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Frauenfussball

Frauenfußball – Die lippische Perspektive während Corona

Der Frauenfußball-Re-Start ist geplant am 29. August 2021. Das ist eine bedeutungsschwere Nachricht. Lippe-Kick-Reporter Björn Schran hat mit Daniel Düwel, dem Chefcoach der SG Alverdissen/Extertal, nicht nur darüber gesprochen.

 

 

„Immer wieder muss man seine Spielerinnen vertrösten”

 

Frauenfußball (bs). Aufgrund der Corona-Krise finden momentan keine Spiele im Amateurfußball statt. Davon sind natürlich auch die Frauenmannschaften betroffen. Doch da zurzeit die Inzidenzwerte immer besser werden, kann es auch bald wieder mit dem Frauenfußball losgehen. Laut Bernhard Brandt, dem Frauen-Staffelleiter der Kreisliga A Lemgo-Herford-Minden, ist der Re-Start für den 29. August 2021 geplant. Deswegen beschäftigen wir uns heute mit dem Thema: „Perspektive im lippischen Frauenfußball in der Corona-Situation“. Dazu hat Lippe-Kick-Reporter Björn Schran mit dem Chefcoach von der Frauenmannschaft aus Alverdissen/Extertal, Daniel Düwel, ein kurzes Interview geführt.

 

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Lippe-Kick: Wie halten Sie die Spielerinnen bei Laune? Was machen die Spielerinnen während der langen Corona-Pause?

 

Düwel: „Derzeit haben wir einen vollständigen Cut gemacht. Die Mädels haben also keinerlei Aufgaben oder Ähnliches von mir bekommen, da ich es nicht fair fände, die Spielerinnen monatelang Kondition und Kraft trainieren zu lassen, ohne ihnen eine klare Perspektive bieten zu können.”

 

Lippe-Kick: Wie schaffen Sie es, dass während des Lockdowns die Spielerinnen das Interesse nicht verlieren?

Düwel: „Als es Mitte März mal hieß, dass es ab April losgehen könnte, haben sich unsere Mädels eigenständig in einer Online-Gruppe registriert und zum Laufen motiviert. Das Ergebnis – Saisonabbruch – ist hinlänglich bekannt. Genau in dieser Unvorhersehbarkeit sehe ich eine große Gefahr für den Amateurfußball.
Immer wieder muss man seine Spielerinnen vertrösten und hoffen, dass es bald besser wird. Diese beschäftigen sich gezwungenermaßen mit Individualsportarten und gewinnen dort plötzlich Spaß daran, sodass es die Frage gibt: Fehlt mir Fußball? Diese Frage werden sicherlich die meisten mit einem klaren JA beantworten, aber es wird in jedem Team sicher auch drei, vier Spielerinnen geben, die sich unschlüssig sind und gegebenenfalls ihre Schuhe an den Nagel hängen.”

 

 

Lippe-Kick: Was glauben Sie, was für Folgen der Ausfall der Spiele, aufgrund von Corona, in der Zukunft haben wird?

Düwel: „Zu Zeiten der kleinen und knappen Kadergrößen kann so etwas zu großen Problemen führen.

Ich werde selbstverständlich mit jeder einzelnen meiner Spielerinnen sprechen, um dieses hoffentlich vermeiden zu können. Denn keine Individualsportart kann die soziale Komponente eines gelebten Teamsports ersetzen.”

 

 

 

 

 

 

Lippe-Kick: Haben Sie Angst um die Entwicklung und Leistung der Spielerinnen?

Düwel: „Die Entwicklung der Spielerinnen hat jetzt natürlich fast ein Jahr gelitten, was gerade bei jungen Spielern große Auswirkungen haben kann. Ich bin aber überzeugt, dieses durch einen vernünftigen Trainingsaufbau nach dem Re-Start abfangen zu können. Während eine klassische Saisonvorbereitung häufig sehr konditionslastig ist, so werde ich den Schwerpunkt in diesem Sommer definitiv auf das Teamgefüge und die Ballsicherheit legen. Eine gewisse Unsicherheit schwebt immer wie ein Damoklesschwert über der Situation.”

 

Lippe-Kick: Wie sehen die genauen Pläne

für den Re-Start im Frauenfußball aus?

Düwel: „Wie entwickelt sich die Serie 2021/22? Das weiß niemand. Ich hoffe jedoch, dass wir aufgrund immer steigender Geimpften in der neuen Saison zum geregelten Spielbetrieb zurückkehren können. Das wäre ein großer Schritt für eine normale Zukunft.”

 

Lippe-Kick: Glauben Sie, dass die Psyche der Spielerinnen darunter leidet?

Düwel„Ja, denn  die Psyche eines jeden Menschen benötigt auch Geselligkeit und Gesellschaft. Ganz besonders die Kinder! Hier sehe ich Fußballer also in keiner Sonderrolle, sondern als eine große Gruppe der Gesellschaft.

 

Lippe-Kick: Haben Sie Angst, dass bei den Vereinen die Sponsoren wegbrechen?

DüwelMit Sponsoren haben wir bisher keine Probleme. Ich möchte diese Chance aber nutzen, um zumindest kritisch zu hinterfragen, ob es tatsächlich angemessen und richtig ist, dass der Verband seinen Vereinen zum Beispiel Beiträge und Strafgelder für zu wenig Schiedsrichter in Rechnung stellt, während diese um jeden Euro kämpfen müssen, Einnahmen wegbrechen und Mitglieder aus Solidarität zum Verein Beiträge bezahlen, obwohl keine Leistungen angeboten werden dürfen. Hier sehe ich ein klares NEIN!

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