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Was macht eigentlich...?

Was macht eigentlich…? Teil 12: Axel Wehmeier

Rund 250 Kilometer südwestlich von seiner ewigen Heimatstadt Lemgo hat es Axel Wehmeier hin verschlagen. Mit ihm machen wir das Dutzend voll in dieser neuen Rubrik, die wir nun bei Lippe-Kick präsentieren.

„Ich habe hier alles richtig gemacht.“

 

Was macht eigentlich..? (hk). „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, riet fürsorglich und warnend zugleich Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Dennoch: Düren-Kick, das klingt doch gut, oder nicht? Der rheinische Begeisterungswille wäre beim Best of Düren-Kick sicherlich größer als bei manch lippischen Akteuren. Jetzt mal ernsthaft. Selten war beim Verfasser dieser Zeilen die Vorfreude vor einem Bericht so gewaltig, sind es doch biografische Hintergründe, die den Reiz potenzieren. Immerhin liegen die Wurzeln der Chefetage von Lippe-Kick im Rheinland, in Köln und eben in Düren. Konkreter: im Epizentrum rund um die Erzberger Straße und die Rütger-von-Scheven-Straße. In der 92.400 Einwohnerstadt, bekannt als Papierstadt, zudem am Nordrand der Eifel zwischen Köln und Aachen gelegen, lebt seit 18 Monaten ein Ur-Lemgoer. Ein lippischer Fußballer vom Scheitel bis zur Sohle. Die Rede ist von Axel Wehmeier, der zuletzt beim TuS Brake – davor beim FC Union Entrup – das Trainerzepter in lippischen Gefilden schwang.

 

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Von Henning Klefisch

 

 

Das ständige Pendeln vom einem Rand von Nordrhein-Westfalen in den konträren Sektor war kräftezehrend. Wenig förderlich für Körper und Geist. Immerhin praktizierte Wehmeier diesen Aufwand über mehrere Jahre. Die A1 wurde sein Buddy für eine geraume Zeit. Durchatmen, denn seit knapp eineinhalb Jahren hat diese Plackerei endlich ein Ende gefunden. Der mehrfache Familienvater wohnt nämlich seit dem 1. November 2019 fest in Düren. Der Liebe wegen, hat ihn doch seine Herzensdame in das schöne Rheinland gelockt. Mit der fröhlichen wie verbindlichen Art in der dortigen Region kommt er exzellent zurecht. Wehmeier arbeitet in der Immobilienabteilung der Sparkasse Düren, coacht zudem einen Fußballverein. Dazu später mehr. „Ich habe alles richtig gemacht“, resümiert der 56-Jährige. Bei Lippe-Kick die Vorzüge vom neuen Leben aufzählend: „Der Rheinländer ist ja ein offener Mensch, es gibt lecker Reissdorf Kölsch, auch die Nähe nach Köln ist attraktiv und so habe ich schnell festgestellt, hier lässt es sich gut leben.“ Die Hansestadt Lemgo wird aus alter Verbundenheit dennoch so oft wie möglich frequentiert. In Corona-Zeiten müssen fatalerweise so einige Stippvisiten gestrichen werden, doch seine Mutter, sein Sohn Norman und einige Freunde halten in der ostwestfälischen Hansestadt weiterhin die Stellung.

 

 

„Habe einen tollen und offenen Verein gefunden“

 

 

Seit rund einem Jahr coacht er also den Dürener B-Liga-Vertreter FC Borussia Derichsweiler 03. In der zweiten Staffel belegt die Borussia derzeit Position elf – mit einer Bilanz von fünf Punkten nach acht Partien. Mit dieser neuen Aufgabe ist der eloquente Trainer hochzufrieden, schwärmt demnach von dieser neuen Herausforderung in den höchsten Themen: „Hier habe ich einen tollen und offenen Verein gefunden, der ein gutes Konzept für die Zukunft, eine recht junge und entwicklungsfähige Truppe hat.“

Was deshalb auch nur mehr als folgerichtig ist: „Ich habe gerade meinen Vertrag auch für 2021/22 verlängert und es macht mir nach wie vor Spaß, als Trainer zu arbeiten.“ Ein entscheidender Unterschied im Vergleich zum lippischen Fußball ist, dass dieser in seiner neuen Wahlheimat „noch einen größeren Stellenwert“ einnimmt. Es gibt deutlich mehr Teams. Zudem verfügt jeder Verein über ein eigenes Sportheim, wodurch selbst die berühmt-berüchtigte „3. Halbzeit“ stets realisierbar ist.

 

„TuS Brake ist mir ans Herz gewachsen.“

 

Wenn Corona nicht wie ein Tsunami über uns hereingebrochen wäre, dann würde es rund um Düren sogar einige D-Ligen geben. In Fußball-Lippe ist solch ein Szenario aktuell völlig undenkbar. Der Leuchtturm-Verein ist der 1. FC Düren. Der ambitionierte Oberligist hat im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München eine äußerst selbstbewusste Darbietung geboten, konnte somit eine hervorragende Visitenkarte für den Dürener Fußball abgeben. Mit Viktoria Arnoldsweiler spielt ein weiterer Vertreter in der fünftklassigen Mittelrheinliga. Dazu nimmt ebenfalls ein Dürener Duo in der Landesliga und ein Sextett in der Bezirksliga am Spielbetrieb teil. Wehmeier registriert mit Wohlwollen in seiner Stimme: „Die Vereine sind noch fast alle eigenständig und es gibt längst nicht so viele Spielgemeinschaften. Da ist das Niveau insgesamt schon nicht so schlecht, ein Vergleich ist natürlich immer schwierig.“ Der lippische Fußball ist allein schon wegen seines Sohnemanns Norman fest in seinem Blickfeld. Dieser kickt für den Lemgoer A-Ligisten VfL Lüerdissen. Seine letzte Station hat es ihm richtig angetan: „Der TuS Brake ist mir sehr ans Herz gewachsen. Da bricht der Kontakt auch nicht ab. Die Lippe-Kick-Berichte sind natürlich auch immer Pflicht“, unterstreicht er diese Aussage mit gleich vier Ausrufezeichen. Explizit der FuL-Kreis Lemgo genießt sein besonderes Augenmerk. Trotz der erklecklichen Entfernung versucht er weiterhin die Verbindung nicht einschlafen zu lassen. Elementar, um in den Spiegel schauen zu können: „Ich habe immer versucht, einen guten Draht zu allen Aktiven, Trainerkollegen und auch den Schiedsrichtern zu halten, was mir eigentlich auch ganz gut gelungen ist und ich glaube, es war immer gegenseitiger Respekt vorhanden. Da möchte ich keinen herausheben, weil ich sonst nur jemanden vergessen könnte.“

 

„Mir fehlt auch etwas.“

 

Bei der Durchforschung der lippischen Fußball-Szene wurde ihm zeitig ersichtlich, dass der lippische Fußball dem eigenen Nachwuchs eine echte Chance gibt. Noch besser: auf diesen setzt. Dass derzeit in der Landesliga keine lippische Note verströmt wird, bezeichnet er als „sehr schade.“ Mögliche Gründe dafür hat er allerdings bereits ausfindig gemacht: „Ich glaube, das ist auch ein echtes finanzielles Brett und vielleicht dann sogar ein Abenteuer“, könnte er mit dieser Aussage Recht haben. Die Planungssicherheit wird durch die derzeit grassierende Pandemielage verkompliziert.  Wehmeier erwartet – wie bereits in der Vorsaison – auch dieses Mal einen vorzeitigen Saisonabbruch. „Alles andere würde auch keinen Sinn ergeben“, meint er. Detaillierter erläuternd: „Je enger das Zeitfenster wird, umso sinnloser wird eine Fortsetzung.“

Den sozialen Aspekt möchte er an dieser Stelle nicht vernachlässigen, fehlt die Gemeinschaft, die Geselligkeit immens. „Das ist schon traurig zu sehen, wie alles im Moment brachliegt, obwohl es auch da entsprechende Konzepte gibt. Auch das führt zu nicht unerheblichen Schäden und mir fehlt da auf jeden Fall auch etwas“, möchte er an dieser Stelle dem gesamten lippischen Fußball alles Gute und vor allem viel Gesundheit wünschen.

 

 

Bild-Quelle: Axel Wehmeier.

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