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Schiedsrichter

Der Mann mit Pfiff. Teil 6: Meik Gronemeier

Schweigen bedeutet Lob. Wenn über sie nicht berichtet wird, dann haben sie eine einwandfreie Leistung gezeigt. Lippe-Kick möchte in der neuen Serie den Spielleitern die Wertschätzung erweisen, die sie längst verdient haben. Klickt euch mal hinein.

„Ich kann mit Kritik gut umgehen.“

 

Der Mann mit Pfiff (hk). Von den Schiedsrichtern wird stets verlangt, dass sie fehlerfrei agieren. Perfektionismus pur. Manche Kreisliga-Spieler schießen mehr hoch als weit, lassen den Ball vom Schienbein weiter abprallen, als andere passen können. Doch die Spielleiter, die müssen ohne Fehl und Tadel agieren, so das Anspruchsdenken einiger. Man muss selbstbewusst sein, dazu ein hohes Maß an Souveränität und Fußball-Kompetenz besitzen, um in diesem Stahlbad seinen Mann zu stehen. Für Schiedsrichter Meik Gronemeier ist der Fußball mehr als nur ein schnödes Hobby. Er ist für ihn Lebenselixier pur, ist der 49-Jährige doch das Schweizer Taschenmesser bei seinem Heimatverein SV Werl-Aspe. Eben multifunktional. Gronemeier nicht als fußballvernarrt zu bezeichnen, wäre genauso utopisch, als wenn ein Bauingenieur-Student Lippe-Kick erzählen würde, wie man Journalismus betreiben sollte. Oder wenn der Münchener Moraltheologe Uli Hoeneß seine Expertise zum Thema Steuerethik bei Großverdienern postuliert. Oder Donald Trump würde dozieren, wie Benehmen geht. Kommt mit. Gronemeier ist Nummer sechs in der neuen Serie bei Lippe-Kick, die den Namen trägt: „Der Mann mit Pfiff.“

 

Bestellt und unterstützt somit die lippische Gastronomie:

 

 

 

 

Von Henning Klefisch

 

 

Die pure Routine verkörpert der Tausendsassa Gronemeier. Mit seinem fast halben Jahrhundert Lebenserfahrung zählt er zu den älteren Semestern in der lippischen Schiedsrichterzunft. Was einige vielleicht erstaunt: Seit nicht einmal vier Jahren hat er den Schiedsrichterschein in der Tasche. Wie die Jungfrau zum Kind kam der Ur-Asper gottlob nicht zur Pfeiferei. Bereits als Jugendcoach und als Betreuer nahm er pflichtgemäß und spontan die Rolle als leitender Angestellter ein, wenn mal wieder kein Referee verfügbar war. Ja, Gronemeier schaut über den Tellerrand hinaus, ist einfach ein guter Typ, einer, dem man gerne sein Geld anvertraut. Aber dazu später mehr. Er respektiert seinen Gegenüber, schaut einem in Auge, lässt einen ausreden. Das Knigge-Buch beherzigt er mit jeder Faser seines Körpers. Davon kann gewiss auch sein Bank-Kollege Rene Husing ein Liedchen trällern. Ein nicht minder fußballverrückter Zeitgenosse, dessen Vater, Herr Bergmann, ein großer Hörstmar/Lieme-Fan ist. Man muss keine kreative Ader in sich haben, um zu erahnen, dass zwischen Gronemeier und Husing des Öfteren das Thema Lokalfußball angeschnitten wird. Lippe-Kick wurde beim Besuch der Volksbank in Schötmar leibhaftig Zeuge, wie beide mit strahlenden Augen die neuesten Entwicklungen im lippischen Fußball kommentierten. Husing ist nur ein konkretes Beispiel für viele Wegbegleiter, die die Verbindlichkeit, die Expertise, die Fußballleidenschaft von Meik Gronemeier bezeugen, wenn nötig sogar beeidigen können.

 

 

Gronemeier schont die Vereinskasse

 

 

Meik Gronemeier gilt als Urgestein und Visionär zugleich beim SV Werl-Aspe, der trotzdem nicht das Wesentliche, das Entscheidende, aus den Augen verliert. Als Fänger, da machte er schon als kleiner Steppke von sich reden, galt durchaus als eine Koryphäe zwischen den Pfosten. Von der ersten bis zur vierten Mannschaft, von der C – bis in die A-Klasse. Das Torwart-Ass wandelte auf der Linie, zwischen den Teams und den Ligen. Plötzlich kam der Alptraum. Der Verletzungsteufel fuhr ihm mit aller Brutalität in die Parade. Gleich drei Kreuzbandrisse beförderten ihn in eine mehrjährige Zuschauerrolle. Die Torwarthandschuhe musste er notgedrungen an den Nagel hängen. „Dadurch lag mein Schwerpunkt eher auf Betreuer- und Trainerjobs in unserer Jugendabteilung“, veranschaulicht Meik Gronemeier gegenüber Lippe-Kick. So gänzlich hat er sich vom Kick mit dem Objekt der Begierde allerdings nicht losgerissen. Ohne Corona besticht er inmitten der Werl-Asper Altherren-Mannschaft mit seinen technischen Kabinettstücken. Entweder auf dem Heerser Bruch oder in der Soccer-Arena in Bad Salzuflen. Gronemeier gilt qua seiner Banker-Tätigkeit als Mann der Zahlen, der von inneren Schmerzen gepeinigt wird, wenn unnötige Ausgaben Richtung Kreiskasse geblecht werden müssen. So wurden seine Schwarz-Weißen zu häufig zur Kasse gebeten, da der Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt wurde. Gronemeier und ein Leben so ganz ohne Amateurfußball? Nein, das passte ihm ganz und gar nicht in die Tüte. Als er dem Vorstandsposten Adieu sagte, drängte es ihn auf das Spielfeld. Vielleicht wieder im Senioren-Trainer- oder Betreuer-Sektor aktiv werden? Nö, denn es mangelte am Lustfaktor. Seine nachvollziehbare Erklärung: „Während unseres Projektes, dauerhaft eine dritte Mannschaft zu stellen, habe ich in puncto Eigenmotivation der Kicker enttäuschende Erfahrungen gemacht.“ Weiterhin sollte seine Rolle von einer wichtigen Bedeutung besetzt werden, widerstrebte es ihm allerdings, die Sheriff-Rolle zu übernehmen, aufzupassen, dass am Sonntag zumindest elf Spieler auf dem Platz erscheinen.

 

 

„Lege nicht jede Aussage auf die Goldwaage“

 

So schlüpfte er eben in das Schiedsrichter-Gewand. Gronemeier reflektiert, analysiert, urteilt dann. Eine sinnvolle Rangordnung als Referee, wenn es darum geht, mit den eigenen Entscheidungen angemessen umzugehen. Er ist keiner, der sich nachts im Bett von der einen auf die andere Seite wälzt, weil er seelisch von der Spielleitung malträtiert wird. Gronemeier blickt zurück, durchaus selbstkritisch, doch kann auch schnell vergessen. Er ruht in sich selbst, besitzt das erforderliche Selbstbewusstsein, um auch knifflige Situationen zu umschiffen. Der passionierte, aktuell exorbitant leidende FC Schalke 04-Anhänger hat durch sein Fandasein seinen Charakter weiter gefestigt. Treue – in guten wie in schlechten Zeiten. Er ist keiner dieser Erfolgsfans, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen, eine europäische Super-League sehnsüchtig erwarten. Gronemeier ist ein echter Schalker “Knappe”, vom Scheitel bis zur Sohle. Er würde seinen Blau-Weißen auch die Ehre erweisen, wenn sie eines Tages in der Regionalliga West gegen den FC Wegberg-Beeck, VfB Homberg oder den SC Wiedenbrück um Punkte und Tore kämpfen würden. Zurück zur Schiedsrichterei. Meik Gronemeier kennt natürlich das Spiel auf beiden Seiten, weshalb seine Einfühlungskompetenz besonders weit fortgeschritten ist. Er kann sich sehr gut in die verschiedenen Rollen von einem Fußballspiel hineinversetzen. „Ich weiß ja, wie ich mich an der Seitenlinie aufführe, wenn mein Team spielt. Daher kann ich mit Kritik und den Reaktionen auf und neben dem Platz ganz gut umgehen.“ Fußball ist kein Schach. Natürlich sind Gefühlsexplosionen ein ganz wesentlicher Bestandteil von dieser für viele schönsten Nebensache der Welt. „Wir wünschen uns doch alle emotionale Spieler und Spiele. Deshalb lege ich nicht jede Aktion oder Aussage der Beteiligten auf die Goldwaage, kann auch mal weghören. Entscheidend ist dabei natürlich die Wortwahl. Da ist für Beleidigungen, egal gegen wen, keine Toleranz möglich“, sollte kein gravierender Ausbruch aus der Kinderstube geschehen. Meik Gronemeier verdeutlicht: „Wir alle lieben das Spiel. Und noch mehr Spaß macht es doch, wenn ein Fußballspiel spannend und vielleicht sogar hitzig ist. Der Ton muss anständig bleiben“, macht dieser doch eben bekanntlich meistens die Musik. Nachher, möge es vorher noch so leidenschaftlich hergegangen sein, gemeinsam ein kühles Blondes zu vernaschen, das Spiel Revue passieren lassen, dafür würde er ein anständiges Like geben. „Das ist für mich der Reiz des Fußballs in unseren unteren Ligen. Es ist ja unser Hobby und nur ein Spiel.“

 

 

 

 

Pudelwohl im Schiedsrichter-Team

 

 

Das Ehrenamt kommt oft deutlich zu kurz, wenn einem finanziell das Wasser bis zum Hals steht. So ist eine bedenkliche Entwicklung in diesen Tagen zu beobachten. Die schöne Marie besitzt derzeit eine höhere Wertigkeit. Sicher ist sicher. Trotzdem. Es gibt so einige Aspekte, die dafür sprechen, das Amt als Schiedsrichter zu übernehmen. Gronemeier wirbt offensiv für neue Referees, fragt demonstrativ: „Wo kann ein junger Mensch in seinem Hobby so viel Verantwortung übernehmen? Ich glaube, das Amt des Schiris hat einen sehr guten Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung. Eine, nein, zwei Gruppen in ihrem Spiel so zu leiten, dass man gar nicht auffällt, schnell Entscheidungen treffen und zu den Entscheidungen zu stehen, ist eine super Schule“, treffen seine Worte den berühmten Nagel auf den Kopf. Falls alle Akteure ein zivilisiertes, respektvolles Verhalten an den Tag legen, „macht es sogar richtig Spaß.“ Daher plädiert er dafür, dass konkret mit Kindern im Beisein ihrer Eltern über die Perspektiven als Jungschiedsrichter gesprochen werden sollte. Auch hier kann man  nicht früh genug damit beginnen – bei der Akquise von geeignetem Personal in der Spielleitung. Ein Feierbiest wie der Collina mit Haaren, Timo Franz-Sauerbier, das ist der chronisch coole Meik Gronemeier ganz bestimmt nicht. Gesellig ist er jedoch ebenso, fühlt sich in der Garde der nur mutmaßlichen Einzelkämpfer pudelwohl. „Außerdem sind auch wir Schiris ein Team. Der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen aus dem Kreis oder auch innerhalb des Vereins ist klasse. Ein ganz neues Vergnügen ist es für mich, zusammen mit anderen Schiris Fußball zu gucken und über die Spielleitung des Kollegen zu fachsimpeln”, schmunzelt der Hüter über Recht und Ordnung auf dem Spielfeld.

 

Akkurate Vorbereitung für den Spieltag

 

 

Manche Spötter spekulieren, dass man Meik Gronemeier schon erfolgreich mit Pfeil und Bogen jagen muss, um ihm seine Faszination für den Lokal-Fußball zu nehmen. Andere munkeln, er gehe mit Werl ins Bett und stehe mit Aspe wieder auf. So ist es nur allzu logisch, dass er neben seiner Pfeiferei am Sonntag zudem Coach der E-Jugend bei seinem Heimatverein ist. Dass ausgerechnet sein Pfeif-Tag mit den Partien der SVWA-Seniorenteams kollidiert, stört ihn schon. Und folglich räumt er via Lippe-Kick unverhohlen ein: „Das ist dann wohl der größte Nachteil des Schiri-Lebens.“ Seine Vorfreude lässt er sich deshalb allerdings nicht nehmen. Der Mann mit Pfiff gilt als ein Denker und Lenker, der nicht viel dem Pater Zufall überlassen möchte. Vier Wochen vor dem Matchday erhält er seine Ansetzung. Sein erster Schritt ist es, den kürzesten Weg zum Ort des Geschehens zu konzipieren, hat er die Sportplätze in Ostwestfalen-Lippe in den jüngsten vier Jahren ausführlich kennengelernt. Um seinen Wissensdurst zu stillen, gönnt er sich eine Stippvisite beim lokalen Fußball-Portal seines Vertrauens: „Bei Begegnungen im Lippischen schaue ich mir zur Vorbereitung auch die Einstimmung zum Spiel auf Lippe-Kick an. Dann ahnt man schonmal, was auf einen zukommt. Schließlich sind Matches mit entscheidendem Charakter für Auf- oder Abstieg vor und während des Spiels oft von aufgeladener Stimmung. Dann geht man auch als Schiedsrichter die Sache noch konzentrierter an.“ Der fromme Wunsch: Immerhin sollen doch böse Überraschungen bitteschön vermieden werden.

 

 

Wohlfühlfaktor inmitten vom lippischen Fußball

 

 

Eine pünktliche Anreise lässt das Herz erträglicher, heißt gesünder schlagen. So bleibt noch genügend Zeit für den Volksbänker, um den Platz zu inspizieren, zudem mit den Offiziellen zu sprechen. Nach dem Umziehen erfolgt die Eingabe im Online-Spielbericht, dann wird sich leicht aufgewärmt. „Kurz vor dem Spiel, bei der Kontrolle der Ausrüstung, sage ich meistens nochmal an, wie ich mir die Kommunikation auf dem Platz während des Spiels wünsche. Dann geht es los.“ Wenn der Abpfiff ertönt, folgen die Eingaben im DFBnet, dies in enger Kommunikation mit den Team-Verantwortlichen. Da bei Meik Gronemeier ein schwarz-weißes Herz mit großer Vehemenz schlägt, studiert er schnell die Resultate der Werl-Asper-Teams im DFBnet, ehe auch die Geselligkeit nicht stiefmütterlich behandelt wird. „Manchmal ist anschließend noch Zeit für kurze Gespräche mit Spielern, Trainern oder auch Zuschauern, darunter viele gute Bekannte aus fast 50 Jahren Kreisligafußball.“ Zweifelsfrei, Meik Gronemeier nimmt eine ganz wichtige Rolle in den lippischen Fußball-Gefilden ein.

 

 

 

Bildquelle: Meik Gronemeier privat.

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