Connect with us

Abseits vom Platz

Abseits vom Platz – Teil 3: Die Phillips-Brüder und ihre Arminia

Der größte und bedeutendste Fußball-Verein in Ostwestfalen-Lippe ist und bleibt Arminia Bielefeld. In Lippe gibt es so einige DSC-Fans. Wie auch die Phillips-Brothers. Bodo Phillips erzählt von dieser Leidenschaft, die auch Leiden schafft.

 

Ewige Treue für die Arminia

Abseits vom Platz (hk). Jeder Fußball-Fan hat wohl schon einmal das Buch „Fever Pitch“ von Nick Hornby konsumiert. Zumindest davon gehört. Ein wahrlich bedeutungsschwerer Satz aus diesem Buch, der große Gültigkeit besitzt, ist: „Du suchst Dir nicht Deinen Verein aus, sondern Dein Verein sucht sich Dich aus.“ Wie auch im Fall von den Phillips-Brüdern, die ihr Herz an den DSC Arminia Bielefeld verloren haben. Der Autor dieser Zeilen ist als leidenschaftlicher 1. FC Köln-Anhänger Kummer gewohnt, auch das Phillips-Quartett musste 2011 und 2014 sogar den Abstieg in die Drittklassigkeit verkraften. Den aktuellen 15. Tabellenplatz würden sie, der älteste Bruder Tony (41 Jahre alt), die Zwillinge Christian und David (beide 38) und Bodo (32), deshalb blind unterschreiben.

 

Schaut und bestellt gerne und bitte beim:

 

 

 

Von Henning Klefisch

 

Bodo Phillips schwamm als Kind gerne gegen den Strom. Er widersetzte sich strikt dem allgemeinen Trend, erzählt freimütig im Lippe-Kick-Talk: „Seitdem ich denken kann, bin ich Arminia Bielefeld-Fan. Alle anderen Kinder liefen damals mit Bayern- oder Dortmund-Trikots auf. Ich selbst war immer im Dress des DSC auf dem Platz zu finden.“ Warum das denn? „Begeistert hat mich die Arminia selbst.“ Die Phillips sind keine normalen Fußball-Fans. Niemals. Damit würde man ihnen nicht gerecht werden. Sie sind wahre Hardcore-Anhänger, die 24/7 die Arminia in ihrem Herzen tragen. Bodo Phillips, derzeit Coach des Lemgoer C1-Ligisten RSV Schwelentrup, scherzt mit ein wenig Pathos in seiner Stimme: „Die Alm ist wie ein zweites Wohnzimmer.“ Einen ganz besonderen Platz nimmt der 3:1-Heimsieg  aus dem Februar 2005 gegen den damals schon scheinbar übermächtigen FC Bayern München in seiner Gedankenwelt für ihn ein. Mit Freudentränen in den Augen schwärmt der 32-Jährige vom „Schnee-Spiel“, was mittlerweile mehr als eineinhalb Jahrzehnte zurückliegt. Am Ende der Spielzeit 2004/05 rangierte Arminia Bielefeld an Position 13, während die Münchener mit gewaltigen 14 Punkten Vorsprung vor dem FC Schalke 04 Meister wurden.

 

„Für mich der schwärzeste Besuch im zweiten Wohnzimmer“

 

Um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga ging es vor knapp sieben Jahren. Im Mai 2014 gelang dem DSC ein 3:2-Sieg bei Dynamo Dresden. Die Folge: Der sächsische Traditionsverein musste in diesem Endspiel um den Ligaverbleib in die Röhre gucken, stieg ab. Bodo blickt zurück: „Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Auswärtstour nach Dresden. Es war die Entscheidung über Abstieg oder Relegation. Unsere Busse wurden aus Sicherheitsgründen von der Polizei rund 100 Kilometer vor dem Stadion begleitet. In Dresden selbst konnten nur noch unsere Busse fahren, denn die Polizei stand Stoßstange an Stoßstange bis zum Stadion. Es ging also für beide Teams gegen den Abstieg in die dritte Liga, wir führten und die Fans von Dynamo wurden unruhig und tickten aus, sie warfen Böller und Raketen in unseren Block und wollten ihn stürmen.“ Die Partie wurde unterbrochen, es drohte sogar ein Spielabbruch. Geduld und Gelassenheit waren in diesem Hexenkessel ein wichtiger Ratgeber. „Wir mussten Stunden im Block warten, bis wir in die Busse durften, da die Dynamos weitere Aktionen starteten“, während Arminia sich in die Relegation rettete. Nach zwei dramatischen Spielen gegen den SV Darmstadt 98 folgte durch einen Gegentreffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit in der Verlängerung der Niedergang in die 3. Liga. Elton da Costa war per Weitschuss für die Lilien erfolgreich und schickte die Leineweberstädter in ein Tal der Tränen. Dabei gewannen die Bielefelder das Hinspiel in Darmstadt noch mit 3:1. Der Himmel hing voller Geigen, die Arminen waren zuversichtlich. Nach dem Last-Minute 2:4 im zweiten Entscheidungsspiel folgte der Abstieg. „Das Rückspiel war eine Achterbahn der Gefühle. Wir verloren es in der Nachspielzeit und sind somit abgestiegen. Auf den Rängen konnte man nur leere Gesichter sehen. Es war für mich der schwärzeste Besuch im zweiten Wohnzimmer“, ist das für ihn zugleich eine absolute Charakterschulung gewesen.

 

„Kämpfen und siegen, Arminia“

 

Fußballfans sind Gewohnheitstiere, andere würden sagen, sie sind Traditionalisten, vielleicht sogar Romantiker. So auch die Phillips-Brüder, die an jedem Match-Day ihre Arminia-Flagge im Garten hissen, sich das Trikot überstreifen und den Schal umlegen. Ohne Corona wird dem Herzensverein hinterher gereist. Mit Corona dient das heimische Sofa als Place to be zum Mitfiebern. Die Hymne wird dennoch voller Inbrunst und im Brustton der Überzeugung geschmettert. Ehrensache. Ebenso wird der DSC-Schal stolz in die Luft gereckt. Treue ist eine weitere wichtige Eigenschaft, die erforderlich ist als Bielefeld-Anhänger. „Wir Fans sind Leiden gewohnt und halten immer zu unserer Arminia, egal was kommt, egal in welcher Liga, wir sind da und singen unsere Lieder”, hat Bodo Phillips aus der kalten Hose heraus einfach mal einen reimenden Freestlye hingelegt. Dass es als Aufsteiger, der nach elfjähriger Abstinenz in den erlauchten Kreis der 18 Erstligisten zurückgekehrt ist, nur um den Klassenerhalt geht, ist nachvollziehbar. Ebenso, dass die wirtschaftlich der Konkurrenz hinterherhinkende Arminia vor allem die Unterstützung der leidenschaftlichen Fans benötigt. Die innere Qual verhehlt Bodo Phillips nicht: „Wir sind endlich wieder im Fußball-Oberhaus und schauen es vom TV aus. Das ist natürlich sehr schmerzhaft und bitter. Deshalb dürfen wir nicht direkt wieder in die zweite Liga. Daher heißt es, kämpfen und siegen, Arminia. Gemeinsam für den Klassenerhalt.“

Werbegruppe OWL Sport

More in Abseits vom Platz