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Kreisliga C1 Lemgo

SG Lüdenhausen/Talle/Westorf II – „Es gibt keine starren Grenzen.“

Auf einem Aufstiegs-Play-off-Platz rangiert die Zweitvertretung aus dem Kalletal. Lippe-Kick serviert euch hier den Inside-Report.

 

„Die Anfangseuphorie ist verflogen.“

 

Kreisliga C1 Lemgo (hk). Aus einer völlig anderen Epoche. Was waren das nur für Zeiten, als der Autor dieser Zeilen für diverse Sportmedien noch nicht in der Chefetage gearbeitet hat. Glücklicherweise hat sich dieser Zustand mittlerweile geändert, bekommt man keine Schimpfe, wenn der Text etwas auf sich warten lässt. Eine Rubrik schließen wir heute ab. Zumindest für den ersten Teil. Mit dem heutigen Bericht über die SG Lüdenhausen/Talle/Westorf II endet die Serie der Inside-Reports in der Kreisliga C1 Lemgo. Über jedes der neun Teams aus dieser Mini-Liga haben wir nun einen Hintergrund-Text angefertigt. Die Kalletaler, im zweiten Jahr als immer noch taufrische Spielgemeinschaft unterwegs, rangierten vor dem erneuten Lockdown an vierter Position (siehe: https://www.lippe-kick.de/mannschaft/sg-luedenhausen-talle-westorf-ii/. Mittelfeld-Mann Robin Würfel wählt eine klare Rhetorik im Gespräch mit Lippe-Kick.

 

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Von Henning Klefisch

 

 

Im Premierenjahr stürmte LTW II furios auf den dritten Rang in der Lemgoer Land-Liga. Bemerkenswert, wie fleißig die Männer vom Trainer-Trio Felix Preuß (Bild rechts), Niklas Preuß und Sven Hermeier punkteten, waren es stattliche 2, 5 Zähler pro Partie. Die Nord-Lipper surften auf einer wahren Euphorie-Welle. Würfel (Bild links) lobt mit etwas zeitlichem Abstand: „Die Stimmung war grandios und die Motivation in der Mannschaft hoch. Leider kam Corona und die Saison wurde abgebrochen.“ Im Sommer 2020 hellte sich die Pandemie- und die Stimmungs-Lage spürbar auf, weshalb mit viel Tatendrang die neue Saison angegangen wurde. Die Vorfreude war gewaltig in der Post-Tim Schauf-Ära, entwickelten sich doch einige personelle Änderungen. Mit Christian Lukasz und Maik Grenner übernahm ein Trainer-Duo, was für sämtliche drei Seniorenteams verantwortlich war. Bitter für die engagierten Kalletaler, dass nach einem positiven Corona-Fall eine zweiwöchige Kollektiv-Quarantäne nötig wurde, diese Zeit in der Vorbereitung schmerzlich fehlte. Selbst davon ließen sich die LTW-Jungs allerdings nicht unterkriegen, trainierten im Vorfeld der neuen Saison voller Tatendrang – gezielt und akribisch. Einige Optimisten schmiedeten sogar kühne Aufstiegspläne.

 

„Der Zusammenhalt ist bei uns sehr stark.“

 

Würfel ordnet allerdings via Lippe-Kick mit Nachdruck in seiner Stimme ein: „Der reine sportliche Erfolg aber steht bei uns nicht im Mittelpunkt, sondern ist mehr eine freudige Begleiterscheinung. „Elf Freunde müsst ihr sein“, ist eher das Motto unserer Truppe und auch in dieser Saison scheint das den sportlichen Erfolg zu fördern. Eine Truppe von Freunden sind wir auch deshalb, weil es keine starren Grenzen zwischen den Mannschaften gibt. Wenn in einer Mannschaft ein Spielermangel herrscht, helfen die anderen Mannschaften aus, trainiert wird gemeinsam. Genauso, wie man zusammen auch mal das eine oder andere Kaltgetränk zu sich nimmt“, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander auch durch eine gemeinsame Fußball-Vergangenheit oder private Verflechtungen in der Jugend organisch gewachsen. Der Defensivspezialist, präferiert als Sechser, quasi als Staubsauger vor der  Abwehr eingesetzt, hat Vorteile durch diese Symbiose erkannt: „Der Zusammenhalt ist bei uns sehr stark und das fördert auch das Miteinander auf dem Platz.“

 

„Geschlossene Mannschaftsleistung und unbändiger Willen“

 

Im finalen Spiel vor der damals noch nicht abzuschätzenden abermaligen Corona-Zwangspause gelang der Zweitvertretung das Klettern auf den so wichtigen vierten Rang. Mit einem 2:1-Auswärtserfolg beim direkten Rivalen RSV Schwelentrup distanzierten die Hermeier-Jungs die Dörentruper und schoben sich auf den Aufstiegs-Play-off-Platz vier vor. „In diesem Spiel zeigten wir jedoch eine geschlossene Mannschaftsleistung und einen unbändigen Willen. Zwei Faktoren, die uns weiterhin von einem Aufstieg träumen lassen können.“ Lukas Stock traf 180 Sekunden nach dem Schwelentruper Ausgleich zum 2:1-Siegtreffer, belohnte somit eine couragierte Auswärtsleistung. Deutlich weniger glanzvoll performten die Kalletaler beim mühevollen 4:3-Auswärtserfolg auf dem Schiefen Brink beim Kellerkind SC Extertal III. Viel Krampf, wenig Kunst war an diesem Tag zu beobachten. Eine gravierende 1:4-Heimniederlage setzte es am heimischen Erlenhain gegen die aufstiegswillige SG Bega/Humfeld II. Zu viel Breitbandfußball und zu wenig Tiefe produzierte der eigene Spielvortrag. Würfel ruft sich trotzdem in Erinnerung: „Diese Niederlage wird eher negativ im Gedächtnis bleiben. Eine Szene jedoch wird sich jedem Anwesenden ins Gedächtnis gebrannt haben, nämlich der Elfmeter zum einzigen Tor für uns. Einige würden sofort die Aussage unterschreiben, dies sei der beste Elfmeter gewesen seit dem Tor von Andi Brehme 1990 gegen Argentinien“, darf sich Maximilian Lohberg nach seinem Kunstschuss mit freier Schussbahn über diesen ganz besonders ehrenvollen Vergleich freuen. Mit fünf Toren ist Lukas Stock (Bild rechts) der Führende in der teaminternen Kantonisten-Liste. Jan Massow (Bild links) folgt mit drei Toren. Damit hat das Duo gemeinsam mehr als die Hälfte der insgesamt 14 Tore erzielt.

 

Dreier unterstreichen B-Liga-Tauglichkeit

 

Auf dem Höhepunkt der sportlichen Schaffenskraft war man im Auswärtsspiel in Langenholzhausen am 11. Oktober 2021. Der gastgebende und desillusionierte FC Unteres Kalletal II sah bei der 0:4-Heimschmach nur die Rücklichter und Würfel zeigt sich ob dieser runden Darbietung hellauf begeistert: „Die Spielausrichtung und Taktik hat hervorragend funktioniert, wir haben den Ball und den Gegner laufen lassen.“ Nicht nur in diesem Spiel, ebenfalls beim knappen Sieg über den RSV Schwelentrup, auch beim 3:1-Sieg gegen den TuS Brake III, haben die Kalletaler unter Beweis gestellt, dass ihr Potenzial auch für die B-Liga ausreicht. „Wenn der Wille und die Geschlossenheit stimmen“, ergänzt Robin Würfel schmunzelnd gegenüber Lippe-Kick. In diesen Partien traten sie vor allem im Offensivspiel so nassforsch und unbeschwert wie freche Pennäler auf. Sie ließen das Sportgerät mit spannenden Passrouten durch die eigenen Reihen zirkulieren. Ein erfrischender Auftritt der Lüdenhausen/Talle/Westorf II-Equipe. Die Personaldecke nimmt freilich maßgeblichen Einfluss auf die eigenen Erfolgsaussichten. Selbst ohne Kontaktlinsen lässt sich konstatieren, dass Sixpacks eher konsumiert als am Leib präsentiert werden, offenbart Würfel in grundanständiger Ehrlichkeit: „Zu behaupten, wir hätten einen zu dünnen Kader, wäre falsch. Der Anteil von untergewichtigen Spielern in unserem Team ist sehr gering.“

 

Zu viele Zocker, zu wenig Kicker

 

Vielleicht muss sich Lippe-Kick in diesen Tagen den Vorwurf gefallen lassen, zu sehr den Nostalgie-Zug zu fahren. Zum einen ist diese Tendenz dem fehlenden Spielbetrieb geschuldet, zum anderen war die damalige Ära irgendwie unbeschwerter, für den Lokalfußball besser. Heutzutage daddeln viele Jünglinge lieber stundenlang an der Playstation, tummeln sich vermehrt in sozialen Netzwerken herum, meiden das reale Leben. Spöttisch möchte man behaupten: Da zieht sich der Zocker eben leichter eine Sehnenscheidenentzündung als einen Muskelfaserriss zu. Nicht allein der demografische Wandel führt dazu, dass vor allem die nordlippischen Vereine unter eklatanten Nachwuchsproblemen leiden. Der 23-jährige Würfel hat dieses Dilemma erkannt, ergänzt zudem thematisch die „Pandemieregeln.“ Präziser formulierend: „Das Verbot, als Mannschaft zusammen auf einem Platz oder in einer Halle zu trainieren, stellte alle am Anfang vor Herausforderungen. Unsere Übungsleiter hatten sich jedoch schnell überlegt, wie sie uns trotzdem dazu bekommen können, Sport zu machen.“ Der Einfall war raffiniert, da zielführend: „So gab es mehrere Herausforderungen zum Thema Kondition und auch vor dem gemeinsamen Training über Zoom wurde nicht haltgemacht. Letzteres wurde im Winter durch professionelle Trainingsvideos unterstützt, die auch den fittesten unter uns ins Schwitzen brachte.“ Aber Obacht: Solomäßig oder als Duo zu laufen, dieses digital festzuhalten, ist mit einem gemeinsamen Rasentraining face to face nicht zu vergleichen.

 

 

Verzichtbarer Amateurfußball

 

 

Vielfach wurde es in der jüngeren Vergangenheit in den Medien rauf  und runter diskutiert, doch der Lockdown nimmt einen signifikanten negativen Einfluss auf den Lokalfußball. Viele Kicker haben sich erst neue Hobbys gesucht, sich dann diesen gewidmet. Sie haben realisiert, dass der Amateurfußball verzichtbar ist, weshalb sie ihre Fußballschuhe an den Nagel hängen. Robin Würfel hat diesen Negativtrend bereits in den vergangenen Jahren aufmerksam mit Argusaugen beobachtet. „Dass Spieler aufhören, ist aber kein neues Phänomen, ganz im Gegenteil. In den letzten Jahren und Jahrzehnten kann man eine Sache in praktisch allen Fußballkreisen erleben, dass Mannschaften aufgelöst werden oder Vereine in Spielgemeinschaften gehen.“

 

„Möglichkeiten durch einen Zusammenschluss“

 

Ausgeprägter ist diese besorgniserregende Entwicklung in den jüngeren Jahrgängen, wie Würfel erklärt: „Im Jugendbereich ist diese Tendenz extremer wahrnehmbar. Unsere eigene Spielgemeinschaft zeigt diese Entwicklung ganz deutlich. Und doch zeigt sie eben auch, was für Möglichkeiten durch so einen Zusammenschluss entstehen. Unsere drei Mannschaften bieten jedem Fußballer ein zu Hause, egal, ob er vollen sportlichen Erfolg erreichen oder nur die Gemeinschaft erleben möchte. Egal, ob er sich neben seinem Beruf etwas fit halten oder über seine körperliche Leistungsfähigkeit hinausgehen will.“ Am Ende sind es versöhnliche Worte, die das Lüdenhausener Urgestein im Gespräch mit Lippe-Kick wählt.

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