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Kreisliga A Lemgo

SG Bentorf/Hohenhausen – Das verrückte Leben des Ali Rahmati

Die Geschichte von Ali Rahmati besitzt Dramatik, dazu irre Wendungen, doch der rote Faden bleibt der Fußball, den der Fitness-Trainer vom Lemgoer A-Ligisten SG Ben/Hoh niemals aus den Augen verliert. Lippe-Kick hat die Story hier für euch.

 

 

„Fußball ist ein Lebensstil für mich!”

Kreisliga A Lemgo (hk). So ein „von der Skyline zum Bordstein-Ding“, das gibt es bei Lichte betrachtet nicht, auch wenn Ali Rahmati in den Scheinwerfer gestellt wird. Auch nicht den Hollywood-Epos vom Tellerwäscher zum Millionär. Oder gar die Story vom kleinen Ali, der in seiner iranischen Heimat aus Stöcken rudimentäre Tore bastelte, mit seinen Kumpels zockte, als Ballersatz eine verwitterte Cola-Dose diente. Mitnichten. Es war völlig anders. Einige sagen, sogar weitaus besser. Ali, Freunde dürfen ihn „Ale” nennen, hat einst sogar professionell Fußball gespielt. Für den größten Verein in seiner Heimat. 31 Jahre ist er mittlerweile alt, hat bereits seit einigen Jahren sanfte Fußstapfen als Trainer markiert. Dass der Apfel nicht allzu weit vom Stamm fällt, das ist bei Rahmati äußerst auffällig, denn der Sport besitzt im Hause Rahmati eine exorbitante Wertschätzung.

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Von Henning Klefisch

 

Sein Vater war ehemaliger Profifußballer. „Er hat mich schon sehr früh zum Fußball gebracht und mich darin sehr ermutigt und unterstützt“, berichtet er im Lippe-Kick-Gespräch. Verbal erweiternd: „Wie viele andere Fußballer habe ich meine Fußballkarriere in einer Fußballschule begonnen.“ Er lässt für einen kurzen Moment die Zeit gefrieren, seine Augen werden glasig, ein Hauch von Melancholie breitet sich in der Luft aus, als er via Lippe-Kick reflektiert: „Ich weiß es noch, als wenn es gestern war, als ich das erste Mal auf dem Fußballplatz stand und wusste, das ist mein Leben. Bis heute bin ich diesen Weg weitergegangen.“

 

Im Sauseschritt zu Persepolis

 

Nachdem er die Fußballschule beendete, bekam er im Jugend-Team von Pas Teheran seinen Premieren-Kontrakt. Eine Erkenntnis reifte in ihm unerlässlich. „Ich spürte jeden Tag mehr, dass Fußball nicht nur ein Sport, sondern ein Lebensstil für mich ist.“ Mit Erfolgen wurde das nächste Level erreicht, folgte alsbald die Nominierung für die U16-Nationalelf. Dies war zugleich die Erfüllung von einem lang gehegten Traum. Die Karriere nahm Fahrt auf. Langsam? Quatsch, im Sauseschritt, denn als U19-Kicker von Persepolis Teheran flatterte eine Einladung für die 1. Mannschaft hinein. Wahrlich keine Laufkundschaft, denn Persepolis stellt doch mit zwölf Meistertiteln den iranischen Rekordmeister.

 

 

Zocken mit Karim Bagheri

 

 

 

Glory Life! Während andere Teenager auf den Boxen der hiesigen Diskotheken tanzten, ließ Ali für den FC Bayern des Iran die Kugel kreisen. Bekannte Bundesliga-Cracks wie Ali Karimi, Mehdi Mahdavikia und Karim Bagheri trugen einst das Jersey vom Persepolis Athletic and Cultural Club. Mit Letzterem, einem WM 98-Teilnehmer und einstigem Arminia Bielefeld-Akteur, bestritt Ali Rahmati einige Spiele gemeinsam für den iranischen Prestigeverein. Was für eine gigantische Nummer.

Populär, erfolgreich, eine echte Marke. Mehr als 78.000 Zuschauer finden im Azadi-Stadion, der Heimstätte der „Roten“, Platz. Vor solch einer beeindruckenden Kulisse durfte der Shootingstar spielen. Esteghlal FC ist der große Erzrivale von Rahmatis Ex-Klub. Zugleich ist es ein Lokal-Derby in der knapp neun Millionen Einwohner-Stadt Teheran. In solchen Spielen mutierte das Azadi-Stadion erst recht zu einem dampfenden und stimmungsvollen Hexenkessel.

 

 

„Ich habe meine Träume beendet“

 

 

Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer. Das weiß nicht nur Xavier Naidoo, als er den Soundtrack für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-WM 2006 trällerte. Ein nicht minder passendes Lied für Rahmati, der viele Steine aus dem Weg räumen musste, daraus Brücken baute. Ganz ehrlich: Seine Trainerkarriere steckt immer noch in den Kinderschuhen. Dessen ist sich Rahmati vollauf bewusst. Er möchte Schritt für Schritt die Karriereleiter nehmen, gerne auch eines Tages in einer höheren Liga als Athletik-Coach arbeiten. Einige Personen waren ihm bisher als Steigbügelhalter hilfreich, weshalb er sich nominell bei Klaus Kersten, David Derksen, Tobias Kasper und Marco Evers recht herzlich bedanken möchte.

 

Rückschlag beim OSC Vellmar

 

Sechs Jahre ist es mittlerweile her, als Rahmati seine iranische Heimat aus privaten Motiven zurücklassen musste. Das Fußball-Land Deutschland wurde seine neue Heimat. Ein subtiler Rückschlag, wie er ehrlich bei Lippe-Kick klarstellt: „Hier wollte ich versuchen, mit dem Fußballspielen weiterzumachen und habe für eine Saison beim OSC Vellmar gespielt. Wegen Trainingsrückstand, aber vor allem auch, weil die Lebensumstellung mental viel abverlangt hat, war ich nicht mehr richtig fit für den Profi-Fußball. Deshalb habe ich eine schwere Entscheidung getroffen, meine Träume beerdigt und das Kapitel Fußballspielen beendet“, hört man ihn tief seufzen, als er diesen Satz beendet. Unumwunden beschreibt er die enorme Tragweite, die solch eine Entscheidung selbst für sein mentales Wohlbefinden mit sich brachte: „Das war eine sehr bittere Erfahrung, und es fiel mir schwer, diese Entscheidung zu akzeptieren.“

 

 

„Ich fördere die Leistung der einzelnen Spieler“

 

 

Wo sich die einen Türen schließen, öffnen sich an anderer Stelle welche. Ali Rahmati ließ seinen Denkapparat rotieren, überlegte und entschloss sich, zum Athletik-Trainer ausbilden zu lassen. „Mit meinen Erfahrungen aus dem Profi-Fußball und einer guten Ausbildung möchte ich als Athletik-Trainer im Profibereich weitermachen. Als Spieler war ich mehr auf mich selbst und meine Leistungen fokussiert. Jetzt als Trainer übernehme ich mehr Verantwortung und unterstütze und fördere die Leistung der einzelnen Spieler.“ Weil: „Ich weiß, worauf es ankommt und kann aufgrund eigener Erfahrungen mit meinem ganzen Herzen nachempfinden, wenn ein Spieler enttäuscht oder voller Motivation ist. Ich liebe meinen Job und ich könnte stundenlang davon reden oder ein Buch darüber schreiben, welche Erfahrungen ich machen durfte.“ Beispiele gefällig? Nun gut, Rahmati ist ein hervorragender Geschichtenerzähler, der seine Stimme strippenartig erhöht und senkt, wenn er über sein bewegtes Leben plaudert. Und Abfahrt. „Beim DFLV habe ich erst einmal meine Fitnesstrainer-C-Lizenz gemacht. Aber damit war nicht Schluss. Gleich im Anschluss habe ich die B- und dann auch noch die A-Lizenz bestanden.“ Bevor wir es vergessen. Sport ist sein Lebenselixier, betreibt Rahmati passioniert Fitnesstraining, fährt Snowboard. Natürlich kickt er und schwingt den Tennis-Schläger. Ein Leben ohne Bewegung? Für den Wirbelwind undenkbar. Achtung! Wenn ein Rocky Balboa-Nachfolger gesucht wird, wäre mit Ali Rahmati eine Option passend.

 

 

„Bin sehr dankbar für das Vertrauen in mich“

 

 

Zufriedenheit? Zurücklehnen? Ach was! Weiter, immer weiter. Oliver Kahn würde seine helle Freude an diesem Energiebündel haben, liebevoll seine Hand auf Rahmati` s Schultern legen, ihm respektvoll zunicken. „Ab Mai werde ich in München einen sechsmonatigen Intensivkurs für Athletik-Trainer besuchen. Und ab September plane ich, Sportwissenschaften zu studieren.“ Manche fragen sich, ob bei Ali „Ale“ Rahmati ein Tag wirklich nur 24 Stunden hat. Schläft der Fitness-Junkie überhaupt? Und wenn ja, wie viel? Bei der Spielgemeinschaft aus Bentorf/Hohenhausen, einem ambitioniert wie planvoll agierenden A-Ligisten aus dem Kalletal, arbeitet das personifizierte Duracell-Häschen seit 2019. Evers wollte ihn. Evers bekam ihn. Rahmati beweist ein hohes Maß an Dankbarkeit, wenn er über den Ben/Hoh-Manager spricht: „Ich bin ihm sehr dankbar für das Vertrauen in mich. Marco Evers hat viel Erfahrung und ein großes Ziel für die Mannschaft.

Er investiert sehr viel und trifft gute Vorbereitungen für den Verein. So hat er auch ein gutes Trainerteam zusammengestellt: Tobias Kasper und Severino-Valentino Westhoff. Beide haben viel Fußballerfahrung als Spieler. Tobias hat sogar professionell Fußball gespielt. Severino ist aktiver Spieler und voller Energie. Wir haben nicht nur eine gute Freundschaft, sondern arbeiten auch als Team entschlossen in eine Richtung“, lobt der Porträtierte seine Mitstreiter über den grünen Klee. Womit? Mit Recht, denn diese Erfolgs-Riege weiß, was sie tut. Rahmati ist begeistert. Er, der aus optischen Gesichtspunkten durchaus auch die Rolle als Herzensbrecher in der RTL-Sendung „Gute Zeiten, schlechte Zeiten” besetzen könnte, schwärmt: „Wir bringen unsere Erfahrungen aus dem Profi-Fußball ein und setzen uns hohe Ziele.“

 

 

„Leistungsfähigkeit gesteigert, das Verletzungsrisiko minimiert“

 

 

Erst wurde gesät. So langsam darf die Ernte eingefahren werden. In der Vorsaison liefen die Schwarz-Blauen als Tabellenachter ein. Momentan rangieren sie sogar an fünfter Position (siehe: https://www.lippe-kick.de/mannschaft/sg-bentorf-hohenhausen/. Rahmati ist regelrecht verzückt, wenn er von den Entwicklungsschritten seiner Equipe spricht: „Man konnte in der letzten Saison sehen, dass wir uns zu einer richtigen Mannschaft formiert haben und gemeinsam und entschlossen unsere Ziele verfolgen.“ Er ist für die Fitness der Spieler verantwortlich. Für den umtriebigen Single geht es um den Ausdauerbereich, dazu um Koordination, Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit. Physisch, auch psychisch werden die Jungs ausgiebig gefordert. Von nichts kommt nichts, dessen ist sich Rahmati bewusst. Erfreut anmerkend: „Damit wird ihre Leistungsfähigkeit gesteigert und das Verletzungsrisiko minimiert.“

 

 

„In Lippe mangelt es manchmal an Disziplin und Ehrgeiz“

 

 

Vor dem Saisonstart ging es in die Tiefe, ins Detail. Jeder Akteur wurde von ihm gescannt und dessen Leistung ausgiebig analysiert. Das Training wurde daraufhin akkurat abgestimmt. Selbstredend in enger Kommunikation mit Chef-Coach Tobias Kasper werden stets die Übungseinheiten geplant und durchgeführt. Neue Zeiten, frische Ideen. Seit Anfang November 2020 stecken auch die Ben/Hoh-Kicker in der Corona-Zwangspause. Sie wissen: Wer rastet, der rostet. Zweimal wöchentlich werden deshalb Home-Training-Maßnahmen in kleinen Gruppen über Videoanrufe durchgeführt. Dazu gesellen sich pro Woche zwei Jogging-Einheiten, die sich über eine App einer Überprüfung unterziehen.

Rahmati weiß: „Das ersetzt zwar nicht das normale Training, hält unsere Jungs aber fit und lässt uns in Kontakt bleiben.“ Dass noch einige Etappen in seiner Trainer-Vita zu meistern sind, dessen ist sich der selbst-disziplinierte wie kritische Iraner bewusst. „Mein Ziel ist es, irgendwann in einer höheren Klasse als Athletik-Trainer zu arbeiten.“ Den Fußball im Lipperland sieht er als „gut aufgestellt.“ So hat er doch „viele gute, motivierte Spieler und Trainer“ beobachtet. Indes. Ein unübersehbares Manko: „Es mangelt manchmal an Disziplin und Ehrgeiz, mit dem sportlich noch viel mehr erreicht werden könnte.“

 

 

 

 

Bild-Quelle: Ali Rahmati.

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