Connect with us

Kreisliga B2 Lemgo

TuS RW Grastrup/Retzen III – Die Gründungs-Geschichte

Eine neue Mannschaft ins Leben zu rufen, muss gut geplant sein. Das dachten sich auch die Rot-Weißen aus dem fußballverrückten Grastrup/Retzen. Hier ist Teil 1.

 

 

„Man will dem Verein ja was geben!“

 

Kreisliga C2 Lemgo (hk). Die Auguren waren felsenfest davon überzeugt. Sie verschränkten ihre Arme, hoben den Kopf, blickten dem Reporter tief in die Augen und wirkten dabei so staatsmännisch, als hätten sie gerade per Handstreich eine Steuerreform durchgedrückt. Ihr Statement war klar, der Kiefer verschob sich furchteinflößend: „Die C-Ligen verkleinern sich, die Reserveteams wollen sich nach der quälend langen Corona-Zwangspause nicht aufraffen, genießen lieber ihre Freizeit mit anderen Inhalten als mit Fußball.“ Ja, Kruzifix. In der Casa Klefisch wurde Klartext gesprochen, wenn der eine oder andere Vereinsvertreter auf dem Rondell gastierte. Die pure Idylle mit der Gartenbahn, dem Bachlauf oder dem Springbrunnen, dazu fröhlich pfeifende Vögel, bot die Kulisse für ein Schreckensszenario, was die Propheten für den lippischen Fußball an den Horizont malten. Puh. Zum Glück irren sich auch mal die Gelehrten aus dem Abendland, denn Teams wie der SV Wüsten, der SC St. Pauli oder auch der TuS Almena haben nun eine weitere Reservemannschaft ins Leben gerufen. Und: Der Turn- und Sportverein aus Grastrup/Retzen bekommt zur neuen Spielzeit eine dritte Mannschaft.

 

Ihr wollt den Führerschein machen? Eure Fähigkeiten auffrischen? Dann ab zu:

 

 

 

Von Henning Klefisch

 

In jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Doch das Ende ist trotzdem meist grausam. Niklas Prante musste so einige Rückschläge verkraften. Gleich zweimal riss er sich die Bänder. Auch sein Knie bereitete dem smarten Sunnyboy so einige Kopfschmerzen. Zugleich vernahm man das Seufzen der Erleichterung durch ganz Grastrup/Retzen, räumt doch auch Prante ehrlich via Lippe-Kick ein: „Viele Anwohner der Sportplätze atmeten auf und die Aktienkurse der Glaser- und Fensterbauer sind dramatisch eingebrochen, als es dann nach dem Trainingsauftakt für mich eindeutig klar wurde: Lass es lieber.“ Noch 48 Stunden nach einer Einheit humpelnd durch die Gegend zu keuchen und zu kriechen? Nicht mit dem stolzen Prante. Weshalb dieser selbstkritisch einräumt: „Es muss jemand anders die Zuschauer und Trainingskiebitze durch Querschläger in Gefahr bringen.“ Einige feuchte Augen wurden sichtbar, denn Prante versinnbildlichte stets das Mentalitätsmonster deluxe. Quasi den Mark van Bommel aus Grastrup/Retzen. Einer, der Zeichen zu setzen imstande war.

 

Prante als Fachkraft für Passwesen?

 

Timo Drechshage (Bild rechts) gilt als kommunikativer und indulgenter Zeitgenosse. Fußball ist für den leidenschaftlichen 1. FC Köln-Anhänger sein Lebenselixier. Mantraartig bläute er dem arg malträtierten Prante ein: „Ich kenne dich. Du bist Bolzer. Wenn du jetzt schlagartig aufhörst, wirst du wahnsinnig. Da fehlt dir viel. Versuche es wenigstens.” Drechshage sprach nichts als die Wahrheit. Prante, durchaus zur Gattung der Fußballsüchtigen zählend, konnte nicht einfach so mit der mutmaßlich schönsten Nebensache der Welt aufhören. RW-Obmann Lothar Johannmeier suchte er auf, fragte, ob denn nicht eine Stelle im Passwesen vakant wäre. Pflichtbewusst begründend: „Man will dem Verein ja was geben.“

 

Erst denken, dann handeln

 

Wer selbst einmal Fußball gespielt hat, dem ist diese innere Qual allseits bekannt. Man gehört bei einem Match dem Kader an, doch kommt nicht zum Einsatz. Und dafür einen erklecklichen Teil vom Sonntag opfern? Niemals, so dachten es sich auch die Rot-Weißen aus der Nähe von Bad Salzuflen. Sie ließen folglich die Idee reifen, eine Drittvertretung zu gründen, „um allen Spielern die Möglichkeit zu geben, für Rot-Weiß am Sonntag die Schuhe zu schnüren.“ Nur zwei Wochen liefen ins Land, als Prante gerade seinen Rucksack packte – für den Urlaub mit dem Moped. Plötzlich bimmelte sein Handy. Drechshage war an der anderen Leitung und Prante demonstriert ein Elefantengedächtnis, bei Lippe-Kick zitierend: „Ja, moin, Timo hier. Störe ich dich? Kannst du Montag mal vorbeikommen, der Vorstand, Sebastian Milde und ich haben lange gesprochen und sind dann auf die Idee gekommen, dass du die erste Adresse für unseren verlängerten Arm für die 3. Mannschaft wärst.”

Endorphine durchströmten Prantes tätowierten Körper. Seine Augen glänzten wie Kristalle und spontan imitierte er die Kuntz-Säge. Doch, warte mal. Solch eine Entscheidung sollte nicht einfach so über das Knie gebrochen werden. Prante rief zur Contenance auf, empfahl sich selbst: „Erst nachdenken, was es mit sich bringt und ob ich dem Ganzen gerecht werden kann“, dominierte hier die Vernunft.

 

„Für mich ideal, von beiden zu lernen.“

 

Der Weg vom Moped gen Treppenhaus war nur einige Meter lang. Quasi ein Steinwurf. Von einem drei Jahre alten Kind. Ergo: eine verschwindend geringe Zeit. Rasend schnell wuchs folglich bei Prante die Zuversicht, dieses Amt mit Leben ausfüllen zu wollen. Besoffen vor Glück jubilierte er im Lippe-Kick-Gespräch: „Geil. Mit den beiden Trainern als Ansprechpartner und den Leuten drumherum wird das eine richtig gute Sache. Das machst du.” Freunde der Sonne, es wird noch besser. Nach seinem wohlverdienten Urlaub hing für Niklas Prante der Himmel voller Geigen. Bei der juvenilen Besprechung wurde ihm eröffnet, dass Mannschaftskollege Sören Bertram ebenfalls das Team begleitet. Prante ist tief beeindruckt: „Die Gespräche waren komplett im Einklang. Sebastian und Timo haben ein klares Konzept für die drei Mannschaften. Für mich ist es ideal, von beiden zu lernen.“

 

„Es wäre ein starkes Zeichen des Amateurfußballs in Lippe.“

 

Vor dem Erfolg hat der liebe Gott allerdings den Schweiß gesetzt. Prante erkennt in der neuen Drittvertretung eine „Riesen-Chance, aber auch eine Riesen-Aufgabe.“ Weiter fortführend: „Aber mit den Voraussetzungen und der Manpower birgt es großartiges Potenzial, allen Spielern die nötige Spielzeit zu geben, um sich selbst und den Fußball in Retzen weiterzuentwickeln. Das ist aus Vereinssicht einfach geil“, grinst er. Wohlwissend, dass ihn die vielen neuen Teams außerordentlich glücklich machen. Seine Hoffnung: „Wenn das alles hält, wäre es ein starkes Zeichen des Amateurfußballs in Lippe, dass wir wieder mehr Spieler auf den grünen Rasen kriegen“, um die Skeptiker somit christlich sachte, aber dennoch bestimmt ins Fantasialand zu schicken.

 

„Ich habe Bock auf Fußball.“

 

Niklas Prante ist kein Effenberg oder Basler. Die laut und populistisch lospoltern, irgendwelche Ziele ausrufen, um Schlagzeilen zu produzieren. Für Schlagzeilen soll lieber seine Mannschaft auf dem Spielfeld sorgen. Das Miteinander steht ganz weit oben im Ranking der Erfolgspyramide. „Uns nicht verstecken. Unsere Aufgaben kennen und den Fußball spielen, den wir im Training lernen”,  liest er seine Wunschliste vor.

Pragmatismus möchte der hemdsärmelige Prante vorleben. Halbstündige Ansprachen, diese untermalt mit einer stylischen Power-Point-Präsentation, wird er nicht halten. Ebenso wenig wird er seine Spieler im Barfuß-Modus über heiße Kohlen oder Glasscherben laufen lassen, um den Glauben an das eigene Tun zu manifestieren. Nein, Prante treibt seine schier grenzenlose Lust auf das Kicken an, was er nachdrücklich bei Lippe-Kick betont: „Ich habe Bock auf Fußball. Ich habe Bock auf jede Einheit, auf jeden verdammten Sonntag auf den Fußballplätzen Lippes. Und vor allem habe ich Bock auf Retzen. Und“, wird diese Sehnsucht bald gestillt, „wie sehr ich mich freue, die anderen Teams nach der langen Zeit mal wieder zu treffen. Es wird eine geile Zeit“, so seine aussagekräftigen Schlussworte.

More in Kreisliga B2 Lemgo