleitung gut in Schuss zu sein. Den Samstag hält er sich komplett frei. Der Grund ist einfach. Schontag vor dem Sonntag. Zudem möchte er mit aller Akribie die Spielleitung der deutschen Elite-Schiedsrichter beobachten, daraus lernen. Den Samstag nutzt er ebenfalls noch dazu, um das Tabellenranking der involvierten Teams etwas genauer zu prüfen. „Daran sieht man, wer auf dem Papier Favorit des Spiels ist. Auch welche Mannschaft eventuell besonders unter Druck steht. Ich gucke nach, ob bei den letzten Begegnungen der beiden Mannschaften Probleme oder Besonderheiten aufgetreten sind. Also haben die Mannschaften eine Vorgeschichte.“ Auch nicht gänzlich zu missachten, ist das Studium der Fairnesstabelle, will er dieser allerdings nicht zu viel Wertigkeit schenken. „Derbys müssen nicht immer wild und hektisch sein. Andersrum hatte ich mal ein Spiel in der Bezirksliga am letzten Spieltag, Vierter gegen Fünfter. Es ging um nichts mehr und dann zack: 4:3, zwei rote Karten und acht gelbe Karten.“ Diese Partie entwickelte sich zu einem wahren Kartenfestival.

 

Hasse erklärt den ganzen Spieltag

 

Nachdem noch am Vortag zusammen mit dem Assistenten-Duo die organisatorisch ansprechende Anreise geplant wird, um Stress am Matchday zu vermeiden, ist ausreichend Schlaf eine gute Basis, um fit in den nächsten, so wichtigen Tag zu gehen. Wie läuft ein gewöhnlicher Spieltag für Nils Hasse so ab? „Ich stehe schon um 7:30 Uhr auf. Ausschlafen kann ich nicht wirklich, weil ich den Tag genau planen muss. Wenn um 15.00 Uhr irgendwo im Ruhrgebiet Anstoß ist, dann müssen wir oft zwischen 11.00 Uhr und 12.00 Uhr losfahren. Bedeutet: Mittagessen muss auf 11.00 Uhr fallen.
Daher 7:30 Uhr aufstehen, frühstücken, Tasche packen, 11.00 Uhr Mittag essen.
Dann losfahren zum Spiel. Ankunft, wenn kein Stau, ist eine gute Stunde vor dem Anpfiff.
Am Platz angekommen, muss man sich meistens nicht erkenntlich zeigen. Irgendwie erkennen uns die Leute als Schiedsrichter immer recht schnell.
Dann müssen wir die Trikotfarben erfragen und festlegen, welche Farbe wir dann anziehen. Oft bekommen wir dann noch einen Kaffee, und wenn es richtig gut läuft, noch ein Stück Kuchen.
Anschließend umziehen und ab zum Aufwärmen. Mein Aufwärmprogramm ist bei meinen Assistenten gefürchtet, weil es angeblich recht intensiv sein soll. Frag mal bei Michael Joyce nach (schmunzelnd).
Nach dem Aufwärmen Trikots an, ausrüsten und ab zum Einlauf. Nach dem Einlauf, Seitenwahl und Anpfiff. Auf meiner Uhr, die auch Puls misst, habe ich beim Anpfiff immer mindestens 170 Puls. Ich stehe dann unter Adrenalin und bin voll da.
Nach dem Spiel machen wir einen Spielbericht und anschließend das Coaching-Gespräch mit dem Schiedsrichter-Verbandsbeobachter. Es folgt das Duschen und Essen beim Heimverein.
Abschließend den ganzen Weg wieder nach Hause, bis man abends oft spät zwischen 19.00 Uhr und 20.00 Uhr nach Hause kommt.“

 

Man erkennt es schnell: Die Schiedsrichterei ist für Nils Hasse eine große Leidenschaft.

 

 

Bildquelle: Nils Hasse.

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