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Kreisliga B2 Lemgo

TuS RW Grastrup/Retzen – Konstant strebsam

Für den Turn- und Sportverein aus Grastrup/Retzen ist weiterhin alles möglich. Doch die Punktverluste nerven, was auch Spielführer Johann Warkentin kritisch anmerkt.

„Der Aufstieg muss für uns immer das Ziel sein“

 

Kreisliga B2 Lemgo (hk). „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis“, so lautet ein altbekanntes und hier passendes Sprichwort für einige Fußballer. Bei Lippe-Kick erlebt man so einiges Ungewöhnliches. Einer meckerte vorwurfsvoll wie barsch nach einem unliebsamen Bericht: „Und dafür zahle ich Steuern!“ Ein anderer rechnete mir vor, dass unsere Anfertigung vom Text die gleiche Dauer wie seine Lesezeit beanspruchen würde. Weil er ein unglaublicher Gutmensch ist, gestattete er mir noch fünf Extraminuten für das Checken und Einstellen des Berichtes. Man verrät nicht zu viel Interna aus der Firma, wenn man klarstellt, dass beide Wutbürger hier durchaus eine falsche Fährte Richtung Wahrheitsfindung eingeschlagen haben. Beim TuS RW Grastrup/Retzen gestaltet sich das Konglomerat deutlich angenehmer. Das Verhältnis ist intakt, das Verständnis füreinander vorhanden. Hilfreich, dass mit Selbstkritik nicht gespart wird. Wie es etwa auch der meinungsstarke Kapitän Johann Warkentin tut, der unverhohlen anprangert: „Die Saison ist für uns bisher durchwachsen verlaufen.“

 

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Von Henning Klefisch

 

Warkentin (Bild links) ist keiner, der aus der kalten Hose heraus solch eine Aussage tätigt. Nein, das Zahlenwerk bestätigt ihn. Die Vorbereitung apostrophiert er als „katastrophal.“ Was der Mittelfeldantreiber meint: Sieben teilweise sogar heftige Klatschen erlitten die Rot-Weißen. Die chronologische Abfolge im Detail: BSV Müssen (1:13), TuS Leopoldshöhe (1:6), SG Lüdenhausen/Talle/Westorf (3:4), FC Augustdorf II (2:7), TV Elverdissen II (1:2), SuS Pivitsheide (1:4) und TuS Einigkeit Hillegossen II (2:3). Sämtliche Generalproben wurden eindrucksvoll in den Sand gesetzt. Der Tanker an Selbstvertrauen wurde somit also nicht angereichert. Doch als es ernst wurde, da klappte es. Beim A-Ligisten SG Leese/Hörstmar/Lieme gelang ein 2:1-Kreispokal-Erfolg. Die stimmungsförderlichen LHL-Wochen erfuhren in der Liga eine Fortführung, als sogar mit 3:0 zum Auftakt bei der Reserve triumphiert wurde. Warkentin strengt seine grauen Gehirnzellen an, fördert rhetorisch zutage: „Die Leeser sind als klarer Favorit in die Partie gegangen. In dem Spiel haben wir dann aber das Ruder herumgerissen, es hat jeder für den anderen gekämpft und geackert. Das ist auch das Spiel, welches mir in der Hinserie am ehesten im Gedächtnis geblieben ist, da wir die enge und kampfbetonte Partie im Kollektiv vom ersten bis zum letzten Mann für uns erkämpft und dann auch verdient gewonnen haben.“

 

Massive Verletzungsnot erschwert das eigene Tun

 

In der Meisterschaft wurden zahlreiche Glücksgefühle produziert. Bis zum 8. Spieltag blieben die Rot-Weißen unbesiegt, ehe der TuS Bexterhagen II mit einem 4:3-Erfolg diese tolle Serie stoppte. Aktuell rangieren sie nach besagter Nullrunde und zwei Remis gegen die Reserven aus Leopoldshöhe und Lipperreihe an dritter Position, dies bei einem Rückstand von sieben Punkten auf den Klassenstreber TSV Schötmar. Der Anspruch ist ein anderer für das Team von Chefcoach Sebastian Brosch. Warkentin mahnt: „Wir sind nicht zufrieden. Wir spielen mit unserem doch starken Kader zu oft unter unseren Möglichkeiten.“ Ein Grund für das suboptimale Ausschöpfen der vollen Leistungsfähigkeit ist die kolossale Verletzungsnot, fielen doch wesentliche Säulen aus. Selbst der naturgemäß unverwüstliche Assistenzcoach Salvatore Völkel (Bild rechts) ist nach seiner Operation noch nicht auf dem alten Leistungslevel angelangt. Auch weitere Leader hatten mit Malaisen zu kämpfen. Direkt zum Vorbereitungsstart in Müssen riss sich etwa Nico Bösener das Kreuzband. Im Pokalspiel hat sich der Maestro und zentrale Taktgeber Patrick Haas gravierend verletzt. Neuverpflichtung Sascha Krencky, der ein hohes Maß an fußballerischer Qualität verspricht, riss sich sein Kreuzband an, weshalb er sein vorhandenes Können noch gar nicht demonstrieren durfte. Mit dem Abwehr-Gladiator Bastian Voelzke verpasste ein Anführer drei Partien notgedrungen. Warkentin schlussfolgert: „So trägt auch die personelle Situation zu unseren mageren Auftritten bei, die mit der vollen Besetzung anders verlaufen wären“, möchte man diese These keineswegs in Abrede stellen. Da ist es eine feine Geschichte, dass Sascha Döller (Bild links) weiterhin der absolute Knaller ist. 15 Tore erzielte der niemals alternde Alt-Internationale, der mit einem Torjäger-Gen auf die Welt kam.

 

 

„Es gibt noch deutliches Steigerungspotenzial“

 

 

In Grastrup/Retzen besteht keine mentale Gefährdung durch eine soziale Isolation. Neuankömmlinge sind vom Sportverein hervorragend aufgenommen worden. Dazu trägt sicherlich auch der Gesangsabend bei, mussten die Neuen doch beim ersten Mannschaftsabend ihre stimmlichen Fähigkeiten vor Publikum demonstrieren. Der Kapitän legt den Finger offenkundig in die Wunde: „Da gibt es beim einen oder anderen noch deutliches Steigerungspotential“, waren doch einige Töne interessant, aber vor allem schief. Mehr Bedeutung nimmt da schon die taktische Disziplin ein, agieren die Brosch-Boys im 4-2-3-1-System, sind aber taktisch flexibel, weshalb in den Übungseinheiten auch andere Formationen Anwendung fanden. Vor allem gegen massierte Abwehrreihen bietet sich vielleicht eine Dreierkette im Abwehrverbund an, um somit mehr Offensivkräfte auswählen zu können, ebenso das Spiel über die Außenbahn zu intensivieren. Die Frage darf erlaubt sein, wer in diesem Jahr die rot-schwarzen Panther vom TSV Schötmar in Verlegenheit bringen soll. Hin und wieder wackelte der Klassenbeste verdächtig, doch fiel nicht, gewann sämtliche neun Saisonspiele, diese in meist beeindruckender Art und Weise. Danach aber, so Warkentin, gäbe es eine „ausgewogene Liga“, in der Überraschungen immer möglich sind. Besonders große Adrenalinschübe werden in den Spielen gegen zwei Kontrahenten ausgeschüttet. Die regionale Nähe, aber auch legendäre Matches sind dafür ursächlich. „Die Aufeinandertreffen mit Schötmar und Entrup sind für uns traditionell immer besonders hitzig, weil es meist enge und kampfbetonte Spiele sind. Wichtig ist, dass man sich nach dem Abpfiff noch die Hand reichen kann“, betont Johann Warkentin versöhnlich im Lippe-Kick Gespräch.

 

„Wer weiß, was passiert wäre…“

 

Wer rastet, der rostet, das denken sich auch die rot-weißen Kicker, die mit Blick auf die erneute Zwangspause mit der Order betraut wurden, „sich mit Laufeinheiten und Kräftigungsübungen fit zu halten und den Körper in eine ordentliche Verfassung für einen eventuellen Wiedereinstieg zu bringen”, offenbart Warkentin via Lippe-Kick. Wann wieder gekickt werden kann, steht derzeit noch gänzlich in den Sternen. Aus den Punktverlusten die richtigen Schlüsse zu ziehen, mit mehr Wachsamkeit und Konsequenz in den entscheidenden Spielfeldzonen zu performen, das sollte nach dem Re-Start praktiziert werden. Warkentin verspürt große Lust auf das Kreisliga-Oberhaus, formuliert dieses Verlangen klar und deutlich: „Der Aufstieg muss für Grastrup/Retzen immer das Ziel sein und wäre sowohl für uns als Verein als auch für unser ganzes Dorf die wohl geilste Sache seit Jahren. Wir waren letzte Saison nah dran. Wer weiß, was passiert wäre, wäre die Saison nicht abgebrochen worden?“, stellt er sich die Frage. Seit 2010 spielt Grastrup/Retzen in der B2 Lemge, war davor fünf Spielzeiten im Lemgoer Kreisoberhaus verortet (siehe: https://www.lippe-kick.de/mannschaft/tus-rw-grastrup-retzen/). Das große Ganze passt beim TuS RW Grastrup/Retzen. Die Infrastruktur ist hervorragend, das Sponsoring wuppt in Anbetracht der schwierigen Corona-Situation außergewöhnlich gut. Sprachrohr Warkentin zeigt sich dankbar für so viel Tatendurst: „Dafür gehört hier an der Stelle den ehrenamtlich tätigen Verantwortlichen, die „so nebenbei“ 36 neue Bandenpartner während der Pandemie akquiriert haben, ein ganz dickes Lob und an der Stelle auch ein großes Dankeschön von uns.“ Der Lokalfußball ist nämlich ohne die Unterstützung durch regionale Firmen nicht möglich.

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