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Kreisliga A Detmold

TSV Horn – Ender Ünal äußert sich zur Diversität

München wollte für alle sichtbar ein Zeichen setzen. Optisch war dies nicht möglich, doch in den Köpfen wurden einige Barrieren abgebaut. Lippe-Kick hat mit Ender Ünal über dieses kontroverse Thema gesprochen.

 

„Sport bildet Freundschaften.“

Kreisliga A Detmold (hk). Das muss erst einmal ein Thema schaffen. Sogar Corona rückte für eine gewisse Zeit in den Hintergrund. Die Debatte um Diversität, visuell ausgedrückt in den Regenbogenfarben, dominierte die Schlagzeilen rund um das abschließende EM-Vorrundenspiel von Deutschland gegen Ungarn. Ursprünglich war der Plan, die Fassade der Münchener Arena symbolisch in einem farbigen Lichtband eintauchen zu lassen. Die UEFA verbot dies allerdings – mit einem Hinweis auf die Neutralität, die bitteschön gewahrt bleiben müsste. Auch TSV Horn-Manager Ender Ünal freut sich über Diversität, was so viel wie Vielfalt bedeutet, in jeglicher Hinsicht.

 

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Von Henning Klefisch

 

Der 42-jährige Ünal ist ein konzilianter Zeitgenosse. Einer, der keineswegs mit einem prätentiösen Gehabe ins Rampenlicht drängt. Er verkörpert die gelungene Integration, die emotionsgeladene Identifikation, liebt und lebt seinen TSV Horn – mit jedem Wimpernschlag. Seit einem Vierteljahrhundert sind die rot-weißen Adler ein ganz wichtiger Bestandteil in seinem Leben. Mehr als nur ein Fußballverein. Es sind Freundschaften entstanden. Es gibt Tage, da geht er mit seinem Türkischen SV Horn ins Bett und steht mit diesem auf – zumindest gedanklich. Erst als Spieler, dann als Betreuer, ehe er immer mehr Verantwortung übernahm. Als Vorstand, Mitglied der Geschäftsführung, seit einigen Jahren als fleißiger Manager, der Hummeln im Hintern hat, so munkelt man mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

 

„Wie du in den Wald schreist…“

 

Ünal ist keiner, der mit Scheuklappen durch das Leben rennt, nur von morgens bis mittags denkt. Nein, seine Sinnesorgane sind empfänglich für das, was in der Welt passiert. Mit typisch deutschen Redewendungen ist er per Du, zitiert er via Lippe-Kick an dieser Stelle gerne: „Es gibt ein Sprichwort: Wie du in den Wald schreist, so kommt es zurück.“ Fortführend: „Dieses haben wir versucht, unseren Spielern beizubringen und es fruchtet.“ Im Leben im Allgemeinen und im Fußball im Konkreten bekommt jeder, was er verdient. Ünal gibt zu Protokoll: „Sicherlich kommt es in einem Spiel vor, dass man benachteiligt wird, aber es gleicht sich immer aus. Dafür wird man mal in einem anderen Spiel nicht benachteiligt, sondern der Gegner.“

 

Luxusprobleme im deutschen Fußball

 

Über Nostradamus-Skills verfügt der integre Malocher nicht. Wenn er spricht, gibt es nur einen leichten Hauch von Kakofonie. Ünal arbeitet viel mit Metaphern, mit einer facettenreichen Bild-Rhetorik. „Man muss die Glas-Kugel von zwei Seiten sehen. Eine türkische Amateur-Liga und türkische Schiedsrichter oder deutsche Teams gegen türkische Mannschaften? Wenn ich diese Frage den Jungs stelle, fangen die alle an zu lachen.“ Die Quintessenz, die beruhigender als Kamillentee wirkt: „Also – uns geht es hier sehr, sehr gut“, möchte Ünal  jetzt kein Klagelied anstimmen.

 

„Nicht mit diesen Jungs.“

 

Ohne ausufernde Anatomie-Fähigkeiten intus konstatiert Ender Ünal: „Auch der Schiedsrichter ist nur ein Mensch.“ Zugleich mit einem hoffnungsvollen Blick appellierend: „Wir müssen lernen, dass die Schiedsrichter ein Teil von dem sind, was wir tun.“

Damit einhergehend sollte den Schiedsrichtern eine höhere Fehlertoleranz gestattet werden. „Wenn es den einen Referee gibt, der wirklich aus irgendwelchen Gründen gegen dich pfeift, musst du als Team so stark sein, gleich zwei bis drei Buden zu schießen. Sodass der Schiedsrichter sagt: „Nicht mit diesen Jungs.“ Ünal hat schon einiges erlebt, erzählt exklusiv aus seinem reich gefüllten Nähkästchen: „Ich habe auch schon erlebt, dass wir geschlossen den Gegner und den Schiedsrichter stillgelegt haben und der in der zweiten Halbzeit ganz anders gepfiffen hat, als wäre ein anderer Mensch auf dem Platz.“ Resultierend konstatierend: „Es geht alles. Wir müssen lernen, dass es Sport ist und Sport bildet Freundschaften.“

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