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Schiedsrichter

Der Mann mit Pfiff. Teil 14: Manfred Miske

Schweigen bedeutet Lob. Wenn über sie nicht berichtet wird, dann haben sie eine einwandfreie Leistung gezeigt. Lippe-Kick möchte in der neuen Serie den Spielleitern die Wertschätzung erweisen, die sie längst verdient haben. Klickt euch mal hinein.

„Bitte dem 23. Mann mit Respekt begegnen!“

Der Mann mit Pfiff (hk). Von den Schiedsrichtern wird stets verlangt, dass sie fehlerfrei agieren. Perfektionismus pur. Manche Kreisliga-Spieler schießen mehr hoch als weit, lassen den Ball vom Schienbein weiter abprallen, als andere passen können. Doch die Spielleiter, die müssen ohne Fehl und Tadel agieren, so das Anspruchsdenken einiger. Man sollte selbstbewusst sein, dazu ein hohes Maß an Souveränität und Fußball-Kompetenz mitbringen, um in diesem Stahlbad seinen Mann zu stehen. Auf den ersten Blick ist das Schiedsrichterdasein ein Solo-Kämpfertum. Man gelangt in eine Einzelkabine, ist auch im Spiel meistens auf sich allein gestellt. In seltenen Fällen und bei besonderen Spielen helfen Assistenten an der Seitenlinie aus. Eine echte Konstante in der lokalen Schiedsrichterzunft verkörpert Manfred Miske. Seit beinahe drei Jahrzehnten tanzt so einiges im lippischen Fußball nach seiner Pfeife. Lippisch-sachlich, dennoch mit dem nötigen Begeisterungswillen gesegnet, geht er seinem Dienst nach.

 

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Von Henning Klefisch

 

Miske pfiff bereits Spiele in den lippischen Gefilden, da waren viele der aktuellen Seniorenspieler noch nicht einmal in den kühnsten Träumen geplant. Der mittlerweile 57-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt, war er doch aktiver Fußballer, zugleich zwei Jahrzehnte lang Jugend-Coach in Dörentrup. Hier kam er auch zum ersten Mal in Berührung mit dem Amt des Unparteiischen. Zunächst beschnupperte er das fremde Terrain etwas verhalten, dann allerdings trat bei ihm alsbald die Überzeugung ein, mithilfe dieser neuen Aufgabe, maßgeblich Veränderungen im Kreis-Fußball herbeiführen zu können. Alleinig nach dem Motto, „aus Spaß an der Freude“, quasi ohne jegliche Ambitionen als ausführendes Organ auf dem Spielfeld in Erscheinung zu treten, das widerstrebte seinem engagierten Wesen massiv.

Oder, um es mit den Worten vom passionierten Familienmenschen auszudrücken: „Ich wollte definitiv nicht der beste Schiedsrichter der Kreisliga C werden. So legte ich meine Prüfung im Mai 1992 ab, und begann in der B-Liga und mit Jugendspielen meine Schiedsrichter-Tätigkeit.“ Die erfreuliche Konsequenz: „Schnell merkte ich persönlich, dass ich Gefallen daran gefunden hatte. Mein damaliger Förderer war unser Konrad Schulz, der zu dieser Zeit der oberste Chef der Vereinigung Lemgo war.“ Mit 35 Jahren qualifizierte sich Miske bereits für die Bezirksliga, vier Jahre danach empfing er sogar Landesliga-Weihen.

 

Anspruchsvolles Bewerber-Casting für Landesliga-Weihen

 

Zu höherklassig agierenden lippischen Schiedsrichtern wie Michael Knöner und Lothar Albrink schaute er respektvoll auf. Aufmerksam  studierte er die Mechanismen in der Landes- und Westfalenliga, bevor sein eigener Aufstieg erfolgte. Manfred Miske lernte immer mehr, die Partien mehrdimensional zu lesen, verbesserte dadurch seine Fähigkeiten in der Spielleitung kontinuierlich. Auch in der Schiedsrichterzunft gibt es ein Hauen und Stechen um den Aufstieg. So kämpften 92 Referees um die 16 verfügbaren Landesliga-Tickets im Fußball-Leichtathletik Verband Westfalen. Die Bewerber mussten sich einigen Aufgaben stellen. So beinhaltete die Leistungsüberprüfung je fünf Beobachtungspartien und theoretische Tests.

Im Herbst, Frühling und im Sommer wurden die Anwärter theoretisch und praktisch umfassend getestet, quasi auf Herz und Nieren überprüft. Die Leistungs-Resultate wurden studiert und eingeschätzt. Miske setzte sich durch, erfüllte sich „mit einem wahnsinnigen Ehrgeiz“ sein Ziel im Jahr 2002. Schon vor knapp zwei Jahrzehnten besaß die „sportliche Fitness“ eine enorme Bedeutung. Das ist immer die Grundvoraussetzung, um die relevanten Situationen „in Spielnähe zu bewerten.“ Bemerkenswert ist all sein Eifer neben den beruflichen Hürden. Immerhin ist der vierfache Familienvater im sozialen Bereich als Arbeitspädagoge aktiv. Vorbildlich: Miske rührte in vielen Töpfen. Er leitete einst die Kinderfreizeit in Dörentrup, war 30 Jahre in der Vorstandsarbeit beim TuS Spork-Wendlinghausen. Dazu Ratsmitglied und derzeit sachkundiger Bürger der Gemeinde und Vorsitzender im Freibadförderverein Dörentrup. In seiner Freizeit tankt er ausgiebig Kraft in der Natur beim Wandern, es zieht ihn auch an die Nord- oder Ostsee.

 

 

Antonio Rüdiger gepfiffen

 

Beinahe drei Jahrzehnte lang, von 1987 bis 2016, fand das TBV Lemgo A-Jugend-Bundesliga-Turnier in der damaligen Lipperland-Halle statt. Die Zuschauer strömten begeisterungsfähig wie erwartungsfroh in den Handball-Tempel, boten einen großartigen Rahmen für viele angehende Bundesliga-Profis. Miske ruft sich in seine Gedankenwelt: „Namenhafte Jugendmannschaften gaben sich hier die Ehre. Auch viele bekannte Gesichter traf man in der Halle. Mirko Votava als Trainer von Werder Bremen oder auch die Gäste wie ein Herr Thomas Strunz. Das waren auf jeden Fall unvergessliche Momente, die man gerne in Erinnerung behält.“

Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt, in der Spielzeit 2009/10, übernahm Manfred Miske zusammen mit seinen Assistenten Benjamin Löding und Sascha Kreye die Spielleitung vom Halbfinale des Jugendwestfalenpokals in Lippstadt. Rund 1500 Zuschauer waren Zeuge, wie der SV Lippstadt 09 sich mit Borussia Dortmund duellierte. Der heutige FC Chelsea-Profi und Nationalspieler Antonio Rüdiger kickte damals in den A-Junioren vom BVB. „Ein tolles Spiel, in dem ich ohne Karten ausgekommen bin“, gibt der Porträtierte gegenüber Lippe-Kick zu Protokoll.

 

„Habe mir in Lippe meinen Respekt erarbeitet“

 

Andere Zeiten, andere Sitten, so lautet das Motto für den geänderten Umgang mit den Exekutiven. Miske vermisst von einigen Beteiligten den erforderlichen Respekt, der angebracht wäre, um ein friedliches Miteinander zu beherzigen. In den tieferen Kreis-Ligen, da mangelt es personalbedingt an unterstützenden Vereinsorganen für die Referees. Von der Landesliga aufwärts hingegen besteht eine Verpflichtung, dass die Referees umfassend bei ihrem Einsatz betreut werden. Miske teilt mit einem Lächeln im Gesicht mit: „Hier finden dann auch gute, austauschende Gespräche statt und der Spielverlauf wird noch mal in einer netten Runde Revue passiert.“

Entscheidend ist, dass alle unterschiedlichen Protagonisten ansprechend zusammenwirken. „Die Zuschauer am Rande des Spieles brauchen ihre Emotionen, die zum Fußball gehören. Solange alles im Rahmen bleibt, ist es okay für mich. Leider sieht es auf manchen Plätzen in Lippe und auch anderswo nicht so aus. Da ist der Mann in Schwarz auf einmal der Buhmann.“

Was er sich zukünftig erhofft: „Hier wünsche ich mir, dass die Vereine gemeinsam mit allen Beteiligten dafür sorgen, dass Fußball gelebt wird und man den 23. Mann mit Respekt begegnet. Ich persönlich habe mir hier in Lippe in den vergangenen Jahren meinen Respekt erarbeitet. Fakt ist, es wird immer schwieriger, neue Schiedsrichter zu finden, die bereit sind, diese sportliche Aufgabe zu übernehmen. So müssen manche Schiedsrichter auch schon mal zwei Spiele an einem Tag leiten“, damit Fußball-Partien in Lippe überhaupt stattfinden können.

 

 

Nicht streng, aber regeltreu

 

Es gibt so einige Hilfslinien, um als Referee ein angenehmes Leben zu führen. Eine eindeutig erkennbare Match-Leitung sollte klar umgesetzt werden, ebenso die existenten Fußball-Regeln. Die Präsenz, die Gestik und Mimik, kurzum das Auftreten, das sind relevante Faktoren, damit die Spielleitung in festen Zügeln bleibt. Der Schiedsrichter muss sich mit seiner Aufgabe mit allen Sinnen identifizieren, lässt sich Authentizität an dieser Stelle nicht leugnen. Miske kennt allerdings auch kein Pardon, falls einige Regelbrecher Extravaganzen ausleben wollen. „Natürlich ist jedes Individuum in seiner Person anders, aber alle gemeinsam können wir etwas für das bessere Miteinander tun. So werden bei uns im Kreis die jüngeren Schiedsrichter von Schiedsrichter-Paten begleitet, damit sie unterstützt werden“, um mögliche Gefahrenherde zu lokalisieren, dann geschickt zu löschen.

Als einen „strengen“ Referee bezeichnet sich Miske an dieser Stelle nicht. Dennoch ist er ein leidenschaftlicher Regelhüter, zugleich Anwender von den erforderlichen Maßnahmen. Miske ist ein Referee aus Leidenschaft, betont via Lippe-Kick mit Verve in seiner Stimme: „Jedes Spiel, was stattfindet, ist für mich immer wieder ein neues mit großen Herausforderungen, denen man sich stellen soll. Ich persönlich informiere mich im Vorfeld über die Mannschaften, die ich leiten soll. Natürlich habe ich mir in den letzten 29 Jahren den benötigten Respekt erarbeitet“, darf er sich dies stolz ans Revers heften.

 

 

 

Bild-Quelle: Jörg Mikus, Manfred Miske, Heino Grollich.

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